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  • DE-35390 Gießen
  • 10/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-39837)

Fachhochschule Gießen-Friedberg


  • Anerkennung


    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Mola + Winkelmüller Architekten GmbH BDA, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Mitarbeit:
    Dipl. Ing. Carsten Maerz, Dipl. Ing. Kristin Noack, Dipl. Ing. Benjamin Wille

    Leitidee und Gesamtkonzeption – „Campus als Netzwerk“ (Städtebauliche Konzeption)

    Die Stärkung der Verbindung Weststadt - Innenstadt - Wieseck Aue - Landschaft als ein Ziel der aktuellen Stadtentwicklung von Gießen erhält mit der Landesgartenschau 2014 einen für den Entwicklungsprozess elementaren Baustein und Impulsgeber.
    Der zwischen Landesgartenschau und Innenstadt gelegene Anlagenring und seine gliedernden, zentralen Verbindungsachsen bilden hierbei in Zukunft die stadträumliche Schnittstelle zwischen Innenstadt und Parklandschaft.
    Die Rolle der Fachhochschule in diesem bisher heterogenen Stadtgefüge liegt nicht nur in der Stärkung der eigenen baulichen Präsenz, sondern vor allem in der Verknüpfung der Campusbereiche mit dem angrenzenden Stadtraum.
    Innerhalb des Anlagenrings liegen repräsentative, das Stadtbild prägende öffentliche Gebäude wie Gericht, Rathaus, Konferenzzentrum und die FH. Diese liegen an den zentralen Verbindungsachsen zwischen der Innenstadt und den Randbereichen.
    Dieses polyzentrische Konzept aktiviert und unterstützt den Transformationsprozess der angrenzenden, heterogen geprägten Stadträume.
    Die FH nutzt somit die Chance mit einem integrierten Konzept ihren Beitrag für die Entwicklung der Gesamtstadt im Diskurs mit der Stadtgesell-schaft zu leisten.


    Vernetzende Raumfolgen – „Campus als Stadt“ (Freiraumkonzept)

    Mit den vorgeschlagenen städtebaulichen Setzungen entstehen Raumfolgen, die die Campusbereiche in das öffentliche Freiraumsystem der Stadt integrieren und fortführen. Die Quartiere zeigen sich offen und durchlässig, sie werden ein selbstverständlicher Teil der Stadt und ergänzen diese um prägnante neue Räume. Für die Hochschule entstehen prägnante Adressen und Oberflächen, die ihre Erscheinung in der Stadt nachhaltig verändern.
    Das Forum als städtischer Platz, der Campus-Park, der Werkhof, der ruhige Gartenhain: Bewusst werden klare Typologien gesucht, die Ausdruck sind für ihre Atmosphäre, den Grad der Belebtheit und der Öffentlichkeit. Baumreihen, Baumfelder und Alleen unterstützen die bauliche Ordnung, sorgen aber auch auf den urbanen Räumen für aufgelockerte Kulissen und eine hohe Aufenthaltsqualität. Der Verwendung von Materialien und Möblierung liegt ein übergeordnetes und verbindendes Konzept zugrunde.
    Die stadträumliche Dominante an der die Standorte der FH liegen ist sicher zunächst der Anlagenring mit seinen Dimensionen, den repräsentati-ven Gebäuden und Grünanlagen. Angesichts des verkehrlichen Ausbaus und der Verkehrsfrequenz ist die Ostanlage für Fahrradfahrer und Fuß-gänger zwischen den Standorten allerdings nur bedingt attraktiv.
    Mit der Promenade an der Wieseck und der umgebauten Ringallee wird nun eine zweite Erschließungsschale gestalterisch aktiviert, die die Cam-pus-Quartiere auf der Süd- und Ostseite umspannt. Die Wieseck wird dabei durchgängig naturnah ausgebaut, erhält aber einen verbindenden Promenadenweg mit prägnanten Balkonen über dem Bach. Die Ringallee wird in ihrem Charakter als Parkrandstraße gestärkt. Siedlungsseitig werden die Gehwege aufgewertet und mit Baumpaaren bepflanzt. Dabei werden die Baumscheiben in den Parkstreifen geschoben, das Profil damit optisch reduziert. Die Vorgartenbereiche der Wohnscheiben werden in die Gestaltung einbezogen, erhalten fassende Hecken und auflo-ckernde Einzelbäume.
    Als verbindendes Element zur Verknüpfung der FH-Standorte wird ein sehr einfaches pflanzliches Motiv vorgeschlagen: Geschnittene rotlaubige Hecken und Pflanzkörper begleiten die Gehwege: linear an der Wieseck, lamellenartig an der Ringstraße. Wie ein natürliches Leitsystem verbin-den sie die Orte und auch das tatsächliche Leitsystem ist jeweils in die Gehölzbänder eingesetzt.


    Verkehrsanbindung – „Campus im Netz“ (Erschließungskonzept)

    Während am Anlagenring, insbesondere an der Ostanlage, der Individualverkehr dominiert, wird in und zwischen den Campusbereichen der Fahr-rad- und Fußgängerverkehr gestärkt. Die Wiesenstraße wird zum Shared-Space zurückgebaut und bildet den Übergang zum Forum. Das Forum ist ebenfalls eine, beispielsweise für die Anlieferung der Mensa, befahrbare Fläche und zentraler Fahrradparkplatz. Weitere Fahrradstellplätze befinden sich jeweils in den anderen Campusbereichen. Der Radweg in der Nordanlage wird bis zur Ringallee verlängert.
    Die zentrale Tiefgarage unter der Bibliothek und dem Hörsaalzentrum wird direkt vom BAB-Zubringer Ringallee erschlossen, das Parkhaus von der Eichgärtenallee aus. Die Tiefgarage unter dem Institut für Bauwesen wird von der Südanlage erschlossen. Insgesamt sind 825 Stellplätze und 688 Fahrradstellplätze vorhanden; zusätzlich sind auf dem Messeplatz weitere 750 Stellplätze möglich. Die Andienung der Laborhalle für Schwer-lastverkehr ist von der Moltkestraße aus über den Werkhof gewährleistet.


    Räumliche und gestalterische Qualitäten – „Campus als Vermittler und Schnittstelle“ (Stadträumliche Integration)

    Die Quartiere an der Ostanlage sind heute von räumlichen Brüchen und Maßstabssprüngen geprägt. Die räumliche Ordnung der neuen Campus-bereiche wirkt hier klärend und vermittelnd: Die Standorte werden entlang Ihrer äußeren Ränder im jeweiligen Kontext mit dem öffentlichen Raum der Umgebung verzahnt, dieser klar gefasst und repräsentative Adressen ausgebildet.
    Die Raumfolgen im Blockinnenbereich überwinden darüber hinaus stadträumliche Defizite. In Kubatur und Körnung wirken die neuen Raumfiguren vermittelnd. Mit Ausnahme des exponierten Hochpunktes am Schwanenteich verzichtet der Entwurf auf freigestellte Solitärbauten und arbeitet mit raumdefinierenden, verzahnten Baukörpern. Rücksprünge, Arkaden und Gebäudeunterschnitte geben den Räumen Führung, Orientierung und hierarchisieren die jeweiligen Orte. Die feingliedrigen Stereometrien der Körper korrespondieren dabei mit der kleinteiligeren Villenbebauung am Anlagenring. Andererseits nimmt die Höhenentwicklung und bauliche Präsenz Bezug auf die repräsentativen Gebäude im Anlagenring. Der Hoch-punkt im Quartier an der Wiesenstraße übernimmt weiterhin als Merkzeichen eine besondere Rolle in der Stadtsilhouette.


    Flexibilität, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit – „Campus im Prozess“ (Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit)

    Der Entwurf liefert eine zukunftsfähige städtebauliche Grundstruktur, welche zunächst den Anforderungen der FH gerecht wird und darüber hinaus flexibel und offen auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren kann.
    Der pragmatische Ansatz des Entwurfs liegt in seinen umsetzungsorientierten, kleinteiligen Einzelbausteinen. Robuste Baufelder und flexibel interpretierbare Baukörper sind dabei im Prinzip für verschiedene Flächen und Raumansprüche nutzbar.


    Campusbereich Wiesenstraße – „Das Herzstück zwischen Schloss und Aue“

    Der Bereich Wiesenstraße übernimmt stadträumlich eine Gelenkfunktion im Anlagenring und stellt mit der Bündelung der Sonderfunktionen Men-sa, Hörsaalzentrum und Bibliothek am neuen Campus-Forum an der Wiesenstraße das Herzstück des Campus dar.
    Die Baukörper sind als Ensemble von eigenständigen Charakteren zu lesen, welche zusammen eine starke Einheit bilden. Jeder der Baukörper entwickelt aufgrund der ihm eigenen Nutzung eine Identität, welche sich in unterschiedlicher Geometrie und Fassadenstruktur widerspiegelt. Als verbindendes Element dient das einheitliche Fassadenmaterial. Eine Natursteinfassade - die je nach Nutzung und Anforderung - in unterschiedli-cher Intensität perforiert ist, betont die Kubatur der Baukörper und schafft klare Raumgrenzen. Städtebauliche Bezüge werden durch Subtraktion des Volumens hervorgehoben. Der dem neuen Platz zugewandte Gebäudeunterschnitt unter Bibliothek (V) und Hörsaalzentrum (IV) leitet zentral ins Quartiersinnere und zur Wieseck, die unterschnittene Ecke der Mensa (IV) inszeniert einen Nebenweg entlang der rückwärtigen Gärten zur großzügigen untergeschobenen Mensaterrasse am Wasser. Südlich der Wieseck liegt der zentrale Campus-Park, welcher nach Westen und Sü-den von den Institutsbauten (III) und den Sonderlaboren (III) gefasst wird und nach Osten den Hochpunkt (VII) umfließt und so die räumliche Um-leitung zu den Terrassen am Schwanenteich formuliert.
    Die Institute für Elektrotechnik, MNI, SUK und MMEW sowie die Sonderlabore ermöglichen in ihren lagernden Mäander- und Blockstrukturen die Verzahnung und höhenmäßige Einbindung in die Umgebung sowie die Integration des Bestandsgebäudes. Außerdem bieten die zahlreichen abgeschirmten internen Werkhöfe Raum für Anlieferung, temporäre Versuchsaufbauten und flexible Aneignung. Weiterhin sind belebende Nutzun-gen (studentische Serviceeinrichtungen, Gastronomie, kleine Läden) in den Erdgeschosszonen am Campus-Park und entlang der Arkaden zum Schwanenteich möglich.
    Das weniger raumgreifende Institut der Wirtschaft ist im Hochpunkt am Schwanenteich untergebracht, wobei Teile des Erd- und Dachgeschosses Serviceeinrichtungen und Sondernutzungen, wie einer Panoramalounge, vorbehalten sind. Architektonisch wird der Baukörper über zum See orientierte Arkaden an die angrenzenden Institutsbauten angebunden, welche sich im Osten fortsetzten und ein einheitliches Erscheinungsbild nach außen vermitteln.
    Freiräumlich stellt die aufgewertete Wieseck die Schnittstelle dar, zwischen den hochfrequentierten Räumen um das Forum und dem ruhigeren Campus-Park. Der Park wiederum dient als Gelenk für die Binnenerschließung des Quartiers und die Anbindung der neuen Stadtterrassen am Schwanenteich. Über die Ringallee hinweg werden hier ausdrücklich Bezüge hergestellt. Die Terrassen mit dem neuen Gast-Garten und einem lichten Baumhain treppen sich zum Wasser ab und es entsteht eine geschützte Uferkante – ein hochattraktiver Ort der Begegnung für Studierende und die Stadtöffentlichkeit.
    Angesichts der Zentralität und des repräsentativen Charakters des Campusbereichs Wiesenstraße wird das Parken im Freiraum hier weitgehend vermieden. Die Stellplätze werden zum einen als Tiefgarage im Bereich des Hörsaalzentrums und der Bibliothek sowie als Parkhaus im Bereich der Institute untergebracht. Die Zufahrten erfolgen von der Ringallee wie auch von der Eichgartenallee. Die Wiesenstraße geht als Shared-Space in dem räumlichen Kontinuum des Forums mit auf und verbindet so mit den bestehenden FH-Einrichtungen im Nordosten. Ein zentraler Fahrrad-stellplatz entsteht unter dem Baumdach vor der neuen Mensa.


    Campusbereich Gutfleischstraße – „Campus zwischen Schirmer´scher Park und Wieseckaue“

    Das MNI und KMUB erhalten ihre Hauptadresse in einem in die Tiefe entwickelten gemeinsamen Block (III) an der Gutfleischstraße. Das restliche Raumprogramm wird in Addition der gereihten Baukörper entlang der Ringallee mit zwei gekoppelten Baukörpern (III) fortgeschrieben. Als verbin-dendes, übergreifendes Freiraummotiv wird der Schirmer´sche Park zurückhaltend entwickelt und über den Campusbereich mit der Wieseckaue verknüpft. Ein durchgängiger Parkweg und die neuen Campuspromenaden vernetzen den John-F.-Kennedy-Platz, die Gutfleischstraße, die Ring-allee, den Messeplatz, und die Wieseckaue. Stellplätze entstehen hinter dem Neubau an der Gutfleischstraße, angebunden über die innere Cam-puspromenade.


    Campusbereich Ostanlage – „Campus und Garten“

    Der Erweiterungsbau (III) der an der Ostanlage untergebrachten Verwaltung liegt an der Straße am Alten Gaswerk zwischen Verwaltung und Parkhaus. Der Straßenraum wird gegenüber den solitären Baukörpern des Rathauses klar gefasst und schafft die notwendige Kulisse. Somit wird nach innen ein von der Straße abgeschirmter Gartenbereich geschaffen. Der Erhalt der als abrisswürdig eingestuften Villa wird aufgrund ihrer historischen Substanz nochmals optional zur Diskussion gestellt. Die vorhandenen Stellplätze bleiben erhalten, werden jedoch neu geordnet. Der Baumbestand im Innern des entstehenden Raumes wird etwas gelichtet und als schattiger Hain in einem Lesegarten entwickelt.


    Campusbereich Südanlage – „Campus an die Wieseck“

    Die Erweiterung der Fakultät für Bauwesen baut auf der typologischen Grundstruktur des Blocks auf. Die denkmalgeschützte Villa bildet den Kopf zur Südanlage, der zentrale Weg zum Wasser bleibt von Bebauung freigehalten. Entlang der Grundstücksgrenze/Mauer nach Westen wird ein eingeschossiger Werkstattflügel durchgesteckt, welcher an der Wieseck in einem die bestehende Villa ergänzenden Kopfbau (III) endet. Auf den Werkstattflügel werden die Seminarräume aufgesetzt und formulieren in Ihrer Auskragung zur Bismarckstraße den Übergang zu den vorgelagerten Freiräumen. Diese werden als baumüberstandener Hof interpretiert, der zum Parken, als Werkhof und für Veranstaltungen genutzt wird.


    Bauabschnittsbildung – “Campus im Aufbruch” (Realisierung in Bauphasen)
    Das Konzept sieht grundsätzlich neue Standorte für Sonderfunktionen wie Hörsaal, Mensa und Bibliothek vor, um Provisorien und Zwischenunter-bringungen zu vermeiden. Um dennoch die notwendigen Spielräume für die Neuordnung im kompakt bebauten Campusbereich Wiesenstraße zu schaffen, erfolgt in einer ersten Phase der Neubau der auszulagernden Funktionen auf die drei peripheren Standorte, da hier das notwendige Bauland sofort zur Verfügung steht.
    Bereits in einer frühen Phase sollte das Institut für Wirtschaft vorübergehend extern untergebracht werden, somit können im Folgenden im Bereich Moltkestraße/Eichgärtenallee neue Sonderlaborflächen und die Institute für MNI, EL und MMEW sowie das notwendige Parkhaus untergebracht werden.
    Der sukzessive Lehrzug der Gebäude A, B und C ermöglicht zunächst nach Abriss von Gebäude B den Neubau von Mensa und Hörsaalgebäude unmittelbar nördlich der Wieseck. Hiernach wird Gebäude A, welches bisher Mensa und Teile der Hörsäle unterbrachte, abgerissen und durch den Neubau der neuen Bibliothek ersetzt. Danach wird Gebäude C abgerissen und an dessen Stelle die Gebäude für die Inst

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.