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  • DE-22047 Hamburg
  • 11/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-54709)

Konzernzentrale Jungheinrich AG


  • 1. Rang

    Perspektive, © architekten prof. klaus sill + assoziierte GmbH

    Architekten
    architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Sill

    Mitarbeit
    Lorenz Tettenborn

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: KLIMAhaus Klima- und Gebäudetechnik GmbH, Quickborn-Heide (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Grimm, Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE)
    Bauingenieure: ASSMANN BERATEN + PLANEN AG, Berlin (DE), Braunschweig (DE), Dortmund (DE), Dresden (DE), Frankfurt (DE), Hamburg (DE), Leipzig (DE), Magdeburg (DE), München (DE), Stuttgart (DE), Moskau (RU), Teheran (IR)
    Brandschutzplaner: Ingenieurbüro T. Wackermann GbR, Hamburg (DE)
    Energieplaner: IPJ Ingenieurbüro P. Jung GmbH, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU
    „Es soll ein modernes, architektonisch ansprechendes, funktionales, wirtschaftliches und energieoptimiertes Bürogebäude mit ca. 13.000 m2 Bruttogeschossfläche im südlichen Abschnitt des ca. 14.200 m2 großen Grundstücks der JUNGHEINRICH AG am Friedrich-Ebert-Damm entstehen.“

    Der vorhandene Stadtraum am Friedrich-Ebert-Damm weist keine eine einheitliche Gebäudeflucht an seiner südlichen Kante auf. Jedes Gebäude verhält sich autark und ist nach eigenen städtebaulichen und funktionalen Kriterien strukturiert.
    Der Neubau der Konzernzentrale der JUNGHEINRICH AG reagiert auf diese Situation: Er nimmt das Prinzip der verspringenden Fluchten der Umgebung auf. Gleichzeitig wird er auf dem zur Verfügung stehendem Grundstück so weit nach Norden geschoben, dass das Gebäude ausserhalb des Schallemmissionsbereiches positioniert ist.
    Durch diese Maßnahme entsteht ein angemessen grosszügiger Vorplatz vor dem neuen Gebäude, der funktionalen, städtebaulichen und repräsentativen Zwecken dient:
    • Adressbildung | Aussenraumqualität | Haupteingang | Vorfahrt | Südbelichtung | Schallschutz |
    sind die wichtigsten Merkmale. Im Einklang mit der Aussenraumgestaltung [s.unten] entsteht in dem heterogenen Umfeld ein eigenständiges und signifikantes Gebäude.


    2. BAUABSCHNITT
    „Ein zweites, eigenständiges Bürogebäude im nördlichen Rückraum des Grundstücks soll für zukünftige Unterneh- menserweiterungen vorgesehen werden. Denkbar ist auch eine Nutzung als Rechenzentrum. Dieses Gebäude soll mit ca. 10.000 m2 BGF und maximal 5 Geschossen kleiner als die Konzernzentrale selbst aber ähnlich wie das Hauptgebäude gestaltet sein und sollte über eine Tiefgarage verfügen.“

    Das Konzept sieht vor, einen ähnlich strukturierten 2. BA im nördlichen Teil des Grundstückes zu realisieren. Gebäudetypologisch weist er mit seinem Rhythmus des hohen Sockelgeschosses und der U-förmigen Struktur der Bürogeschosse eine hohe Ähnlichkeit zum 1. BA. auf, erhält allerdings im Gegensatz zum Hauptgebäude ein Kellergeschoss, das vorwiegend als Tiefgarage genutzt wird. Die Flexibilität ist ähnlich wie im 1. Bauabschnitt im gesamten Gebäude vorhanden. Das Gebäude kann daher an jedwede Büronutzung angepasst werden.


    CORPORATE DESIGN
    „Kernaussagen für die neue Konzernzentrale der JUNGHEINRICH AG sollen sein, folgende Unternehmenswerte sollen sich in der Planung des Neubaus widerspiegeln: • Leistung, Bodenständigkeit & Transparenz • Partnerschaftlichkeit und Vertrauenswürdigkeit • Geschäftigkeit innerhalb des Gebäudes ablesbar • Architektur: nicht prunkvoll • Materialien: Beständigkeit / • Leistungsstark • Innovativ • partnerschaftlich • vertrauenswürdig • zuverlässig, • kompetent und professionell • mitdenkend und qualitätsorientiert • wirtschaftlich • JUNGHEINRICH löst Logistikaufgaben“

    Die Vielzahl der anzustrebenden repräsentativen Erwartungen belegt das hohe Engagement des Bauherrn. Wir meinen, dass der höchste Grad an Authentizität bzw. Identität entsteht, wenn neben den erwähnten Kriterien eine Parallele zwischen den Produkten des Unternehmens Jungheinrich und der Architektur der Konzernzentrale entsteht.
    Die Produkte des Unternehmens zeichnen sich durch ihre hohen ergonomischen Qualitäten aus. Diese sind konsequent in eine widererkennbares Farb- und Formkonzept übertragen. Sie vermitteln eine hohe Gebrauchsfähigkeit, eine vertrauenserweckende Arbeitssicherheit und eine langlebige Qualität. Bewegung, Mobilität und die kinetischen Dynamik der Produkte runden die Gesamterscheinung der Jungheinrich Produktreihe ab.
    Unsere Arbeit versucht diese Qualitäten in Architektur zu übersetzen. Dies bezieht sich auf die Klarheit und Funktionalität der Gebäudestruktur, die hohe Ablesbarkeit der Geschäftigkeit und der Bewegung im Aussen- und im Innenbereich und auf die Farb- und Materialwahl der eingesetzten Baumaterialien.


    GEBÄUDESTRUKTUR + SCHICHTUNG
    „Vorrangiges Ziel ist die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes. Das gilt gleichbedeutend für die Flächenwirtschaftlichkeit und die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten. Der Neubau soll sich sowohl mit seinen Errichtungskosten als auch mit seinen Baunutzungskosten an einer hohen Wirtschaftlichkeit orientieren.“

    Grundlage der neuen Konzernzentrale Jungheinrich ist eine klar strukturierte, hochflexible Kammstruktur mit folgenden Merkmalen:
    • Hohe Flexibilität durch 400 qm Einheiten
    • Komprimierte Gebäudestruktur
    • Kurze Wege und eine optimale Orientierung durch die Magistrale und die klar positionierten Erschliessungskerne
    • Hohe Wirtschaflichkeit durch das kompakte Gebäude, das optimierte Verhältnis von HNF zu BGF und den Verzicht auf ein Kellergeschoss
    • Hohe Nachhaltigkeit durch den Einsatz bewährter Konstruktionsarten und die flexible Gebäudestruktur
    • Flexible Nachnutzung durch die Kompatibilität von Erschliessungsbereichen zu Büroflächen
    • Optimierte Tragstruktur: nur 2 Stützenachsen in den überwiegenden Teilen des Gebäudes ! Mittelzonen sind stützenfrei !
    • Differenzierte Gebäudetechnik: Multiple Choice-Prinzip zur Festlegung des Ausstattungskomforts.

    „Die Gebäudeerschließung vertikal und horizontal soll eine gute Orientierung ermöglichen und folgende Aspekte berücksichtigen: Die Verkehrswege sollen abwechslungsreich gestaltet sein, so dass sie als erlebnisreich empfunden werden. Das Konzept der inneren Erschließung soll die spontane, persönliche Kommunikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglichen und fördern.“

    Die Differenzierung des Gebäudes tritt durch die aus den Höhen- und Funktionsvorgaben abgeleitete Höhenschichtung ein, die das Gebäude in der Vertikalen in drei Ebenen teilt:
    • Erdgeschoss als als grossflächiges Sockelgeschoss zur Unterbringung der flächenintensiven Nutzungen der Zentrale Sonderflächen
    • Staffelung von Süd nach Nord entsprechend dem Maß der Öffentlichkeit des Gebäudes
    • Unterbringung der Technikflächen im Sockelgeschoss
    • Kein kostenintensives Kellergeschoss notwendig !
    • Direkte Anlieferbarkeit zur Revisionierbarkeit der Geräte
    • Direkte räumliche Verknüpfung von Halle und Mensa
    • Direkte räumliche Verknüpfung von Mensa und Konferenzbereich

    • Obergeschosse als klarstrukturierte Kammstruktur
    • Einfache Baustruktur
    • Höchste Flexibilität durch 400 qm - 5 Einheiten pro Geschoss -
    • Sämtliche Einbauten, Trennwände .. etc. innerhalb der 400 qm-Einheiten haben keinerlei Anforderungen an eine Brandschutzqualifizierung !
    • Sämtliche gewünschte Büroorganisationsformen vom Zellenbüro bis zur Open-Space-Fläche sind möglich und kostengünstig realisierbar !
    • Die Raumtrennung kann mit transparenten Materialien ohne Brandschutzanforderung erfolgen
    • Magistrale als verbindendes und kommunikatives Element


    GEBÄUDESTRUKTUR + FLEXIBILITÄT
    „Die grundsätzlichen Erkenntnisse aus der Büroarbeit der Zukunft ergeben die Anforderung nach größeren reversiblen zusammenhängenden Flächeneinheiten. Im Idealfall sollten deshalb die Geschossflächen zu 100% reversibel sein. D.h., es soll eine Reversibilität für die Kombi-, Team- und Zellbüros für den Gebäudeentwurf berücksichtigt werden.“

    Um die im Wettbewerbsprogramm geforderte hohe Flexibilität zu erzielen basieren alle Bürogeschosse konsequent auf 400 qm-Einheiten. Insgesamt entstehen im 1. – 4. OG. Jeweils fünf dieser Einheiten. Das Hamburger Baurecht ermöglicht in diesem Fall den Verzicht auf notwendige Flure. DH. das sämtliche gewünschten Büroorganisationsformen entstehen können ohne dass brandschutzrechtliche Anforderungen an die Trennwände bestehen !! >> s. Skizzen
    Die entstehenden Einheiten haben eine für das Gesamtunternehmen gute Grössenordnungen und können über weitere Verbindungen – etwa die Schliessung der idr. Offenen Brücken an der Westseite des Gebäudes variiert werden.
    An den zentralen Stellen des Grundrisses, in unmittelbarer Nähe der Erschliessungskerne, sind die stockwerksbezogenen Einrichtungen und die Sanitärkerne angeordnet.


    GEBÄUDESTRUKTUR + AUSBAU
    „Die Fenster sollen grundsätzlich zu öffnen sein und wo erforderlich einen außenliegenden Sonnenschutz erhalten (Lamellen- Raffstore). Massive Brüstungen sind gewünscht. Als Ausbauraster ist das Standard- Maß von 1,35 m anzusetzen. Da die Möglichkeit der Einrichtung verschiedener Bürotypen flexibel im ganzen Gebäude vorhanden sein soll, muss die für die Kombibüros erforderliche Be- und Entlüftung der Innenzonen technisch möglich sein. Durch geeignete regelungstechnische Einrichtungen muss gewährleistet sein, dass im Zusammenhang mit den zu öffnenden Fenstern ein energiewirtschaftlicher Gesamtbetrieb möglich ist.“

    Die im Programm geforderten Parameter sind konsequent umgesetzt. Das 1.35 m-Büroachsmasz ist über ein versetztes [0,5 Feld] Primärtragwerkachsmaß von 5 Feldern [6,75m] wiederum kompatibel mit den tragenden Stützen des Gebäudes. Das Statische Konzept ist so entwickelt, dass auf eine Mittelstütze verzichtet werden kann. Dies erhöht wiederum die Flexibilität des Gebäudes und vereinfacht den Ausbau nochmals.
    Die Gebäudestruktur ist so gewählt, dass sämtliche Büros im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen natürlich be- und entlüftete werden können. Die vom Bauhrren gewünschte mechanische Belüftung des Vorstandbereiches ist ebenso realisierbar wie die Option der Be– und Entlüftung einzelner Büroflächen. Die dafür notwendigen Maßnahmen in der Gebäude- und Ausbaustruktur sind vorgesehen.


    MATERIALITÄT + FASSADEN
    „Von außen soll die Geschäftigkeit innerhalb des Gebäudes ablesbar werden. Dies mit dem Ziel, dass vom Neubau der Konzernzentrale gestalterische Impulse des vorhandenen Corporate design des Unternehmens ausstrahlen.“

    Die Fassadenstruktur des Gebäudes bezieht sich auf unsere Interpretation des Corporate Design des Unternehmens [s.oben] und die Übertragung auf das architektonische Konzept dieses Entwurfes. Die ergonomischen Qualitäten der Jungheinrich-Produkte sind bereits erwähnt. Deren Materialkonzept implziert einen eher ´schalenhaften´ Charakter, unterstützt durch die prägnante Zweifarbigkeit Grau zu Gelb. Für unseren Entwurf bedeutete dies im Bereich der geschlossenen Flächen den bewussten Verzicht auf eine vermeintlich solide Ziegelfassade zugunsten einer erkennbar schalenhaften Verkleidung aus anthrazitfarbenen, strukturierten Edelstahlblechen. Diese sind mittlerweile marktgängig und vielfach eingesetzt. Ihre Dauerhaftigkeit ist gewährleistet.
    Die Fensterflächen sind Rahmenkonstruktionen, die sich auf das vorgegebene Büroachsmaß beziehen und zwischen Oberkante Brüstung und Unterkante Decke gespannt sind. Die notwendigen Öffnungsflügel sind als geschlossene Felder ausgebildet.
    Im Bereich der Südfassade erhält das Gebäude zum Vorplatz hin eine Doppelfassade, die die dort vorhandene Schallschutzproblematik weiter entschärft und das problemlose Funktionieren des Sonnenschutzes gewährleistet.


    Runde Innenecken
    Diese sind nicht ausschliesslich als Referenz an das Coporate Design des Unternehmens Jungheinrich zu verstehen, vielmehr erzeugen diese einen hohen ökonomischen und funktionalen Sinn: Der abgerundete Übergang der Nord-Süd- zur Ost-West-Struktur, der zugleich eine Brandabschnittstrennung darstellt, kann aufgrund seiner Abrundung und seines Öffnungswinkels grösser als 120° ohne weitere Brandschutzanforderungen bzgl. des Brand- überschlages [F.90-Verglasung oder Schliessung] realisiert werden !


    RAUMSTRUKTUR + BRANDSCHUTZ
    Bauordnungsrechtliche Einordnung
    Das Objekt wird in die Gebäudeklasse 5 eingestuft. Aufgrund der Ausdehnung des Objektes mit einer Grundfläche von mehr als 1600m² handelt es sich um einen Sonderbau im Sinne des § 2 (4) HBauO. Die vorgesehene Erdgeschossnutzung (Restaurant- und Veranstaltungsflächen) für mehr als 200 Personen vorgesehen, so dass für diesen Gebäudeteil die Versammlungsstättenverordnung Anwendung findet.

    Rettungswege und Abschnittsbildung
    Das Gebäude wird durch eine innere Brandwand in zwei Brandabschnitte mit einer jeweiligen brutto-Grundfläche <1600m² unterteilt. In den Obergeschossen mit einer Büro- und Verwaltungsnutzung werden Nutzungseinheiten <400m² BGF gebildet. Innerhalb dieser Nutzungseinheiten sind keine notwendigen Flure erforderlich.
    Die Rettungswege aus den Nutzungseinheiten führen direkt in außenliegende Treppenräume (1. Rettungsweg). Der zweite Rettungsweg wird über die benachbarte Nutzungseinheit geführt. Dazu werden zwischen den Gebäudeteilen Verbindungsbrücken errichtet. Aufstellflächen für Hubrettungsgeräte der Feuerwehr sind daher zunächst nicht erforderlich. Es wird eine Feuerwehrzufahrt für das Objekt benötigt.
    Bei einer Drittverwendung mit unterschiedlichen Mietparteien kann der zweite Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr dargestellt werden.Die Rettungswege im Erdgeschoss aus den Bereichen mit Sondernutzungen führen direkt ins Freie. Die Bemessung der Rettungswegbreiten erfolgt hier nach den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung.

    Sondernutzung nach Versammlungsstättenverordnung
    Die Auslobung sieht im Erdgeschoss Nutzungen vor, die im Anwendungsbereich der Versammlungsstättenverordnung liegen. Für diese Nutzung wird eine Fläche von ca. 1000m² benötigt.Im Sinne der Versammlungstättenverordnung stellt eine Flächengröße von 1000m² eine „Grenzgröße“ dar. Bei Überschreitung wird folgende sicherheitsrelevante Anlagentechnik erforderlich:
    • Überwachung mit automatischer Brandmeldeanlage
    • Alarmierungsanlage mit Sprachübermittlung
    • Löschhilfeanlage (Wandhydranten an nassen Steigleitungen, i.d.F. Vorratsbehälter für Löschwasser und Sicherheitsstromversorgung)
    • Rauch- und Wärmeabzugsanlage mit Nachweis einer raucharmen Schicht (2,50m Höhe)
    Vorliegender Entwurf sieht daher eine brandschutztechnische Unterteilung der EG-Fläche vor, so dass der Bereich mit Versammlungsstättencharakter eine Grundfläche <1000m² aufweist und für die anlagentechnische Ausstattung Vereinfachungen zulässig sind.


    RAUMSTRUKTUR + TRAGWERK
    Der 6-geschossige, teilunterkellerte Neubau der Konzernzentrale der Jungheinrich AG in Hamburg, wird als Stahlbetonskelettkonstruktion konzipiert. Zur Gewährleistung einer flexiblen und nachhaltigen Nutzung der Bürogeschosse, wurden für die Regelgeschosse eine stützenfreie Deckenkonstruktion entworfen.
    Hierbei besteht das Deckensystem wirtschaftlich aus folgenden auf die jeweilige Tragwirkung ausgelegten Zonen.

    • Fassadenbegleitend spannen über die im Raster von 6,75 m stehendenden Stützen, die 60 cm dicken und 1,725 cm breiten Tragstreifen zur Begrenzung der freien Deckenspannweite sowie zur wirtschaftlichen Krafteinleitung in die Stützenpunkte.
    • In Querrichtung spannen im Raster von 6,75 m Tragstreifen mit einer Stärke von 42 cm, die zur Begrenzung der Verformung und zur Optimierung des Schwingungsverhaltens vorgespannt werden.

    Die Restflächen werden wirtschaftlich aus industriell vorgefertigten Filigrandeckenplatten mit Cobiax-Elementen zur Reduzierung der Eigengewichtslasten in Feldmitte gebildet. Hierdurch wurde ein optionales flexibles Tragesystem mit einer Installationszone in Feldmitte und einer hohen speicherfähigen Masse zur Stabilisierung der Raumtemperaturen geschaffen. Im Eingangsbereich des Erdgeschosses werden die Stützenlasten der Obergeschosse wirtschaftlich, über eine Abfangkonstruktion, integriert in die Decke über EG, auf die hinter der Fassade stehenden Stützen zurückgeführt. Im Bereich des Büroverbinders und der hier angeordneten Nebenflächen, wird eine klassische Flachdeckenkonstruktion mit Rand- und Mittelstützung mit maximaler Stützweite von 7,57 m / 6,75 m und einer Deckenstärke von 30 cm konzipiert. Die Stabilisierung des Gebäudes erfolgt über die schubsteifen Deckenplatten in Verbindung mit den massiven Stahlbetonwänden und Stahlbetontreppenhauskernen.


    FREIFLÄCHEN
    Im Gleditsienhain

    Der Neubau Konzernzentrale der Jungheinrich AG entsteht in Hamburg am Friedrich-Ebert-Damm in einem städtebaulich heterogenen Umfeld. Im Westen des Neubaus wird zur Zeit ein Autohaus errichtet, im Osten schließt sich ein Bürobau an, auf der gegenüber-liegenden Straßenseite befindet sich ein Multiplexkino mit einem weiteren Autohaus.
    Das Freiraumkonzept reagiert auf diese städtebauliche Situation, indem es den Neubau in einen lockeren Gleditsienhain (Gleditsia triancanthos ´Sunburst´) stellt und damit dem Gebäude ein räumlich und athmosphärisch eigenständiges Umfeld gibt. Das fiederblättri-ge, leuchtend gelbgrüne Laub der Gleditsien spannt ein lichtes Baumdach über die ge-wünschten Stellplätze auf dem Grundstück.
    Die Oberflächenbefestigung der Stellplätze greift Elemente des Corporate Designs der Jungheinrich AG auf und übersetzt sie in eine anthrazitfarbene Grundfläche aus Drai-nasphalt mit gelben Parkplatzmarkierungen. Insgesamt können so im ersten Bauabschnitt 297 Stellplätze auf dem Grundstück geschaffen werden. Im zweiten Bauabschnitt entfallen im Bereich des Erweiterungsbaus 121 Stellplätze, die durch eine Tiefgarage ersetzt werden.
    Für den Parkverkehr, Lieferverkehre sowie die Feuerwehr werden eine Umfahrt sowie not-wendige Aufstellflächen in das Konzept eingebunden. An der nördlichen und östlichen Grundstücksgrenze wird eine Rasenmulde zur dezentralen Regenwasserrückhaltung bzw. –versickerung angelegt. In den Böschungsbereichen der Rasenmulde werden Erlen gepflanzt, die dem Grundstück eine zusätzliche Fassung geben.

    Vorplatz
    Mit dem Rücksprung des Neubaus gegenüber dem Friedrich-Ebert-Damm ergibt sich die Möglichkeit, einen großzügigen Vorplatz zu schaffen, der sich in die Freiraumgestaltungen des Umfeldes integriert. Das funktional einfache und athmosphärisch starke Konzept des Gleditsienhains wird im Bereich des Vorplatzes durch ein Spiegelbecken ergänzt, das die Wahrnehmung der Konzernzentrale stärkt. In dem flachen Wasserbecken spiegelt sich die Südfassade des Neubaus. Gleichzeitig wird das Wasser zur Empfangsgeste für die Mitarbeiter und Besucher der Konzernzentrale. Technisch gesehen ist dieses Spiegelbecken nicht nur eine gestaltete Wasserfläche, sondern auch Rückhaltespeicher für die Grauwassernutzung im Neubau und für die Bewässerung im Außenbereich.

    Innenhöfe
    In den vom Neubau gebildeten beiden Höfen wird das Thema des Hebens, das die Produkte der Jungheinrich AG prägt, durch ´mobiles Grün´ widergegeben. Essig- oder Sumachbäume (Rhustyphina) werden in farbige, transportable Behälter in unterschiedlichen Höhen gepflanzt. Der Verbindungsgang zwischen den Büros wird als Regal interpretiert, in das einzelne Pflanzgefäße gestellt werden. Die Bodengestaltung greift mit Natursteinsplitten wieder auf das Farbkonzept der Jungheinrich AG zurück. Die spielerische, bewegliche Anordnung der Pflanzen und ihrer Behälter steht in bewusstem Kontrast zu klaren Architektursprache.
    Insgesamt folgt die Gestaltung der Freiflächen und Höfe dem funktional klaren Grundansatz des Neubaus. Auf dekorative Elemente wird zu Gunsten gestalteter Funktionen verzichtet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf bietet einen überzeugenden Ansatz zur Lösung der gestellten Aufgabe. Die gewählte Kammstruktur ermöglicht es, das Gebäude zum Friedrich-Ebert-Damm eindeutig zu positionieren und mit den Höfen nach Westen qualitätvolle, gut belichtete Arbeitsplatzsituationen zu erzeugen, wobei eine ggf. mögliche Einschränkung durch die verglasten Verbindungsbrücken zu hinterfragen wäre. Diese Verbindungsbrücken können jedoch ein wichtiges Element darstellen, um funktionale kurze Betriebsabläufe zu gewährleisten.

    Positiv beurteilt die Jury die Angemessenheit in der Erscheinung des Neubaus. So wir auf starke Gesten verzichtet und eine innovative, aber nicht aufdringliche, einfache und klare Formen- und Materialsprache gefunden, die dem Image der JUNGHEINRICH AG in hervorragender Weise entspricht. Auch wird ein offener und einladender Eindruck durch die doppelte Glasfassade (Prallscheibe) zum Friedrich-Ebert-Damm erzeugt.

    Die dargestellte Wertigkeit der Metallfassade muss bei einer Realisierung bewahrt und in Hinblick auf ihre Farbintensität geprüft werden. Auch ist ein wirtschaftliches Konzept für die Fassadenreinigung erforderlich. Insgesamt stellt sich der Neubau als helles, lichtdurchflutetes Gebäude dar.

    Der repräsentativ gestaltete Vorplatz bildet wirkungsvoll das Entree für die Konzernzentrale und besitzt auch Strahlkraft für die angrenzende Cafeteria-
    Nutzung im Gebäude.

    Die Sonderflächen im Erdgeschoss sind im südlichen Abschnitt sinnvoll angeordnet und ergeben eine großzügige Raumfolge. Der rückwärtige Bereich mit der integrierten großflächigen Technikzentrale ist noch optimierbar. Die Grundrissstruktur in den Obergeschossen lässt eine funktionelle Büroorganisation erwarten.