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  • DE-72764 Reutlingen
  • 11/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-42291)

City Nord-Reutlingen


  • ein 2. Preis


    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Stahl und Partner, Ludwigsburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Übergeordnetes städtebauliches Ziel der Entwicklungsplanung ist es, die Wegeverbindungen aus der historischen Altstadt Reutlingens heraus über den Karlsplatz, Listplatz als städtebauliches Gelenk in die angrenzenden nördlichen Stadtquartiere zu verknüpfen.
    Rückgrat dieser Verknüpfungsachse bildet die Wilhelmstraße und in Fortführung die Straße „Unter den Linden“. Diese Wegeachse stellt auch historisch die zentrale Lebensader der Reutlinger Innenstadt dar. Beginnend mit dem Albtorplatz im Süden reihen sich öffentliche Platzräume wie Marienkirche, Marktplatz, Nikoleiplatz und der „neue“ Karlsplatz bis hin zum Platz Unter den Linden entlang dieser Hauptachse.

    Den neuen Mittelpunkt im Übergangsbereich von historischer Altstadt, zu den nördlichen Stadtquartieren bildet ein zentraler Platzbereich, der sich in den „steinernen“ Karlsplatz und den Listplatz mit Listdenkmal als grünen Mittelpunkt gliedert. Eingestellt in diese Gelenksituation bildet das „Platzhaus“ den baulichen Mittelpunkt. Die Platzkanten werden räumlich klar definiert. Historische Gebäude, denkmalgeschützte Gebäude wie die Alte Post wirken in den neuen Platz, prägen den Ort. Wilhelmstraße, Metzgerstraße und Gartenstraße werden über den zentralen Platzbereich räumlich aufgefangen und über eine großzügige Verbindung unter der Bahn bis zum Platz „Unter den Linden“ fortgeführt. Es entsteht ein öffentlicher Platzraum, der den Hauptbahnhof, die Bahn, die zukünftige Stadtbahn, die Regionalbusse sowie den Individualverkehr bündelt und aus der heutigen heterogenen Stadtraumsituation eine Adresse für die Reutlinger Innenstadt bildet. Die Karlstraße wird in diesen zentralen Bereich integriert.
    Durch die Reduzierung der Verkehrsflächen in der Eberhardstraße/ Karlstraße kann sich der Straßenraum zukünftig als Stadtboulevard entwickeln. Neben dem zentralen Karls-/ Listplatz entstehen an den wesentlichen, stadträumlich wichtigen Punkten Übergänge, die den Stadtboulevard gliedern und die angrenzenden Stadtquartiere miteinander verknüpfen. Den Übergängen zugeordnet bilden vorhandene bauliche Hochpunkte und Neubauten räumliche Akzente. Die beidseitig durchgängigen Baumreihen und die grüne Mittelinsel prägen den Charakter der Karlstraße.

    Zwischen dem Friedhof „Unter den Linden“ und der Bahnlinie entstehen klare Stadtquartiere, Raumkanten, Straßenräume und neue Orientierungen. Der städtische Raum, der öffentliche Raum wird erlebbar. Klare Übergänge, Stadtkanten definieren unterschiedliche Stadtbaufelder.
    Entlang der Burkhard-Weber-Straße werden die bestehenden Lagergebäude in eine städtische Quartiersstruktur eingebunden, die mit einer Kopfsituation den Übergangsbereich zum Bahnhof ausbildet. In diesem Bereich kann zu den bereits vorhandenen Wohnquartieren städtisches Wohnen im Kontext von Mischnutzungen wie Dienstleistungen und Büro entstehen.
    An der zentralen Erschließungsachse Unter den Linden entsteht zum Landschaftsraum, Naturraum der Echaz ein städtisches Quartier mit dem Nutzungsschwerpunkt für Einzelhandel und innenstadtergänzenden Nutzungen. Stadtvillen im Park bilden den Übergang, die Zwischenzone zum Friedhof.

    Beginnend am Platz Unter den Linden, dem Auftakt von Norden, wird der Landschaftsraum entlang der Echaz über die Solitärbausteine eines Kunsthauses, der Tunnelgalerie (Aktivierung der bestehenden Postunterführung) und dem Museum für Konkrete Kunst in den Bürgerpark mit Stadthalle und Kulturplatz fortgeführt und bildet somit eine grüne Vernetzung entlang des Flusslaufs.
    Der geplante Städtebau schafft klare Räume, Quartiersstrukturen, die durch sinnvolle Ergänzungen des Bestandes, Neuplanungen und neue Zuordnungen den Stadtraum erlebbar werden lassen.
    Die Maßstäblichkeit, Höhenentwicklung und Baudichte der Bebauung orientiert sich an den angrenzenden vorhandenen Bebauungsstrukturen, nimmt diese auf und führt somit Bestand und Neuplanung zusammen.
    Durch ein differenziert vorgeschlagenes Nutzungsgemenge entsteht ein lebendiger Innenstadtbereich, der hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum aufzeigt und eine nachhaltige urbane Struktur gewährleistet.

    Verkehrskonzept

    Die Verkehrskonzeption geht davon aus, dass es durch die Realisierung des „Scheibengipfeltunnels“ zukünftig möglich ist, wesentliche Teile des Durchgangsverkehrs aus dem Straßenzug der Eberhardstraße und Karlstraße fernzuhalten.
    Auch ein Durchfahrtsverbot für den Güterschwerverkehr > 3,5 t („Lieferverkehr frei“) wurde vorausgesetzt.
    Mithin werden in der Eberhardstraße/ Karlstraße je Richtung lediglich 2 Fahrstreifen für den Geradeausstrom und den Linksabbiegestrom angeboten. Diese Maßnahme erlaubt eine optimale Führung der Regionalstadtbahn und ermöglicht auch bessere Verhältnisse für den Fußgänger- und Radverkehr.

    Die Stadtbahntrasse wird, von Pfullingen kommend über die Straße „Am Echazufer“, die Lederstraße, den Willi-Brand-Platz mit Haltestelle „Bürgerpark Stadthalle“ auf die Karlstraße geführt. Am Karlsplatz ist die Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof geplant. Über die Kaiserstraße führt die Trasse auf den Gleiskörper der Deutschen Bundesbahn. Die Stadtbahn wird somit in den neuen Karlsplatz/ Listplatz integriert. Durch diese Trassenführung vernetzen sich Deutsche Bahn, Regionalbus und Stadtbahn auf dem zentralen Platzbereich. Die Regionalbusse werden parallel zum Gebäude des Hauptbahnhofes in Schrägaufstellung vorgesehen. In Fortführung des Bahnhofgebäudes wird gegenüberliegend zu den Taxiständen ein Fahrradparkhaus angeboten.
    Durch Reduzierung des Durchgangsverkehrs ist es möglich, die Karlstraße als Boulevard auszubilden. Die begleitenden Baumreihen werden vom Bürgerpark bis zur Silberburgstraße geführt. In den Platzbereichen, Übergangsbereichen wird diese Struktur durchbrochen. Der neue Querschnitt der Karlstraße ermöglicht attraktive Vorzonen für die angrenzenden Bebauungen, Quartiere als Aufenthaltsflächen für Fußgänger und Fahrradfahrer. Die im südlichen Teil mittig verlaufende Stadtbahntrasse wird ab der Kaiserstraße als zentrale grüne Mittelzone für Fußgänger weitergeführt.
    Heute fehlende übergeordnete Fuß- und Radwegeverbindungen werden in die Neuentwicklung aufgenommen und zu einem Fuß- und Radwegenetz arrondiert. Die verzahnenden Wegespangen zwischen Innenstadt und City Nord sind zum einen, die Straße Unter den Linden, die als großzügige Mischverkehrsfläche für Fußgänger, Radfahrer und den ÖPNV vorgeschlagen wird. Zum anderen die Bahnhofunterführung, die einen räumlich klar definierten Übergang in Richtung Friedhof erhält und die vorgeschlagene Tunnelgalerie (ehemalige Postunterführung) im Bereich des Museums für Konkrete Kunst.


    Freiraumkonzept

    Wesentliches Element des Freiraumkonzeptes ist das Überspringen der wichtigen Altstadtachsen zwischen Wilhelmstraße und Gartenstraße über die Karlstraße hinweg bis zum Bahnhof.
    Dadurch entsteht im Bahnhofsbereich ein großer urbaner Platzraum mit unterschiedlichen Strukturen und Funktionen. Der seitherige Listplatz wird als große Grünfläche erhalten und in diesen Platzraum integriert. Während die Wilhelmstraße und die Metzgerstraße als „steinerne“ Altstadtstraßen in den architektentonisch geprägten Karlsplatz mit der vorhandenen Bebauung münden, wird die Gartenstraße als Altstadt-Randstraße von einer Baumreihe begleitet, in die Karlstraße eingeleitet und bildet einen grünen Filter zu der vorhandenen Geschäftsbebauung an der Nordseite des Platzes.
    Die Wilhelmstraße als Rückgrat der Altstadt wird entsprechend der historisch gewachsenen Struktur, darüber hinaus unter der Bahnlinie hinweg, bis zur Rommelsbacher Straße weiter geführt und findet dort in einer kleinen Platzsituation um ein geplantes Kulturhaus ihren Abschluss.
    Zwischen der vorgeschlagenen städtischen Quartiersstruktur nördlich der Bahn und dem denkmalgeschützten Friedhof „Unter den Linden“ wird eine lockere Punktbebauung vorgeschlagen, die mit großzügigen (Gemeinschaft-) Grünflächen einen Übergang zum, von Grün geprägten Friedhof schafft.

    Der von Süden aus dem Bruderhausgelände ankommende Echazgrünzug wird nördlich der Eberhardstraße, entlang der Rommelsbacher Straße fortgesetzt und die vorhandenen Museen werden in die grüne Uferzone eingebunden.
    Die Karlstraße erhält den Charakter eines großzügigen Stadtboulevards mit beidseitigen Baumreihen, die im Platzbereich ausgesetzt werden. Nördlich der Abzweigung der Stadtbahntrasse entsteht Raum für einen großzügigen gestalteten Mittelstreifen mit Aufenthaltsmöglichkeiten.
    Im Norden des Planungsgebietes wird durch eine großzügige Grünstruktur entlang der Bahntrasse die Parkanlage auf der ehemaligen Bahntrasse in die City Nord hinein verlängert und über die Punkthäuser bis in den zentralen Bereich geführt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.