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  • Ankauf

    Lageplan

    Architekten
    KKW Architekten | Kollektiv Kaldewey+Wortmann, Lüdenscheid (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Korte, Kaldewey, Wortmann Mitarbeit: Dipl.-Ing. Michaela Scheidewig, Cand.-Arch Christina Behrendt Sonderfachleute: Bau+, Energieberatung, Bochum Perspektive: Engel & Hähnel, Büro für Architektur-Visualisierung, Münster

    Erläuterungstext



    ZENTRUM NEUBRANDENBURG
    Das Ensemble des Hauses der Kultur und Bildung hat in den 40 Jahren seines Bestehens den Bürgern als Bühne für ihr gesellschaftliches Leben gedient. Der heutige Zustand des Gebäudes spricht für einen einfühlsamen Umgang und eine enge Verbundenheit der Menschen mit dem Gebäude. Die erklärte Idee, ein Haus für die Bürger als Zentrum der Stadt zu schaffen, ist Realität geworden und hat sich bewährt. Diese Idee neu zu interpretieren ist Leitgedanke unseres Entwurfes.

    Das bestehende Gebäude ist ein in sich ruhendes, abgeschlossenes Gefüge von vier liegenden Quadern, die sich um einen Innenhof entwickeln. Der Turm verankert als fünftes Element die Gruppe der Einzelkörper am Ort. Er ist als Symbol weithin sichtbar. Um dem Ensemble gerecht zu werden, muss man in der Sprache des ersten Entwurfes bleiben. Deshalb wird der weniger bedeutende Flügel des Gebäudes heraus genommen und an exponierter Stelle ein neuer Baukörper eingefügt. Dieser stellt das Gleichgewicht des ganzen Gefüges in anderer Form wieder her. Im Sinne der vorhandenen Struktur fügen wir nur einen Körper an und geben diesem eine durchgängige, nach außen sichtbare Nutzung.

    STADTPLATZ
    Der ehemalige Hof wird überdacht und entwickelt sich so zu einem Platz, der Agora, die vielen Veranstaltungen und Aktivitäten Raum bietet. Ausgehend von dem Gedanken des Hauses für die Bürger möchten wir den Nutzern in besonderer Weise gerecht werden, indem ein großes Maß an Mitgestaltung der Räume und Säle möglich ist. Auf der überdachten Agora kann mit Hilfe mobiler Trennwandsysteme der kleine Saal erstellt werden. Ebenso ist dort - je nach Bedarf - auch eine bestimmte Anzahl von Tagungsräumen oder eine große Stadtloggia für Kunstmärkte, Ausstellungen, Messen, Feierlichkeiten etc. herzustellen. Für eine hervorragende Raumakustik sorgen hölzernen Akustikflächen an Trennwänden und Dachkonstruktion.
    Das besondere dieses Ortes ist seine konzentrierte Atmosphäre, die es den Nutzern dennoch erlaubt, den Blick in einen grünen Hof schweifen zu lassen und diesen in Ruhephasen zu betreten. Zwischen Agora und dem neuen Gebäudeflügel entsteht ein Außenraum, der von innen als introvertiert wahrgenommen wird, sich jedoch in den Stadtraum als öffentlicher Park eingliedert. Er betont die hervorgehobene Position des HKB im Stadtgefüge, ähnlich der Grüngestaltung des Kirchplatzes. Der Grünplatz ist ebenso vielfältig bespielbar wie die Agora. Denkbar wären Zeltparties, Open-Air-Konzerte oder Kinovorführungen. Um dieses Zentrum aus zwei Plätzen gruppieren sich die verschiedenen Nutzungen.

    GROSSER SAAL
    Der große Saal wird an seiner ursprünglichen Stelle errichtet, kann jedoch mit großem Bedauern in seiner jetzigen Form nicht erhalten werden. Die neue Gestaltung des großen Saals orientiert sich an den bauzeitlichen hölzernen Oberflächen. Dabei werden die Innenwände - ähnlich der Stadtplatzgestaltung - zur hölzernen und akustisch wirksamen Oberfläche. Bei Veranstaltungen kann der Saalbau abgekoppelt oder mit dem Stadtplatz verbunden werden. Foyer und Garderobe bleiben bestehen, da sie als Markenzeichen des Gebäudes verstanden werden.

    TAGUNGSZENTRUM
    In der ehemaligen Ausstellungshalle befinden sich im Erdgeschoss die Gastronomie und der Haupteingang. Auf einer zweiten, neu eingezogenen Ebene liegen die beiden großen Tagungsräume. Alternativ wäre es möglich, auf die neue Ebene zu verzichten und die Tagungsräume im Bedarfsfall variabel auf der Fläche des Stadtplatzes anzuordnen.
    VHS
    Im Obergeschoss des Saalbaus liegen die Seminarräume der VHS mit prominentem Blick über den Marktplatz. Bestehendes Foyer und Galerie werden als Pausenzone und öffentliche Ausstellungsfläche genutzt.

    MEDIENPRODUKTION
    Der ehemalige Bibliotheksbau bietet sich durch seine exponierte Lage an der Stargrader Straße für die Unterbringung von Medienproduktion, Rundfunk, Stadtfernsehen und Verlagen an. Eine Anbindung sowohl an das Foyer als auch an die Straße gesteht den Nutzungen ein Höchstmaß an Öffentlichkeit zu. Durch die Anordnung von Interviewstudios im Obergeschoss gelangt auch die Krone (“Der Lesepilz“) zu neuer und angemessener Bedeutung.

    TURM
    Im Turm sind die Dienstleister der Medienwirtschaft untergebracht. Um den Nutzern eine deutlichere Adresse zu geben, wird das Erdgeschoss des Turmes als Foyer und Lounge genutzt.

    BIBLIOTHEK
    Der Neubau nimmt die vergrößerte Bibliothek und die der Bibliothek zugeordneten Nutzungen auf. Das Gebäude orientiert sich wie der Altbau nach Süden. Seine drei massiven Seiten stehen im Kontrast zur transparenten Eingangsfassade. Dadurch tritt das Gebäude in einen Dialog mit dem Bestand. Diesen Baukörper betritt man über den Grünplatz oder in der Verlängerung des TEC-Foyers wie durch eine Passage vom Marktplatz aus. In Sockel und Erdgeschoss befinden sich eingangsnah öffentliche Funktionen wie Internet-Surfen, Spielen, Zeitschriften lesen, in Romanen schmökern und CD´s hören. Die Obergeschosse beherbergen Sachliteratur und externe, der Bibliothek zugeordnete Nutzer wie Museumsbibliothek, Stadtarchiv und Regionale Dienste. Diese Nutzer haben durch jeweils einen eignen Empfangstresen die zusätzliche Möglichkeit einer Erschließung über das vordere Foyer. Das oberste Geschoss der Bibliothek nimmt die Verwaltung auf.

    FARBKONZEPT
    Alle neu hinzu gefügten Elemente erhalten eine eigene Farbe. Im Bereich des Stadtplatzes übernimmt ein rötliches Holz die Funktion der Farbe. Der Holzton harmoniert mit den bestehenden Ziegelwänden des neuen Innenraumes. Variationen dieses Rottones finden sich in den Lammellen der Bibliotheksfassade. Farbe wird wie im Altbau als raumgliederndes Element eingesetzt. Unterschiedliche Nutzungen werden schon in der Fassade ablesbar. In der zweiten Ebene grenzen farbige Wandscheiben die einzelnen Nutzungsbereiche voneinander ab. Den dunkelsten Rotton erhält die große Treppe der Bibliothek als vertikale Verbindung.

    NEUES und ALTES GESICHT
    Die Ansicht vom Marktplatz bleibt im Wesentlichen erhalten. Eingriffe wie Info- und Stelltafeln und ein dezenter Windfang lenken die Nutzer zu einem neuen Haupteingang. Ebenfalls wird die Ansicht der Stargraderstraße wird zum Zeichen für Aktualität und Modernität des Medien- und Tagungszentrums Neubrandenburg - über diese Achse läuft ein Großteil der Besucherströme. Die Stargraderstraße stellt die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr dar. Der neue Gebäudeflügel ist somit gleichzeitig Bestandteil des Alten und Symbol des Neuen.


    Energetisches Konzept

    Übergreifende Konzeption Lüftung + Heizung
    Die Beheizung des gesamten Komplexes wird durch eine zentrale Wärmeerzeugung im UG des Saalbereiches übernommen. Aufgrund der relativ kurzen Wege ist es wirtschaftlich, auch den Neubau der Bibliothek von dieser Zentrale aus mit Heizwärme zu versorgen.
    Die Lüftungszentrale mit Wärmerückgewinnung im UG des Saalbereiches wird an gleicher Stelle neu errichtet, um die vorhandenen Steigepunkte und Kanalführungen zu nutzen. Sie versorgt den Saal und angrenzende Bereiche, die auch bislang von dieser Zentrale angedient wurden. Eine zusätzliche Lüftungszentrale mit Wärmerückgewinnung neben der Tiefgarage versorgt über kurze Wege den Foyerbereich sowie das Atrium („Stadtplatz“) mit Luft.
    Die Räume des Medienzentrums werden so weit wie möglich natürlich belüftet. Die Räume, die zum Atrium hin orientiert sind erhalten von dort ihre Frischluft über Fensterlüftung.

    Bestandsgebäude
    Zu Minimierung des Energiebedarfs werden die vorhandenen Verglasungen durch Wärmeschutz-verglasungen ausgetauscht, sowie Dachflächen und Decken über dem Kellergeschoss Wärmegedämmt. Das Erscheinungsbild der bestehenden Fassaden wird belassen und nicht verändert.

    Atrium („Stadtplatz“)
    Der Stadtplatz erhält eine großflächige Dachverglasung. Zur Reduzierung der solaren Einträge und zur Vermeidung von Überhitzung im Sommer wird in den Scheibenzwischenraum der Verglasung ein Mikrospiegelraster eingelegt, welches direkte Solarstrahlung kritischer Einfallswinkel gezielt ausblendet.
    Um die freie Nutzung des Raumes durch variable Trennwände zu ermöglichen, wird eine Quellüftung mit Zuluftführung über den Boden gewählt, welche bereichsweise geregelt werden kann. In abgetrennten Bereichen, z.B. Sitzungssälen, kann so gezielt der Luftwechsel angehoben werden. Die Quelllüftung gewährleistet durch geringe Strömungsgeschwindigkeiten und die Zuführung der Luft von unten auch im Sommer hohen thermischen Komfort.
    Die Abluftführung erfolgt deckennah innerhalb der verkleideten Tragkonstruktion. Die Verkleidung der Träger wird schalldämpfend ausgeführt, um Schallreflexionen der Verglasung zu vermindern und so eine gute Raumakustik zu unterstützen.

    Bibliothek
    Der Neubau der Bibliothek wird im Passivhausstandard mit einem Heizenergiebedarf von weniger als 15 kWh/m²a errichtet. Die Minimierung der Transmissionswärmeverluste erfolgt durch eine hohe Wärmedämmung der Fassaden (>20 cm) sowie eine 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung. Die großflächig verglaste Südfassade ermöglicht hohe solare Gewinne, zur Vermeidung von Überhitzung und Blendungserscheinungen sind großflächige Sonnenschutzeinrichtungen in Form vertikaler Lamellen vorgesehen, welche durch eine entsprechende Textilbespannung die Nutzung des Tageslichtes auch in geschlossenem Zustand ermöglichen.
    Alle Räume werden mechanisch be- und entlüftet. Die Regelung erfolgt in Bereichen mit Publikumsverkehr CO2-abhängig. Die Zuluft wird durch fassadenseitige Bodenauslässe eingebracht, in die bedarfsweise Radiatoren als Nachheizung integriert werden. Die Abluft wird durch Kanäle in der rückwärtigen Wand abgeführt.
    Die Lüftungszentrale mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung ist im UG des Gebäudes untergebracht.

    Kostenbetrachtung: Erstellung und Betrieb
    Aufgrund der reduzierten Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz und Gebäudestatiken einschließlich der Nutzung bestehender Technikflächen, ergeben sich entsprechend günstige Baukosten im Bestand. Die hinzugefügten Baukörper (Bibliothek & Stadtplatz) werden statisch freistehend vom Bestand errichtet und ermöglichen so eine sehr wirtschaftliche und kostengünstige Konstruktion (Teilvorfertigung von Bauteilen- und Elementen) und sind Garanten für kurze Bauzeiten. Die Errichtung der Bibliothek im Passivhausstandard, eine deutlichen Reduzierung des Energiebedarfs der Bestandsgebäude und eine hohe Tageslichtausnutzung der Räumlichkeiten, sprechen für sehr geringe Betriebskostendaten. Das Tagungs- und Medienzentrum kann mit einer Person (Kontrollfunktion) betrieben werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.