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  • DE-74613 Öhringen
  • 11/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-41647)

Landesgartenschau Öhringen 2016


  • 4. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Fromm

    Mitarbeit
    Krasimira Stoilkova

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE)

    Erläuterungstext
    GESAMTKONZEPT DAUERANLAGE

    Die besondere Aufgabe des Wettbewerbs besteht darin, das aus vier sehr unter-schiedlichen Teilbereichen bestehende Gesamtgelände für die Landesgartenschau Öhringen zu einem zusammenhängenden, ablesbaren und nutzbaren Grünzug zu entwickeln, der die Kernstadt mit dem östlich angrenzenden Stadtteil Cappel und mit dem neuen Wohngebiet Limespark verknüpft. Verbindendes Landschaftselement ist dabei die Ohrn, die durch den konsequent am Flusslauf entlang geführten Ohrntalweg auch zum funktionalen Rückgrat des Grünzugs wird.

    Im Bereich des östlichen Stadtrandes der Kernstadt an der Öffnung zur freien Landschaft wird der Ohrn-Flusslauf überlagert durch eine zweite, bisher unsichtbare Struktur, den Limes. Aufgrund seiner historischen und kulturellen Bedeutung für Öhringen wird der Limes zu einem markanten, bewusst gestalteten linearen Land-schaftselement entwickelt. Im Schnittpunkt beider Strukturen entsteht ein städte-baulich und landschaftlich wichtiger Ort im neuen Ohrngrünzug, der mit der neuen Sommerhalle entsprechend gewichtig besetzt wird. Eine großzügig geschwungene Landschaftsterrasse am nördlichen Talhang der Ohrn spannt den Bogen zum Hofgut Cappel, das - trotz Trennung durch die Landesstraße - damit gut an den Grünzug angebunden wird.

    Im spannungsvollen Kontrast zu den verbindenden Strukturen des Ohrngrünzugs stehen die unterschiedlichen Prägungen und Qualitäten der einzelnen Parkteile. Hofgarten, Cappelrain, Cappelaue und Hofgut sollen auch weiterhin als historische Parkanlage städtische Grünverbindung, landwirtschaftlich geprägter Naturraum und als geschichtlich bedeutender herrschaftlicher Hofgarten ablesbar sein und ihre jeweilige Identität und ihren spezifischen Charakter behalten. Dies erfordert einen sensiblen Umgang und eine intensive Auseinandersetzung mit jedem dieser vier Grünräume.


    HOFGARTEN

    Auf der Grundlage der gartendenkmalpflegerischen Beurteilung durch das Landesamt für Denkmalpflege werden nur wenige gezielte Gestaltungsmaßnahmen vorgeschlagen. So wird unter Bewahrung bzw. vorsichtiger Wiederherstellung des französischen Gartens mit seiner zentralen (Sicht-) Achse und des englischen Gartens v.a. dort eingegriffen, wo die historischen Strukturen bereits weitestgehend überformt wurden: im ehem. Küchengarten und im Bereich des Streichelzoos. Hier wird durch die Anlage zweier bewusst kontrastierender, gewinkelter Holzdecks eine neue Gestaltungsebene eingeführt, die gemeinsam mit der ebenfalls architek-tonisch geformten Tanzlinden-Plattform, dem kürzlich entstandenen Holzdeck an der Schlossmauer und dem linearen Blütenteppich im wieder hergestellten Oval des französischen Gartens einen eigenen zeitgemäßen Ausdruck entwickelt.

    Der neu gestaltete Spielplatz erhält mit dem Holzdeck eine attraktive Kommuni-kationszone mit hohem und Aufenthalts- und Spielwert. Der durch die Zusammen-legung der beiden Seen deutlich vergrößerte See wird durch das Holzdeck erschlossen und damit besser erlebbar gemacht. Gleichzeitig wird der bisher etwas abseits liegende Streichelzoo besser an- und eingebunden.

    Das teilweise stark verzweigte Wegenetz wird in Teilbereichen geordnet und an die umgebenden Stadt- und Freiräume angebunden. Die kanalisierte Ohrn wird im Bereich des Hofgartens ökologisch aufgewertet und an einigen Stellen zugänglich und erlebbar gemacht. Im südöstlichen Bereich neben dem Hoftheater wird der vorhandene Parkplatz mit 40 Stellplätzen neu geordnet und in den Park integriert.


    CAPPELRAIN

    Der über eine neue Unterführung an den Hofgarten angebundene schmale Grünzug am Cappelrain besitzt eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen den beiden „Polen“ Hofgarten und Cappelaue. Trotz seiner geringen Breite kann der Cappelrain in Verbindung mit einer Renaturierung bzw. ökologischen Aufwertung der Ohrn zu einem wertvollen Grünkorridor entwickelt werden. Durch Auslagerung der vorh. Kleingärten im westlichen Bereich entsteht die Möglichkeit, den durch die Unter-führung ankommenden Fußweg zunächst als Uferweg im Grünen fortzuführen. Ein kleines Holzdeck bietet Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser.

    Im Bereich der heutigen Tennisplätze entsteht durch Ergänzung und Neuordnung der vorhandenen Einrichtungen eine attraktive Freizeitsportanlage für Jugendliche in Verbindung mit einer neu geschaffenen Sitzstufenanlage zur Ohrn. Ein kleines Plätzchen und eine neue Brücke über an der Ohrn stellen das Gelenk zur nördliche angrenzenden Sportschiene mit Hallen- und Freibad sowie zum südlich liegenden Wohngebiet dar. Ein Infopfad Wasserkraft setzt Verknüpfungspunkte zur Cappelaue.


    LIMES

    Beim Austritt aus dem engen Stadtraum in die weitläufige offene Feldflur kreuzt der Weg die Trasse des Obergermanisch-Raetischen Limes, der selbst jedoch an keiner Stelle sichtbar ist. Um die Bedeutung dieses ehem. römischen Grenzwalls für die Stadt Öhringen und für die Landesgartenschau hervorzuheben, soll der Verlauf des Limes im Gelände „durch gestalterische Elemente erlebbar gemacht werden“. Da der Limes selbst aus archäologischen Gründen nicht dauerhaft überbaut werden darf, schlagen wir die Anlage eines „Limesbandes“ etwa in der Breite des Schutzstreifens (ca. 30 m) vor, das an der westlichen Seite zu den vorhandenen Gehölzstrukturen durch eine kleine Böschung, an der Parkseite durch eine durchgehende Linie aus Gabionen begrenzt wird. Diese um etwa 45 cm gegenüber dem be-stehenden Gelände erhöhte Kante wird von einem breiten Gehweg und einer intensiv gestalteten Grünzone mit Aufenthalts-, Spiel- und Informationspunkten begleitet. Der Limes selbst wird im Gelände durch 1,50 x 1,50 m große und 20 cm starke Betonplatten symbolisiert, die im Abstand von 6 m auf dem natürlichen Boden verlegt werden. Während der Gartenschau soll auf jede zweite Platte eine gleichgroße Platte als Fertigfundament mit Öffnung verlegt werden, in die ca. 5 m hohe, farbig gestrichene Kanthölzer analog des LGS-Logos eingesetzt werden. Dadurch wird ein hoher Wiedererkennungswert zum Logo gewährleistet und der Limes als zentrales Gartenschau-Element erkennbar gemacht.

    Auf diese Weise wird das Bild des linearen, schnurgeraden, in Querrichtung nur punktuell durchlässigen Grenzzaunes bzw. -walls klar ablesbar und mit einfachen Mitteln umgesetzt, ohne einerseits den Eindruck einer historischen Rekonstruktion zu erwecken, andererseits das Thema streng wissenschaftlich-historisch aufzuarbeiten (was möglicherweise eine solche „Inszenierung“ verbieten würde).

    Den oberen Endpunkt des Limesbandes bildet eine Plattform, von der aus in beiden Richtungen weitere Limespunkte wahrgenommen werden können.


    CAPPELAUE MIT SOMMERHALLE

    Das Limesband bildet den Übergang zum landschaftspark Cappelaue, der in der Daueranlage entsprechend den Vorgaben aus einem extensiven Bereich südlich und einem intensiven Bereich nördlich der Ohrn besteht. Der Gewässerrandstreifen Der Ohrn selbst bleibt aus Gründen des Natur- und Artenschutzes sowie der Über-schwemmungsgefahr weitgehend unangetastet wund wird von Ackernutzung freigehalten.

    Im Gelenkpunkt zwischen dem Limesband und dem gestalteten Landschaftspark wird die gewünschte Sommerhalle als leichtes Flächentragwerk eingestellt. Die topografische Höhenkante wird in die Gebäudekonzeption der Sommerhalle aufgenommen. Somit wird ein ebenerdiges Vorfeld des Gebäudes an der Haller Straße (Vorfahrt, Anlieferung, etc.) gewährleistet. Hangseits schließt die Halle mit einer Aussichtsterrasse und Gastronomie an das zur Ohrn abfallende Gelände an.

    Die mit einem schwebenden Dach konzipierte Hallenkonstruktion akzentuiert damit die städtebaulich wichtige Geländesituation im Übergang der Stadtkannte zum gestalteten Landschaftsraum. Die vorgeschlagene Konstruktion stellt ein flexibles Grundgerüst für mögliche zukünftige Ausbaustadien dar.

    Ein Spielplatz zu beiden Seiten des von Norden hereinfließenden Ströllerbaches ergänzt das Freizeitangebot und setzt einen wichtigen Baustein in der Nutzungskette zwischen Kernstadt und Hofgut Cappel.

    Von der Sommerhalle führt eine Landschaftsterrasse aus Gabionenreihen am Talhang Richtung Osten und bindet die Reithalle sowie über einen großzügig angelegten ebenerdigen Übergang das Hofgut Cappel an. Ein weiterer Fußweg entlang der Ohrn führt direkt in die Ortslage von Cappel. Die südlich der Ohrn liegenden Bereiche sollen in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung verbleiben.


    WOHNGEBIET „KESSELÄCKER“

    In der durch Straßen relativ stark vom Landschaftsraum abgetrennten Fläche zwischen Römerallee und Stadtrand wird in Verbindung mit dem neue angelegten Grünzug Stöllerbachs ein kleines Wohngebiet zur Arrondierung des östlichen Ortsrandes vorgeschlagen.

    Die Bebauung ermöglicht Gebäude- und Wohntypologien, wie z.B. freistehende Einfamilien- und Doppelhäuser, Mehrgenerationenhäuser, gereihte Einfamilienhäuser und Ausbauhäuser.

    Aufgrund seiner Ausrichtung und Lage könnte hier ein in energetischer Hinsicht beispielhaftes Wohngebiet für Passivhäuser, Plus-Energiehäuser usw. entstehen. Das Wohngebiet lässt sich gut in mehreren Bauabschnitten realisieren.


    HOFGUT CAPPEL

    Aufgrund der Eigenschaft des Hofguts als private Liegenschaft werden in der Daueranlage lediglich einige kleinere Maßnahmen vorgeschlagen, die v. a. der Herstellung einer geeigneten Kulisse und Umgebung für die Ausstellungsbeiträge während der Landesgartenschau dienen. Dazu gehört v.a. die Anlage eines zentralen Nord-Süd-Weges vom Haupthaus zum noch vorhanden Portal an der Haller Straße mit Oval um das vorhandene (zu sanierende) runde Wasserbecken.

    Außerdem sollten die historischen (Blick-) Achsen in Ost-West-Richtung durch Fällen bzw. Auslichten einiger Bäume unter Schonung des historischen Baumbestandes auf der Grundlage des denkmalpflegerischen Gutachtens wieder hergestellt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.