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  • DE-24114 Kiel
  • 12/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-43744)

Neubau eines Sport- und Freizeitbads in Kiel


  • 3. Preis


    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Ingenieure / Fachplaner: Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH, Baden-Baden (DE)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)
    Tragwerksplaner: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau und Erschließung

    Das neue Sport- und Freizeitbad findet einen sicheren Platz im Grundstück mit heterogener Umgebung und nutzt die Chancen des Grundstücks für das Konzept:
    • Die Lage auf der westlichen Hälfte ermöglicht eine Orientierung der Bade- und Liegeflächen auf den offenen Landschaftsraum und den Teich im Süden und Westen.
    • Das Gebäude bildet – gemeinsam mit einem weiteren extern genutzten Gebäude – einen Rücken zur Gablenzstaße (K20) und schafft so die gewünschte städtebauliche Kante.
    • Die Parkplätze befinden sich kompakt auf der östlichen Hälfte des Grundstücks, nutzen so die unattraktivere Seite und werden von der Erschließungsstraße im Osten erreicht. Dort ist auch die neue Bushaltestelle.
    • Das Konzept nutzt das in Nordsüdrichtung verlaufende Gefälle auf dem Grundstück und trennt so den Besuchereingang/Haupt-eingang auf der oberen Ecke im Nordosten des Grundstücks vom Sportlereingang (Nebeneingang) im Osten auf der unteren Ebene.
    • Der Haupteingang ist – geschützt vom Verkehrslärm durch benachbarte Dienstleistungsgebäude – mit einer großzügigen Vorzone ausgebildet. Von hieraus hat man einen hervorragenden (Über)blick über das Bad; man erreicht von hieraus auf direktem Wege die Besuchertribüne des Sportbeckens; die Umkleideeinheiten in der darunterliegenden Ebene; sowie den separat organisierten Saunabereich im Süden. Der Haupteingang liegt im Schnittpunkt aller Wegebeziehungen:
    Der Fußwegeanbindung aus der Stadt (unter der Gablenzstraße hindurch), mit zugeordneter Bushaltestelle sowie den 200 Parkplätzen, die im natürlichen Gefälle des Grundstücks angeordnet sind.


    Funktionen

    Die gesamte Badelandschaft ist nach Westen und Süden hin zum Landschaftsraum und dem Teich orientiert. Das Sportbad im Norden und das Freizeitbad im Süden sind an der Taille des Baukörpers mittels einer filigranen Glaswand funktional getrennt, bilden aber dennoch eine räumliche Einheit.

    Das Springerbecken befindet sich 3 m erhöht im Norden und wird über die Stufen der Tribühnenanlage des Sportbeckens großzügig und selbstverständlich erschlossen. Durch das Anheben des tiefen Springerbeckens kann ein Eintauchen in das Grundwasser vermieden werden.
    Die Sauna ist im südlichen Ende des Gebäudes über 2 Ebenen organisiert. Die Bereiche der Sauna innen und außen sind nicht einsehbar, aber dennoch gut besonnt. Eine funktionale Anbindung an den Freizeitbereich des Schwimmbads ist gewährleistet.

    Der Restaurantbereich ist kompakt auf der Eingangsebene (E +1) angeordnet. Eine zentrale Küche versorgt sowohl das Foyer als auch das Freizeitbad und die Sauna.

    Die Umkleide- und Duschbereiche befinden sich auf der Badeebene (E0), sind getrennt nach Sportler und Freizeitbadegäste.

    Die nach Westen und Süden vorgelagerte Liegewiese verbindet Innen- und Außenraum und ist in Teilen öffenbar. Die Fläche wird in die begrünte Dachterrasse in der Ebene E +2 ergänzt.


    Gestalt, Material und Konstruktion

    Die lagerhafte Figur bindet sich sehr selbstverständlich in das eher landschaftliche Umfeld ein. Die überwiegend begrünten Dächer schaffen eine Aufenthaltsqualität, aber auch eine angenehme Dachaufsicht.

    Die einzelnen „Höhenschichten“ werden durch ca. 1,2 m dicke Deckenkanten definiert. Die Fugen zwischen den „Höhenschichten“ bilden die natürliche Belichtung aller Badebereiche.
    Die so entstehenden unterschiedlichen Raumhöhen reagieren auf die einzelnen Nutzungen und schaffen angenehme Teilräume und Teilatmosphären. Der Hochpunkt des Gebäudes wird durch das Sprungbecken im Norden gebildet.

    Ein geordnetes Stützenraster im Abstand von 8 m (16 m) und unterschiedlichen Spannweiten schafft eine strukturelle Ordnung im Gebäude. Für die weit gespannten Decken sind Hohlkörperflach-decken mit einer Dicke von ca. 80 cm vorgesehen: Die Gewichts-einsparung lässt wirtschaftliche Spannweiten über ca. 25 m zu. Der Versatz der Decken wird neben der Belichtung der Tagesbelichtung auch zu statischen Zwecken genutzt: Schotten verbinden die unterschiedlichen Ebenen und machen die Decke auch über den Sprung hinweg tragfähig. Es entstehen damit Freiheiten für die Stützenstellung und eine Reduzierung der Aussteifungselemente. Das Deckentragwerk mit unterschiedlichen Dicken wird mittels einer abgehängten Decke und integrierter Beleuchtung homogenisiert.

    Für die Gründung wird eine Pfahlgründung notwendig. Die Becken und die UG-Elemente werden freitragend auf den Pfählen abgesetzt. Der gesamte UG-Körper ist oberhalb des Grundwasserstandes angeordnet. Damit werden aufwendige Wasserverhaltungs-maßnahmen sowie eine weiße Wanne verhindert! Die Fugen zwischen den einzelnen Dachebenen sind weitgehend verglast. Eine filigrane, max. formatierte Kostenriegelverglasung schafft weiche Übergänge zwischen Innen und Außen und max. Tagesbelichtung. Die opaken Bauteile sind in Passivhausqualität:
    25-30 cm Dämmung der Fassade, 40 cm für die Dämmung des Daches und eine 3-fach-Verglasung opaker Bauteile mit gedämmten Fassadenprofilen und einem U-Wert von < 0,8 W/m²K.


    Energiekonzept

    Die Gebäudehülle wird in Passivhausqualität erstellt. Die Lüftung des Schwimmbads erfolgt mit einem Quellluftkonzept.

    Der Passivhausstandard macht eine Fassadenbeblasung einschl. eines nächtlichen Lüftungsbetriebs überflüssig. Die Schwachstelle im Randverbund der Fassade wird mittels einer geringen Beheizung der Profile ausgeglichen.
    Der erhöhte Wärmeschutz reduziert die Wärmeverluste. Außerhalb der Nutzungszeiten kann die Raumluftfeuchte erhöht werden und damit der Wärmebedarf gesenkt. Bei gleichen Komfortbedingungen kann die Umlufttemperatur reduziert werden. Der Wegfall der Luftauslässe entlang der Fassade führt zu einer wesentlichen konstruktiven Vereinfachung. Die erforderlichen Luftmengen werden auf ca. 60 % reduziert, der Primärenergieverbrauch für Heizung und Lüftung um 40 %.
    Die konventionelle Wärmeversorgung wird zusätzlich über Solarabsorber (70 % der Wasserfläche) und einer geothermischen Nutzung der Pfahlgründung unterstützt. Die Niedertemperatur-wärme wird direkt in den Filterkreislauf der Schwimmbecken eingespeist. Vor allem im Sommer wird eine relativ hohe solare Deckung erzielt, in der kalten Jahreszeit wird zusätzlich mittels einer Wärmepumpe Niedertemperaturwärme aus der aktivierten Pfahlgründung eingespeist. Sommerliche Überschüsse der Solarabsorber werden hier saisonal im Erdreich gespeichert. Freie Dachflächen sowie die ideal nach Süden und Westen geneigten Attikaflächen werden zusätzlich für eine solare Stromgewinnung mit Photovoltaik belegt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf nimmt die Topografie des Geländes auf und treppt sich terrassenförmig nach Süden ab. Der Hauptzugang wird im Nordosten nahe den Parkplätzen angeordnet. Ein neu hergestelltes Plateau schafft einen großzügigen Vorplatz. Der Entwurf schlägt ein weiteres Gebäude im Nordosten zur Begrenzung des Vorplatzes vor. Dieses Gebäude wird jedoch eher als nachteilig bewertet und kritisch gesehen. Der Parkplatz wird dem Gebäude angepasst, so dass davon ausgegangen werden muss, dass hier entsprechende Erdbewegungen notwendig sind. Städtebaulich behauptet sich der Entwurf jedoch nicht ausreichend stark in dem sehr urbanen Umfeld an der Gablenzbrücke.

    Die Verfasser schaffen durch die Abtreppung des Gebäudes zwei Zugänge. Dies wird vor allem für die Trennung des Sportbetriebs vom Familienbetrieb als sehr vorteilhaft bewertet. Der Eingangsbereich öffnet sich großzügig zum Beckenbereich und ermöglicht einen direkten Sichtbezug. Dies gewährleistet eine gute Orientierung. Das zusätzliche Angebot, die Tribüne direkt vom Eingangsbereich aus zu erschließen, stellt für Zuschauer einen Mehrwert dar.

    Die gesamte Badelandschaft orientiert sich richtiger Weise zum Teich und zum Landschaftsraum. Durch die gelenkförmige Ausbildung wird der Außenraum gut einbezogen. Sport- und Freizeitbereich sind gut voneinander getrennt. Jedoch wird die Erreichbarkeit des Springerbeckens als kritisch bewertet, da ein Zugang nur über die Tribüne erfolgt. Die Badebene ist funktional
    gut gegliedert und bietet den Vorteil, dass die Sportler von den übrigen Besuchern getrennt werden können. Die Saunalandschaft ist gut an die Gastronomie angeschlossen.

    Die differenzierten Überlegungen zum Energie- und Klimakonzept sind bei dieser Arbeit sehr positiv hervorzuheben.