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  • DE-91744 Weiltingen
  • 12/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-50048)

Neubau eines Museums im Römerpark Ruffenhofen


  • Anerkennung


    Architekten
    Planfabrik SPS, Ettlingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Detlef Drescher

    Mitarbeit
    Julia Altenbrand

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: stadt landschaft plus Landschaftsarchitekten GmbH, Karlsruhe (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das neue Museums- und Ausstellungsgebäude „Limeseum“ im Römerpark Ruffenhofen soll die Funktion des Empfangs und der Information der Besucher bei der Besichtigung des archäologischen Fundgebietes übernehmen. Das Römerkastell steht im Mittelpunkt des Interesses und kann gegenwärtig von dem dafür angelegten Aussichtshügel mit dem wetterfesten Modell im Maßstab 1:10 verglichen werden, bevor man das Gelände fußläufig erkundet.
    Das Limeseum soll künftig den Auftakt des Besuches des Römerparks bilden. Es fügt sich in die Hanglage des Wettbewerbsgrundstückes ein und ist parallel zum Kastell im Norden des Parks ausgerichtet. Bei der Anfahrt bleibt so der Blick auf das Kastell und den Römerpark vollständig frei.
    Das Konzept basiert auf einem Baukörper, der sich als landschaftliches Element ganz natürlich in die Topographie des Standortes einpasst. Er entwickelt sich aus einer Stützmauer und bildet auf der Hang-Ebene durch seine Kubatur städtebauliche Plätze und Situationen aus. Über die Parkplätze im Osten des Grundstückes kann man das Gebäude über einen Wiesenweg erreichen, die Dachfläche des Gebäudes begehen und schon von oben in den zentralen Ausstellungsraum des Kastell-Modells hinab blicken. Im direkten Vergleich zum echten Kastell kann man sich von Anfang an orientieren und sich einen Überblick über den Park verschaffen. Über eine Treppe erreicht man den Haupteingang des Museums. Entlang des Gebäudes erreicht man den Haupeingang niveaugleich und kann den Weg in umgekehrter Reihenfolge erleben. Das Gebäude kann somit als begehbare Skulptur mit Aussichtspunkt genutzt werden, die auch über die Öffnungszeiten des Museum hinaus betreten werden kann.
    Direkt am Eingang liegt der Kassenbereich mit Schließfächern, Museumsshop und Café, der bequem von einer Person überblickt und bedient werden kann. Von hier aus betritt man das Zentrum des Limeseums, den Ausstellungsraum des Kastell-Modells. Auch hier öffnet sich, genau wie auf der Dach-Ebene, durch eine Panorama-Verglasung der Blick auf die echte Kastellanlage und erlaubt den direkten Vergleich. Angeschlossen, jedoch abgedunkelt und akustisch abgetrennt von diesem Raum befindet sich der Multimedia-Raum mit flexibler Bestuhlung. Durch die Sonderausstellung erreicht man die drei anderen Ausstellungsräume. Diese kann somit beliebig zu jeder einzelnen Ausstellung dazugeschaltet werden. In der Ausstellung „Archäologie der Reichslimes-Kommission“ ermöglicht eine Fenster-Vitrine über die gesamte Breite des Raumes den Blick auf die Funde auch außerhalb der Öffnungszeiten, von außerhalb des Gebäudes. Der römische Balken in der Ausstellung „Limes und Römische Zeit“ wird durch ein Oberlicht in Szene gesetzt. Dem Ausstellungsbereich direkt angeschlossen und über eine großzügige Verglasung einsehbar, befindet sich der Funddepot-Arbeitsraum. An der Rückseite des Gebäudes ist ein Tiefhof ausgebildet, der einen optionalen Rundweg ermöglicht. Die Rückwand trägt ein Relief, auf dem der gesamte Limes-Verlauf abgebildet ist. Der Raum ist sowohl dem Café als auch der Ausstellung zugeordnet und durch beide Verglasungen einsehbar. Er kann somit auch im besonderen Rahmen der Sonderausstellung zugeschaltet werden und bietet auf außergewöhnliche Weise Informationen zum Thema Limes.
    Der westliche Gebäudeteil beinhaltet außer dem Funddepot-Arbeitsraum auch das direkt angeschlossene Funddepot, das Werkzeuglager und den Technik- und Generatorraum. Er entwickelt sich aus der Stützmauer, liegt komplett im Hang und wird vom angeschlossenen Werkhof bedient.
    Auch der östliche Gebäudeteil, der den Mehrzweckraum, die Bibliothek, die Büros der Mitarbeiter mit separater Nasszelle, die Küche mit Lager und die Sanitärräume beinhaltet, liegt teilweise im Hang und entwickelt sich aus der Stützmauer. Lediglich Mehrzweckraum und Bibliothek treten nach oben in Erscheinung. Ein nach Nord-Osten ausgerichtetes Oberlicht ermöglicht in der Bibliothek nicht nur rundum laufende Regalwände, sondern auch optimale Lichtverhältnisse.
    Der Mehrzweckraum, in unmittelbarer Eingangsnähe gelegen, kann komplett zum Café geöffnet und somit auch für größere Veranstaltungen mit Catering genutzt werden.

    Zum Grünkonzept im Römerpark Ruffenhofen

    Die Flächen der UNESCO-Schutzzone sind gegenwärtig in der weiträumigen Landschaft nicht ablesbar. Das römische Kastell erscheint als flaches Relief, dargestellt in Form von Grasbewuchs unterschiedlicher Höhe, sowie niederer Hecken. Um dem Besucher und dem Passanten die Dimensionen der Schutzzone und des Römerparks als Gegenstand des Limeseums zu verdeutlichen, wird eine einfache Maßnahme vorgeschlagen: In einem strengen Raster von circa 270 m Achsmaß, was den Abmessungen des dokumentierten Kastells entspricht, werden jeweils zwei Pappeln der Gattung Populus nigra‚ Italica’ gepflanzt. Mit ihrem schlanken Habitus und durch ihre strenge Anordnung in der offenen Landschaft lenken sie die Aufmerksamkeit auf sich. Bei ihrem Anblick stellen sich Fragen. Eine Bepflanzung mit Pappeln in dichten Gruppen ist auch beidseitig des Museums und entlang des Weges zum Aussichtshügel vorgesehen. Diese Bäume wurden auch deshalb ausgewählt, weil sie ihren Namen von den Römern erhielten. Botanisch „Populus“ (lat.-Volk) bezeichneten die Römer diese Baumgattung, da sie das Rascheln der Blätter an das Geräusch eines Volksauflaufs erinnerte. Pyramidenpappeln wachsen schnell und zeigen in kürzester Zeit Wirkung.
    Die Flächen für Wege, Parkplätze und Buswendeschleife werden so natürlich wie möglich belassen und in Rasensplit ausgebildet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Museumskomplex entwickelt sich auf halber Höhe des Hanges auf einem Plateau, das durch eine lang gezogene Stützmauer aus dem Geländerelief geschnitten wird und das Gebäude geometrisch auf das Denkmalfeld ausrichtet.
    Daraus entstehen sehr gelungene Wechselbeziehungen, die durch ein großräumiges Orientierungsraster aus Säulenpappeln noch gesteigert werden. Aus der Vernetzung von Außen- und Innenraum, der Anordnung der Parkplätze und Zugangswege entwickelt sich ein feinsinniger Rundgang mit Ein- und Ausblicken, der gefühlvoll in das Gelände integriert ist und die Annäherung an die eigentlichen Ausstellungsräume bereichert.
    So kann der Komplex als begehbare Skulptur mit einem Landschaftsbalkon auch außerhalb der Öffnungszeiten betreten und erlebt werden.
    Allerdings wird bezweifelt, dass sich die kleinteilig aufgelösten Konturen des Bauwerks im weitläufigen Gelände ausreichend behaupten können, um als Schwerpunkt der Anlage entsprechende Anziehungskraft zu entfalten.
    Diese maßstäbliche Schwäche setzt sich folgerichtig auch in der inneren Organisation fort. Zwar scheint die Aufteilung der Funktionsbereiche in Ausstellungs- und Verwaltungsflügel grundsätzlich Protokoll der Preisgerichtssitzung richtig. Die Verschachtelung der Baukörper, daraus resultierende kleinräumige Orientierungswechsel und auch der rückläufige Treppenzugang dürften Besucher jedoch wenig animieren. Trotzdem machen die klar getrennten Funktionsbereiche im kreuzungsfreien Ausstellungsbereich einen „echten“ Rundgang möglich. Problematisch erscheinen die Entfernung zwischen Büros und Kassenbereich sowie die geringe lichte Höhe dieser Räume.
    Fragwürdig scheint allerdings der Mehrwert der Einblicke in Modellraum und Lichthöfe, die aus umgekehrter Perspektive eher als Störung empfunden werden können.
    Die einfache Konstruktion mit geringen Spannweiten erscheint grundsätzlich kostengünstig. Insgesamt lassen die Komplexität des Bauwerks in Verbindung mit Hangeingriffen und der zusätzlichen Stützmauer jedoch erhebliche Mehrkosten und eine längere Bauzeit erwarten.