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  • DE-87616 Marktoberdorf
  • 12/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-45089)

Busbahnhof


  • Anerkennung

    Ansicht Fahrradunterstand

    Architekten
    dv architekten deffner voitländer, Dachau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Helmut Wartner , Rupert Zeitzler † , Prof. Dorothea Voitländer , Prof. Konrad Deffner

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Behringer Beratende Ingenieure GmbH, München (DE)
    Landschaftsarchitekten: raum + zeit, Landshut (DE)
    sonstige Fachplaner: Modus Consult, Karlsruhe (DE), Speyer (DE)

    Erläuterungstext
    AUSGANGSSITUATION

    Gegenwärtig präsentiert sich das Bahnhofsareal wenig repräsentativ. Die Westseite ist vollständig von Gewerbebauten beherrscht und der ehemalige „Grüne Stadtrand“ nicht mehr zu sehen.Die Besonderheit der Landschaft mit der typischen Allgäuer Ausprägung ist für den ankommenden Bahnreisenden nicht wahrnehmbar. Marktoberdorf wünscht sich deshalb mit dem Bahnhofsumfeld eine neue Visitenkarte für seine Gäste. Der Bahnhof als 5. Stadttor wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

    "ALLGÄU IN DER STADT"

    Die Stadt holt den verlorengegangenen „Grünen Stadtrand“ wieder zurück. Dazu wird gedanklich der Streifen hinter dem Gewerbegebiet ausgeschnitten und an den Bahnhof zurückverpflanzt. Eine einreihige Allee entlang der Johann-Georg-Fendt Straße wirkt als grüne Raumkante zum Gewerbegebiet und vermittelt darüber hinaus zur dahinter liegenden Landschaft.

    Damit entsteht auf einfache Weise eine landschaftstypische, identitätsstiftende und zugleich werbewirksame Situation, die der Stadt in Herstellung und Unterhalt wenig Kosten verursacht.
    Marktoberdorf heißt seine Gäste mit neuer Visitenkarte im liebenswerten Allgäu willkommen.


    DER "LÄUFER"

    Ein „Läufer“ parallel zu den Bahngleisen sammelt von Nord nach Süd die Fußgänger: Von den verschiedenen Parkflächen für Pkws, Fahrräder und Busse leitet er sie in direkter Linie weitgehend frei von Fahrverkehr zum Bahnhof hin.

    Der „Läufer ist in seinem Hauptabschnitt zugleich Gehweg, Bussteig und Wartebereich und hier deshalb auch mit einem langgezogenen Dach überbaut. Er organisiert so zur einen Seite den Busbahnhof, zur anderen die Fahrradunterstände. Es entsteht eine Raumkante zur Straße, die durch den Wechsel aus transluzenten Glaswänden und Lücken mit Bäumen rhythmisiert wird.

    Die Fahrspur der Busse verbindet sich optisch mit den Bahnsteigflächen. So liegt der „Läufer“, an den sich alle geforderten Funktionen angliedern, wie eine Insel zwischen Bahn und Straße.

    Der Busbahnsteig erhält sein Licht nachts über Einbauleuchten von oben aus den runden Dachöffnungen heraus. Die Fahrradunterstände wirken als kubische Leuchtkörper für Bussteig und Straße. Neonröhren in ihrer Stahlrahmenkonstruktion erzeugen ein Licht, das sich gleichmäßig zwischen den vorgehängten, mattierten Glastafeln ausbreitet. Mastleuchten, wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite beleuchten den Parkplatz und den Bereich vor dem Bahnhofsgebäude.

    Zusätzlich zu der 5m langen Anschlagtafel im Warteraum sind auf den vorgehängten Glastafeln entlang des „Läufers“ Texte über Marktoberdorf zu lesen, die den Touristen und Wartenden von der Geschichte und Entwicklung der Stadt im Wandel der Jahrhunderte erzählen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die klare städtebauliche Struktur bildet eine angemessene Lösung für den Standort. Die Bahnhofstraße wird räumlich gut gefasst, die Höhenausbildung von höherem Dach und niedrigeren Fahrradhäusern entlang der Straße ist überzeugend. Schön ist auch, dass die vorgesehenen Baumreihe auf der Seite des Busbahnhofes durch die Anordnung der Baukörper auf Lücke umgesetzt werden kann. Problematisch erscheint der Anschluss des Daches an das Bahnhofsgebäude sowie die Verstellung des Bahnhofsvorplatzes mit dem Aufzug und Abgang zur Unterführung. Insbesondere ist dadurch auch der Blick von der Poststraße nicht unbedingt verbessert.

    Die Funktionen sind grundsätzlich sehr klar und im Prinzip richtig an einer Linie aufgereiht. Dabei liegen die Fahrradständer in Bezug zum Bahnhofsgebäude zum Teil weit entfernt. Der Warteraum bietet keine Einsicht zum Busbahnhof.
    Der Busbahnhof erfüllt die Anforderungen allerdings, bedingt jedoch lange Wege von den nördlichen Haltestellen zum Bahnhof. Dafür wird der Radfahrer entlang der Bahnhofstraße sehr sicher geführt und kreuzt lediglich an zwei Stellen den Bus- bzw. den Parkverkehr. Die Parkplätze sind richtig im nördlichen Bereich angeordnet und liegen konsequent in der vorgegebenen linearen Struktur des Gesamtkonzeptes. Dabei befinden sich die Behindertenstellplätze allerdings viel zu weit vom Bahnhofsgebäude entfernt und sind wegen des rückwärtigen Ausparkens auf die Bahnhofsstraße problematisch.

    Die Dachkonstruktion ist durch ihre geringe Fläche und Konstruktionsart sehr wirtschaftlich, gleiches gilt für die Fahrradhäuser. Die vorgeschlagenen Materialien wie Beton, Stahl und Glas sind angenehm und ebenfalls wirtschaftlich eingesetzt, wenn im Bereich des Betondachs Halbfertigteile eingesetzt werden. Die Dachentwässerung ist noch nicht gelöst.

    Die Idee der vollständigen landschaftlichen Gestaltung des westlich der Gleise liegenden Areals wird grundsätzlich anerkannt. Schön ist insbesondere die Modellierung im Bereich der Unterführung, die dadurch einen sehr großzügigen Ausgang erhält. Auch die Parkplätze entlang der Johann-Georg-Fendt-Straße im direkten Bereich des Zugangs
    zur Unterführung dürften von Beschäftigten im Innenstadtbereich gut angenommen werden.