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  • DE-82194 Gröbenzell
  • 11/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-48098)

Südliche Bahnhofstrasse Gröbenzell


  • 4. Ankauf

    Zwei aus Einzelhäusern gebildete Wohnhöfe rhythmisieren den Straßenraum

    Architekten
    17A ARCHITEKTUR, Königsbrunn (DE), München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Andreas Matievits , Stefan Degle

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Planungsbüro Dieter Weinbrenner, Augsburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau und Außenräume

    Ganz im Sinne einer Gartenstadt ist Gröben-zell stark durch freistehende Einzelhäuser mit grünen Gärten und baumbestandenen Zwischenräumen geprägt. Der neue nördliche Teil des Stadtzentrums von Gröbenzell soll nun ebenfalls von Einzelhäusern gebildet werden, die um zwei große Höfe angeordnet werden. Diese Anordnung ermöglicht einerseits eine gute Präsenz und Adresse von Geschäften und Büros zur Bahnhofstraße im Osten, andererseits die Ausbildung von ruhigen Wohnhöfen im Westen. Zur Bahnhofstraße wird eine 4-geschossige Bebauung vorgeschlagen. Nach Westen wird die Bebauung 3-geschossig ausgebildet und ermöglich dadurch einen angenehmen Übergang zur angrenzenden, bestehenden 2-geschossigen Einfamilienhausbebauung. Alle Gebäude erhalten Giebel, die sich zur Bahnhofstraße orientieren und somit eine städtische Großzügigkeit vermitteln. Nach Norden und Süden der Gebäude ermöglichen die Traufen eine gute Belichtung der Höfe. Die durchlässigen Wohnhöfe ermöglichen den Übergang von der öffentlichen Bahnhofstraße zu den halböffentlichen Höfen und weiter zu den privaten Freibereichen rings um die Gebäude. Im Hof ist Platz für private Eingänge, gut abgegrenzte gemeinschaftliche Aufenthaltsbereiche als Anregung für soziale Kontakte und übersichtliches Kinderspielen.

    Stadtplatz im Süden

    Im Süden der beiden Höfe nahe der Bahnlinie entsteht ein kleiner Stadtplatz. Hier befindet sich auch das neue Hotel mit ca. 130 Zimmern und einigen Konferenzräumen. Eine gute Erreichbarkeit vom Hotel zur S-Bahn ist dadurch gewährleistet. Im Erdgeschoss des Hotels befinden sich außerdem Gastronomie, ein Fahrradladen mit Werkstatt und eine Fahrradstation für ca. 550 Fahrräder. An das Café Valentin wird das Jugendcafé angegliedert. Zwischen den Gebäuden, die den neuen Platz umstellen wird ein öffentlicher Raum mit einem einheitlichen Pflasterbelag definiert, der frei bespielt werden kann. Die Oberfläche des Stadtplatzes soll künstlerisch gestaltet werden. Hier werden neben dem Weihnachtsmarkt oder dem zweiten Wochenmarkt auch kleinere Veranstaltungen stattfinden. Ansonsten soll der Platz als Kommunikationsplattform für die Bürger genutzt werden. Durch die von der Bahnhofstraße abseitig gelegene Situation entsteht zu Veranstaltungszeiten keine Ü-berschneidung mit den „Kiss & Ride“ Vorgängen.

    Grüner Platz

    Zwischen den beiden Wohn- und Geschäftshöfen wird ein grüner Platz ausgebildet, der in ein zur Bahnhofstraße paralleles, halböffentliches Wegenetz eingebettet ist und zum Spielen für die Kinder der Umgebung und zur Erholung einlädt.

    Grüner Baum

    Im Norden werden zwei über einen Zwischenbau verbundene Häuser als Gastwirtschaft mit kleinem Gästezimmeranteil und Veranstaltungssaal unter Berücksichtigung des großzügigen Baumbestands vorgeschlagen, so dass an dieser Stelle der alte Biergarten reaktiviert werden kann.

    Östliche Grundstücke

    Die Grundstücke östlich der Bahnhofstraße sollen wie auf der westlichen Seite mit 4-geschossigen Gebäuden mit Giebeln zur Straße ersetzt werden. Auf diese Art und Weise wird die spürbare Änderung in Richtung eines städtischen Charakters für Gröbenzell auch auf dieser Straßenseite unterstützt.

    Fahrradverkehr

    Durch die Ausweitung des öffentlichen Raums bis an die Gebäudekanten wird insbesondere nördlich der Schubertstraße seitlich vom Boulevard ausreichend Platz für einen Fahrradverkehr mit getrennten Fahrbahnen in zwei Richtungen auf der westlichen Straßenseite geschaffen. Somit wird der Fahrradverkehr ohne Überquerung der sonst problematischen Schubertstraße auf selbstverständliche Art und Weise zur Bahnunterführung geleitet, der ebenfalls in zwei Richtungen auf dieser Straßenseite funktioniert. Dadurch kann der Fahrradweg auf der östlichen Seite der Bahnhofstraße entfallen und ermöglicht die Ausbildung eines Boulevards. Um von der Bahnhofstraße zur Fahrradstation beim Hotel zu gelangen, werden die Radfahrer über den Stadtplatz zum Sonnenweg geleitet.

    Autoverkehr

    Die derzeitige Straßenführung der nördlichen Bahnhofstraße in die Schubertstraße mit seitlichen Längsparkern wird beibehalten und soll an der Oberfläche aufgebessert werden. Der ruhende Verkehr wird in einzelnen Tiefgaragen in den Höfen untergebracht. Auch unter Berücksichtigung des Baumbestands können diese ausreichend groß dimensioniert werden. Die Wohnhöfe werden somit nur für Umzüge und für die Feuerwehr teilweise befahren. Die Zufahrten sind jeweils in den nördlichen Teilen der Gebäude an der Bahnhofstraße. „Kiss & Ri-de“ findet nach wie vor im südlichen verkehrsberuhigten Teil des Planungsgebiets statt.

    Straßenraum Bahnhofstraße -„Städtischer Boulevard mit Flair zum Wohnen“

    Der öffentliche Straßenraum der nördlichen Bahnhofstraße soll bis an die derzeitig bestehende Gebäudeflucht erweitert werden. Dadurch wird im nördlichen Teil der Bahnhofstraße ein ca. 6 m breiter Gröbenzeller-Boulevard geschaffen der zum Flanieren Café trinken und auf der Straße sitzen einlädt. Nach Süden wird dieser dann im verkehrsberuhigten Bereich noch breiter und soll zusammen mit den öffentlichen Zonen um das Hotel herum mit einem einheitlichen Pflasterbelag versehen werden. Die Vorbereiche der östlichen Grundstücke sollen ebenfalls nach und nach mit dem gleichen Belag versehen werden. Hier sollen zusätzliche Bäume den Boulevard Charakter verstärken und gleichzeitig für die teilweise Wohnnutzung Abschirmung und Privatheit in den oberen Geschossen ermöglichen. Von Norden nach Süden sind entlang des städtischen Boulevards hin zum südlichen Zentrum von Gröbenzell alle geforderten Nutzungen in unterschiedlichen Raumsituationen, wie Höfe und Plätze verteilt.

    Straßenräume Schubert-, Beethoven- Richard-Strauß- und Franz-Lehar-Straße

    In der Schubertstraße soll soweit wie möglich der gleiche Belag wie in der Bahnhofstraße ausgebildet werden, um einen angemessenen Übergang in den nördlichen Teil der Bahnhofstraße zu erhalten. Die weiteren Nebenstraßenräume werden in den betroffenen Teilbereichen in der Art der Fußgängerbereiche mit einem Pflasterbelag gestaltet so dass im Übergang zu den Boulevards ein Schrittverkehr für Sicherheit an den Übergängen sorgt.

    Zentrum nahes Wohnen

    Die oberen Geschosse an der Bahnhofstraße mit der Ausrichtung nach Westen sowie die nördlichen und südlichen Teile der Hofbebauung sind als Geschosswohnungen und Haus-im-Haus Einheiten geplant. Im Westen können die Gebäude auch als 3-geschossige Reihenhäuser mit Westgärten ausgebildet werden. Die südliche Bebauung des nördlichen Hofs mit Blick auf den Grünplatz ist für Senioren- und Altersgerechte Wohnungen reserviert.

    Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung

    In den Erdgeschossen zur Bahnhofstraße sowie in den südöstlichen Gebäudeteilen zum Hotel sind hauptsächliche Einzelhandel Gastronomie, sowie Dienstleistungen angeordnet. Durch die einfache Anordnung der Gebäude sind hier flexible Größen für mittelständische Unternehmen und ruhiges Kleingewerbe möglich.

    Büros und Ärzte

    In den ersten Obergeschossen zur Bahnhofstraße werden neben der Wohnnutzung Büros und Ärzte angesiedelt.

    Umgang mit dem Bestand

    Die Planung ermöglicht es die bestehenden Gebäude sowie nahezu den gesamten eingetragenen Baumbestand zu erhalten. Auch wenn die bestehenden Gebäude zunächst erhalten bleiben und erst später umgebaut oder ersetzt werden, wird der Hofcharakter umgesetzt. Die teilweise bestehenden Höhendifferenzen zu den Erdgeschossen der Bestandsgebäude sollen über einfache, in den Straßenraum hineinragende Stahlbeton-Podeste, einheitlich gelöst werden. Das Konzept ermöglicht somit kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen.

    Städtebauliche Flexibilität - Bauabschnitte

    Durch das einfache System der Höfe können die Gebäude relativ einfach an unterschiedliche Bedürfnisse von Grundstückseigentümern, Interessenten von Büro und Geschäftshäusern und weitergehende Vorstellungen der Stadt Gröbenzell angepasst werden. Die einzelnen Höfe, die Gebäude um das Hotel sowie das Gasthaus Grüner Baum können jeweils von unterschiedlichen Investoren unabhängig voneinander errichtet werden.

    Ökologie und Nachhaltigkeit, Energetisches Bauen

    Durch die Anordnung einfacher Baukörper und der einfachen Tiefgaragengeometrie wird eine wirtschaftliche Erstellung sichergestellt. Durch die großen Höfe und der sehr günstigen Belichtungssituation kann der Energieverbrauch der Gebäude reduziert werden. Die Ausrichtung und die städtebauliche Lage der Höfe mit der Straße im Osten sind für die Wohngebäude ideal. So kann auf der Süd-, der Ost- und der Westseite durch Anordnung von Fenstern ein Energieeintrag erzielt werden, wohingegen der verlustreiche Nordanteil reduziert wird.

    Schallschutz

    Durch einfache Grundrisslösungen orientieren sich die Wohnungen in den Oberge-schossen zum ruhigen Innenhof, der eine abgeschirmte Zone bildet. Im Süden zur Bahn wirkt das Hotel als Schallschutzpuffer. Das Hotel selber wird im südlichen Gebäudeteil mit Schallschutzfenstern ausgestattet. Der Schallschutz beim Grünen Baum nach Westen wird über eine grüne Schallschutzwand sichergestellt werden. Nach Süden wirkt die Hofrandbebauung als Schallschutzmaßnahme für die weiteren Gebäude.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.