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  • DE-14469 Potsdam
  • 04/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-46658)

Neubau Wohnheim am Luftschiffhafen Potsdam


  • 1. Preis


    Architekten
    Gutheil Kuhn Architekten, Potsdam (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerd Gutheil , Markus Kuhn

    Mitarbeit
    Andreas Gülzow, Mathias Klöpfel

    Erläuterungstext
    Städtebau:
    Der Neubau besteht als autonome Baufigur im heterogenen Umfeld und nutzt das Potential des wunderbaren alten Baumbestandes. Die Gestalt schafft mehrere Bezüge: die Ausrichtung auf das Wasser, die Raumbildung mit der Schule und den Bezug zum Hochhaus. Die geringe Höhe mit fünf Geschossen über dem Erdgeschoßfußboden ist eine wichtige Vorraussetzung für die Ensemblebildung mit der Schule, für die Maßstäblichkeit zu dem Baumbestand , für eine überschaubare Nutzung durch die Jugendlichen.

    Baukörper, Fassade:
    Der flache Baukörper bildet einerseits einen Höhen- Kontrast zu dem Hochhaus, andererseits wird die gemeinsame Nutzung im Erdgeschoß in der Fassade verdeutlicht- das Hochhaus erhält in der Höhe des Eingangsgebäudes eine Fassadenverkleidung im Material des Neubaus, bündig mit dem Wärmedämmverbundsystem der Obergeschosse. Die Fassadengliederung unterstützt den Wunsch nach einem niedrigen Gebäude mit ablesbarer Geschossigkeit. Das Dachgeschoß wird als ‚Krone’ deutlich abgesetzt, die ‚kleinen’ Wohnungen werden erfahrbar. Der Sockel wird durch ein zurückspringendes Gesimsband abgesetzt, durch ein Split-Level im Inneren ist die Oberkante des Sockels zugleich die Brüstungshöhe des Gemeinschaftsraumes am Eingang. Die Wohngruppen Bereich A mit Einzelzimmern werden ebenso in der Fassade erkennbar.

    Gebäudestruktur:
    Die Geschoßhöhe im Erdgeschoß des Hochhauses von 4,20m wird im Neubau des Einganges übernommen und bis in die Erschließungshalle des Neubaus fortgesetzt. Von hier werden die Regelgeschosse der Wohngruppen mit einer Geschoßhöhe von 2,90m ausgehend von der Oberkante der Decke EG im Split-Level angesetzt. Im Zusammenhang mit dem natürlich abfallenden Gelände sind der Fußboden des Sockelgeschosse bei Regelgeschoßhöhe und das anschließende Niveau gleich. Das Sockelgeschoß unmittelbar am Garten stellt somit eine Ausbaureserve für vollwertige Nutzungen dar. Über zwei Treppenhäuser und die laubengangähnlichen Gänge um die gemeinsame Halle werden die Wohngruppen erschlossen. Da das Niveau der Halle zwischen den U-förmigen Sockelräumen frei von Gründungsbauwerken und natürlich belichtet ist, wird eine Bepflanzung vorgeschlagen.

    Organisation:
    Am Eingang sind im EG des Hochhauses die Leitung und der Empfang untergebracht, der Gemeinschaftsraum im Neubau. Das Foyer öffnet sich großzügig mit einer breiten Terrasse zum Wasser; die Abfolge von Saal, Foyer, Cafeteria und Terrasse ist Garant für eine robuste Nutzung. Die ‚kleinen Wohnungen’ des Wohnbereiches B sind sämtlich im 4. Obergeschoß untergebracht. Die in der Halle angelegte Schichtung von der Gemeinschaft in die Privatsphäre wird im Inneren der Wohngruppen im Bereich A fortgesetzt; durch vorgelagerte Dielen mit Verglasungen zu den Fluren und eingestellte Möbel mit Garderobe und Teeküche zum Gemeinschaftsraum. Die Räume für die Erzieher sind den 5 Wohngruppen pro Regelgeschoss optimal zugeordnet, die ‚Wohnzimmer’ sind ebenso auf die vier Geschosse verteilt. Als Ausnahme ist eine Wohngruppe mit Einzelzimmern direkt am Haupttreppenhaus über die halbe Treppe im Sockelgeschoß erschlossen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Bauköper des neuen Wohnheimgebäudes bildet durch seine maßvolle 5-geschossigkeit ein Ensemble mit dem gegenüber der Eliteschule und der mächtigen Baumgruppe. Die verklinkerte Lochfassade um- schließt im Erdgeschoss das benachbarte Hochhaus, sie unterstreicht andererseits den eigenen Charakter einer großen Skulptur, noch ver- stärkt durch die Ausbildung von Sockel- und Kopfgeschoss.
    Der polygonale Bau besetzt vollständig das gesamte Baufeld. So reagiert er geschickt mit 5 Fassaden auf das vielfältige äußere Umfeld – auf Wasser, Bäume, Schule und Hochhaus.
    Im Inneren öffnet er das neue Haus durch einen glasüberdachten Innenhof, um den sich über alle Geschoss das gesamte Bauprogramm gruppiert und über dessen Laubengänge alle Einzelräume erschlossen werden. Dieses klare übersichtliche Konzept ist auch im Interesse der für die jugendlichen Sportler Verantwortlichen.
    Einzel- und Doppelzimmer sind gut organisiert und auch bei geringem Glasanteil der Fassade gut und gezielt belichtet. Die Kompaktheit und geringe Hüllfläche des Gebäudes ergeben einen unterdurchschnittlichen Wärmebedarf und nicht zuletzt eine günstige Wirtschaftlichkeit.
    Die Anforderungen an den Brandschutz sind durch zwei Fluchttreppen gewährleistet.
    Überzeugend ist die großzügige Gestaltung des Erdgeschosses, die Alt- und Neubau verbindet, in dem sie die Höhe von 4,20m des Altbau-Erdgeschosses übernimmt und bis in die Erschließungshalle des Neubaus fortsetzt.
    Im Gelenk zwischen Hochhaus und Neubau sind neben dem Eingang und Durchgang als verbindende Glieder der Multifunktionsraum und – zum Wasser hin – die Cafeteria angesiedelt. Empfang und Leitung im Erdge- schoss des Hochhauses sichern den Überblick zum Eingangsgeschehen. Eine neue Terrasse fasst Alt- und Neubau zusammen.
    Insgesamt ist der Entwurf in seiner Ensemblewirkung, in seiner angenehmen zurückhaltenden Architektur, in der Großzügigkeit seiner offenen Erlebnisräume im Innern, in seiner guten Orientierung und Übersichtlichkeit und nicht zuletzt in der gut durchgearbeiteten Funktionalität bis in die einzelnen Räume ein geeigneter und gelungener Vorschlag für gestellte Aufgabe.