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  • 3. Preis


    Architekten
    Woltereck Fitzner, Leipzig (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Designer: Gourdin & Müller, Leipzig (DE), Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Ziel und Absicht

    Identität und Diversität

    Die Konzeption eines Leitsystems für die Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen stellt den Planer vor besondere Herausforderungen: das System soll einerseits identitätsstiftend für die Institution sein, sich andererseits in Gestaltung und Funktionalität für 19 unterschiedliche Kulturdenkmäler eignen. Der Kontext des Kulturerbes erfordert zudem ein System, das es mit entsprechender Würde repräsentiert.

    Erlebnis

    Historische Räume liefern nicht nur eine faszinierende Kulisse für die Augen. Das Panorama, das sich dabei dem Besucher eröffnet, ist meistens Ergebnis eines komplexen geschichtlichen Prozesses. Ein Informations-, Leit- und Orientierungssystem soll sowohl die Entstehungsgeschichte des Ortes als auch dessen Bezüge zur Gegenwart vermitteln. Die sinnliche Wahrnehmung der historischen Räume und Objekte kann durch die begleitenden Informationen zu einem intensiven Erlebnis werden.

    Verborgenes

    In den historischen Anlagen verstecken sich interessante Geschichten und Anekdoten.
    Die Maillebahn am Schloss Pillnitz ist ein besonders gutes Beispiel: die Erklärung
    des Begriffs »Paille-Maille« (altes Ball-Spiel) ermöglicht es dem Besucher, sowohl
    die Bezeichnung des Parkbereichs als auch die erforderliche Geradlinigkeit der
    Allee nachzuvollziehen. Als das Spiel aus der Mode kam, wurden aus den Bahnen
    Flaniermeilen, an die sich allmählich Geschäfte ansiedelten. Daraus entstand
    schließlich der heutige Begriff der »Shopping Mall«.

    Wertschätzung und Unaufdringlichkeit

    Ausgangspunkt der gestalterischen Überlegungen bildet der rücksichtsvolle Umgang
    mit der wertvollen Bausubstanz: Die Beschriftungen distanzieren sich durch Form
    und Art der Anbringung vom historischen Bestand. Durch den geschaffenen Abstand
    wird der jeweilige Ort, das jeweilige architektonische Objekt oder landschaftsplanerische
    Ensemble verstärkt als »Exponat« wahrgenommen. Auf vertikale, freistehende Informationsträger wird zugunsten eines ungestörten Blicks weitestgehend verzichtet.

    Prinzip

    Monolithische Orientierungstafeln mit schwebender Wirkung

    Das Leit- und Informationssystem besteht aus horizontalen monolithischen Informationsträgern. Diese liegenden Objekte aus durchgefärbtem Beton sind fundamentfrei aufgestellt. Der eingerückter Sockel (Schattenfuge) als Ausgleich von Unebenheiten unterstützt die schwebende Wirkung der Elemente und somit die Absicht des behutsamen Umgangs mit dem Ort.

    Mineralischer Werkstoff

    Der durchgefärbte Beton verbindet eine zeitgemäße Oberfläche mit der Erscheinung eines mineralischen Werkstoffs, der sich für den Dialog mit der historischen Bausubstanz eignet. Beton erfüllt die Anforderungen an ein nachhaltiges Informationssystem im Außenbereich: vielseitig einsetzbar in Form, Größe und Farbe, stabil, witterungsbeständig und vandalismussicher. Sie können unterseitig mit Beleuchtung ausgestattet werden.

    Eingangssituation

    Die Kennzeichnung der jeweiligen Anlage erfolgt in unmittelbarer Nähe zum Eingang
    bzw. Parkplatz. Sie erfolgt durch einen großformatigen Schriftzug, der bei Dunkelheit
    leuchtet bzw. angeleuchtet wird. Dem grafischen Konzept folgend, wird das Piktogramm
    der Anlage der Bezeichnung vorangestellt. Sofern auf einen Mauerbestand
    nicht zurückgegriffen werden kann, kann die Beschriftung anderweitig erfolgen, z.B.
    als Textilfahne.

    Barrierefreie Übersicht

    Als Grundorientierung dient bei jeder Anlage in Eingangsnähe ein dreidimensionales
    Modell für Sehende, Sehbehinderte und Blinde (taktile bzw. Braille-Schrift). Hier kann
    sich der Besucher orientieren und seinen Rundgang planen. Dabei erhält er sowohl
    einen Überblick zu den Dimensionen als auch zur Topographie.

    Orientierungsfaltblatt

    Insbesondere bei komplexen oder weitläufigen Arealen gehört ein Informationsfaltblatt
    mit Lageplan zu den wichtigen Reisebegleitern. Es beinhaltet sowohl Serviceals
    auch kulturhistorische Informationen in übersichtlicher Form und kann in weiteren
    Sprachen aufgelegt werden.

    Richtungsweisende Positionierung

    Die Ausrichtung der Informationselemente weist – ähnlich einem Zeiger – den Besucher
    auf das gewünschte Ziel hin; sowohl im Nah- (z.B. gegenüber einem Museumseingang)
    als auch im Fernbereich (z.B. Parkbereich). Insbesondere Sichtbeziehungen
    und -achsen werden genutzt.

    Dezente Objekttafeln

    Kontextuelle kulturhistorische Informationen werden in der Nähe der zu erläuternden Situationen angebracht. Der bewusste Abstand zur Bausubstanz unterstreicht den behutsamen Umgang mit dem historischen Bestand und hebt ihn gleichzeitig als Exponat hervor.

    Filigrane Objektbeschriftungen

    Ergänzend dienen filigrane Wandbeschriftungen als Objektmarkierung. Einzelne Bauteile werden im Sockelbereich gekennzeichnet und erleichtern die Orientierung. Diese Wandbeschriftungen bestehen aus emaillierten Metallbuchstaben bzw. Piktogrammen, die mit Abstand zur Wand angebracht werden.

    Innenbereich

    Die Beschriftung im Innenbereich erfolgt auf ähnliche Weise wie die Objektbeschriftung im Außenbereich: Schriftzüge und Piktogramme bestehen aus decoupierten Zeichen (gelasert oder per Wasserstrahl geschnitten). Durch den Verzicht auf Schilder mit definierten Flächen und Maßen lässt sich flexibel und somit denkmalgerecht auf jede bauliche Situation reagieren.

    Temporäre Werbung

    Schloss und Park Pillnitz

    Für die temporäre Werbung sind vor den Gebäuden Stelen zu vermeiden, da sie den Blick auf die einzigartige Anlage stark beeinträchtigen. Da die Museen in den Wintermonaten geschlossen sind, sind sie zudem teilweise überflüssig. Während der Sonderausstellungen können am Gebäude Textilfahnen gehängt werden, die sich durch Format und Proportionen auf die Architektur beziehen.

    Schloss und Park Weesenstein

    Da sich Schloss und Park nicht unmittelbar an der Hauptstraße befinden und der
    Parkplatz nicht gleich eindeutig als Teil der Anlage identifizierbar ist, können hier
    Fahnenmasten aufgestellt werden. Sie dienen zu einen der Arealkennzeichnung und
    zum anderen der Werbung für Ausstellungen.

    Statische Werbeträger

    Sofern erforderlich können in Eingangsnähe der Anlagen Werbeträger für Plakate
    aufgestellt werden. Aufgrund der Vertikalität sollte jedoch ihre Positionierung sorgfältig
    ausgewählt werden, um die Sicht auf die im Hintergrund befindliche Kulisse so
    wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Plakat-Aufnahmefläche ist selbstleuchtend.
    Mit einer neuartigen und wirtschaftlichen Beleuchtungstechnik (unsichtbarem
    LED-Feld) ausgestattet, lassen sich gegenüber einer herkömmlichen Beleuchtung
    mit Leuchtstoffröhren 70% der Energiekosten bei nahezu Wartungsfreiheit sparen.

    Medienverknüpfung

    Dynamische Aktualisierung von Inhalten

    Eine Webseite für mobile Endgeräte bzw. App bietet nicht nur die optimale Erfüllung sämtlicher Mobilitätsfunktionen auf dem Gelände (Orientierung, Wegweisung, Zielbestätigung), sondern ein viel größeres Spektrum an Informationen. Besonders attraktiv ist neben der Einbettung von kontextrelevanten medialen Informationen (Bild, Ton, Film, Grafiken) die Funktionserweiterung auf touristische sowie Servicehinweise: Gastronomie, ÖPNV oder weitere nahgelegene Sehenswürdigkeiten sowie Veranstaltungen. Diese können durch Ortungsdienste beim Vorbeigehen an den entsprechenden Positionen angezeigt werden.

    Grafik

    Modern und international verständliche Piktogramme

    Die Piktogramme sind ein bedeutender Baustein des Leitsystems, insbesondere für
    fremdsprachige Besucher. Die moderne und sympathische grafische Sprache ist
    generationsübergreifend verständlich. Die Piktogramme weisen einen hohen Erkennungswert auf und sind umso leichter einprägsam. Sie tragen somit zu einer mühelosen Erkundung des unbekannten Terrains bei. Besonders für ein junges Publikums laden sie zu einer Entdeckung und Erkundung der historischen Stätte bei.

    Informationshierarchie

    Die Piktogramme werden den Informationen in deutscher und englischer Sprache
    vorangestellt. Ihre Wichtigkeit wird somit erhöht. So dass bei sekundären Wegweisern
    auf Begriffe verzichtet werden kann, da die Identifikation bei den Lageplänen,
    bei primären Wegweisern oder im Orientierungsflyer bereits erfolgt ist. Die Informationen
    in deutscher Sprache erfolgen in der »Stempel Garamond« im Schnitt »Regular
    «, während die Informationen auf Englisch etwas kleiner Schnitt »Italic« ausgezeichnet
    sind.

    Farbkodierung

    Für die Wegeleitung bestehen die Informationselemente aus grünlich durchgefärbtem
    Beton bzw. grünlichen Buchstaben. Die Infotafeln bestehen aus gräulichem Beton. Durch die Verwendung von hierzu konstrastreichen Farben wird eine optimale Lesbarkeit
    unter unterschiedlichen Lichtsituationen gewährleistet. Wichtige Informationen
    zur Infrastruktur, Serviceangeboten oder zur Ermittlung des eigenen Standort werden
    zur stärkeren Wahrnehmung in Gelb (HKS 07) bzw. Orange (Pantone ) hervorgehoben.
    Ein helles Grün dient zusätzlich der Hervorhebung der Pfeile und der Piktogramme
    bei Zeilbestätigungen.

    Anbringung der Grafik

    Bis auf wenige Informationen wie Öffnungs- und Führungszeiten bei den Zielbestätigungen
    für museale Bereiche, handelt es sich bei dem Orientierungssystem nicht um
    temporäre Informationen. Somit können die Beschriftungen mittels witterungsbeständiger
    Farbbeschichtung (inkl. Graffiti-Schutz) ausgeführt werden. Temporäre Informationen
    werden mit Hochleistungsfolie für den Außenbereich beschriftet (Haltbarkeit
    3–5 Jahre). So wird eine gewisse Flexibilität gewährleistet.
    Orientierungskonzept

    Schloss und Park Pillnitz

    Erlebnisräume

    Ein Blick ein Luftbild des Parks lässt das, was sich dem Besucher auf dem zweiten
    Blick erschließen mag, deutlich erscheinen: die Gliederung des Parks in Räume mit
    eigener Struktur, Vegetation und Charakter. Diese unterschiedlichen Eigenschaften
    beeinflussen die Wahrnehmung und das Bewegungsmuster der Besucher im Areal.
    Thematisch lässt sich der Park in mindestens 6 Erlebnisräume:
    • die Maillebahn: großzügige, gerade Allee, mit Fokussierung
    des Blickes auf das Schloss,
    • die Heckenquartiere: intim, in sich geschlossen, geometrisch,
    spielerisch, durch Sichtschutz geprägt,
    • das Schloss mit dem Lustgarten: prächtige Kulisse, flacher
    Garten, der die Architektur zur Schau stellt,
    • der große Schlossgarten: weitläufig, geradlinig, Fest- und
    Spielstätte,
    • der holländischer Garten mit Palmenhaus und der chinesische
    Garten mit Pavillon: die »wissenschaftlichen« Gärten
    • der englische Garten mit Pavillon, die Kamelie, Orangerie,
    der Nadelgehölzgarten: die scheinbare Natürlichkeit

    Orientierung

    Die Analyse der durch die Erlebnisräume und Position der Sehenswürdigkeiten bzw.
    Ziele generierten Bewegungsmuster lässt neuralgische Punkte erkennen, die für die
    Orientierung des Besuchers von großer Bedeutung sind. An diesen Stellen ist für die
    Orientierung ein Überblick (Lageplan) über das Gesamtareal bzw. über einen Teilbereich
    erforderlich.

    Schloss und Park Wesenstein

    Ähnlich wie bei der Gesamtanlage wird der Orientierungsplan in unterschiedliche
    Teilbereiche gegliedert. Im Schlossbereich werden die sukzessiven farblich gekennzeichnet
    (Angaben in Planlegende hier nicht abgebildet). Die ungewöhnliche Struktur
    des Ensembles wird für den Besucher thematisch veranschaulicht und besser erlebbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 01.03.2011, 17:27
Zuletzt aktualisiert 10.05.2011, 16:50
Beitrags-ID 4-42950
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