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  • DE-71116 Gärtringen
  • 03/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-51922)

Ortsmitte Gärtringen/Ludwig-Uhland-Halle


  • Anerkennung

    Perspektive der Ludwig-Uhland-Halle mit Rathausvorplatz

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.333 EUR

    Erläuterungstext
    Gärtringen bezweckt mit dem Neubau der Ludwig-Uhland-Halle nicht nur eine Verbesserung des Angebots für Schulsport und Vereine, sondern gleichzeitig eine Aufwertung der stadträumlichen Situation im sinne einer attraktiven neuen Ortsmitte.

    Der Verbesserung der Sport- und Vereinssituation wird durch die Einhaltung des Raumprogramms Rechnung getragen, bei der Gestaltung der neuen Ortsmitte kommt es wesentlich auf die Positionierung der Halle an.

    Der neue Treffpunkt Gärtringens wird definiert durch die räumlichen Kanten, die ihn fassen. Dazu rückt die Ludwig-Uhland-Halle aus ihrer jetzigen Position an den Rohrweg heran. Damit wird Folgendes erreicht:
    - Zusammen mit dem Rathaus und einer Anhebung der Grünfläche südlich des Rohrwegs entsteht ein angenehm proportionierter Stadtplatz.
    - Die neue Stadthalle zeigt an der Ortsmitte Präsenz.
    - Im Norden der Halle bleibt Raum für einen großzügigen Schulhof mit Sportflächen.
    - Die Erschließungsflächen auf dem Grundstück bleiben auf ein Minimum reduziert.

    Der Rohrweg wird im Bereich des Platzes verkehrsberuhigt. Die geforderten Stellplätze befinden sich unter der Ludwig-Uhland-Halle und auf einer Freifläche östlich der Halle. Dadurch
    - wird die Ortsmitte von ruhendem und fließendem Verkehr freigehalten,
    - entstehen attraktive, zentrumsnahe Parkplätze, die auch unabhängig von den Öffnungszeiten der Halle genutzt werden können und
    - ist eine störungsfreie Anlieferung und Anfahrt zur Halle gewährleistet.

    Die Halle wird von Süden über das Foyer erschlossen. Vom Foyer erreicht man die eigentliche Halle sowie alle dem Foyer zugeordneten Flächen wie Garderobe und Besuchertoiletten etc. Über eine Treppe gelangt man ins Obergeschoss zu den Vereinsräumen und den Umkleiden. Die Besucher der Halle, die in der Garage parken, gelangen über die selbe Treppe ins Foyer.

    Über einen weiteren Eingang vom Schulhof im Norden gelangt direkt zu den Umkleiden und über zwei Treppen zur teilbaren Halle. Die Halle an sich ist für den Sportbetrieb teilbar. Alle ihr zugeordneten Funktionen, wie Geräteräume und Regieraum, liegen in direkter Nähe. Auch die Küche mit Kühlraum und Anlieferung ist so positioniert, dass man sowohl die Halle direkt, als auch das Foyer bedienen kann.

    Über die eine verbindende Treppe am Foyer, ist es möglich unabhängig von den Öffnungszeiten oder der Nutzung der Halle zu den Vereinsräumen zu gelangen. Im Obergeschoss sind der TSV Tanzsportraum (= VHS Gymnastikraum) und das Probenlokal so angeordnet, dass sie untereinander schaltbar sind oder auch einzeln die Wände zum Saal hin öffnen können. So wird eine maximale Flexibilität gewährleistet. Alle den Vereinsräumen zugeordneten Nebennutzungen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

    Für Veranstaltungen gibt es eine 17 x 10 m große Bühne, die einen Meter über Hallenniveau liegt. Ihr zugeordnet liegt die Künstlergarderobe. Die Bühne ist von beiden Seiten erschlossen. Es besteht die Möglichkeit über der Bühne vielfältige Veranstaltungstechnik zu installieren.

    Die Fassade reagiert auf unterschiedliche Ausrichtungen und Anforderungen. Das Foyer öffnet sich großzügig zur 300 m² großen Freifläche und zum Platz. Der Vereinsraum des Musikvereins öffnet sich nach Westen. Der Tanzsportraum erhält eine Übereckverglasung, die Blicke auf die neue Ortsmitte erlaubt. Die Halle selbst wird auf der Ostseite des Gebäudes großflächig verglast. Über Oberlichtbänder und indirekte Belichtung im Westen gelangt zusätzliches Licht in die Halle. Die Umkleiden werden über Fenster und Oberlichter natürlich belichtet. Die beiden Erschließungsgänge im Norden und Westen des Obergeschosses sind freundlich und hell.

    Die Fassade in geschlossenen Bereichen besteht aus einer hinterlüfteten Fassadenkonstruktion mit vorgehängten Sichtbetonelementen. Vor allen Glasflächen außer dem Haupteingang, der durch eine große Auskragung verschattet wird, befinden sich in der Vertikalen drehbare Sonnenschutzelemente.

    Die kompakte Gebäudeform mit einem sehr guten A/V Verhältnis steht für einen bewussten Umgang mit der Ressource Energie. Die opaken Fassadenteile erhalten eine hocheffiziente Wärmedämmung, in den verglasten Bereichen werden Wärmeverluste über eine Dreifach-Verglasungen minimiert. Auf der Dachfläche der Halle werden großflächig Photovoltaikelemente installiert, die Erwärmung des Brauchwassers findet über Solarthermie statt.
    Die Belüftung der Säle und Vereinsräume erfolgt über ein hocheffizientes System mit Wärmerückgewinnung.
    Über eine optimale Belichtung der Räume und den Einsatz energiesparender Geräte wird der Energieverbrauch des Gebäudes minimiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Durch das bewußte Heranrücken des großen und klaren Bauvolumens an den Rohrweg wird eine gute Präsenz mit eindeutiger Adressbildung im Ortszentrum erreicht. Hierfür wird ein angemessen großes Vorfeld benötigt - und auch vorgeschlagen, das jedoch die Grenzen des Realisierungsteiles überschreitet.

    Ohne Realisierung des Vorplatzes muß das Gesamtkonzept in Frage gestellt werden. Auch der Vorschlag für ein neues Rathaus kann in diesem Zusammenhang nicht voll überzeugen. Der Fußweg zur Schule entlang der nebenraumbestückten Westseite der Halle ist unattraktiv.

    Der Baukörper stellt sich als großvolumiger Quader dar, der sich auf Grund seiner gelungenen Fassadengliederung durchaus gut in das Ortsbild einfügt. Die Raumfolge Vorplatz - Foyer - Saal ist gut entwickelt, die seitliche Öffnung des Saales zur östlich gelegenen Freifläche wird jedoch durch die Zufahrt zur Tiefgarage empfindlich beeinträchtigt. Diese wiederum wird durch die Küchenanlieferung beeinträchtigt. Eine Bühnenanlieferung ist nicht erkennbar. Die Küche liegt richtig zwischen Saal und Foyer. Die Vereinsräume sind gut (auch separat) erschlossen, wobei die Verkehrsflächen allerdings teilweise zu eng sind. Das Probenlokal hat keinen Außenbezug.

    Die Wirtschaftlichkeit leidet unter dem hohen BRI-Wert, außergewöhnliche Vorschläge zum Energiekonzept werden nicht gemacht (und auch nicht unbedingt benötigt).


INFO-BOX

Angelegt am 30.03.2011, 14:29
Zuletzt aktualisiert 16.06.2011, 11:02
Beitrags-ID 4-43716
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