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  • DE Berlin
  • 06/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-2430)

Neubau der Justizvollzugsanstalt Düppel


  • 2. Preis

    Lageplan

    Architekten
    léonwohlhage, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: H.J. Lankes, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    13.300 EUR

    Erläuterungstext


    Mit der Aufteilung des Programms in einzelne Häuser soll der Charakter einer Gemeinschaft, in Form einer kleinen Siedlung, gegeben werden. Drei Wohnhäuser, ein Verwaltungsgebäude, das vorhandene Gewächshaus und ein Gerätehaus bilden eine Gebäudegruppe, die unterschiedliche, klar definierte Freiräume umfassen.
    Das dreigeschossige Verwaltungshaus mit dem Geschäft besetzt zeichenhaft die Ecke zur Straßenkreuzung. Hier entsteht ein öffentlicher, platzartiger Raum. Die drei Wohnhäuser umschließen mit der Verwaltung einen zentralen Hof. Eine Pergola gibt ihm seinen Charakter als Aufenthaltsort und verknüpft als Sonnen- und Regenschutz die Häuser miteinander.

    Der Charakter der JVA als eine Einrichtung mit geringen Restriktionen lässt es zu, die Gebäude in atmosphärisch warmer und äußerst kostengünstiger Holzbauweise zu errichten. Die zweigeschossigen Wohngebäude besitzen ausschließlich Außentreppen, so dass sich jede Wohngruppe selbstständig erschließen lässt. Der Charakter eines großen „Anstaltsgebäudes“ wird so vermieden. Lediglich das Verwaltungshaus besitzt unter der zweigeschossigen Holzkonstruktion ein gemauertes Erdgeschoß und Treppenhäuser in Stahlbeton.
    Jedes Haus besitzt eine eigene Figur, wobei die Wohnhäuser aus identischen Grundelementen addiert sind. Jede Wohneinheit verfügt über eine zentrale Raumgruppe mit Eingang, Gruppenraum und Betreuerzimmern. An den Enden finden sich die Waschräume mit den Nebenausgängen, dazwischen liegen „zweihüftig“ die Hafträume. Die Verwaltung im ersten und zweiten Obergeschoss gruppiert sich um einen Hof, im Erdgeschoss befinden sich die Pforte und der Verkaufsraum.

    Die Fassaden werden bestimmt von großformatigen Faserzement-Platten, die rostrot durchgefärbt sind und der Reihung von einfachen, hochrechteckigen Fenstern. Diese brüstungslosen Fenster bestimmen wesentlich das Licht und damit die Stimmung in den Hafträumen. Markante, plastische Zeichen sind die Treppenaufgänge zu den Eingängen.
    Als „leichte“ Bauten setzen sich die Pergola, das Gerätehaus und das Gewächshaus von den Aufenthaltsgebäuden ab.

    Die städtebauliche Neuordnung der Justizvollzugsanstalt in Düppel schafft eine spannungsvolle Abfolge von Freiräumen mit abwechslungsreichen Aufenthaltsqualitäten. Gleichzeitig fügt sich das offene Gebäudeensemble mit seinen großzügigen Freiflächen in die vorhandene Substanz der landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Flächen ein.
    Östlich schließt sich ein ruhiger, Baum bestandener Gartenhof an, der von zwei Wohnhäusern, dem Gewächshaus und dem Gerätehaus umstanden ist. Eine gegenteilige Atmosphäre herrscht auf dem nördlichen Sportfeld, das flankiert wird von einem Wohnhaus, dem Gewächshaus und der Hangkante mit einem Heckenpaket. Es entstehen so Gartenräume von ganz unterschiedlicher Stimmung und Nutzung.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Der Verfasser setzt an die Straßenkreuzung einen dreigeschossigen Baukörper und markiert somit Eingang und Auftakt der Anlage.
    Durch die Situierung aller Gebäude im Raum werden öffentliche und private Gärten gebildet, die je nach ihrer Frequentierung unterschiedlich gestaltet sind. Allerdings überschreitet die Freiraumgestaltung die südliche Grundstücksgrenze um 5 m, so dass unter Einhaltung der Grenzen ein zu enger Raum entsteht.
    Der zentrale Arkadenhof bindet alle Häuser zu einem Ganzen zusammen ohne deren Individualität zu negieren. Das Element der Arkade wurde sehr kontrovers diskutiert, allerdings wird ihm zentrumsbildende
    Kraft zugesprochen.
    Die Ambivalenz von Gefangenen und ihrer baulichen Unterbringung einerseits und der Vorbereitung auf die Freiheit andererseits scheint in der baulichen Ausformulierung der Anlage besonders gelungen.
    Auch die städtebauliche Wirkung im Bezug auf die Nachbarschaft ist durch die Zweigeschossigkeit des Wohngebäudes sehr verträglich. Im Innern werden verschiedene funktionale Mängel festgestellt: trotz der Frequentierung durch die Insassen ist die Arztgeschäftsstelle und der VG -Raum mitten in der Verwaltung im 2. OG angeordnet. Außerdem fehlen Flächenangebote für die Technik und die geforderte Raumhöhe von 2,75 m wird nicht eingehalten.
    Besonders gewürdigt wird jedoch die Bauweise in einer Holzkonstruktion, die sowohl unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit und der Möglichkeit kurzer Bauzeit positiv zu bewerten ist.
    Insgesamt handelt es sich um eine sehr feinsinnige Arbeit, die Innen und Außen, Sicherheit
    und Freiheit, Strenge und Lebendigkeit in sich vereint.