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  • DE Flensburg
  • 08/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-2436)

Realisierungswettbewerb "Erweiterung der Phänomenta"


  • 3. Preis

    Lageplan

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    Architekten
    Manfred Nagel Architekten BDA Stadtplaner, Kiel (DE)

    Mitarbeit
    Manfred Nagel, Carola Hecht-Nagel, Jaroslaw Ambroszkiewicz, Maik Loss

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschafts- / Umweltplaner: BHF Bendfeldt Herrmann Franke LandschaftsArchitekten GmbH, Kiel (DE), Schwerin (DE)

    Erläuterungstext


    Umgang mit dem Ort
    Die definitiv besondere und bisher räumlich defizitäre städtebauliche Situation am und um das Nordertor herum wird mittels einer einfachen aber bedeutungsvollen architektonischen Aussage in einen anderen, vorher offensichtlich nicht erkennbaren räumlichen Zusammenhang und Energiefluss transformiert.

    Einstimmung
    Um die mittelalterliche Stadt herum entwickelt sich Flensburgs prägende Stadtgestalt : die schutzgebende rückwärtige Hangbebauung, welche den stark ansteigenden Raum kraftvoll dominiert. Ein Gefüge aus Verkehrsnetzen, Stadtvierteln wie Industriearealen, Mischgebieten und Wohnquartieren legt sich, ständig variierend, um die bestehende Stadt und das Bisherige wird seiner Bedeutung und Nutzung enthoben (siehe Phänomenta in den jetzigen Räumlichkeiten). Es gibt ihrer Zeit entsprechende Straßenzüge (wie die Duburger Str. mit ihrer gründerzeitlichen Blockrandbebauung) ebenso wie eine wohl städtbaulich willkürliche Positionierung von Baukuben (wie die Wohnhausscheibe westlich der Phänomenta). Das Nordertor wurde als letztes übriggebliebenes mittelalterliches Stadttor zum Wahrzeichen Flensburgs ernannt, aber im Stadtraum nicht entsprechend behandelt. Der Versuch, das Tor als Tor zu belassen, scheiterte einerseits an der Entkräftung der Norderstraße als Verkehrsstraße wie andererseits an der zu geringen Durchfahrtsgröße. Um das Nordertor (in südlicher Orientierung) bildete sich das Bedürfnis nach einem Platz, welcher sich in seiner stadträumlichen Aussage hilflos in den Restflächen zwischen der vorhandenen Bebauung zu behaupten versuchte.
    Baukörper im Städtebau
    Durch den Abriss des Gebäudes Norderstr. 163 wird erstmalig der Energiefluss sichtbar, der sich vom Wasser in die Stadt und umgekehrt an den südlichen Hauskanten entlang in die Duburger Str. hinein entwickelt. Erstmalig sind Bezüge von dort zum Wasser sichtbar und das Bewusstsein für die örtlichen Bedingungen wird ermöglicht.

    Gebäude im Raum
    Die vorhandene Typologie der Parzellenbebauung aus der Norderstraße (Altstadt) wird in die Baukörperfläche übernommen und in die Vertikale gestreckt, um in den städtbaulichen Raumfluss überzuleiten. Dabei wird das vertikale Wohnhaus im Westen „beiseite genommen“ und seiner störenden Kraft enthoben. An der vorhandenen, aber bisher nicht sichtbaren städtebaulichen Raumkante wird ein neuer Platz unter Einbeziehung des Nordertors als Wahrzeichen Flensburgs, der Vermittlung von Altstadt und Neustadt und der neuen für wichtig erachteten Beziehung zwischen städtischem Raum und Förde / Wasser definiert. Der Erweiterungsbau der Phänomenta wendet sich als Vermittler aus der Altstadt der Neustadt zu.
    Die Interpretation der großräumlichen Bebauungsstruktur schafft ein klar definiertes Beziehungsfeld, in dem das Nordertor „in die Mitte genommen“ wird. So entstehen angenehme und differenzierte Platzräume; Aufenthaltsqualitäten; Sichtbezüge, die vorher nicht erkennbar waren; Beziehungen der Körper zueinander, welche die Belebbarkeit der städtischen Situation neu gestalten und den besonderen Charakter dieses Ortes heben. Ein städtebaulicher Kanon mit einem hohen Wiedererkennungsgrad entsteht. Die signifikante Form entspricht der prägnanten Aussage als Ausstellungsgebäude mit der Signalwirkung im städtischen Raum und zum Wasser und der exponierten Lage am Platz als wichtiger Ort für die Stadt. Der Südermarkt und der Platz um das Nordertor am Rande der Altstadt stellen eine Beziehung zueinander her, indem der Südermarkt im zentralen Innenstadtbereich der Altstadt „entspringt“ und die Norderstraße als vermittelnder Weg am Platz die Präsenz von Beziehung Altstadt/Neustadt und Orientierung Wasser…-…Platz…-…Stadtstruktur eröffnet.
    Der Platz nimmt Teil an der Funktion des Gebäudes. Ebenso wird das Nordertor in das Nutzungsfeld mit einbezogen ohne durch bauliche Maßnahmen direkt berührt zu werden.
    Die platzrandbegleitende Bebauung am C.F.Möller-Platz wird definiert durch drei miteinander verbundene Gebäudekuben, welche die Proportionen der bestehenden Pumpstation aufnehmen und diese so formal vom Jugendstilgebäude Volksbad ablösen und in die straßenbegleitende Struktur übernehmen. Wie eine Membran zwischen Straße und Platz, genutzt als Cafe und Shop o.ä. für die Phänomenta, beleben sie in Südausrichtung zum Platz die gesamte Situation. Der Übergang zur Straße wird durch eine schmalkronige Baumreihe markiert.
    Die rückwärtige Fassade des Volksbades ist gesamtfächig dem Platz zugewandt. Eine leichte gläserne Erweiterung kann gastronomisch genutzt werden.
    Der städtebauliche Raum entwickelt sich über den Schiffbrückenplatz hinweg mittels eines Steges über die Wasserkante hinaus. Daran vorgesehene Gebäudekuben als Pfahlbauten können multifunktional genutzt werden. In der Sichtachse an der definierten Platzkante erfolgt die fußläufige Beziehung über die Straße und geht in den Aktionsbereich am Wasser über.
    Der 2. Bauabschnitt (BGF1.200m²) wird als kubische Form, orientiert am Verlauf des Platzes an der Wasserkante erstellt. Die vorgesehenen markets befinden sich im EG-Bereich (sichtbar vom Platz, Wasser, Straße), die Shops, Laboratorien usw. werden in den oberen Ebenen angeordnet.

    Zum Erweiterungsbau:
    Austauschflächen : die entfernten Flächen des Gebäudes Norderstr. 163 werden in den Flächen des Bestandes nachgewiesen. Dadurch entfallende Ausstellungsflächen werden in den Neubau übernommen. Zugeordnete Flächen wie der Pers.-Bereich sind im Bestandsgebäude optimal dem Erweiterungsbau zugeordnet untergebracht. Die maximale Erstellung von Ausstellungsflächen macht den Neubau zu einem für den Besucher komplett erfahrbaren Raumerlebnis.
    Die Flächen des Erweiterungsbaues enthalten im EG-Bereich ein vielseitig nutzbares zweigeschossiges Foyer und eine Galerieebene mit einnehmenden Bezug zum Nordertor und einer Anbindung zum Bestandsgebäude. In den oberen Geschossen befinden sich ausschließlich multifunktional nutzbare Flächen für Ausstellungen.u.ä.
    Über öffenbare Fenster zur Belichtung und Belüftung erleben die Besucher die Höhe und die Blickbeziehungen über den städtischen Raum und das Wasser. Wege, Flächen, stadträumliche Bezüge und Lichtbezüge werden im Foyer mit und durch eine filigran stahlgläserne Konstruktion zum Eingangserlebnis. Behinderte wie Nichtbehinderte können die Bereiche und Ebenen gleichwertig erschließen. Die kompakte Grundrissgestalt nimmt die Besucher, die Energie auf, leitet sie vertikal um und horizontal weiter und verleiht dem Gesamtausdruck eine selbstverständliche Stabilität. Die Erschließung erfolgt über die nördlich dem Platz zugewandte Fassade. Die Schnittfigur der vertikalen Wände und horizontalen Decken ist geprägt durch eine rythmische Taktung, gebrochen durch vereinzelte offene Felder, die in der Gesamtheit der Figur ein kreatives Spiel assoziieren.

    Materialästhetik
    Das Tragen, Stützen; das Gebäudeinnere wird zur äußeren Gestalt durch eine innere tragende Struktur aus Stahlbeton. Das Äußere, die Präsentation zum Außenraum, eine einfache vorgehängte Haut aus Profilglas (Industrieglas) vermittelt die Funktionalität des Gebäudes als Hülle für die Ausstellungsbereiche. In Beziehung zum Außenraum ist das Erscheinungsbild klar, raumbildend und nimmt sich durch das gläserne Material in der massiven Präsenz zurück.
    Der Bodenbelag im Innenraum besteht aus Gussasphalt. Die raumbildenden Elemente (wie Außenwände) sind aus Stahlbeton roh belassen, wahlweise geschlämmt oder gekalkt. Das Ausstellungskonzept ermöglicht die vertikale Addition großflächiger Ausstellungsbereiche. Einzelne Ebenen können separiert werden und besondere Installationen oder Themenbereiche geschossweise auf zusammenhängenden Flächen konzipiert werden. Bei hohem Besucherandrang entstehen keine beengenden Situationen.

    Freiraumplanung
    Der Platz erhält eine neue Freiraumqualität durch das Freistellen des Nordertores, das Entfernen von Einbauten und den Bezug zur Flensburger Förde.
    Das Nordertor erhält Luft zum Atmen. Der Platz wird von UnOrt zum FreiRaum.
    Bei einer Umgestaltung des rückwärtigen (westlichen) Bereiches werden die Stellplätze und der Müllplatz neu geordnet.
    Die an das neue Gebäude angedockte Freitreppe bildet den Auftakt des Platzes. Sie bietet Gelegenheit zum Sitzen, Verweilen und Fern-Sehen über den Platz auf die Förde.
    Das reduzierte Freiraumbudget läßt keinen Belagswechsel zu. In den Platz bündig eingelassene Stahlbänder gliedern diesen neu und schaffen eine Klammer über die Eisenbahnschienen zum Hafenvorfeld. Durch eine Reihe Lichtstelen gelingt der Brückenschlag vom Bearbeitungs- zum Denkbereich/ 2. BA. Diese erleuchten den Freiraum angemessen und führen den Rückblick von der Wasserkante zum illuminierten Neubau.
    Die vorhandenen Solitärbäume nördlich und nordöstlich des Nordertores sowie östlich des Volksbades bleiben bestehen. Die vorhandenen Mauern der Baumeinfassungen erhalten Holzdecks, die zum Sitzen einladen. Am westlichen Ende des des Platzes wird ein großer Solitärbaum neu gepflanzt. Die Freitreppe erhält zur Straße ein Pflanzbeet als Bastion. Die sieben kleinen Bäume auf der Nordseite des I.-C. Möller Platzes müssen der Neubebauung durch die Kuben weichen. Als Ersatz werden als Baumreihe sieben schmalkronige Bäume gepflanzt, die den nördlichen Abschluß des Platzes markieren.

    Technikkonzept
    Die Ausstellungsräume werden natürlich über die Fenster be- und entlüftet.
    Die Beheizung der Ausstellungsräume und des Foyers erfolgt über eine Fußbodenheizung. Im Sommer wird das Leitungsnetz der FB-Heizung mit kaltem Wasser durchströmt und so zur Kühlung der Ausstellungsräume verwendet. Optional kann eine mechanische Be- und Entlüftung mit einem dreifachen Luftwechsel in den Ausstellungsräumen nachgerüstet werden, wofür die erforderlichen Schacht- und Technikflächen auf dem Dach vorgehalten werden.
    Für die Versorgung von Vitrinen,Stellwänden mit Stark-(Beleuchtung) und Schwachstrom (u.a. Alarmanlage) mitten im Raum werden Bodentanks im Fußboden vorgesehen.
    Im Technikkeller befinden sich die Anschlussräume für Fernwärme, Elektrizität und Wasser. Über den Technikkeller des Neubaus wird ebenfalls der Altbau mit Medien (HZG / EL / Wasser) versorgt.
    Auf dem Dach sind die Kältemaschinen und optional eine Lüftungszentrale angeordnet.

    Lichtkonzept
    Innenraum :
    Die Grundbeleuchtung erfolgt über in der abgehängten Decke eingelassenen Einbauleuchten. Lichtschienen mit variabel einsetzbaren Leuchtelementen werden unter der Decke angebracht, die eine flexible Beleuchtung der Ausstellungsobjekte gewährleisten.
    Der Außenraum wird zu einem „Lichterlebnisraum“. Die Lichtgestaltung unterteilt sich in eine Fassadenbeleuchtung ausgewählter Gebäude sowie ein Beleuchtungskonzept für den Platz selber. Er erhält ein bodennahes, blendfreies Licht. Als „Orientierungsbeleuchtung“ ist ein LED-Lichtleitsystem in den Boden auf allen Zuwegen zum Platz und zur Phänomenta hin vorgesehen. Diese Wegweiserfunktion kann bis in den Innenraum integriert werden. Weiterhin sind auf dem Platz Lichtexperimente wie Lichtstrudel, Lochkamera, Linsenbündler aufgestellt, durch welche die Besucher aktiv den Außenraum der Phänomenta erleben. Die Ausleuchtung der Fassaden erfolgt mittels spezieller Lichtfarben und –intensitäten.
    Lichtmasterplan: Als gesamtschlüssiges Lichtkonzept für die Stadt der kontrastarmen Beleuchtung entgegenwirken, einen Gesamteindruck in der Vielschichtigkeit der Stadt hinterlassen.
    Die Architekturaussage für diese Bauaufgabe, der Umgang mit den Potenzialen, mit den Bedingungen trägt zur Aktivierung der Vitalität dieser Stadt bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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