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  • ein 2. Preis


    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Hanke + Partner Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)
    Verkehrsplaner: G R I Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Grundsätze

    Mehr Gestaltqualität im öffentlichen Raum - Das Zentrum neu wahrnehmen

    Das Ortsbild im Zentrum von Bexbach ist geprägt durch seine klar gefassten öffentlichen Straßenräume (Bahnhof-/Rathausstraße), welche durch die Blickbeziehungen zu den identitätsstiftenden Gebäuden wie der Kirche St. Martin, der Post und dem Bahnhof sowie dem Rathaus eine gute Orientierung bieten. Jedoch führen die für den Autoverkehr optimierten Straßenprofile mit ihrer entsprechenden Verkehrsbelastung zu mangelnder Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer und bieten kaum Chancen zur Bespielung des Freiraumes durch Läden oder Gastronomie.

    Gemeinsam mit den erheblichen Gestaltungsdefiziten im öffentlichen Raum (Beläge, Möblierung, Grün) sowie der von den Eigentümern häufig vernachlässigten Fassadengestaltung/-sanierung führt dies zu einem zunehmenden Verlust innerstädtischer Nutzungen und somit zu einer sehr eingeschränkten Wahrnehmung des Zentrums.

    Bezogen auf das Ortsbild ist das übergeordnete Ziel des Entwurfs, den öffentlichen Raum durch ein einheitliches Erscheinungsbild zu stärken und das Zentrum klarer ablesbar zu machen. Die vorgeschlagene Gestaltung sieht hier einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit einheitlichem Material im Sinne einer zusammenhängenden Ensemblewirkung vor.

    Im Detail geschieht dies durch eine Aufpflasterung der Fahrspuren und deren Markierung durch ein 3 cm hohes Bord. Haltemöglichkeiten für Kurzparker und Fahrradstellplätze werden gestalterisch in einseitige Baumsequenzen eingebunden.

    Rathaus- und Bahnhofstraße werden zusammen mit dem Markt- und dem Kirchplatz in Zukunft das lebendige Zentrum Bexbachs bilden. Ein hochwertiger, vielfältig bespielbarer öffentlicher Raum bildet eine wichtige Grundvoraussetzung um den Ort für Einzelhandel und Gastronomie attraktiv zu machen.

    Am Marktplatz schränken vor allem bauliche Elemente und Stellplätze den Stadtraum in seiner Nutzbarkeit deutlich ein.

    Das Konzept sieht zunächst das Aufräumen und den Abriss aller baulichen Relikte auf dem Platz, wie z.B. der Marktarkade, der Marktallee und des Bestandsgebäudes Schwalbengasse Nr. 11 vor. Der bauliche Abschluss vor dem bestehenden „halben“, zum Platz offenen Baufeld im Südosten bildet einen klar gefassten Marktplatz aus, welcher zukünftig als zentraler Veranstaltungsort der Stadt flexibel genutzt werden kann. In seiner Gestaltung wird der Marktplatz durch eine Platzintarsie belegt und durch lineare Gestaltelemente gegliedert.

    Funktional ergänzt wird der Platz durch ein Ärztezentrum mit angeschlossenem Mehrgenerationenhaus. Die Erdgeschosszone wird durch öffentliche bzw. den Marktplatz belebende Nutzungen wie beispielsweise einem Speisesaal gekoppelt mit Gastronomie, einem Seniorencafé mit Außenbestuhlung oder einem Jugendzentrum mit ehrenamtlicher Betreuung durch Senioren bespielt, um den Raum für alle Generationen und zu allen Tageszeiten zu einem gemeinsamen lebendigen Ort zu machen.

    Mehr Nutzungsvielfalt - Neue Leitfunktionen für das Zentrum finden

    Diese und andere publikumsaffine Nutzungen befinden sich bereits im Bereich Rathaus-/Bahnhofstraße. Der große Supermarkt (Real) am östlichen Zentrumsrand bildet zwar einen Publikumsmagneten, stellt aber gleichzeitig eine Konkurrenz für den Einzelhandel im Zentrum dar. Leerstände in der Innenstadt, insbesondere in imagebildenden Gebäuden wie Post und Bahnhof prägen das Stadtbild negativ. Diese werden als Ortsbild prägende Gebäude und Strukturen erhalten und einer besonderen Nutzung zugeführt.

    Entwicklungsschwerpunkt ist das vorhandene Zentrum sowie dessen Stärkung und Belebung. Dies kann durch die zentrale Konzentration der Nutzungen sowie die Ansiedlung neuer Funktionen erfolgen. Dabei sollte man sich nicht in eine unmittelbare Konkurrenzsituation zu den großen Nachbarstädten Neunkirchen und Homburg begeben, sondern sich auf die örtlichen Qualitäten von Bexbach besinnen und diese herausstellen. Bexbach ist kein Mittelzentrum, sondern ein kleiner Ort mit hohem Freiraumpotenzial und touristischer Attraktion. Mögliche neue, bexbachtypische Funktionen könnten ein zentraler Hofladen der umliegenden Bauern, ein Seniorenfitness-Center oder Handwerksbetriebe sein.

    Einer der vorhandenen Discounter oder möglicherweise ein zusätzlicher zur Nahversorgung notwendiger Supermarkt werden im zentralen Bereich der Bahnhofstraße als Magnet im Zentrum untergebracht und mit innerstädtischem Wohnen in den oberen Etagen kombiniert. Als idealer Standort empfiehlt sich das durchgesteckte Grundstück Bahnhofstraße Nr.11, da es zental liegt, der Zugang zur Bahnhofstraße orientiert und der Parkplatz von der Güterstraße angefahren werden kann. Darüber hinaus erscheint das vorhandene Gebäude sanierungsbedürftig und stört das Ortsbild in seiner Dimension und Anmutung.

    Trotz des demografischem Wandels und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach alternativen Wohnformen in der Innenstadt (Stichwort: Stadt der kurzen Wege) verfügt das Bexbacher Zentrum vor allem im Bereich Senioren- und Generationenwohnen über kein nachhaltiges Angebot.

    Die Entwicklung attraktiver Wohn- und Lebensbereiche in der Innenstadt sollte demnach im Vordergrund stehen. Der Entwurf sieht vor, mit einem Seniorenwohnhaus im Kulturhof und einem Generationenwohnhaus am Marktplatz entsprechende Angebote, nicht zuletzt auch zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts zu schaffen.

    Mehr Stadtbaukultur – Kommunikation, Mobilität und Kultur im Zentrum verankern

    Der Bahnhof mit Vorplatz sowie die Alte Post bilden das Tor zur Innenstadt.
    Das Bahnhofsgebäude wird zur Mobilitäts- und Energiezentrale mit intensiver Beratung zu diesen Themen ausgebaut. Zusätzlich wird ein Infopunkt eingerichtet, in welchem die Stadt über die beabsichtigten Umbaumaßnahmen informiert und den Prozess im Dialog mit dem Bürger begleiten kann.

    Der alte Posthof eignet sich für eine Folgenutzung als Kulturhof und kann in dieser Funktion nicht nur zusammen mit dem Bahnhof einen repräsentativen Ortseingang darstellen, sondern Bexbachs Position gegenüber den anderen konkurrierenden Standorten stärken. Eine Dependance des Bergbaumuseums, beispielsweise eine typische Bergarbeiterwohnung, kann einen Teil des angestrebten Kulturbetriebs übernehmen und zu einer innerstädtischen touristischen Attraktion werden. Des Weiteren bietet ein multifunktionaler Bürgersaal zusammen mit dem halböffentlichen Innenhof vielfältige Nutzungs- und Bespielungsmöglichkeiten. Zum Wohnanger hin sind besondere Wohnformen wie Seniorenwohnen möglich.

    In einem weiteren Schritt wird das notwendige Standortmanagement im Postgebäude eingerichtet, um von hier aus alle kommunikativen Maßnahmen Vorort zu steuern.

    Mehr Wohnen – Vielfältige Wohnformen für die Stadtgesellschaft

    Der Aloys-Nesseler-Platz liegt versteckt auf der Quartiersrückseite. Seine Lage im Stadtraum und seine Zugänglichkeit sind unklar. Seine schiere Größe, die verkehrliche Übererschließung, die Dominanz der Stellplätze und die fehlende baulich/räumliche Fassung verhindern Orientierung, bzw. Adressbildung und bieten keine Aufenthaltsqualität. Der vorhandene Neubau gerät in eine solitäre Randlage (Torso) und provoziert den Konflikt zwischen öffentlich/privat bzw. Vorder- und Rückseite. Lediglich temporäre Nutzungen wie beispielsweise das Stadtfest vermögen derzeit den Ort kurzzeitig zu beleben, die überwiegende Zeit über liegt das sogenannte Zentrum jedoch brach.

    Um den Ort positiv zu besetzen, empfiehlt es sich, die beabsichtigte Entwicklung zu einem Wohnstandort durch eine entsprechende Zwischennutzung vorzubereiten. Das „Public Gardening“ bietet die Möglichkeit, auf den späteren Parzellen in Eigeninitiative betriebene Themengärten, wie beispielsweise Kräutergärten, Kirchgärten, Schulgärten etc., unterzubringen. Dies hat zur Folge, dass der Ort bereits im Vorfeld bekannt gemacht wird und Teile in die spätere Angergestaltung überführt werden können.

    Entscheidend sind die bauliche Ergänzung der rückseitigen Baufelder und die räumliche Fassung des Aloys-Nesseler-Platzes auf den zur Verfügung stehenden städtischen Flächen. Dies erfordert die Reduzierung der Parkplätze in der Quartiersmitte, sowie eine bessere Quervernetzung zur Bahnhofstraße.

    Diese baulichen Maßnahmen ermöglichen die Definition eines angemessen großen Freiraumes mit klaren Raumkanten und damit die qualitätvolle Herausbildung eines für Bexbach neuen Freiraumtyps, dem“ Wohnanger“. Dieser immer noch großzügige Freiraum dient im Gegensatz zum Zentrum als qualitätvoller Ruhepol für das Quartier und erhält keine Versorgungsfunktionen. Der vorhandene Brunnen bleibt erhalten und wird in die neue Planung integriert.

    Der Zugang vom Bahnhof wird baulich gefasst und durch lineare Freiraumelemente gegliedert. Für die notwendige Belebung entscheidend ist die konsequente Adressierung und Orientierung der neuen Wohnbauten zum Wohnanger. Diese individuellen, innerstädtischen Wohnformen für ältere Menschen und junge Familien bestehen aus Reihenhäusern bzw. kleinteiligem Geschosswohnungsbau. An der nördlichen Platzkante erhalten die Gebäude ein südorientiertes Pultdach mit privater Dachterrasse und an der südlichen Platzkante private Gärten nach Süden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.