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  • DE-95444 Bayreuth
  • 05/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-55894)

Landesgartenschau Bayreuth 2016


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    HAHN HERTLING VON HANTELMANN, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Inga Hahn

    Mitarbeit
    Martin Schmitz, Kristian Dahlgaard, Katharina Lindschulte, Altan Arslanoglu

    In Zusammenarbeit mit:
    Wasserbauingenieure: ingenieurbüro obermeyer, Potsdam (DE)

    Erläuterungstext
    Der neue Park: Mainbellevues
    Der neue Park besteht aus zwei wesentlichen Teilen: dem Auepark und den Landschaftskabinetten. An der Schnittstelle der sich in den Naturraum schiebenden Kabinette liegen die Mainbellevues als Aussichtsterrassen. Hier findet das gegenseitige Wechselspiel der beiden Parkteile statt. Die Mainbellevues werden somit Namensgeber für den neuen Gesamtpark.
    Der Entwurf entwickelt aus der östlich angrenzenden Feldflur eine Struktur aus Gehölzstücken, die sich zur Hangkante am Fluss hin verdichtet und sich locker in den Landschaftsraum hinein auflöst. In die Gehölzstücke sind großzügige Landschaftskabinette eingebettet, formen so eine Parkkante zur Mainaue und gliedern sie mit ihrem Rhythmus. Sie bilden hier markante Landschaftsmarken. Der Entwurf setzt im Osten bewusst auf eine lockere Auflösung der Parkelemente in den Landschaftsraum. Es soll kein zweiter Erlebnisriegel als Generationenpark wie die gerade landschaftsräumlich überarbeitete Autobahn die offene Landschaft zerschneiden. Über den Auebogen werden die Landschaftskabinette miteinander und Richtung Innenstadt und Eremitage ver- und angebunden. Ein besonderes Augenmerk gilt der Anbindung von den westlichen Stadtteilen, insbesondere St. Georgen. Auch von hier schiebt sich akzentuiert ein Kabinett, das Panoramakabinett, in die Aue. Über eine mäandrierende Wegeführung und mehrere sonnige Terrassen wird der Blick in die Aue und darüber hinaus in die Landschaft Richtung Eremitage inszeniert. Je weiter der Besucher nach unten schreitet, desto mehr öffnet sich das Panorama und mündet im Mainbalkon. Die Hangwälder entlang der Stadtteilsgrenze werden langfristig zu einer klaren räumlichen Kante ergänzt. Der Auebogen im Osten führt den Besucher von Kabinett zu Kabinett und eröffnet immer wieder neue Ausblicke und Panoramas auf die Aue. Während zu historischen Hofzeiten die Kabinette als introvertierte Rückzugsorte dienten, ermöglichen die Öffnungen zur Mainaue heute neben dem reizvollen Panorama soziale Kontrolle.
    In die Mainaue wird ein attraktiver See gebettet, der hier einen Nutzungsschwerpunkt bildet und mit seiner Größe ein vielfältiges Angebot an Freizeitnutzungen ermöglicht. Die Ufer sind naturnah gestaltet. Die bauliche Struktur des Sport- und Kulturkabinetts und zwei Kiesstrände können variabel zur Naturbadeteichnutzung ausgebaut werden, einer mit Südwestausrichtung am Kulturkabinett und einer mit Südausrichtung im Norden, gut erreichbar von St. Georgen. In den weiteren Kabinetten befinden sich Nutzungen für alle Generationen: vom Waldspielkabinett, über eine Landschaftsrampe, dem Trendsportkabinett bis hin zum Auekabinett mit Infoeinrichtungen zum Naturraum Aue und einer möglichen Außenstelle des ökologisch, botanischen Gartens. Die Landschaftsrampe erhebt den Blick über die Autobahn in die Feldflur Richtung Eremitage. Im Auftakt des Auebogens (ebenfalls in direktem Anschluss der Kleingärten) wird in Abendsonnenlage und mit Blick auf den See eine größere Gastronomieeinheit situiert, der Biergarten. Der Park lebt neben seinen reizvollen Blickbezügen von seinem Kontrast aus der natürlich geprägten Mainaue (extensiv) und der architektonischen Formensprache der Landschaftskabinette (intensiv), die ihr entgegen gesetzt werden. Mit punktuellen Eingriffen wird so ein identitätsstiftender Park geschaffen, der zum einen einen sanften Übergang in die Landschaft herstellt und zum anderen einen abwechslungsreichen Freizeitpark mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten entstehen lässt. Die infrastrukturellen Bauwerke wie Hochwasserschutzdamm und Autobahn werden gestalterisch landschaftlich eingebunden.

    Landschaftskunst
    Der Entwurf bedient sich verschiedener gartenhistorischer Gestaltungselemente aus dem Barock und transferiert sie auf einen landschaftlichen Maßstab. Die Landschaftskabinette werden als klare geometrische Formen kontrastierend der Natur gegenüber gesetzt und in die Gehölzflächen ‚gestanzt’. Seitlich dicht gesetzte Baumreihen bilden klassische Palisaden und lenken den Blick Richtung Point de Vue. An der Schnittstelle mit der Aue liegen die Mainbellevues. Einfache Dachkonstruktionen akzentuieren hier die Aussichtsterrassen und fokussieren die Sichtbezüge der Mainbellevues auch untereinander. Der neue Park mit seinen Landschaftskabinetten formuliert einen wichtigen Beitrag zur gartenkünstlerischen Tradition Bayreuths und bildet einen zeitgenössischen Betrag zum kulturellen Gesamtkunstwerk.

    Ausstellungskonzept Gartenschau
    Das Ausstellungskonzept zur Landesgartenschau sieht einen Hauptrundweg und einen Nebenrundweg über das Landschaftskabinett St. Georgen vor. Haupteingang mit Gärtnermarkt und Hallenschau ist aus der Innenstadt kommend an der Äußeren Badstraße. Hier ist genügend Raum für eine günstige Infrastruktur (Behindertenparkplätze, Vorfahrt, Busshuttle etc.) Auch in der Dauernutzung können hier Stellplätze vorgesehen werden. Aus St. Georgen ist auf Grund der eher privaten Quartiersanmutung ein Nebeneingang für Dauernutzer und Anwohner geplant. Auftakt und Highlight an der Aue bilden Biergarten, Rasentribüne und Holzbühne am See. Die Landschaftskabinette bieten einen reizvollen Rahmen für unterschiedliche Themengärten und befinden sich in hochwassersicherer Lage. Zum Beispiel könnte je ein Kabinett ein anderes besuchenswertes Highlight der Region (z.B. der Felsengarten Sanspareil) über Formen und Farben thematisieren und so den Gartenschaubesucher auf weitere Ausflugsziele neugierig machen. Die Plätze der Mainbellevues mit ihren Dachkonstruktionen können ebenfalls als kleine Bühnen und Veranstaltungsräume (z.B. Gottesdienste) bespielt werden. Die Gestaltung mit ihren spannungsvollen Blickbe-ziehungen und Raumabfolgen bietet einen sehr reizvollen Rahmen, die Gartenschau als großes Garten- und Landschaftsfest zu inszenieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.