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  • DE-06712 Stadt Zeitz
  • 05/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-71916)

Stadt Zeitz - Gutachterverfahren Altmarkt


  • 1. Preis

    Gestaltungsplan | Lageplan

    Landschaftsarchitekten
    DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Halle/Saale (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Därr

    Erläuterungstext
    Ziel des Entwurfes ist es, mit einer einfachen und zeitgemäßen Formensprache die Einheit des Platzes wieder herzustellen. Durch Neuinterpretation historischer Linienführungen wird zwar nicht die alte Gefällesituation wieder hergestellt, aber es findet durch breitere flachere Böschungen unter Beibehaltung des nördlichen Platzgefälles eine Annäherung statt. Diese ermöglicht sogar eine direkte barrierefreie Verbindung zwischen Rathaus und Gewandhaus.

    Die flach geneigten, mit Frühlingsgeophyten ausgestatteten, Rasenflächen sind mit breiten, flachen Natursteinelementen eingefasst. Die Homogenität der Wege- und Platzflächen wird durch Kleinsteinpflaster Granit in verschiedenen Größen als wilder Verband erreicht.
    In Ost-Westrichtung verlaufende Schlitzrinnen verleihen auch den Gefällesituationen eine ruhige Wirkung.

    Es entsteht ein Teppich, der zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten bietet und die hervorragenden Gebäudeensemble in Szene setzt.

    Auch die Beleuchtung, ein Gestaltungselement das durch seine Attraktivität und Aufenthaltsqualität immer stärker an Bedeutung gewinnt, setzt bewusst nicht auf Effekthascherei.
    Das Aufhellen und damit in Szene setzen geeigneter Bauten, Bauteile und Objekte steht im Vordergrund.

    Dabei sollen die vielfältigen sonstigen Chancen, wie sie Lichtgestaltungskonzepten zugeschrieben werden durchaus Berücksichtigung finden. Sie werden jedoch im Sinne der Betonung des Charakters der Stadt angemessen angewendet.
    Dazu gehören auch die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit des Standortes, die Profilierung der Stadt, weitere Impulse für die Stadtentwicklung, die Vermittlung eines positiven Images, die Verbesserung der Standortqualität, eine Förderung der Kaufkraftbindung und des Tourismus sowie die Aufwertung und Belebung des Standortes und die Erhöhung der Sicherheit für Bewohner und Besucher.

    Das Denkmal „Den Opfern des Faschismus“ ist in Bezug auf die Figurengruppe und die Schrift deutlich zum Platz orientiert. Dabei blicken zwei Figuren zu Boden und eine Figur scheint über den Betrachter hinweg in die Ferne zu sehen.
    Die Vermutung liegt nahe, dass nur drei Sockelelemente ursprünglich zur Figurengruppe gehörten. Der massive Unterbau und die dahinter angepflanzten Gehölze überhöhen das Ensemble zusätzlich und zwingen den Betrachter aufzuschauen.
    Der neue Standort bietet eine würdige Einordnung und die Einheit des Platzes, ohne dass die Figurengruppe diesen dominiert. Das Denkmal ist wie ursprünglich konzipiert erhöht. Das Verzichten auf den massiven Unterbau und die Beschattung von Süden ermöglichen eine bessere Lesbarkeit und geben der Plastik ihre eigentliche Maßstäblichkeit zurück.

    Stelen in der Funktionslinie vor dem Gewandhaus und zwischen den Bäumen, die auf das Rathaus zuführen, bieten attraktive nachts erhellte Informationsträger. Als Möblierung sind Hockerbänke, Fahrradständer und Papierkörbe unter den Bäumen auf der Nordseite zu finden. Bequeme lange Bänke mit Lehnen laden an der Süd- und Westseite zum Beobachten und Ausruhen ein.

    Der Trafo, da hinsichtlich seines Standortes nicht veränderbar, wird in seinen Ausmaßen auf ein Minimum reduziert und mit einem extensiven Gründach versehen.
    Neben der Möglichkeit für Stadtfeste an dieser Stelle Stromanschlüsse sicher zu stellen, werden auf dem Platz vier Senkelektranten als versenkbare Medienpoller mit auspflasterbaren Deckeln integriert.

    Der Preis für die ganzheitliche Gestaltung, sind bewusst in Kauf genommene Einschnitte im Individual- und ruhenden Verkehr. Rund um den Markt sollte eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h eingeführt werden.
    Die Fahrbahnbreite vor dem Rathaus wird auf eine Spur reduziert. Das Linksabbiegen für die wenigen Anlieger und Hotelgäste in die Einbahnstraße oberhalb des südöstlichen Altmarktes benötigt keine zweite Spur. Das Abfließen der Fahrzeuge über die Voigtstraße ist hinnehmbar.
    Die nördliche Straße des Altmarktes wurde zu Gunsten der Aufenthaltsqualität aufgegeben. Nur Anlieferfahrzeuge dürfen in festgelegten Zeitfenstern den Platz über versenkbare Poller befahren.
    Die Parkplätze auf dem Altmarkt wurden auf 24 Kurzparkplätze reduziert.

    Diese Einschnitte, einhergehend mit der neuen Gestaltung und privatem Engagement der Anlieger und Gewerbetreibenden, bieten die Möglichkeit den Altmarkt wieder als die „Gute Stube“ von Zeitz wahrzunehmen und Touristen einen Platz in der Sonne bei Kaffee und Eisbecher mit Rathausblick anzubieten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Rathaus wird in diesem Zusammenhang als bedeutendstes Gebäude für Fußgänger komfortabel in den Platz integriert und visuell hervorgehoben, indem die fassadenbegleitende Baumreihe hier unterbrochen wird. Die topografisch modellierten Pflanzflächen versprechen einen jahreszeitlich wechselnden Eindruck als Vorbereich des Rathauses. Diese Flächen treten zudem in einem unmittelbaren Dialog mit dem hinter dem Rathaus mit einem Durchgang verknüpften Grünraum.

    Die Lage des Mahnmals an der Treppe und als Auftakt der grünen Böschung an der Südseite des Altmarktes ermöglicht einen würdigen Eindruck. Die Bäume fassen das Denkmal räumlich und integrieren es so in den Platz. Die organisch geformten Einfassungen der Grünflächen in Verbindung mit der leicht geschwungenen platzbegrenzenden Ost-West-Linie vermitteln einen spannungsreichen Kontrast zur Platzgestaltung.

    Der Entwurf ist in Stufen realisierbar und besitzt alle Voraussetzungen, den geforderten Kostenrahmen einzuhalten.


INFO-BOX

Angelegt am 18.05.2011, 10:35
Zuletzt aktualisiert 20.06.2011, 09:28
Beitrags-ID 4-44944
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