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  • DE-78333 Stockach
  • 07/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-72415)

Vorderer Kätzleberg


  • 1. Rang Zur Überarbeitung aufgefordert


    Architekten
    Braun + Müller Architekten BDA, Konstanz (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    helena hanser

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: LS Architektur Städtebau BDA SRL, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Idee
    Die Entwurfsidee basiert auf der spezifischen Identität des Ortes: den topographischen Gegebenheiten des Planungsgebietes „vorderer Kätzleberg“ und den ortstypischen, großzügig durchgrünten offenen Baustrukturen, wie sie außerhalb der Stockacher Altstadt zu finden sind.

    Der westliche Entwurfsteil wurde in der Vergangenheit aufgrund der gewerblichen Nutzung, zu einem Plateau eingeebnet. Drei markante Geländeeinschnitte wirken wie tiefe Narben im Gebiet und bilden eine Zäsur zum natürlich geformten Gelände des östlich gelegenen Ideenteils. Diese drei Einschnitte werden im Entwurf freigehalten und zu einem zentralen Grünzug transformiert, der die beiden neuen Wohnquartiere und die Nordstadt mit dem Naherholungsgebiet Osterholz und den Sport- und Freizeitanlagen im Süden verbindet.
    Das westliche Plateau wird mit einer vielfältigen, flexiblen und durchgrünten Punkbebauung zu einem neuen Wohnquartier mit zahlreichen nachbarschaftlichen Bezügen entwickelt.
    Der Ideenteil formuliert in Ergänzung dazu ein repräsentatives Wohnen in bester Südhanglage.

    Städtebauliche Körnung
    Die bauliche Struktur Stockachs außerhalb der Altstadt besteht zum Großteil aus einer feinkörnigen, offenen und durchgrünten Bebauung von Einfamilien- und Mehrfamilenhäusern. Im Planungsgebiet werden diese ortstypischen Bautypologien neu interpretiert und weiterentwickelt. Ziel ist es eine Vielzahl an verschiedenen und prägnanten Wohntypologien anzubieten. Die Punktbebauung im Entwurfsteil besteht aus zwei Modulgrößen von 12x12 und 15x15 Meter. Die Baukörper sind zueinander versetzt und variieren, je nach städtebaulicher Situation, in Größe und Geschossigkeit. Es bilden sich differenzierte, grüne private und individuelle Freiräume. Darüber hinaus kann mit dieser kleinteiligen Struktur auf die unterschiedliche zeitliche Verfügbarkeit der Grundstücke problemlos eingegangen werden.

    Die Punktbebauung wird an drei markanten Situationen funktional und städtebaulich durch gemeinsame Sockelbereiche verbunden. An der Kreuzung Dillstraße/ Winterspürer Straße und am neuen Stadteingang, aus Richtung Winterspüren kommend, stehen die Punkthäuser auf einem erhöhten Gartensockel. Der Sockel nimmt Parkierungsmöglichkeiten auf und hält die direkte Lärmbelästigung durch die Straße ab. An der nord-westlichen Spitze des Grundstücks betont ein Sockelgeschoss, das kleine Gewerbeeinheiten und eine Pflegestation für betreutes Wohnen enthält, die städtebauliche Situation in direkter Nachbarschaft zur Jahnhalle.

    Im Ideenteil setzt sich die kleinkörnige Baustruktur fort und nimmt die Bewegung des Hangs auf. Die Wohnhäuser sind parallel, leicht zueinander versetzt, an den Höhenlinien ausgerichtet und betonen die attraktive Lage am Hang.

    Schallschutz
    Der Erhalt des typischen, offenen Ortsbilds verbietet unserer Meinung nach eine dezidierte, zeilenförmige Lärmschutzbebauung entlang der Winterspürer Straße. Der Lärmschutz wird daher im Entwurf durch eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen erzielt:

    Im Bereich der Punktbebauung heben die Sockelgeschosse das Gartenniveau um 2-3 Meter an und bilden so zusammen mit der Brüstung einen integrierten aktiven Schallschutz. Bei den in Straßennähe stehenden Häusern kommt zusätzlich passiver Schallschutz zum Einsatz. Die großzügigen Südloggien werden mit einer faltbaren Einscheibenverglasung zusätzlich gegen Schalleintrag geschützt. Ferner können die Loggien so ganzjährig genutzt werden.

    Zwischen Straße und Wohngebiet wird ergänzend als Schallfilter eine straßenbegleitende Baumreihe angeboten, die das Quartier vom Ortseingang bis zum Quartiersauftakt im Nord-Westen städtebaulich fasst.
    Im Ideenteil entsteht im Süden eine durch Mauern terrassierte Streuobstwiese, die bei Freihaltung der attraktiven Sichtbezüge den Abstand zur Straße herstellt und somit für physischen und psychologischen Schallschutz sorgt. Hier werden zudem die geforderten Ausgleichs- und Regenwasserversickerungsflächen für den Ideenteil vorgesehen.


    Vernetzung
    Die Bebauung des Ideenteils liegt eingebettet im Grünen und bildet den neuen, zurückgesetzten Ortsrand im Osten. Die neue Grünvernetzung verbindet den nördlich gelegenen Wald mit dem südlich gelegenen Osterholz und dem Grün vor der Stadtgrenze im Osten. Ein fußläufiger Höhenweg verbindet das Zentrum mit dem grünen Kätzleberg.

    Verkehr + Parkierung
    Die Haupterschließung führt als Tempo 30-Zone durch das gesamte Quartier. Zwei Schleifen erschließen das Quartier in der Tiefe und sind als Wohn- und Spielstraßen mit Einbahnverkehr angelegt. Zur Winterspürer Straße gibt es zwei Ein- und Ausfahrten, die als „shortcuts“ das Verkehrsaufkommen innerhalb des Quartiers reduzieren.
    Es werden verschiedenste Parkierungsmöglichkeiten angeboten. Im Ideenteil wird im Haus und vor dem Haus auf der Parzelle geparkt. Im Entwurfsteil wird eine vielseitige Mischung aus Tiefgaragen, Parken neben dem Haus und Parken vor dem eigenen Haus angeboten. Dieses vielseitige Angebot geht auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzergruppen ein und kann flexibel auf künftige Mobilitäts-Entwicklungen reagieren.

    Plätze
    Das Konzept sieht verschiedene Arten von Plätzen vor. Als Quartiersauftakt und Anbindung an das Zentrum entsteht gegenüber der Veranstaltungshalle „Jahnhalle“ ein städtischer Platz mit Nahversorgungseinrichtungen wie z. B. Bäcker, Metzger und der Pflege- und Sozialstation der vorgeschlagenen betreuten Altenwohnungen. Am neuen Ortseingang wird die Verbindung zum Naherholungsgebiet durch einen Vorplatz betont und eine zusätzliche Bushaltestelle angelegt.
    Im Inneren des Wohnquartiers entstehen kleine Quartiersplätze, die zur Stärkung der Nachbarschaften beitragen und Spielraum für Kinder bieten. Den Wohneinheiten werden darüber hinaus großzügige private Freibereiche zugeordnet, um auf lange Zeit von der „Nähe auf Distanz“ profitieren zu können.

    Typologien
    Für den städtebaulichen Entwurf sind neben den topographischen und örtlichen Gegebenheiten vor allem Flexibilität, Vielseitigkeit und Zukunftsfähigkeit ausschlaggebende Leitworte, um einen großen Typologie-Mix mit verschiedenen Wohnungs- und Grundstücksgrößen für jeden Anspruch anzubieten.
    Die Punktbebauung ist die ideale Bauform um in einer kleinteiligen Struktur eine vielseitige Mischung an Wohntypologien anzubieten. Das städtebauliche Konzept muss im Laufe der Zeit nicht angepasst werden, da die Kubatur unterschiedlichste Wohnkonzepte beinhalten kann. Je nach demographischer Entwicklung können die Gebäude unterschiedlich geplant werden. In einem Kubus können Geschosswohnungen, Reihenhäuser, Doppelhäuser oder Maisonetten entstehen oder diese sogar innerhalb eines Baukörpers miteinander kombiniert werden. Dies ermöglicht eine bunte Mischung von Wohnformen, die unterschiedlichste Altersgruppen anzieht. Es entsteht ein Bewohner-Mix bei dem alle von nachbarschaftlicher Hilfe profitieren können. Die maßstäblichen Baukörper bieten überschaubare Nachbarschaften und wirken identitätsstiftend. Für die im Erdgeschoss gelegenen Wohnungen/Reihenhäuser gibt es Süd- oder Westgärten. Die darüber liegenden Wohnungen oder Maisonetten erhalten eingeschnittene Loggien oder Dachterrassen als private Freibereiche.

    Die Wohnbebauung im Ideenteil reiht sich wie eine Perlenkette entlang des Südhangs auf. In dieser ansprechenden Hanglage entstehen Villen, Doppelhäuser und dreiteilige Reihenhäuser. Das leichte Verspringen der Gebäude schafft geschützte private Südgärten. Die bevorzugte Lage bietet neben der Südorientierung und dem Blick ins Grüne auch entsprechend große Grundstücke. Die Winterspürer Straße verschwindet optisch auf Grund der neu angelegten Streuobstwiese.

    Im zentral liegenden Grünzug werden die Geländeeinschnitte neu interpretiert und neu geformt. Die Terrassierungen erhalten unterschiedliche Bepflanzungen und Nutzungen. Es wird ein im Grünzug integriertes Quartierszentrum angeboten, in welchem kleine Veranstaltungen und Treffen stattfinden können. Der Grünzug wird zur neuen Quartiersmitte; er wird Treffpunkt für Jung und Alt. Vom Kinderspielplatz mit direkter Verbindung zum nördlichen Wald bis zum Boule-Spielfeld für Senioren werden Sonnenterrassen, Grillplätze und Sitzmöglichkeiten angeboten. Die neue Quartiersmitte stärkt die Quartiersidentität, das Nachbarschaftsgefüge und verzahnt durch gemeinschaftliche Nutzungen und Wegebeziehungen das Quartier mit den umliegenden Nachbarschaften. So entsteht ein neues, bunt gemischtes, zukunftsfähiges und flexibles Wohnquartier für Stockach.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 23.05.2011, 10:30
Zuletzt aktualisiert 10.08.2011, 10:09
Beitrags-ID 4-45059
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