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  • DE-48431 Rheine
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-60007)

Kolumbarium St. Michael


  • 1. Preis


    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Idee / Liturgie

    Umnutzung eines Sakralraums zur Urnenbegräbnisstätte.

    Die katholische St. Michael Kirche in Rheine entstand in den 60er Jahren und gliedert ihren Kirchenraum in ein Haupt- und Nebenschiff sowie einen Altarbereich.

    In der Planung zur Umnutzung wurde diese Struktur grundsätzlich übernommen.
    Das Hauptschiff beherbergt nun das Kolumbarium, das Nebenschiff übernimmt zeremonielle Funktionen. Die Grundidee, an der Stelle des ehemaligen Altars den zentralen Punkt der Kirche auszubilden, wird durch die Platzierung der Ewigen Ruhe an dieser Stelle verdeutlicht. Hier kreuzen sich außerdem die beiden Hauptachsen und ein Dachfenster versorgt diesen Teil mit Tageslicht. Das einfallende Licht des Dachfensters direkt über der Ewigen Ruhe ist inspiriert durch die christliche Auferstehung.
    Das Kolumbarium selbst befindet sich im Herzen des Hauptschiffes. Seine bauliche Form leitet sich aus der prägnanten Fensterfront ab und stellt somit eine Parallele der äußeren Erscheinung zur neuen inneren Nutzung dar.

    Der Empfangsbereich und alle weiteren Nebenfunktionen sind in dem umlaufenden Gebäudeteil untergebracht und umrahmen die Hauptnutzung.


    Umsetzung / Entwurf

    Die entstandenen Bereiche sind den einzelnen Stadien eines Trauerprozesses gewidmet.

    Abschiedsraum – Abschiedsfeier – temporäre Gedenkstätte – Urnenbegräbnis – Ewige Ruhe

    Die Abschiedsräume sind mit einem eigenen separaten Zugang in dem bisher als Kindergarten genutzten Nebenschiff untergebracht. Abseits der eigentlichen Gräberkirche beginnt hier der Trauerprozess im Kreis der engsten Familie.

    Die Abschiedsfeier findet im hinteren Bereich des Hauptraumes statt. Der räumlich abgetrennte Bereich ist durch freistehende Stühle bei Bedarf flexibel zu nutzen.

    Eine temporäre Gedenkstätte (z.B. für die Zeit bis zur Urnenbeisetzung) finden Trauernde im Empfangsbereich der Gräberkirche. Hier dienen die vielen kleinen Fenster der bestehenden Fassade als Lichternischen. Gedenken an Verstorbene durch hier aufgestellte Kerzen vermittelt eine Anteilnahme nach innen und nach außen.
    Auf einer gut sichtbar positionierten Tafel werden die kürzlich Verstorbenen namentlich genannt.

    Das Urnenbegräbnis im kleinen Kreis findet in einer dazu ausgewählten Unterteilung des Kolumbariums statt.
    Das adaptierte Raster der Fensternischen ermöglicht hier eine beidseitige Bedienung, die eine Aneinanderreihung der Urnenfächer vermeidet. Jedes Urnengrab umgibt ein optisch freier Raum, der eine Ablenkung durch direkte Nachbarfächer ausschließt. Die dadurch klein gehaltene Anzahl an Urnenplätzen je Nische bietet Angehörigen eine intime Atmosphäre.
    Die zusätzliche Abtreppung der einzelnen Bereiche entsprechend der Dachneigung stellt eine weitere Unterteilung dar. Die Neigung ist der Ewigen Ruhe, dem zentralen Punkt, zugewandt. Die Erschließung über einen Rampengang ist bewusst gerichtet und kennzeichnet die zeremonielle Bedeutung des Weges.

    Das aus der Mitte gerückte Kinderkolumbarium wird in seiner Ausrichtung unterschieden. Es ist in der bestehenden Nische parallel zum Hauptkolumbarium untergebracht. Boden- und Deckenauskleidung im Holz des Kolumbariums verstärken den Nischen- und Rückzugscharakter. Nicht direkt der Ewigen Ruhe zugewandt, finden sich hier Ruhe und Raum für eine oftmals andere Art von Trauer.

    Die Ewige Ruhe, als zentraler Gedanke und räumlich betonten Punkt des Kolumbariums, symbolisiert den Abschied in das Ewige Leben.
    Erhellt vom Tageslicht wird die Ewige Ruhe vor allem durch die neue Kreuzinstallation hervorgehoben. In einer reflektierenden und beweglichen Materialität steht das Kreuz für den fließenden Übergang der Auferstehung. Die Installation schwebt direkt über dem Stein der Ewigen Ruhe und ist aus den zwei Hauptachsen jeweils als freischwebendes Kreuz wahrnehmbar. Als inhaltlich letzter Anlaufpunkt in der Gräberkirche kennzeichnet der letzte Bestattungsakt auch gleichzeitig den Beginn der Auferstehung. Mit seinen lebendigen Lichtreflexen stellt das dreidimensionale Kreuz einen markanten Hoffnungsträger dar.
    In räumlicher Nähe kann außerdem eine Gedenktafel oder ein Totenbuch weiterhin den hier Bestatteten gewidmet werden.

    Die bestehenden Kunstgegenstände nehmen in der neuen Nutzung weitestgehend ihre ursprüngliche Ausrichtung und Positionierung ein.


    Material / Licht

    Leitgedanken des Entwurfes entstanden aus der vorhandenen Lichtführung. Die Fensternischen der Fassade dienen als Konzeptgeber des Kolumbariums und die Position des Dachfensters als Anstoß des Auferstehungsgedanken.
    Diesem Ausgangspunkt folgend setzt sich Licht als wichtiges Gestaltungsmerkmal im Entwurf fort. Eine beleuchtete Deckensegelinstallation begleitet den Besucher in den Raum und bildet das stoffliche Haupt des Kolumbariums. Die Entsprechung der Lichtkanten an der Decke findet sich im Sockel der Kolumbarien. Die einzelnen Segel sind den Reihen der Kolumbarien angepasst.

    Der neue Boden aus hellem Estrich schafft eine ruhige fließende Verbindung der Wege und Stufen. Die Helligkeit überträgt sich auf die restliche Umgebung und stellt einen harmonischen Kontrast zum vorhandenen Backstein und dem lebendigen Apfelholz dar.
    Die hölzerne Struktur der Kolumbarien wird durch die Schlichtheit des Bodens betont und schafft Raum für dessen natürlich warmen Charakter. In den starken Maserungen des Apfelholzes spiegelt sich Lebendigkeit und Individualität wider. Jede Verschlussplatte ist einzigartig und somit wie ein Fingerabdruck des Menschen. Keine Maserung gleicht der anderen und dennoch hebt sich auch keine Stelle besonders hervor. Die hier bestatteten Menschen teilen zwar eine Ruhestätte, aber die unterschiedlichen Schicksale bleiben nicht unberücksichtigt.

    Das im Kinderkolumbarium verwendete Splintholz soll mit weniger Maserung und hellerer Erscheinung den Gedanken an das jüngere Leben unterstreichen.

    Die zentrale Kreuzinstallation lehnt sich in seiner Materialität an das klassische Bronzekreuz an. Aus lichtreflektierendem Gewebe steht es mit seiner Beweglichkeit für die Anwesenheit von Leben. Der fließende Übergang von der Ewigen Ruhe in Richtung Tageslicht wird von Lichtreflexen begleitet und akzentuiert.


    Planungsteam behet bondzio lin architekten

    Yu-Han Michael Lin M.A. (Arch.)

    Ines Schulte B.A. (Arch.)
    Julia Fehrl B.A. (Interior Arch.)
    Janka Lengyel
    Dipl.-Ing. Robert Luschnat

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 20.06.2011, 14:52
Zuletzt aktualisiert 22.06.2011, 12:09
Beitrags-ID 4-45721
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