loading
  • 3. Preis


    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter W. Schmidt

    Mitarbeit
    Alexander Frederik Raab, Anja Retzlaff, Herbert Hussmann

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext

    Städtebauliches Konzept

    Auf dem Rathausplatz an der Müllerstraße wird den bestehenden Einzelbauwerken ein weiterer Stadtbaustein hinzu gefügt - die neue Mittelpunktbibliothek. Um den Raum der Platz- und Parkflächen mit den solitär gesetzten Baukörpern erlebbar zu machen, wird der neue Baukörper angehoben, auf V-Stützen gestellt und im Erdgeschoss vollflächig verglast. So ergeben sich vielfältige Durchblicke, und die Wegeverbindung entlang der Brandwand behält den Bezug zum Park.
    Der mit Profilitglas verkleidete Baukörper schwebt scheinbar über dem Park und nimmt damit das Motiv des ebenfalls auf Stützen stehenden denkmalgeschützten Versammlungssaales auf.

    Das langgestreckte Wettbewerbsgrundstück wird mit einer alternierenden Bandstruktur überbaut. Die Vor- und Rücksprünge geben dem Baukörper eine dem Ort angemessene Maßstäblichkeit.
    Die Wegeverbindung zwischen Müller- und Genter Straße entlang der Brandwände wird durch die an der „Gasse“ entstehenden Höfe zu einem abwechslungsreichen Raum. Vor dem Rathaus-Hochhaus und dem BVV-Saal bildet die neue Bibliothek einen städtischen Platz aus, der mit seinem Steinbelag und den neuen Stadtmöbeln eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugt. Zoniert wird der Außenraum durch eine Treppenanlage, die das bestehende Höhenniveau aufnimmt und an das Fußbodenniveau des ehemaligen Bezirksverordnetensaals anschließt.
    Durch die Verglasungen der Erdgeschosszonen läuft der Straßenraum gewissermaßen durch die Gebäude des ehemaligen BVV-Saals und der neuen Bibliothek hindurch. So wird die Gasse zwischen Neubau und Brandwand optisch auch mit den Freiflächen zwischen Rathaus und Bibliothek verbunden.

    Die öffentliche Erschließung der Bibliothek erfolgt vom Rathausplatz an der Müllerstraße. Die Anlieferung findet über die Genter Straße statt.

    Der BVV Saal wird bewusst nicht baulich und funktional mit dem neuen Bibliotheksgebäude verbunden, da die Erschließung für die Anbindung problematisch gesehen wird und in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Vorgeschlagen wird stattdessen eine Nutzung des neu verglasten Erdgeschosses durch Simit Evi. So kann das beliebte Stadtteilcafé an prominenter Stelle inklusive seiner Außengastronomie weiterhin bestehen bleiben. Der Vorbereich des Ensembles, bestehend aus neuer Bibliothek, dem BVV-Saal und dem Rathaus wird durch diese Maßnahme frei geräumt und macht den Stadtraum erlebbar. Der eigendliche BVV-Saal im Obergeschoss kann als Festsaal für private Feiern wie Hochzeiten, Geburtstage u.ä., sowie öffentliche Veranstaltungen wie Schultheater, Vorträge, politische Veranstaltungen, etc. vermietet werden. Diese Maßnahme kann das sich entwickelnde Kiezzentrum im Wedding zusätzlich beleben. Für die Umnutzung wird in den bestehenden Bau ein neuer Erschließungskern eingebaut.

    Um das Rathaus-Hochhaus herum erstreckt sich eine große Rasenfläche, die erhalten bleibt. Der Aktionsraum um die Bibliothek herum erhält eine wassergebundene Decke auf der gestaltete „Inseln“ angeordnet werden. Diese mit Bandstahl eingefassten Bereiche sind mit unterschiedlichen Belägen (z.B. Holzdielen, Rasenfläche, Kies, Sand, u.ä.) und Bepflanzungen versehen und können entsprechend als Sonnendeck, Sitzgelegenheit, Spielplatz, etc. genutzt werden.


    Raumkonzept

    Über die ganze Länge des Gebäudes verläuft mittig die „Bibliothekspromenade“. An dieser schließen die unterschiedlichen Raummodule mit entsprechenden Nutzungsbereichen an. Für die spätere Erweiterung zur Bezirkszentralbibliothek bietet diese Typologie den Vorteil der modularen Addition. In der Erschließungszone sind offene Treppen eingeschnitten. Alternierende Lufträume verbinden zusammengehörende Funktionsbereiche.
    Die geschlossenen und „offenen“ Wandflächen im Inneren lassen das gefilterte Licht der Profilitglashaut im Wechsel durchscheinen. So entstehen Licht durchflutete Räume, in denen die Bücher und das Lesen die Hauptrolle einnehmen. Große Panoramafenster eröffnen an verschiedenen Stellen im Gebäude Aussichten in den Stadtraum.
    Das Lesecafé ist in einem zweigeschossigen Raum mit direktem Blickbezug zum städtischen Vorplatz im Kopf des Baukörpers untergebracht. Die spätere Erweiterung des Gebäudes setzt sich Richtung Genter Straße fort. Hier wird im obersten Geschoss ein Dachgarten als kontemplativer Bereich entstehen.


    Konstruktion, Fassade, Materialität

    Das Gebäude wird als Stahlbeton-Skelettbau konzipiert. Das Erdgeschoss wird durch V-Stützen aus Stahlbeton gestaltet. Die Glashaut ist flächenbündig mit der Fassade der Obergeschosse vor den Stützen eingebaut. Der Hauptbaukörper mit 3 Obergeschossen wird von einer transluzenten Fassadenhaut aus Profilitglas umschlossen, die den Baukörpern eine kristalline Anmutung geben. In der Nacht leuchtet der Baukörper diffus und bildet somit die Kulisse für einen Stadtraum, der auch am Abend hohe Aufenthaltsqualitäten bietet.

    Die innere Fassade ist als „transluzente Wandfläche“ mit raumhoher Verglasung oder als „massive Wandfläche“ als verputzte Ytong-Wand ausgeführt. Der Fußboden im Erdgeschoss ist mit einem Steinbelag versehen, der den Platzbelag des Außenraumes im Inneren fortsetzt. In den Obergeschossen wird ein robuster dunkler Parkettboden eingebaut.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.