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  • DE-33098 Paderborn
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-63482)

Neugestaltung der Königsplätze in der Innenstadt von Paderborn


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Breimann & Bruun, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Bertel Bruun

    Mitarbeit
    Judith Haas, Ben Warnecke, Dominik von Waldthausen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Leitbild

    Das formulierte Ziel des aktuellen Stadtumbaus in Paderborn ist es, qualitativ hochwertige urbane Freiräume zu generieren und gleichzeitig die Geschäftslagen der Altstadt attraktiver zu gestalten, um wieder mehr Kaufkraft im Zentrum Paderborns zu binden. Nach der Errichtung der Libori-Galerie und der Rathauspassage sowie der Umgestaltung der Fußgängerzone und dem bereits begonnen Bau des Kötterhagen, stellt die Umstrukturierung des Areals rund um die Königsplätze die letzte große Maßnahme in der Neuorganisation der Paderborner Altstadt dar.
    Das Konzept „KönigsQuartier Paderborn“ stellt das Quartier zwischen Marienstraße und Westernstraße sowie Marienplatz und Königsstraße wieder frei und revitalisiert dieses als ablesbaren und funktionierenden Baustein in der Stadtstruktur von Paderborn.
    Dies wird im architektonischen Bereich über die Arrondierung der Raumkanten, die Umgestaltung der Bestandsfassaden und die interne Umstrukturierung der Gebäude erreicht. Der freiraumplanerische Aspekt des Konzeptes sieht die Schaffung einer einzigartigen Identität im Außenraum vor, die durch ihre haptische und optische Qualität sowohl einen Attraktor für Besucher als auch eine Aufwertung des Lebensraumes der Anwohner darstellt. Dabei ist das selbstverständliche Durchströmen des Quartiers eines der funktionalen Hauptanliegen der Planung. Das Anbinden an die Fußgängerzone funktioniert dabei in einer „großen Schlaufe“ vom Marienplatz über die Marienstraße und zurück über die Königsstraße und in einer „kleinen Schlaufe“, angefangen Im Düstern über KönigsHof und KönigsPlatz und zurück über die Königsstraße. Die freigeräumte Königsstraße wird dabei ihrer historischen Bezeichnung als „Hellweg“, was so viel bedeutete wie lichter, heller Weg, gerecht.

    Freiraumgestaltung

    Idee
    Der Entwurf für das „KönigsQuartier Paderborn“ hebt die einseitige Orientierung des Freiraumes zugunsten der Fußgängerebene auf und schafft eine Gleichberechtigung von oberer und unterer Ebene. Dabei ist das Anbinden beider Niveaus an den restlichen Stadtraum zentrales Element der Entwurfsidee.
    Durch kontrollierten und schrittweisen Rückbau der Rampen und Stege in den nächsten Jahren können die Raumkanten des Quartiers freigelegt und die Voraussetzung zur Umgestaltung von Königs- und Marienstraße geschaffen werden. Die richtige Wahrnehmung von zwei unterschiedlichen urbanen Räumen auf verschiedenen Höhen-Niveaus ist die Bedingung für das Funktionieren des Quartiers. Durch die besondere Inszenierung der fünf Quartierszugänge soll darüber hinaus eine Sogwirkung entstehen, die der Belebung des inneren Freiraums zugute kommt und Kaufkraft im KönigsQuartier generiert.
    Erst durch den langfristigen Rückbau des Inselgebäudes und die Freistellung der Königsstraße wird die Bildung von klar definierten Freiräumen möglich, die die Etablierung eines KönigsPlatzes ermöglichen. Die neu geordneten Freiflächen werden dabei entsprechend ihrer Dimensionen als KönigsPlatz im Westen und KönigsHof im Osten deklariert. Die Grundidee des KönigsPlatzes ist eine räumliche und funktionale Stärkung der Ränder. Die Mitte des Platzes wird als Strömungsraum und multi-funktionale Freifläche (z.B. Königsmarkt) bewusst frei gehalten. Im KönigsHof wird räumlich und thematisch die Mitte gestärkt, wobei auf die klaren Raumkanten des Ortes eingegangen wird.
    Beide Räume werden durch einheitliche Ausstattungselemente und durch einen durchgehenden Bodenbelag zusammengehalten. Es wird so ein ablesbares Quartier geschaffen, welches in seiner Identifikationsbildung bei den Eingängen anfängt und auf dem KönigsPlatz seinen Höhepunkt findet.
    Das KönigsPortal beherrscht dabei den KönigsPlatz als prägendes Element. Es erfüllt die Funktion beide Ebenen funktional und gestalterisch zu verknüpfen und nimmt somit die Schlüsselstelle im vorliegenden Entwurf ein.

    Materialität

    Um das Umströmen des Quartiers zu unterstützen und die Vernetzung der westlichen Altstadt voranzutreiben, werden die Königsstraße und die Marienstraße mit den gleichen Materialien und Ausstattungselementen wie die Fußgängerzone umgestaltet.
    Im farblichen Gegensatz zum rotbraunen Belag der Westernstraße wird das KönigsQuartier in den Farben Grau und Gold bzw. Ocker gehalten. Der gesamte Freiraum des Quartiers erhält einen Plattenteppich aus Naturstein in hellgrauen Farbtönen. Hierbei kommen die Plattenformate 70 x 40 cm und 70 x 15 cm zum Einsatz, die im Drittelversatz gelegt werden. Alle Ausstattungselemente werden in goldfarbigem Metall mit Oberflächenstruktur hergestellt. Hierbei wird je nach Kostenrahmen Messing oder eloxiertes Aluminium verwendet. Bei den Goldenen Läufern an den Quartierseingängen ermöglichen Natursteinplatten mit Metallbeschichtung eine materialhomogene Gestaltung. Bei dem Verfahren wird Metallpulver mit einem speziellen Bindemittel auf den Stein aufgetragen, wobei die Oberflächenstruktur weiterhin erhalten bleibt und der Stein langfristig eine interessante Patina ansetzt.

    Vegetation

    Die Baumpflanzungen orientieren sich in ihrer gold-gelben Blattfärbung an den Ausstattungselementen des KönigsQuartiers. So kommen auf dem KönigsHof Gingko, auf dem KönigsPlatz Gold-Robinie zum Einsatz.
    Die geschnittenen Platanen, die bereits in der Fußgängerzone verwendet wurden, vervollständigen die Umgestaltung der Königs- und Marienstraße analog zur Fußgängerzone.

    Ausstattung

    Bei den Ausstattungselementen, die auf dem Platz verortet werden, handelt es sich um Hochbeete und Beleuchtungselemente. Neben dem KönigsPortal wirken auch diese identifikationsbildend und geben den Platzräumen ihre Unverwechselbarkeit.
    Aus der Not, auf unterbauter Fläche zwingend Hochbeete für Baumpflanzungen zu verwenden, wird eine Tugend gemacht. So unterstützen diese in Material und Formgebung zum einen die Entwurfsidee, zum anderen dienen sie als Sitzmöglichkeiten. Die Beete sind so geformt, dass in bestimmten Bereichen Sitzbereiche mit Holzauflagen ausgebildet werden. Durch die arrhythmische Form und Anordnung von Hochbeeten und Sitzbereichen entstehen immer neue Situationen am Platzrand. Diese sind jedoch soweit aufgebrochen, dass ein Hindurchströmen möglich ist.
    Als Beleuchtungselemente werden Lichtstelen für die offenen Freiräume und Wandleuchten für die schmalen Gassen vorgeschlagen. Diese orientieren sich in ihrer Formensprache und Materialität am KönigsPortal.
    Zwischen den Hochbeeten können zudem, je nach den Vorstellungen der Anwohner, Spielgeräte integriert werden.
    Eine Metallintarsie im Plattenbelag bildet eine Besonderheit im Königshof: Ein Messingband orientiert sich an den klaren Raumkanten des Hofes und strukturiert diesen optisch. In das Band werden historische Informationen zu den Aufenthalten Karls des Großen in Paderborn gestanzt, welche Besucher und Anwohner für die historischen Referenzen der Stadt sensibilisieren sollen.

    Beleuchtung

    Das Beleuchtungskonzept ermöglicht ein Erleben der räumlichen Qualität von KönigsPlatz und KönigsHof auch in der Nacht. Hierbei wird zwischen der notwendigen und der Stimmungs- und Effektbeleuchtung unterschieden.
    Die Sicherheitsbeleuchtung wird auf den Platzräumen durch Lichtstelen und in den schmalen Zugängen zum KönigsQuartier durch Fassadenleuchten gewährleistet. Diese orientieren sich in ihrer Formgebung am Königsportal und verbreiten jeweils durch einen Reflektorschirm indirektes Licht.
    Zur Stimmungsbeleuchtung werden die Bäume aus den Hochbeeten heraus mit Baumstrahlern illuminiert. Die Hochbeete erhalten zudem an ihrer Basis eine Lichtfuge und bekommen so einen „schwebenden“ Charakter.
    Das neue zentrale KönigsPortal verstärkt nachts seinen „Leuchtturmcharakter“ im wahrsten Sinne des Wortes und wird schon von der Westernstraße aus deutlich wahrgenommen. Die integrierte Gastronomie sorgt für einen warmen, einladenden Eindruck.
    In den wieder geöffneten Straßenräumen der Marien- und der Königsstraße wird die Beleuchtung der Westernstraße fortgeführt, um auch nachts eine visuelle Verknüpfung zur vorhandenen Fußgängerzone zu erreichen.

    Bauphasen

    Das Zusammenwirken der vorgeschlagenen Maßnahmen von Ideen- und Realisierungsteil ist für die langfristige Entwicklung des Quartiers von essentieller Bedeutung. Es soll jedoch im Folgenden dargestellt werden, wie in einzelnen, separat funktionierenden Bauphasen das Projekt vorangetrieben werden kann.
    Im ersten Schritt wird der Freiraum des KönigsHofs samt den beiden Zugängen Im Düstern realisiert. Als Verknüpfung zum Marienplatz wird das Mariengässchen in seiner Fläche erweitert, der Zugang inszeniert und eine durchgehende neue Ladenzeile etabliert. Durch die Begradigung wird zudem eine neue Sichtbeziehung zwischen Marienplatz und KönigsHof geschaffen.
    Der zweite Schritt sieht den Umbau der Verkehrsebene im Bereich des ehemaligen Busbahnhofes zu einem neuen Geschäftshaus sowie die Öffnung und Neugestaltung der Königsstraße vor. Zwischen der ersten und zweiten Bauphase strukturieren sich die Geschäfte an der Königsstraße intern neu, um auf den geöffneten Straßenraum adäquat reagieren zu können.
    Im dritten Schritt wird die Marienstraße an die Fußgängerzone und die Königsstraße angeschlossen. Die Rampe am nördlichen Quartiersrand wird erweitert und ist in Zukunft auch für die Feuerwehr nutzbar. Als Reaktion auf den freiraumplanerischen Eingriff werden die Fassaden an der Marienstraße umgestaltet und die noch bestehenden Rampen und Treppen rückgebaut. Im Anschluss daran kann der Kreuzungsbereich mit dem Weberberg und der Zugang zu den Paderquellen in Szene gesetzt werden.
    Die finale Phase der Realisierung sieht den Rückbau des Inselgebäudes und den Umbau der Fassaden auf der Fußgängerebene vor. Anschließend wird der KönigsPlatz samt KönigsPortal verwirklicht. Infolge der Fertigstellung des KönigsQuartiers können langfristig auch die Brückengasse und die Alte Torgasse in ihrer Funktion als Ost-West-Verknüpfung gestärkt werden.

    Verkehr

    Gemäß den bisherigen Vorüberlegungen wird dem Fußgängerverkehr in Königs- und Marienstraße langfristig der Vorrang gewährt. Dazu kann in die Tiefgarage in Zukunft nur noch über die Zufahrt an der Alten Torgasse eingefahren werden. Die Weiterfahrt in Richtung Königsstraße ist dem Anliefer- und Busverkehr vorbehalten. So können sowohl Königsstraße als auch Brückengasse von PKW-Verkehr befreit werden.

    Orientierung und interne Erschließung

    Grundsätzlich wird die Orientierung schon durch die Umgestaltung des KönigsQuartiers und die damit einhergehenden Maßnahmen wesentlich verbessert. Schwer einsehbare Orte und Angsträume sowie räumlich unübersichtliche Situationen wurden zugunsten von offenen und klaren Freiräumen eliminiert.
    Weiterhin konzipiert der Entwurf die externe und interne Erschließung des Quartiers mit dem Fokus auf dem KönigsPortal. Dieses ist nicht nur Eingangsbereich und gestalterischer Auftakt für den KönigsPlatz, sondern auch zentrales Element für die vertikale Erschließung. Hier wird eine Fahrstuhl- und Treppenverbindung zwischen allen vier Ebenen (Fußgängerebene, Verkehrsebene und Tiefgaragenebenen) angeboten.
    Das Leitsystem in den beiden Parkebenen orientiert sich dabei auch an diesem Prinzip und leitet den Besucher mit plakativen Bodenmarkierungen bevorzugt zum KönigsPortal. Beide Ebenen werden klar ersichtlich an den Wänden mit U1 und U2 gekennzeichnet.

    Architektur

    Die beiden wichtigsten architektonischen Eingriffe sind der Bau des neuen Geschäftshauses auf der Fläche des ehemaligen Busbahnhofes und die Integration des KönigsPortales.
    Das Geschäftshaus bildet zusammen mit der Bestandsbebauung eine funktionale und städtebauliche Einheit. Dabei werden die Straßenräume der Königs- und Marienstraße über neue Einzelhändler im EG wesentlich vitalisiert. Der neue Elektrogroßmarkt erhält einen Haupteingang durch das KönigsPortal an der Königsstraße und profitiert von der Kleinarchitektur.
    Das KönigsPortal ist ein Bauwerk, welches als Hybrid auf verschiedene Anforderungen, die an Architektur und Freiraum gestellt werden, reagiert und darüber hinaus in seiner Ikonenwirkung identifikationsstiftend für das KönigsQuartier wirkt. Auf der Verkehrsebene wird der Zugang zur zentralen vertikalen Erschließung des Quartiers sowie der Haupteingang des Elektrofachmarktes betont. Die Platzfläche auf der oberen Ebene wird über eine neue Kleingastronomie bespielt, welche sich im Königsportal befindet. In Materialität und Erscheinungsbild funktioniert das Objekt auch über weite Distanzen als Anziehungs- und Orientierungspunkt.
    Die Fassadenneugestaltung in den Obergeschossen dient dem Zweck, das Bild, welches durch die Umbaumaßnahmen funktional und optisch erreicht wird, zu vervollständigen.

    Ausblick

    Die Wahrnehmung des KönigsQuartiers als ablesbaren und unverwechselbaren Baustein im Stadtgefüge ist das zentrale Anliegen. Dies wird sich zum einen positiv auf das Wohn- und Geschäftsklima des Areals auswirken. Zum anderen wird durch diese Einzelmaßnahme das Funktionieren der Paderborner Altstadt als Ganzes gestärkt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.