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  • Preisgruppe 2

    Hochwasserschutzmaßnahmen und gestalterische Eingriffe im Bereich der Donau

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    (Federführend im Projektteam) Dipl. Ing. Rita Mettler Dirk Richter, Jacqueline Prasser, Christian Glüse

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Mauro Hagel, Berlin (DE)
    Architekten: Markus Pfisterer, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Moggi Ingenieure AG, St. Gallen (CH)

    Preisgeld
    21.000 EUR

    Erläuterungstext


    Hochwasserschutz Regensburg
    Die Stadt Regensburg stellt sich als funktionierendes Stadtgefüge dar. Verbesserungen der Freiraumqualität im flussnahen Bereich sind nur punktuell notwendig und sinnvoll. Der Bau eines Hochwasserschutzes für Regensburg wird jedoch in vielen Bereichen zu einer Veränderung der bestehenden Ufersituation führen. Neben dem vorrangigen Ziel, die Stadt vor drohenden Hochwasserkatastrophen zu schützen, suchen wir diese Veränderungen zu nutzen, um die Qualität der verschiedenen Orte zu erhalten und zu optimieren.

    Die von uns geplanten Schutzmaßnahmen fügen sich in die jeweilige Situation ein, gehen mit dem Bestehenden behutsam um, ohne sich zu verstecken. Baumaßnahmen werden genutzt um die Charaktere der jeweiligen Orte zu stärken und insbesondere im städtischen Raum das Wechselspiel von „steinern“ und „naturnah“ herauszuarbeiten. Dabei darf der Hochwasserschutz durchaus wahrnehmbar sein und seine Funktion den Bürgern mitteilen.

    Unser Hochwasserkonzept für die Stadt Regensburg folgt drei Leitgedanken:
    1. Verdichtung und Auflösung,
    2. Enge und Aufweitung
    3. Offenheit und Geschlossenheit
    Die Maßnahmen sind mehr als eine technische Notwendigkeit, sie schaffen neue städtebauliche und landschaftliche Qualitäten.

    1. Verdichtung und Auflösung:
    Im städtischen Bereich reagieren die eingesetzten HWS Systeme auf ständig wechselnden Situationen und Anforderungen. Die Kleinteiligkeit der Stadt findet sich in wechselnden Schutzelementen wieder, die auf die jeweilige Anforderung abgestimmt sind.
    Zum landschaftlichen Raum hin ändert sich die Maßstäblichkeit. Die städtische Kleinteiligkeit löst sich auf und wird nach und nach von großzügiger dimensionierten Schutzmaßnahmen abgelöst.
    Dieser Maßstabssprung geht einher mit einem Wechsel von den urbanen-technischen zu den ländlich-naturnahen Räumen. Die jeweiligen Schutzmaßnahmen reagieren auf den sie umgebenden Kontext. In städtisch geprägten Räumen sind dies vorwiegend technische Maßnahmen, wie Mauern oder mobile Elemente. In den naturnahen Bereichen finden sich fast ausschließlich Dämme.

    2. Enge und Aufweitung:
    Unser Ziel ist es, dem Fluss möglichst viel Raum zu geben, um großzügige „flusstypische“ Situationen zu schaffen und den Regensburger Bürgern einen engen Kontakt zu ihren beiden Flüssen – Donau und Regen - zu ermöglichen.
    Wir weiten, wo dies möglich ist, den Flussraum auf. Im städtischen Raum beschränkt sich dies auf punktuelle Aufweitungen. Stadtauswärts werden die Aufweitungen linearer und großzügiger.
    Hierdurch entstehen Aufenthaltsbereiche in direkter Wassernähe die eine Verzahnung von Fluss und Land bewirken, bei der der Fluss nicht zurückgedrängt, sondern ihm Raum gegeben wird.

    3. Offenheit und Geschlossenheit:
    Wir schaffen an einigen städtebaulich und landschaftlich interessanten Orten Öffnungen zum Fluss. Diese sogenannten Flussfenster stellen eine räumliche und visuelle Wechselbeziehung zwischen Wasser und Stadt her und unterstreichen deren Einheit.
    Durch die Flussfenster werden gleichermaßen die Zugänge zu den flussnahen Bereichen sicher gestellt. Donau und Regen werden in ihrer Bedeutung für die Regensburger Bürger gestärkt.

    Anliegen dieser Arbeit ist es, den Hochwasserschutz mit all seinen technischen Anforderungen gestalterisch wirksam aber unauffällig in die Gesamtkonzeption zu integrieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser setzt im Rahmen eines Gesamtkonzeptes 3 Leitgedanken mit denen es gelingt, in weiten Teilen neue städtebauliche und landschaftliche Qualitäten zu erzeugen.
    Diese präzise formulierten Themen „Verdichtung und Auflösung, Enge und Aufweitung, Offenheit und Geschlossenheit“ sind nicht in allen Bereichen klar umgesetzt, sondern vermischen und überlagern sich.
    So erscheinen bei der Neugestaltung der Werfstrasse als auch bei der Ausbildung der steinernen Uferkante im Altstadtbereich entlang des Donaumarktes die grünen Elemente unpassend und tragen nicht zur Stärkung des städtischen Charakters bei.

    Positiv gewertet wird die tribünenartige Uferausformung am Ostufer des Regens parallel zur Amberger Strasse in Verbindung mit den neu geordneten Sportflächen.

    Die neue künstliche Topographie am Sportplatz Sallern überzeugt räumlich und funktional.
    Nicht nachvollziehbar ist der massige Einsatz von Bäumen an allen Uferbereichen.
    Dies widerspricht den historischen Situationen und verschleift die unterschiedlichen Atmosphären der Regensburger Uferbereiche. So ist das Belegen der Schleusensituation und der Dämme mit Bäumen funktional nicht machbar.

    Städtebauliche und landschaftsplanerische Gestaltung

    Während die Flussufer an der Thundorfer Strasse komplett belassen werden, interpretiert der Verfasser die Weinlände neu – der Grundschutz wird durch eine brüstungshohe Mauer gewährleistet, die in leicht geschwungene Form zur Altstadtkante läuft und einen grosszügigen Platzbereich zum Fluss definiert.

    Positiv beurteilt wird bei dieser Massnahme der geringe Eingriff in das vorhandene Gelände. Als unpassend und fremdartig inszeniert wirkt die skulpturale Ausbildung der Ufermauer im Detail.

    An der Werftstrasse bleibt der Blick zum Wasser frei. Durch die Absenkung mit einer Treppenanlage entsteht ein Platz am Wasser mit hoher Aufenthaltsqualität.
    Die Treppenanlage erscheint in ihrer Längenausdehnung jedoch überdimensioniert und teilt den Platz an ungünstiger Stelle.
    Nicht überzeugen können die spielerisch angeordneten Einzelbäume verteilt über den Platzbereich und die gesamte Uferkante.

    Die Vorgartenmauern als Grundschutz mit einem Dammbalkensystem auszubilden ist gut nachvollziehbar.
    Die rückwärtige Anfahrbarkeit im Hochwasserfall ist jedoch dabei nicht gewährleistet.
    Das Gesamtsystem für den Hochwasserschutz bietet einen relativ hohen Grundschutz mit festen Bauwerken.
    Der mobile Hochwasserschutz dient sehr stark der Freibordsicherung über dem HQ 100. Damit entsteht dem Betreiber der Hochwasserschützer hohe Verwaltungs- und Lagerkosten.
    Im Bereich „Westpark“ gibt es Schwierigkeiten bei der Entwässerung der umliegenden Flächen. Der Hochwasserschutz von Oberwinzer ist nicht zufriedenstellend gelöst.

    Wenig überzeugend ist der Hochwasserschutz in der Werftstrasse. Die Zufahrtsmöglichkeit und Zugänglichkeit sowie der Abstützung der mobilen Wände sind nicht gelöst.
    Beim Hochwasserschutz am Regen, der über einen Deich erfolgen soll, wurden die Höhenverhältnisse und die Beanspruchung des Abflussprofils des Regens unterschätzt.

    Ein interessanter Beitrag ist die Führung der Schutzlinie wasserseitig entlang der Thundorferstrasse, die die Befahrbarkeit dieser Strasse sichert, jedoch möglicherweise den Wurzelbereich der dort befindlichen Alleebäume beeinträchtigt.
    Positiv gewertet wird die klare technische Lösung für den Schwabelweißer Damm und die in den technischen Entwurf integrierten Grünanlagen.


INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 09.11.2008, 20:02
Beitrags-ID 4-46
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