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  • DE-65201 Wiesbaden
  • 07/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-70982)

Wohnanlage „Am Rheingau-Palais“


  • 3. Preis


    Architekten
    Lengfeld & Wilisch Architekten PartG mbB, Darmstadt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Kay Wilisch

    Mitarbeit
    Christiane Treiber, Frauke Wassum, Hady Sukendar, Matthias Knoll, Bahadir Özbek

    Erläuterungstext


    ENTWURFSKONZEPT
    Zielsetzung der Arbeit ist die Schaffung eines ruhigen, eigenständigen und maßstäblichen Stadtquartiers, in dem durch die Gliederung der Baumasse in überschaubare und geschützte Wohnhöfe, bestehend aus jeweils 3 variierenden Gebäuderiegel, das große Gebäudeprogramm angemessen in sein sensibles Umfeld eingefügt werden kann.
    Die Wohn- und Aufenthaltsqualität des Quartiers wird unterstützt durch die Einbettung in
    ein parkartiges Umfeld mit abwechslungsreichen Außenbezügen und einer Überleitung
    in die angrenzende Parkstruktur des Kettenbornpalais.
    Der geforderte durchgängige hohe Schallschutz zu den Sportstätten wird durch einen in
    Höhe und Tiefe strukturierten Wohnriegel erzielt, der eine klare Konturierung des Quartiers nach Westen definiert.

    STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG
    Durch die platzartige Aufweitung im Zugangsbereich des Wohnquartiers an der
    Nahtstelle zum Rheingau-Palais wird ein respektvoller und das Denkmal betonender
    Abstand gewahrt.
    Im Übergang zur Altstadtbebauung nimmt die Dichte des Quartiers immer weiter ab
    und schließt mit seinem kleinsten Baustein an die Maßstäblichkeit der „Am Lindenbach“ -
    -Strasse an.

    AUSSENANLAGEN - TOPOGRAPHIE
    Im Bereich von Söhnleinstrasse und Kleinaustrasse kann weitestgehend der vorhandene
    Baumbestand erhalten werden.
    Im Quartier selbst markieren Großbäume die zentralen Platzbereiche der Wohnhöfe,
    die durch Mauereinfassungen, Sitzgelegenheiten, differenzierte Belagswechsel und
    unterschiedlichen Beetausbildungen städtischen Kleinplätzen entsprechen.Umgeben und verbunden werden diese einzelnen Wohnhöfe durch einfache Wiesen, die einen beruhigten Abstand zwischen den Wohnzonen der Gebäudekörper schaffen.

    ERSCHLIESSUNG & INNERE ORGANISATION
    Eine großzügige Durchwegung des Quartiers in Nord-Süd und West-Ost-Richtung ermöglicht eine dichte Vernetzung zu Stadt und Umgebung. Weiterhin schafft sie Kommunikationsräume innerhalb des Quartiers, bindet und verbindet die einzelnen Wohnhöfe und Gebäuderiegel auf kurzen und leicht zu verstehenden Wegen miteinander, ohne das private Wohnen zu belasten.
    Alle Wohnungseingänge sind im Innenbereich zu den Höfen ausgerichtet, im umgebenden Riegel werden die Wohnungen auf Grund der Schallschutzthematik über ein vorgelagertes Treppenhaus von den Straßenseiten erschlossen.

    RUHENDER VERKEHR
    In der Hauptsache ist der ruhende Verkehr im Untergeschoss des Quartiers in enger
    Zuordnung unterhalb der Wohnhöfe untergebracht.
    Die Einfahrt erfolgt im verkehrsberuhigten Bereich der unteren Kleinaustrasse für eine
    störungsfreie Zu- und Ausfahrt.

    WOHNUNGSGRUNDRISSE
    Die Wohnungsgrundrisse setzen sich aus einer variablen Verknüpfung von 2,00m (Neben- und Sanitärbereiche), 3,50m + 5,00m breiten Raum- und Achsabfolgen zusammen, die eine einfache Anpassung an unterschiedlichste Wohnungsmixvorgaben zulassen.
    Basis aller Wohnungen ist hierbei ein „durchgesteckter Wohn-Essbereich“, der auch eine uneingeschränkte Nutzung der Wohnungen bei den gegebenen Schallschutzeinschränkungen ermöglicht.

    FASSADENGESTALTUNG
    Das äußere Erscheinungsbild der Wohngebäude wird durch horizontale, verputzte Deckenbänder und einem Spiel von offenen und geschlossenen Wandflächen. Es entsteht hierüber eine Ablesbarkeit der einzelnen Wohnungen in den einzelnen Fassaden.

    WIRTSCHAFTLICHKEIT
    Durch die weitestgehende Vermeidung von Überschneidungen der Wohngebäude mit
    dem Tiefgaragenachssystem kann unabhängig voneinander für beide Bereiche mit wirtschaftlichen Systemen gearbeitet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht


    Ein äußerer 2-seitiger Bebauungsriegel umschließt auf der West- und Nordseite das
    Quartier. Im Innenbereich werden 3 gleichwertige Wohnhöfe geschaffen, die durch die
    Erschließung der angegliederten Wohngebäude eine klare Zonierung in Erschließungshöfe und halböffentliche ruhige Grünbereiche erreicht.

    Der Übergang zum historischen Ortsrand von Schierstein gelingt durch einen 2-
    geschossigen Solitär, wird aber direkten im räumlichen Anschluss wieder durch einen
    großen Mehrspänner aufgehoben.

    Der gewählte Parkplatz am Lindenbach mit ca. 20 Stellplätzen verteilt zwar den
    Besucherstellplatzbedarf im Quartier, belastet aber unnötig den engen Verkehrsraum im
    Ortskern und verhindert eine gestalterisch angemessene Anbindung an den Fussweg
    am Lindenbach. Ein barrierefreier Zugang des Quartiers ist von dieser Seite nicht zu
    erkennen.

    Der bauliche Übergang zum Palaisparkplatz wird durch eine Terrassierung und einen
    Gebäudeabstand mit privaten Freiflächen gebildet, es entsteht eine klare räumliche Definition des Palaishofes.
    Der Übergang des Freiraumes an der südlichen Quartiersgrenze wird durch Kopfbauten offen und abwechslungsreich gegliedert.
    Alle Gebäude sind über Anwohnerstraßen oberirdische angebunden und anfahrbar.
    Der Großteil des ruhenden Verkehrs wird in der gut proportionierten Tiefgarage
    untergebracht. Pflanzinseln mit Bodenschluss ermöglichen eine realistische Baumpflanzung im Gelände. Eine Teilung oder Gliederung der Tiefgarage in zwei Teilbereiche oder Bauabschnitte ist ohne Probleme realisierbar. Eine sehr wirtschaftliche und modular erweiterbare Grundrissgestaltung kennzeichnen den Entwurf.

    Das flexible Grundrissangebot ermöglicht in der Addition auch im Bereich der Bebauung
    mit dem Schallschutzriegel die Ausweisung von größeren Wohneinheiten.
    Das Konzept der Riegelbebauung auf der Westseite ist schalltechnisch schlüssig. Die vorgelagerten Erschließungskerne mit einläufiger Treppe verursachen zwar relativ große Verkehrsflächen, gliedern aber die lange Fassade in überschaubare Abschnitte und schirmen zusätzlich die Wohnungen gegen den Schall ab. Die Lage dieser Erschließungskerne auf der Westseite der Gebäude sichert zusätzlich die Schaffung von ruhigen Freiräumen im Quartiersinnenbereich.
    Die Lösung der Grundrissbildung auf der Nordwestecke der Riegelbebauung wird mit einer eingezogenen Loggia der schwierigen Situation gerecht.
    Durch die höhere Bebauung im Innenbereich ist die schallschützende Wirkung der Riegelbebauung für die Staffelgeschosse nicht sichergestellt.

    Die vorgeschlagenen Baukörper und Bauformen sind einfach und wirtschaftlich umsetzbar. Die Kombination der 2-seitigen Riegelbebauung und der vielseitigen Bauformen im Innenbereich (Solitär, Mehrspänner) ermöglichen die Schaffung eines ab wechslungsreichen Wohnquartiers, gleichwohl fehlen den Gebäuden die individuellen Merkmale, die eine Adressbildung fördern.

    Die Definition der Erschließungshöfe, somit die Schaffung räumlicher Spannung zwischen Baukörpern und Freiräumen, zwischen Erschließung und halböffentlichen Grünflächen kann durch eine konsequentere Gebäudestellung und Ausrichtung bei der vorliegenden Grundidee noch optimiert, der Entwurf also verfeinert werden.