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  • DE-79539 Lörrach
  • 07/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-57096)

Teichmatten - Wiese


  • Ankauf

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    Architekten
    Muffler Architekten, Tuttlingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Muffler

    Mitarbeit
    Petra Messmer, Tobias Nischt

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Thomas Steinmann Landschaftsarchitekt, Winterthur (CH)

    Preisgeld
    3.500 EUR

    Erläuterungstext
    Situation - Die Siedlungsstruktur der städtebaulich eigenständigen Bebauung Teichmatten ist ein zeittypisches Beispiel des verdichteten Siedlungsbaus der 1970er Jahre. Demgegenüber steht im nord-westliche angrenzenden Raum eine kleinteilige dörfliche Bebauung, welche keine direkte städtebauliche Beziehung zur Siedlung Teichmatten aufnimmt. Den beiden baulich unterschiedlichen Strukturen steht der ausgeprägte Landschaftsraum des Wiesenufers gegenüber. In dieses bestehende heterogene Strukturbild soll sich eine weitere bauliche Anlage, mit unterschiedlichen funktionalen Nutzungen, integrieren. Hierbei ist es Ziel, einen markanten und bestimmenden Punkt im baulichen Gefüge zu schaffen, welcher sich mit dem landschaftlichen und dem baulichen Rahmen zu einem Gesamtgefüge verbindet. Der sich neu definierende Ort soll durch sein Konzept Bezüge ermöglichen, welche trotz unterschiedlicher Nutzungsanforderungen zur Integration beitragen, einen sensiblen Übergang zu den bestehenden Gegebenheiten herstellen und darüber hinaus einen Ort der Begegnung und Kommunikation bilden.


    Konzeption - Der Entwurfsvorschlag gliedert die bauliche Aufgabe in zwei grundsätzliche Strukturen. Zum einen eine Horizontalstruktur für die übergeordneten Nutzungen wie Einkaufen, Sport und Versammlung und zum anderen eine Vertikalstruktur für die geplanten Wohnnutzungen. Im Zusammenspiel beider Entwurfselemente ergibt sich ein Bild als Abschluss zur bestehenden Bebauung, welche diese in ihrem Gestaltungsansatz der baulichen Zeile nicht weiterführt, sondern zu einem punktartigen Abschluss bringt. Dieser gliedert sich in die Bauelemente Scheibe, Riegel und Türme.

    Scheibe: Die Scheibe definiert sich als Sockelgeschoss und übernimmt die übergeordneten Funktionen wie SB-Markt, Sporthalle und Vereins- und Jugendräume. Sie verbindet den Grünzug entlang des Flusses Wiese mit der Mühlenstrassse und bildet somit den Grundrahmen der Entwurfsüberlegung. Durch den Vorschlag, die Dachfläche zum Grünraum hin begehbar auszubilden, ergibt sich eine zusätzliche Grünfläche und eine Erweiterung des Aussenraums für die Wohnungsnutzung als Spiel-, Kommunikation- und Erholungsfläche.

    Riegel: Der horizontale Baukörper dient als vermittelndes Element zu den linearen Strukturen der nord-östliche angrenzenden Bebauung. Er ist schwebend über der Scheibe angeordnet und ermöglicht somit einen "bespielbaren Aussenräum" für die darüber angeordneten Wohnnutzungen.

    Türme: Das bauliche Element der über der Sockel schwebenden Türme bildet den formalen Abschluss der bestehenden linearen Baukörper. Im Zusammenspiel mit dem bestehenden Punkthaus an der Mühlenstrasse ergibt sich inhaltlich eine bauliche Gruppe. Durch die turmartige Ausbildung der vom Sockelbereich abgelösten Wohnnutzung definiert sich diese zum "beschaulichen Grün" der Landschaft.

    Die notwendigen Erweiterungsflächen für das bestehende Schulgebäude werden in einem einfachen zweigeschossigen nach Nord-Westen orientierten Baukörper vorgeschlagen. Die Erweiterungsfläche wird über Stege mit dem bestehenden Gebäude verbunden. Durch die Situierung des Erweiterungsbau ergibt sich ein Innenhof als Zwischenzone und nutzbarer Aussenraum.


    Gebäudestrukturen - Die vorgeschlagenen Baukörper übernehmen die ihnen zugewiesenen Nutzungsstrukturen. Der SB-Markt wird im Erdgeschoss zur Mühlenstrasse hin im Sockel angeordnet. Über eine vorgelagerte Parkplatzfläche wird der Markt erschlossen. Die Anlieferung ist ebenfalls von der Mühlenstrasse auf der nord-östlichen Seite des Baukörpers vorgeschlagen. Die öffentlichen Nutzungen wie Sporthalle und Jugend- bzw. Vereinsräume sind im Erdgeschoss dem Grünraum zugeordnet. Erschlossen werden diese über eine zentral Eingangssituation, die beide Funktionsbereiche (SB-Markt und öffentliche Funktionen) voneinander trennt. Die Erschliessungen der Wohnnutzungen sind ebenfalls, in räumlich grosszügiger Ausbildung dem Erdgeschoss nach Nord-Westen, Süd-Westen und Nord-Osten zugeordnet.

    Über dem Erdgeschoss sind in den Türmen bzw. dem Riegel jeweils die geforderten Wohnnutzungen angeordnet. Durch die Situierung und Ausrichtung der einzelnen Grundrissvorschläge für die Wohnungsnutzungen ergeben sich ausschliesslich Nutzflächen mit natürlicher Belichtung und grosszügigen Freibereichen in Form von verglasten Loggien mit Ausrichtung nach Süd-Osten und Süd-Westen.

    Die notwendigen Flächen der Erweiterung des bestehenden Schulgebäudes werden über zwei Geschosse vorgeschlagen. Diesen sind an den Bestand über Stege so angebunden, dass eine behindertengerechte Erschliessung der Bestandsflächen ermöglicht wird. Die funktional notwendige Schulhoffläche situiert sich zur geplanten Fläche der Sporthalle und verbindet diese mit dem grosszügigen übergeordneten Freiraum.


    Grünraumkonzept - Das vorgeschlagenen Grünraumkonzept verfolgt das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung von Natur und Landschaft, einem entsprechenden Naturerlebnis und der naturorientierten Freizeitnutzung. Darüber hinaus wird dadurch das bauliche Konzept in den Naturraum integriert. Es ist daher Ziel der vorgeschlagenen Freianlagenplanung, einen eigenen Landschaftsraum zu entwickeln bzw. den in Teilen schon bestehenden weiterzuentwickeln. Der Flusslauf der Wiese bildet hierbei den Rückraum der landschaftlichen Orientierung der Flächen. Aus diesem heraus entwickelt sich der Entwurfsgedanke des "Auwalds" geprägt von kiesigen Böden, umschwemmten Inseln und Kiesflächen als Ruderalstandort. Es soll durch teilweises absenken und modellieren der Freiflächen die Möglichkeit von Feuchtwiesen mit Aufweitungen zum Fluss gegeben sein. Dadurch wird dem Gewässer ein Teil seiner früheren Gestaltqualität zurückgegeben. Das geplante Wegenetz mäandert mit Brücken und Stegen in dem sich bildenden Auwald und verbindet die einzelnen Räume miteinander. Bauliche Massnahmen, wie Bolzplatz und Spielplatz für Kinder sind sorgfältig in den Naturraum eingebunden. Weitere Aktivitäten in den Flächen wie Mountenbikestrecke und Fitnessparcours sind möglich, ebenso Flächen und Situationen zum verweilen. Der Übergang zum baulichen ist fliesend und setzt sich in diesem durch hofartige Einschnitte fort. Die Flächen des Eingangsbereichs zum SB-Markt definieren sich als einheitliche Fläche, platzartig mit den entsprechenden Parkierungsmöglichkeiten. Einzelne Baumgruppen stellen sich in diese Fläche ein und bilden somit belebte, beschattete Situationen. Als Bepflanzung für den sich bildenden Auwald sind Pioniergehölze wie Erlen, Birken, Weiden und Ahorn angedacht. Weiter werden einheimische Wildheckenstreifen mit Haselnuss, Strauchweiden, Hartriegel und Wildkirschen zur Unterstreichung einzelner Situationen vorgeschlagen.

    Energiekonzept -Ökologisches Konzept - Der Baukörper als kompaktes Volumen weist für die Nutzungsinhalte eine optimierte und baulich reduzierte Hüllfläche auf. Dadurch werden geringe Wärmeverluste und Investitionen bezüglich der Gebäudehülle erreicht. Die thermische Behaglichkeit wird unter den geforderten Nutzungsbedingungen im Sommer und Winter sichergestellt. Hierzu wird eine bewusste Auswahl an Baukonstruktion und -materialien vorgeschlagen. Der bauliche Wärmeschutz der beheizten Zonen orientiert sich am Passivhausstandard mit folgenden Bauteilqualitäten:

    - hohe Wärmedämmung der opaken Flächen < 0,20 W/qmk
    - hohe Wärmedämmung transparenter Bauteile < 1,0 W/qkm
    - konsequente Vermeidung von Wärmebrücken < 0,01 W/qmk
    - luftdichte Ausführung der Gebäudehülle von n50< 1.0 h -1

    Die zu öffnenden Bauteile der Fassadenkonstruktion werden auf ein notwendiges Mass begrenzt. Je nach Himmelsrichtung werden Sonnenschutzelemente beweglich (Jalousetten) angeordnet.

    Durch die Ausbildung einer tragenden baulichen Struktur aus Beton und einem definierten Gebäuderaster wird es ermöglicht, dass sämtliche Innenwände flexibel angeordnet werden können und dass bei Änderungen des räumlichen Bedarfs eine Neuorganisation bei Nutzungsänderungen der Räume auf einfache Art ermöglicht wird.

    Gebäudetechnik - Heizung / Kühlung - Wärmeversorgung: Als Wärmeversorgung für die Grundlast der baulichen Anlage soll eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe (unter Verwendung von zwei Saug- und Schluckbrunnen) dienen. In Sommermonaten kann dieses System auch zur Kühlung (SB-Markt) verwendet werden. Zur Abdeckung der Spitzenlast wird zusätzlich eine Hackschnitzelanlage (Biomasse) vorgeschlagen. Durch die Verwendung der vor ausgeführten Techniken werden die Vorgaben aus dem Erneuerbaren-Energie-Wärmegesetz erfüllt. Die Wärme wird bei kleineren Raumstrukturen (Wohnungen, Jugend- und Vereinsräume usw.) über Thermoaktive Decken an das Gebäude abgegeben, bei den grossräumlichen Strukturen wie SB-Markt und Sporthalle über Lüftungsanlagen.

    Lüftung: Um die Anforderungen des Passivhausstandards umzusetzen, ist es notwendig, entsprechende Lüftungsanlagen zur Raumlufthygiene einzusetzen. Die raumlufttechnische Anlage wird mit den Komponenten Erdwärmeübertrager - hocheffiziente Wärmerückgewinnung - adiabate Verdunstungskühlung vorgeschlagen (Aussenluft wird über ein im Erdreich verlegtes Rohrsystem im Sommer vorgekühlt und im Winter vorerwärmt). Dies bewirkt im notwendigen Kühlfall (SB-Markt), dass ohne den Einsatz einer Kältemaschine die Grundlast mit adiabater Kühlung erfolgen kann. Weiter wird eine multifunktionale hocheffiziente Wärmerückgewinnung auf Basis eines Kreislaufverbundsystems vorgeschlagen. Dadurch wird ein Grad der Energierückgewinnung von bis zu 95 % erreicht.

    Regenerative Energiegewinnung durch Photovoltaik und Thermische Solaranlage: Über die Belegung der Dachflächen (im Bereich der Wohnnutzungen) mit Photovoltaikelementen soll ein Ertrag erwirtschaftet werden, der rechnerisch mindestens den Betrieb der haustechnischen Anlagen mit elekrischer Energie gewährleistet. Zur Erwärmung bzw. zur Vorwärmung des Brauchwassers wird eine Thermische Solaranlage vorgeschlagen, die über entsprechende Wärmetauscher die Warmwasserversorgung sichert.

    Über die vorgeschlagenen baukonstruktiven Ausbildungen mit Passivhausstandard und die möglichen technischen Gebäudeausrüstungen soll ein Energieverbrauch von 10 KW h/m2A erreicht werden. In Anbetracht der möglichen Energieeinspeisung ist hierdurch die CO2-Neutralität gegeben.


    Wesen der Aufgabe - Der Entwurfsvorschlag sucht über einen eindeutigen und unverwechselbaren Abschluss zur bestehenden Zeilenbebauung, einen Markierungspunkt im städtebaulichen Raum mit hohem Identifikationswert zu schaffen. Architektur, Funktion und Inhalt verknüpfen sich mit den landschaftlichen Elementen zu einem Gesamtbild. Architektur zum einen als Ausdruck der Nutzung und darüber hinaus Architektur als Objekt! Die Ausbildung der einzelnen Elemente des Entwurfs ergeben ein spannungsreiches "Landart"- Motiv; nicht additiv, sondern integrierend: Gestalt - Konstruktion - Natur.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Konzeption des Wettbewerbsbeitrags wird als eine interessante Lösung beurteilt, da sie auf die Struktur des umliegenden Baubestandes eingeht, aber dabei gleichwohl einen eigenen, markanten Akzent mit einer starken Ausstrahlung setzt. Jedoch wird dieser Akzent für das sogar teilweise noch dörflich strukturierte Tumringen als zu urban bewertet. Unabhängig davon wird die architektonische Ausformulierung der vom Sockel abgesetzten Türme als gelungen empfunden. Durch die städtebauliche Konzeption des grossflächigen Sockels bleiben im Siedlungsbereich ausserhalb der Aue verhältnismässig wenige Freiflächen übrig. In der Aue selbst wird konsequent und richtigerweise zwischen naturnahen Flächen und nutzbaren Freiräumen unterschieden. Eine entsprechende landschaftsplanerische Gestaltung wäre jedoch aufwändig.
    Die Orientierung des Supermarktes zur Mühlestrasse ist gut gelöst, seine Wahrnehmbarkeit vom Strassenraum her ist gewährleistet. Die Typologie der verschiedenen Wohnbauten bringt abwechslungsreiche Wohnungsgrundrisse hervor. Auch eine Mischung unterschiedlicher Wohnungsgrössen wird erreicht. Die Erschliessung der beiden Wohntürme ist gelungen, die Zugänglichkeit zum Wohnriegel ist hingegen nicht optimal gelöst: Die Wege dorthin sind lang bzw. führen über den Parkplatz der Sparkasse. Die Laubengangerschliessung des Riegels stellt lediglich eine pragmatische, nicht innovative Lösung dar. Bei den beiden Punkthäusern sind die Kerntreppenhäuser zwangsläufig, aber nicht optimal.
    Die Turnhalle ist abgesenkt, aber dennoch vom Aussenraum aus wahrnehmbar. Der Nutzen der Begehbarkeit ihres Daches und die grossformatige Abtreppung hin zur Aue erschliessen sich nicht. Die Organisation und räumliche Anordnung von Sporthalleninfrastruktur sowie von Vereins- und Jugendraum sind gelungen und konfliktfrei zu bewirtschaften. Ebenso ist der Vorschlag der Schulerweiterung und Anordnung des Schulhofes praktikabel. Die barrierefreie Erschliessung einer Schulerweiterung ist über Rampen gewährleistet, die der Wohnbauten über Aufzüge.
    Die Stellplätze des Supermarktes sind sinnvoll dem Eingangsbereich zugeordnet, die Anlieferung ist gestalterisch wie funktional gut eingebunden. Ihre Einfahrtsradien müssten überprüft werden. Die Erschliessung der Tiefgaragenplätze für die Wohnungen erfolgt zulässigerweise von der bestehenden Tiefgarage Mühlestrasse 16 aus. Die geforderten Fahrradabstellplätze fehlen. Insgesamt zwanzig PKW-Stellplätze liegen im nicht dafür vorgesehenen Auenbereich und sind so nicht zulässig.
    Die Freiräume im Siedungsbereich werden u.a. als Wegeverbindungen genutzt bzw. sind z.T. nicht genauer definiert (Hügel). Der Bolzplatz in der Aue, direkt neben der Freiburger Strasse, stellt mit den notwendigen hohen Zäunen ein Gestaltungsproblem an einer städtebaulich empfindlichen Situation dar.
    Bezüglich der energetischen Vorgaben werden die aufgeständerten Wohnbauten als energetisch nicht optimal eingeschätzt. Weitere, über den Stand der Technik hinausgehende Aussagen werden nicht gemacht. Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs offenbart sich unterschiedlich. Der Wohnriegel über der Turnhalle erfordert eine zwischen den beiden Bauherren koordinierte Umsetzung. Der Luftraum unter dem Riegelbau ist unwirtschaftlich und schafft zudem einen schwer kontrollierbaren, überdachten Aussenraum. Schulerweiterung wie Turnhalle werden durch ihre gelungene räumliche Organisation als wirtschaftlich gute Lösungen angesehen. Grundsätzlich erfordern jedoch das grossflächige Sockelgeschoss und die „schwebenden Bauten“ ein aufwändiges Tragwerk.