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  • DE-65719 Hofheim am Taunus
  • 08/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-62722)

Neubau einer öffentlichen Stadtbücherei und eines Stadtarchivs


  • 3. Preis


    Architekten
    kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH, Köln (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: subsolar, berlin (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Das Baugrundstück liegt an der Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Körnungen der städtischen Textur: westlich befindet sich die Altstadt mit ihren kleinteiligen und unregelmässigen Gebäudetypologien, östlich die Gebiete der Stadterweiterung mir ihren großen Kubaturen. An einer heute unbebauten Ecke gelegen, bietet das Grundstück zudem die Chance, durch die Platzierung eines einzelnen Baukörpers vier unterschiedliche Stadträume zu schaffen: Der Haupteingang der neuen Bücherei liegt am Kellereiplatz, zwischen alter Kellerei und Chinon-Center. Nach Nordwesten schließt sich hier der neue Bücherei-Garten an, der analog zum neu gestalteten Schlossplatz als abgetreppte Senke ausgebildet und begrünt wird.
    Das als „Stadtschreiberhaus“ umgenutzte, denkmalgschützte Gebäude Bärengasse 17 ist durch einen umschlossenen Hof mit dem Neubau des Literaturcafés und Gästehauses verbunden (Ideenteil). Dadurch entsteht ein dem Altstadtmaßstab angemessener Durchgang für Fußgänger in Verlängerung des Schiessbergs und eine Fassung der westlichen Kante des Platzbereiches an der Pfarrgasse / Elisabethenstraße. Hier sind auch die geforderten Pkw- und Fahrradstellplätze angeordnet.
    Im Südosten, gegenüber dem langgestreckten Volumen des Chinon-Centers, formuliert die Bücherei eine städtische Fassade, die die Höhe der weiter südlich gelegenen, geplanten Neubauten aufnimmt. Ein hier angeordneter Einschnitt im Gebäude dient zugleich als Schaufenster („analoges Display“) der Bücherei und als Wartebereich der Bushaltestelle.

    Architektur
    Der Baukörper der neuen Bibliothek und des Stadtarchivs entsteht aus der Verschmelzung der am Ort existierenden, Alt- und Neustädtischen Typologien und aus der Beachtung der vom Denkmalschutz erarbeiteten Vorgaben (zulässige Abstände und Höhen). Während er an der Elisabethenstraße als kompakter, massiver Stadtbaustein auftritt, präsentieren sich die zu den beiden Plätzen orientierten Giebelseiten als modifizierte Typologie „verschmolzener“ Einzelgebäude.
    Die beiden Maßstabsebenen (Stadtbaustein und Altstadthaus) finden sich auch in der Materialität des Gebäudes wieder: Von Weitem erscheint seine Haut aus Klinkern massiv und geschlossen, von Nahem dagegen wird die großflächige, differenzierte Perforation dieser nur vermeintlich geschlossenen Hülle sichtbar.
    Zudem lassen sich die wichtigsten funktionalen Bestandteile (Eingang, verschiedene Nutzungsbereiche) über großzügige Ein- und Unterschnitte sowie über flächige Verglasungen im Straßenraum ablesen.

    Erschließung
    Betritt man das Gebäude vom Kellereiplatz, gelangt man in das zweigeschossige, von oben großzügig belichtete Foyer.
    Von hier aus, den Tresen für Anmeldungen und Rückgaben passierend, erreicht man über einen Treppenkern (oder den Aufzug - alle Bereiche sind durch ihn barrierefrei zugänglich) nicht nur die öffentlich zugänglichen Bereiche der Bibliothek, sondern auch das Archiv im Untergeschoss (Zugang separat teilbar).
    Ein weiterer Treppenkern dient als zweiter Rettungsweg und als zusätzliche, separate Erschließung für den Verwaltungsbereich.
    Die verschiedenen Bereiche der Bücherei sind folgendermaßen angeordnet: Im Erdgeschoss befinden sich die Bereiche Belletristik, Sachbuch und AV Medien, im Obergeschoss der Kinder- und Jugendbereich sowie die Verwaltung, und im Keller ist das Archiv untergebracht, dessen Aufenthaltsräume zum tiefer gelegten „Bibliotheksgarten“ orientiert sind und dadurch ausreichend Tageslicht erhalten.
    Jeder Nutzungsbereich besitzt eigene räumliche Qualitäten, die im Obergeschoss vor allem durch die Raumhöhe, im Erdgeschoss durch die verschiedenen Belichtungssituationen entstehen: So gibt es introvertierte und extrovertierte, sehr helle und eher zurückgezogene, großzügig freigehaltene und differenziert durch Einbauten strukturierte Bereiche.

    Konstruktion
    Die trapezoide Form des Gebäudes umschließt ein regelmäßiges, orthogonales Konstruktionsraster. Die Stahlbeton-Stützen tragen im Untergeschoss eine Flach-, im Erdgeschoss eine Beton-Rippendecke.
    Das in Längsrichtung mehrfach gefaltete Dach ruht auf einer Schar aus geknickten Leimholzbindern, die vor allem dem Kinder- und Jugendbereich eine unverwechselbare, großzügige und die Phantasie anregende Atmosphäre verleihen.

    Energiekonzept
    Die Wände sind im Regelfall als Stahlbeton-Wände mit außen liegender Dämmung und einer vorgeblendeten Ziegelschale ausgeführt. Eine spezielle Variante stellen die Flächen dar, in denen die äußere Schale perforiert und die dahinter liegende Wand in großflächige Verglasungselemente aufgelöst ist. Die massiven Treppenkerne steifen das Gebäude in Längsrichtung aus. Die kompakte Form und die massive Bauweise gewährleisten einen sparsamen Energieverbrauch des Gebäudes. Ein mit Photovoltaik-Elementen gekoppeltes BHKW sorgt für effiziente Heizung und Warmwasserbereitung.
    Die Kühllasten reduzieren sich durch den außen liegenden Sonnenschutz im Bereich der perforierten Ziegelschalen, die auch als Sonnenschutz dienen. Zu- und Abluft werden im Bereich der Geschossdecken geführt. Das Gebäude ist in unterschiedliche Klimabereiche gegliedert (Archiv, Lesesäle, Verwaltung), die getrennt voneinander gesteuert werden können.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.