loading
  • Anerkennung


    Stadtplaner
    Cappel + Kranzhoff Stadtentwicklung und Planung GmbH, Hamburg (DE), Himmelpforten (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Kranzhoff , Uwe Cappel

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, sonstige Fachplaner: dp architektur Dorothea Pieper Architektin, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    12.500 EUR

    Erläuterungstext
    Nutzungsschwerpunkte - Dynamisches Leitbild
    Innenstadtentwicklung ist ein fortwährender, dynamischer Prozess. Raum- und Flächenbedarfe einzelner Nutzungen verändern sich und bestimmen so den Raum, der von anderen Nutzungen eingenommen werden kann.

    Wenn z.B. der Bedarf für den Einzelhandel geringer wird, weil die Bevölkerung oder die Kaufkraft abnimmt, sinkt der Druck auf die Einzelhandelslagen. Um die Attraktivität der verbleibenden Einzelhandelslagen zu sichern, sind räumliche Konzentrationsprozesse erforderlich – die Kernlagen des Einzelhandels formen sich neu. An den Rändern entsteht Raum für andere Nutzungen, z. B. Wohnen.

    So kann das Wohnen von den Nord- und Südrändern stärker Einzug in der Altstadt halten und an Gewicht gewinnen. Überlagert werden die Nutzungen Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistungen / Infrastruktur von Kulturinseln, die sich um die kultur- und freizeitbezogenen Einrichtungen (Museen, Kinos, Bühne, etc.) und an den besonderen städtischen Plätzen (Großer und Kleiner Plan, Stechbahn, Brandplatz) konzentrieren.

    Diese Prozesse verlangen eine weitsichtige, aber auch flexible Planung und Steuerung. Das dynamische Leitbild greift das auf und zeigt, wie sich Nutzungsschwerpunkte unter veränderten Druck-Situationen räumlich verlagern und verändern können. Ausgangspunkt ist dabei der Einzelhandel, der eine Schlüsselrolle für die Altstadt mit ihrer Aufgabe als zentraler Versorgungsbereich einnimmt. Dabei bedient sich das Leitbild zeichnerisch der Sprache von Wetterkarten, die ja ebenfalls dynamische Prozesse beschreiben. Neben den Hochdruckgebieten zeigen Frontlinien Grenzen auf und verdeutlichen Pfeile Entwicklungsrichtungen – Strömungen -, die angestrebt werden.


    Verkehr
    Zentraler Punkt des Verkehrskonzeptes ist die Förderung des Radverkehrs. Celle bietet mit seiner Größe und der Topografie hervorragende Voraussetzungen für Radfahrer. Mit gut befahrbaren Velorouten und einem differenzierten Angebot an bedarfsgerecht aufgestellten Abstellanlagen (Fahrradständer, abschließbare Boxen und Fahrradparkhaus mit Reparaturservice bis hin zu Mietservice für Lastenräder, Luftstationen) lassen sich die Bedingungen für den Radverkehr erheblich verbessern.

    Der Kfz-Verkehr wird in der Altstadt weiter reduziert. Mit zunehmender Wohnnutzung sollen die Straßen am Rande der Altstadt, insbesondere die Schuhstraße und die Bergstraße – zu Anliegerstraßen werden. Mit dem neuen Bypass Richard-Katzenstein-Straße können Busse und Kfz besser an den Rand der Altstadt geführt werden, ohne die inneren Straßen zu belasten. Dadurch wird es auch möglich, die enge Hehlentorstraße vom Durchgangsverkehr zu befreien und als historischen Eingangsbereich zur Altstadt aufzuwerten. Für den ruhenden Verkehr werden neue Parkbereiche an Nordwall („Park-Haus“ im doppelten Sinne) und Südwall (als kombinierter Standort mit einem neuen Nahversorgungszentrum auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände) errichtet.


    Städtebau / öffentlicher Raum
    Zur Belebung von Plätzen sind der jeweiligen Funktion entsprechende Konzepte zu entwickeln. In den von Einzelhandel und Tourismus geprägten Bereichen ist dabei auch Außengastronomie ein belebendes Element. In Umfeld von Wohnquartieren – wie beispielsweise am Brandplatz - dagegen ist stärker an Verweil- und Spielangebote zu denken.

    Die Bereiche der historischen Stadttore werden aufgewertet. In der Hehlentorstraße eröffnet sich die Möglichkeit der grundlegenden Umgestaltung durch die neue Verkehrsführung und -beruhigung. Am Altenceller Tor wird angestrebt, das vorhandene Gebäude mittelfristig zu ersetzen. Um eine offenere, der Bedeutung und Geschichte des Ortes angemessenere Torsituation zu erreichen, können flankierende Baukörper (Gebäude und Pavillon / Schutzdach) beiderseits der Altencellertorstraße entstehen. Der östliche Rand des Arno-Schmidt-Platzes wird unter Einbeziehung des Stadtgrabens (Sichtbarkeit / Erlebbarkeit des ehem. Verlaufs) gestalterisch aufgewertet. Dies ist auch ein geeigneter Standort für Fahrradabstellanlagen geschaffen.

    Der öffentliche Raum sollte gestalterisch mit differenzierten, aber einheitlichen Grundsätzen behandelt und als identitätsstiftendes Moment behandelt werden. Übermäßige Möblierungen der Straßenräume müssen vermieden werden. Grundsätze der Gestaltung, Materialien und Elemente der Möblierung können in einem Gestaltungsleitfaden zusammengetragen werden, der schrittweise umgesetzt wird.


    Wohnqualität
    Von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der Altstadt als Wohnstandort ist es, die Mängel und Beschränkungen historischer Bauten zu beheben. Damit sind neben baukonstruktiven Aspekten vor allem schlechte Belichtung, Belüftung und fehlender Freiraumbezug gemeint.

    Für die Wohnungen in der Altstadt sind zwischen privat und öffentlich differenzierende Freiraumangebote erforderlich, die zudem auf die Bedürfnisse junger Familien mit Kindern und von Senioren ausgerichtet und barrierefrei sein müssen (privater Balkon ggf. mit Außentreppe, privater Gartenhof, Nachbarschaftshof, Quartiersplatz). Zu den Bedürfnissen dieser Nutzer gehören auch ausreichende, gut zugänglich Nebenräume bzw. Abstellräume außerhalb der Wohnungen für Kinderwagen, Fahrräder, Rollstühle, Gehhilfen etc.. Gemeinschaftliche Lösungen für eine begrenzte Nachbarschaft sind in den Blockinnenbereichen umsetzbar.

    Zur Wohnqualität gehört auch ein ausreichendes Nahversorgungsangebot. Eine geeignete Fläche ist das Feuerwehrgelände, das an der Schnittstelle der Altstadt zu den umgebenden Wohngebieten liegt.


    Grün- und Freiflächen
    In Bezug auf Grün- und Freiflächen ist nicht allein die Verknüpfung zu den Parks am Altstadtrand und der Aller von Bedeutung. Für zeitgemäßes Wohnen ist vielmehr vor allem auch der unmittelbare Freiraumbezug von sehr großer Bedeutung. Das kann und muss nicht der große Garten sein.

    Beim begrenzten Platzangebot in der Innenstadt darf nicht nur an ebenerdige Lösungen mit Gartenhöfen und vereinzelten Gemeinschaftsbereichen gedacht werden. Vielmehr muss die 3. Dimension einbezogen werden. Folgende Elemente stehen dafür beispielhaft zur Verfügung: Dachterrassen auf bestehenden oder neuen Gebäuden, vorgestellte Balkone, aufgeständerte Lauben, ggf. verbindende Brücken und Außentreppen, die auch als zweiter Rettungsweg oder gar als neue Erschließung von Obergeschossen genutzt werden könnten (vorgelagerter Laubengang).

    In die Freianlagen sind die erforderlichen Nebenräume (möglichst für Nachbarschaften zusammengefasst) zu integrieren. Solche Nebenanlagen können im Gegensatz zu vielen unkoordinierten Einzellösungen auch ein gestalterisches Element sein.


    Bebauung
    Neubebauung sollte sich soweit unterordnen, dass das historisch geprägte Stadtbild gewahrt wird. Dies gilt insbesondere für bestehende oder künftig neu entstehende Baulücken im Straßenbild.

    Für die zentralen Lagen mit Einzelhandelsbesatz wird - soweit mit den Eigentümern organisierbar – eine parzellenübergreifende Bebauung für Einzelhandel und Dienstleistungen im Blockinnenbereich vorgeschlagen, die über eine transparente Fuge (Glas) an die Blockränder anschließt und als Passage begehbar ist. Geeignet erscheint hierfür z.B. der Bereich Bergstr. / Mauernstraße / Prinzengasse.

    Für den Südwall wurde eine ergänzende Blockrandbebauung entwickelt, die Celler Strukturen und Maßstäbe aufgreift und zeitgemäßes, eher für Senioren konzipiertes, lichtes und luftiges Wohnen mit geschützten Freibereichen bietet.

    Für den Bereich Nordwall werden nur behutsam ergänzende Neubauten im Blockinnenbereich vorgeschlagen, die in Anlehnung an Nebengebäude im Bestand (als Grenzbebauung, ggf. auch Back-to-back) oder als Querhäuser die Blockinnenbereiche strukturieren das Freiraumkonzept ergänzen. Hier sollen familiäres Wohnen mit Kindern und Flächen für nachbarschaftliche Spiel- und Verweilangebote zusätzlich geschaffen werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.