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  • DE-71686 Remseck am Neckar
  • 09/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-70196)

Eine neue Stadtmitte für Remseck am Neckar


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    30.000 EUR

    Erläuterungstext
    Remseck - Stadt am Fluss

    Konzept

    Das Konzept zielt darauf ab den Neckar mit seinen Qualitäten herauszuarbeiten, zugänglich zu machen und ihn als verbindendes Element der beiden Uferseiten zu betrachten. Remseck öffnet sich zum Wasser und inszeniert diese Lagequalität. So entsteht eine neue Identität – Remseck am Fluß.

    Durch die Parallelität der Raumkanten zum Landschaftsraum am Neckar wird zum einen ein Spannungsfeld zwischen den beiden Uferseiten geschaffen, zum anderen der Zwischenraum als räumliche Mitte definiert, der durch die Brückenbauwerke begrenzt wird. Nordseite und Südseite nehmen aufeinander Bezug und bilden eine klare und einprägsame städtebauliche Gesamtfigur.

    Die Nutzungsverteilung gliedert sich zwangsläufig in einen nördlichen Wohnbereich und einen südlichen Bereich für Handel und Verwaltung. Die nördlichen Wohnbauflächen bilden eine Raumkante entlang der neuen Umgehungsstraße und definieren hier den zukünftigen stadträumlichen Abschluß.

    Die „Neue Mitte von Remseck “ liegt im Mündungsbereich von Rems und Neckar und betont hier diese einzigartige Situation. Sie zeigt sich als eigenständiger urbaner Stadtraum im Knotenbereich der Stadtteile Aldingen, Neckargröningen und Neckarems. Die öffentlichen Gebäude, Bibliothek und Rathaus, werden als eigene Bausteine herausgestellt und erhalten im Stadtgrundriß eine wieder erkennbare Sonderstellung. Über einen zentralen repräsentativen Platzraum, dem neuen Rathausplatz, kommen die markanten Architekturen zur Geltung.



    Grünräume

    Die bestehenden Grünraume werden weiterentwickelt und als „neue Remsecker Gärten“ definiert. Sie übernehmen wichtige Freiraumfunktionen und vernetzen über ihr begleitendes Fuß- und Radwegenetz alle Stadtteile miteinander.

    Der nördliche Uferbereich entwickelt sich als gestalteter Landschaftsraum aus dem Uferbereich des Neckardamms heraus. Der südliche Bereich zeigt sich über seine Promenade und den Bootsanleger städtisch und deutet auf das dahinter liegenden Stadtzentrum hin.

    Über einen neuen linearen Landschaftspark nach Westen wird sowohl der Stadtteil Aldingen, als auch die im Landschaftsraum liegenden Kinder- und Jugendeinrichtungen an die neue Mitte angebunden. Hier befinden sich Themengärten und weitere Aktionsflächen für Spiel und Kommunikation.

    Die Endhaltestelle der U14 bleibt in seiner ursprünglichen Lage bestehen und wird in den Landschaftsraum integriert. Unter einer leichten Dachkonstruktion befinden sich der neue Busbahnhof und alle Funktionen für das Konzept der „sanften Mobilität“. Das neue Mobilitätszentrum liegt zentral und im Kreuzungspunkt aller Wege.

    Zwischen Neckargröningen und dem neuen Stadtteil wird auf der alten Verkehrstrasse ein Grünzug als Anger geschaffen, der die fuß- und radläufige Verbindung nach Norden, auch über das Plangebiet hinaus, herstellt.

    Entlang der Rems spannt sich ein Grünraum zwischen dem Biergarten am Hechtkopf und dem südlichen Stadteingang. Als innerstädtischer Freizeit- und Erholungspark besitzt er gestaltete Uferzugänge mit Sport- und Freizeiteinrichtungen wie z.B. ein Bootsanleger, sowie naturnahe Zonen zur Naturbeobachtung und als Rückzugsort und Laichgewässer. Auf der gegenüberliegenden Mündungsseite entstehen ruhige Sandstrände mit Zugang zum Wasser.

    Im südlichen Teil der Remseckstraße verbindet sich der Erholungspark mit einer kleinen Promenadensituation. Die offene Platzsituation mit einer langen Sitzmauer und einer kleinen Feitreppe schafft eine Blickbeziehung zur Rems mit der gegenüberliegenden Promenade und betont hier den südlichen Stadteingang.

    Die Gebäude östliche der Remseckstraße werden abschnittsweise durch neue Hausgruppen ersetzt werden, die sich in den neuen Landschaftsraum einbetten und hier eine hochwertige Wohnlage entlang der Rems bilden.



    Die neue Stadtmitte

    Die neue Mitte gliedert sich in einen Wohn- und Geschäftsbereich auf den Flächen des alten Kieswerkes und einen Verwaltungsbereich auf städtischen Grund. Das neue Rathaus wird neben dem Bestandsbau errichtet, das nach seinem späteren Umzug durch den Ratssaal und die Bibliothek ersetzt werden kann, wodurch eine frühzeitige und abschnittsweise Realisierung gewährleistet wird.

    Für den Wohn- und Geschäftsbereich entstehen fünf gemischte Baufelder, die sich zusammen mit dem Rathausplatz zu einem großzügigen öffentlichen und durchlässigen Stadtraum verbinden. Im Sockel der Baufelder befinden sich die Flächen für den Handel, wodurch eine öffentliche Erdgeschoßzone entsteht.

    Auf dem Sockelbauwerk befinden sich halböffentliche Wohnhöfe mit Hausgruppen für unterschiedliche Wohnformen. Private Gärten und überschaubare Nachbarschaften bilden die Voraussetzung für hochwertige innerstädtische Wohnformen für alle Altersgruppen und Eigentumsformen. Über offene Freitreppen besteht die Verbindung zum Straßenraum und wird die Vernetzung der Wohnhöfe untereinander geschaffen. Durch die angehobenen ruhigen Wohnhöfe zeigt sich das neue Stadtzentrum als ein beliebter Wohnort.

    Die großen Handelsflächen befinden sich auf den Ecken und wirken als Magnete. Kleiner Läden für die Nahversorgung und Flächen für Dienstleistung mischen sich in flexiblen Größen. Der Supermarkt orientiert sich zum westlichen Parkplatz und kann hier direkt angefahren werden. Weiter Stellplätze befinden sich in den Untergeschossen der Blöcke und sind direkt anfahrbar.

    Der zentrale Rathausplatz als Stadtplatz befindet sich an der Schnittstelle der Wege und bildet so einen Ort der Begegnung. Bänke, Begrünung und eine zentrale Wasserflächen schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität und einen flexibel nutzbaren Platzraum. Die beiden markanten leicht erhöhten Gebäude von Rathaus und Bibliothek begrenzen räumlich den Platz und bilden eine Torfunktion im Auftakt zur neuen Mitte.

    Hieran anknüpfend über die gesamte Länge der „Neuen Mitte“ befindet sich eine Uferpromenade zum flanieren.
    In der angrenzenden Bebauung befinden sich erdgeschossig Flächen für den Gastronomie und Cafes, die den Stadtraum für ihre Außenterrasse nutzen können.

    Die Promenade zeigt sich als kommunikatives aktives Band mit hoher Aufenthaltsqualität. Bänke und Mauern schaffen Orte zum Verweilen. Die neue Uferpromenade schafft einen durchgängigen Uferweg und führt weiter in die angrenzenden Landschaftsräume.

    Eine breite Freitreppe mit Sitzstufen führt zum Uferbereich des Neckars mit seinen Bootsanlagern. Sie besitzt platzräumliche Qualitäten und kann als Bühne mit ansteigen Sitzstufen genutzt werden. Hier kann sich zwangloses städtisches Leben entwickeln. Die Treppe wird aus vorgefertigten, geschliffenen Betonstufen mit warmen Holzauflagen hergestellt, die den Aufenthaltsbereich markieren und das Alleinstellungsmerkmal betonen.

    Die neue Mitte zeigt sich über seine hohen städträumlichen und freiräumlichen Qualitäten als ein neuer urbaner öffentlicher Stadtteil. Mit einfachen stadträumlichen Elementen - der Straße, dem Platz, dem Hof, der Gasse und der Promenade - wird ein vertrautes Stück Stadt geschaffen.


    Wohnen

    Die Wohnbauflächen sind landschaftliche geprägt und schmiegen sich in die Hanglage. Kleine Wohnhofsituationen schaffen unterschiedliche Baufelder für die abschnittsweise Entwicklung. Auf den Baufeldern können unterschiedliche Haustypen vom Einfamilienhaus bis zum Reihenhaus entstehen.

    Entlang der neuen Umgehungsstraße bilden längsgestellte Baukörper als Geschoßwohnungsbau den Schallschutz und schaffen immissionsfreie Hofbereiche. Laubengänge oder Loggien funktionieren als Klima- und Schallpuffer und bieten hochwertige Aufenthaltsmöglichkeit für die Bewohner.

    Die neuen südlichen Hofstrukturen öffnen sich zum Neckar und betonen in einfacher Weise die Qualitäten des Ortes. Gut proportionierte Baufelder bilden die Basis für ein ausgewogenes Verhältnis von Kubatur zu Freiraum und lassen neue hochwertige Außenräume entstehen.

    Durch den Niveauversprung entsteht ein wirksamer Schallschutz für die westliche Gebäudereihe mit seinen hochwertigen Wohnungen und ruhigen Gärten. Der grüne Saum betont die besondere eigenständige Lage des neuen Wohnquartiers.


    Verkehr

    Die gegenwärtigen Pläne zum Ausbau der großräumigen Straßennetzstruktur bei Remseck unterstützen den zukunftsorientierten Ansatz zur Gestaltung einer lebendigen und dennoch verkehrlich vielseitigen Stadtmitte mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Verkehrsteilnehmer „erfahren“ den öffentlichen Raum mit allen Verkehrsmitteln auf gleichberechtigte Art und Weise.

    Durch die Netzerweiterung „L1197 Neckarquerung“ bei Aldingen wird die ortsnahe, neu geplante Neckarbrücke in Remseck von kritischen Verkehrsmengen entlastet. Mit dem zukunftsfähig möglichen 4-streifigen Ausbau der Brücke kann der Flächenverbrauch der Anschlussknoten an die neue Neckarbrücke minimiert werden. Diese neue leistungsfähige Verbindung erlaubt die Minimierung des Verkehrs auf der Remstalstraße, die nun zur zentralen und verbindenden Achse des neuen Stadtzentrums wird.

    Diese „Achse der sanften Mobilität“, bestehend aus einer Erschließungsstraße und einem Grünband, bietet gleichermaßen Raum für alle Verkehrsarten. Die CO2- und emissionsneutralen Verkehrsarten werden hier (auch aufgrund der kurzen Wege) stark gefördert. Eine zukünftige neue Stadtbahnlinie (Ludwigsburg – Waiblingen) kann verkehrs- und stadtbildverträglich in dem Grünzug integriert werden.

    Der Kernbereich des neuen Stadtzentrums, der bis an das südliche Neckarufer heranreicht, wird als vielfältig belebte Mischverkehrsfläche mit Priorisierung des nichtmotorisierten Verkehrs ausgebildet. Der westlich des Zentrums gelegene Parkplatz reduziert den Verkehr im öffentlichen Raum, alle Nutzungen bieten jedoch auch Parkraum in ihren Sockelgeschossen und können direkt angefahren werden. So wird die neue Mitte lebendig eingebunden.

    Das vorgeschlagene Stellplatzkonzept sieht vor, dass die Herstellung aller geforderten Stellplätze ohne Abminderung möglich ist. Dieses langfristig flexible Angebot von Parkraum fungiert als wichtige Stellschraube zur Beeinflussung des Verkehrsverhaltens der Bürger.

    Am nördlichen Neckarufer befindet sich in 200 m Entfernung zum Stadtkern der zentrale ÖPNV-Halt. Die bestehende Stadtbahnhaltestelle wird in Kombination mit dem dort neu verorteten Omnibushalt zur zentralen Rendezvous-Umsteigestelle zwischen Stadtbahn, Bus, Rad und Elektromobilität. Die dort integrierte Infrastruktur fördert die Nutzung des ganzen Spektrums moderner Mobilität (komfortable, sichere Fahrradstellplätze, Ladestationen, Echtzeit-Fahrgastinformationen, Leihfahrzeuge, Kiosks, etc.).

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Die Verfasser interpretieren die Aufgabe, eine „Neue Mitte“ für Remseck zu formulieren, mit einer strikten Trennung zwischen Wohnquartieren nördlich des Neckars und gemischt genutzten Quartieren mit Handel / Wohnen und Verwaltungsnutzungen südlich des Neckars. Sie bilden in sämtlichen Quartieren maßstäbliche und den Nutzungen angemessene Innenhöfe und Platzbereiche aus, die südlich des Neckars – aufgrund der geplanten Nutzungsmischung auch außerhalb der Geschäftszeiten genutzt werden können. Die Wohnquartiere weisen hingegen Grünbereiche und Gärten auf, die ebenfalls auf eine hochwertiges Angebot versprechen. Die räumliche Fassung der Wohnbebauung und Abgrenzung zum überörtlichen Verkehrsraum im Westen erfolgt durch ein „grünes“ Band. Durch die von den Verfassern gewählten Kubaturen nördlich und südlich des Neckars erhält der Entwurf eine hohe Flexibilität für die Nutzungen „Handel und Wohnen“. Die Verfasser schaffen im Süden eine in sich geschlossene „Mitte“, deren momentane Anbindung aber zu einer Abschottung und unklaren Quartiersanbindung führt. Hier sollte zudem eine Entdichtung der südlichen Bebauung vorgenommen werden.
    Insgesamt zeigt das städtebauliche Konzept neben einer hohen Dichte eine gute Zugänglichkeit und Erlebbarkeit des Neckars mit einer grünräumlichen Anbindung von Aldingen. Die hohe Einzelhandelsdichte ist auf der Südseite mit anderen öffentlichen Dienstleistungen konzentriert. Bei diesem Entwurf ist die Funktionsfähigkeit einiger Einzelhandelsstandorte durch eine unklare Lösung der Anlieferung nichtnachgewiesen. Die städtebauliche Anordnung vermeidet allerdings das klassische Rückseitenproblem. Die Kraft des räumlich prägnant entworfenen Zentrums dürfte den „gefühlten“ Weg von und zum ÖPNV verkürzen. Der Entwurf ermöglicht die optimale Erlebbarkeit der Flussatmosphäre mit zusätzlichen landschaftsräumlichen Aufweitungen. Es entstehen durchgrünte Wohnquartiere mit hoher Aufenthaltsqualität, die sich aber nur durch einen sehr schmalen Streifen öffentlicher Flächen zum Fluss hin abgrenzen. Hier sollte der Anteil an von der Öffentlichkeit genutzten Flächen maßvoll erhöht werden. Die Schaffung neuer Räume (Quartierplatz, Marktplatz, Rathausplatz) erfolgt durchgängig in den Örtlichkeiten angemessener Größe. Das „Remseck“ (Hechtkopf) wird zum Auftakt der Uferpromenade. Die vorgeschlagenen Baustrukturen übersetzen bauliche Qualitäten des angrenzenden Stadtteils Neckargröningen in eine zeitgemäße Formsprache. Die vorgesehene Höhenentwicklung reagiert gut auf die Topographie; die Bibliothek wird neben dem Rathaus zum Orientierungspunkt in der Flusslandschaft.
    Die Arbeit zeigt eine gut gelöste Anbindung an die bereits existierenden Straßen- und Wegenetze der angrenzenden Stadtteile. Die Erschließungsanlagen weisen eine klare Strukturierung mit ablesbaren Hierarchien auf. Zu bemängeln ist allerdings die sehr eingeschränkte Erreichbarkeit des südlichen Quartiers, denn es wird lediglich eine Hauptquerung angeboten. Das übergeordnete Verkehrssystem ist richtig gewählt, einzig die Anbindung der Remstalstraße (L1140) ist nicht abschließend gelöst. Die Knotenpunkte beim inneren Erschließungssystem mit den gewählten Anbindungen des Gesamtquartiers lassen eine ausgewogene Verkehrsverteilung erwarten. Die Beibehaltung des Stadtbahn- und Bussystems wird positiv beurteilt.
    Die Verfasser schaffen ein abgestuftes Wegesystem in Verbindung mit klar ablesbaren Funktionen, die Anbindung der „Neuen Mitte“ an den bestehenden Grünzug ist allerdings nicht hinreichend gelöst. Gut gelöst haben die Verfasser hingegen die Zugänglichkeit des Neckars sowie an die bestehenden Bebauungsstrukturen den angrenzenden Stadtteil.
    Insgesamt bieten die Verfasser einen glaubwürdigen und stadträumlich gut formulierten Entwurf für die Entwicklung der Neuen Mitte an. Die modulare Umsetzbarkeit ist in jeder Hinsicht (Zeit, Nutzung, Bebauung) gegeben. Die Wirtschaftlichkeit wird durch eine klare Zuordnung von Nutzungen (Wohnen+ Mischnutzung) sowie durch die selbstbewusst vorgetragene urbane Dichte erreicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser interpretieren die Aufgabe, eine „Neue Mitte“ für Remseck zu formulieren, mit einer strikten Trennung zwischen Wohnquartieren nördlich des Neckars und gemischt genutzten Quartieren mit Handel / Wohnen und Verwaltungsnutzungen südlich des Neckars. Sie bilden in sämtlichen Quartieren maßstäbliche und den Nutzungen angemessene Innenhöfe und Platzbereiche aus, die südlich des Neckars – aufgrund der geplanten Nutzungsmischung auch außerhalb der Geschäftszeiten genutzt werden können. Die Wohnquartiere weisen hingegen Grünbereiche und Gärten auf, die ebenfalls auf eine hochwertiges Angebot versprechen. Die räumliche Fassung der Wohnbebauung und Abgrenzung zum überörtlichen Verkehrsraum im Westen erfolgt durch ein „grünes“ Band. Durch die von den Verfassern gewählten Kubaturen nördlich und südlich des Neckars erhält der Entwurf eine hohe Flexibilität für die Nutzungen „Handel und Wohnen“. Die Verfasser schaffen im Süden eine in sich geschlossene „Mitte“, deren momentane Anbindung aber zu einer Abschottung und unklaren Quartiersanbindung führt. Hier sollte zudem eine Entdichtung der südlichen Bebauung vorgenommen werden.
    Insgesamt zeigt das städtebauliche Konzept neben einer hohen Dichte eine gute Zugänglichkeit und Erlebbarkeit des Neckars mit einer grünräumlichen Anbindung von Aldingen. Die hohe Einzelhandelsdichte ist auf der Südseite mit anderen öffentlichen Dienstleistungen konzentriert. Bei diesem Entwurf ist die Funktionsfähigkeit einiger Einzelhandelsstandorte durch eine unklare Lösung der Anlieferung nichtnachgewiesen. Die städtebauliche Anordnung vermeidet allerdings das klassische Rückseitenproblem. Die Kraft des räumlich prägnant entworfenen Zentrums dürfte den „gefühlten“ Weg von und zum ÖPNV verkürzen. Der Entwurf ermöglicht die optimale Erlebbarkeit der Flussatmosphäre mit zusätzlichen landschaftsräumlichen Aufweitungen. Es entstehen durchgrünte Wohnquartiere mit hoher Aufenthaltsqualität, die sich aber nur durch einen sehr schmalen Streifen öffentlicher Flächen zum Fluss hin abgrenzen. Hier sollte der Anteil an von der Öffentlichkeit genutzten Flächen maßvoll erhöht werden. Die Schaffung neuer Räume (Quartierplatz, Marktplatz, Rathausplatz) erfolgt durchgängig in den Örtlichkeiten angemessener Größe. Das „Remseck“ (Hechtkopf) wird zum Auftakt der Uferpromenade. Die vorgeschlagenen Baustrukturen übersetzen bauliche Qualitäten des angrenzenden Stadtteils Neckargröningen in eine zeitgemäße Formsprache. Die vorgesehene Höhenentwicklung reagiert gut auf die Topographie; die Bibliothek wird neben dem Rathaus zum Orientierungspunkt in der Flusslandschaft.
    Die Arbeit zeigt eine gut gelöste Anbindung an die bereits existierenden Straßen- und Wegenetze der angrenzenden Stadtteile. Die Erschließungsanlagen weisen eine klare Strukturierung mit ablesbaren Hierarchien auf. Zu bemängeln ist allerdings die sehr eingeschränkte Erreichbarkeit des südlichen Quartiers, denn es wird lediglich eine Hauptquerung angeboten. Das übergeordnete Verkehrssystem ist richtig gewählt, einzig die Anbindung der Remstalstraße (L1140) ist nicht abschließend gelöst. Die Knotenpunkte beim inneren Erschließungssystem mit den gewählten Anbindungen des Gesamtquartiers lassen eine ausgewogene Verkehrsverteilung erwarten. Die Beibehaltung des Stadtbahn- und Bussystems wird positiv beurteilt.
    Die Verfasser schaffen ein abgestuftes Wegesystem in Verbindung mit klar ablesbaren Funktionen, die Anbindung der „Neuen Mitte“ an den bestehenden Grünzug ist allerdings nicht hinreichend gelöst. Gut gelöst haben die Verfasser hingegen die Zugänglichkeit des Neckars sowie an die bestehenden Bebauungsstrukturen den angrenzenden Stadtteil.
    Insgesamt bieten die Verfasser einen glaubwürdigen und stadträumlich gut formulierten Entwurf für die Entwicklung der Neuen Mitte an. Die modulare Umsetzbarkeit ist in jeder Hinsicht (Zeit, Nutzung, Bebauung) gegeben. Die Wirtschaftlichkeit wird durch eine klare Zuordnung von Nutzungen (Wohnen+ Mischnutzung) sowie durch die selbstbewusst vorgetragene urbane Dichte erreicht.