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  • 3. Rang

    pxt_WB MS7

    Architekten
    Pichler & Traupmann Architekten, Wien (AT) Büroprofil

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterungsbericht

    Das grundsätzliche Designprinzip für das neue Objekt in der Markus-Sittikus-Straße lässt sich dahingehend beschreiben, dass es bei aller Optimierung der zu schaffenden Nutzfläche wichtig war, zu den Nachbargebäuden qualitativ ausdifferenzierte Freiräume zu schaffen, die in Qualität und Ausmaß weit über jene üblicher Abstandsflächen hinausgehen.

    Im Bereich der seitlichen Abstände wird weiter zurückgewichen als rein baurechtlich notwendig wäre und daher mehr Raum für die Fassaden der Nachbargebäude und auch des neuen Objektes selbst geschaffen. Der Charakter dieses Viertels, der von den Einzelstellungen der solitären Objekte geprägt ist, wird damit reflektiert und noch
    verstärkt.
    Weiters werden die den Nachbargebäuden zugewandten Gebäudekanten schräg gestellt. Diese Schrägen beziehen sich einerseits auf die zur Markus-Sittikus-Straße nicht parallel verlaufende Ernest-Thun-Straße und damit auch auf die entlang dieser Straßenflucht platzierte und daher zum noch unbebauten Grundstück leicht schräg stehende Villa.
    Das neue Projekt wird somit in die Geometrie des städtebaulichen Gesamtkontextes eingebunden.

    Wichtig jedoch ist, dass sich öffnende Räume bilden. Anstatt platter Parallelstellung der Seitenfassaden öffnet sich der jeweilige Raum zum städtischen Straßen- bzw. Freiraum hin. Nicht nur, dass sich dadurch der Sonneneinfallswinkel im tages- und jahreszeitlichen Verlauf für alle Objekte vergrößert, wird damit auch ein weiterer Effekt erzielt: Die bisher von der Markus-Sittikus-Straße aus wahrnehmbare Bestandsvilla bleibt visuell nach wie vor auf diese bezogen und von dieser her erfahrbar. Gleichzeitig verweist die Schräge zum neuen
    Eingang der Villa und inszeniert darüber hinaus die neue halböffentliche „Passage“ zwischen Markus-Sittikus- und Ernst-Thun-Straße, die es ermöglicht, beide Gebäude von jeweils beiden Straßen bequem fußläufig zu erreichen, in Ergänzung zu deren unterirdischer Verbindung über die Tiefgarage.

    Diesem relativ großzügigen „Verzicht“ auf Maximierung der bebaubaren Fläche steht ein relativ stringentes „Verwerten“ der durch den Bebauungsplan der Aufbaustufe zustehenden Höhenentwicklung entgegen, um die geforderte Wirtschaftlichkeit des Projektes darstellen zu können. Lediglich nach Norden ist das Haus bis auf die vorgeschlagene, reduzierte Trakttiefe von 15,5 Metern abgetreppt, allerdings in ausgedrehter Weise, um den geometrischen Randbedingungen des städtebaulichen Umfeldes sensibel entsprechen zu können.

    Die Fassade an der Markus-Sittikus-Straße weist unterschiedliche, aus der Baukörperkonfiguration resultierende Oberkanten auf und kann so zwischen den unterschiedlichen den Gebäudehöhen der angrenzenden Gebäude vermitteln. Besonderes Augenmerk wurde dem Wechselspiel zwischen Plastizität und Flächigkeit gewidmet, das
    ja auch ein Kennzeichen gründerzeitlicher Fassaden wie jener des westlichen Nachbargebäudes ist. Parapetelemente in Leichtbauweise bilden 20 cm in den Straßenraum ragende „Gesimse“ aus, die einerseits der horizontalen Gliederung dienen, andererseits mit verschiebbaren Sonnenschutzelementen bestückt sind. Durch deren unterschiedliche Formate, aber auch deren unterschiedliche Stellungen in der Nutzung entsteht eine
    Lebendigkeit, gleichzeitig jedoch auch ein Einbinden in die Fassade als Fläche. Eine nahezu „klassische“ Dreiteilung in der Höhenentwicklung rundet die Einbindung in das Stadtbild ab.

    Der neue Dachausbau der Villa wird bewusst als Pendent zum Neubau mit sich darauf beziehender Formensprache gesehen, um Einheit und Kontinuität der Gesamtmaßnahme zu demonstrieren. Dabei wird der Gesamtbestand der Attikamauern unterschiedlichen Erbauungsdatums gänzlich unangetastet belassen. Lediglich der Dachstuhl wird entfernt und durch zwei gleichsam schwebende Dachebenen ersetzt, die zwei unterschiedliche Raumhöhen großzügig gewähren und rundum durch Lichtbänder Tageslicht eindringen lassen. Durch die Verbindung bestehender Kanten der Attiken der Villa entsteht ein Schrägschnitt, der wiederum auf die schrägen Linienverläufe des Neubaus an der Markus-Sittikus-Straße reagiert und doch vollkommen aus dem Altbau abgeleitet ist. Im Westen steigt das Dach als schützende Scheibe vor die Außenwand der Villa hinab, um den neuen Eingang und den zu schaffenden Lift baulich auszubilden und zu markieren. Mit diesem Element wird nochmals ein wechselseitiger Bezug in das Gesamtprojekt gebracht, da es einerseits ein Element am Nord-Ost-Eck des Neubaus wiederholt und andererseits so ausgedreht ist, dass es auf die Markus-Sittikus-Straße gerichtet ist.

    Für das Freiraumkonzept wurde das Prinzip des Offenhaltens der Raumbezüge zur näheren Umgebung weiterverfolgt. Damit sollen die Charaktere der Freiräume betont werden:
    Die Zone zwischen den beiden Objekten soll als Gartenhof mit einer homogen angelegten Rasenfläche möglichst unverstellt und großzügig wirken, einzig eine Betula utilis in einem Pflanztrog, der zugleich als Sitzbank dienen kann, gibt dem Raum einen Akzent. Der Baum wird damit wie eine Skulptur als Einzelobjekt inszeniert. Als Hintergrund dient eine Soltärstrauchgruppe, die zugleich einen räumlichen Abschluss zum Nachbargrundstück
    bildet. Diese Strauchgruppe setzt sich dann gegen die Markus-Sittikus-Straße hin in Form einer sehr niedrigen Blütenhecke fort, sodass der neu geschaffene Zwischenraum zwischen den beiden Objekten nicht durchschnitten wird.

    Im Bereich der „Passage“ wird der Freiraum mit harten Oberflächen bewusst als Teil eines urbanen Wegnetzes artikuliert. Die fast spielerische Aufnahme der diversen Richtungen, die Anordnung der gleichsam schwimmende Elemente, die sich von wegbegleitenden Betonbänken zu raumabgrenzenden Heckenanordnungen hin auflösen, geben dem Abschnitt allerdings den Charakter des Dazwischen: ein Hybrid aus Garten- und Straßenraum. Auch hier ist die vorgeschlagene Baumbepflanzung bewusst sparsam gehalten. Weder sollen die westseitigen Loggien der Wohnung allzu sehr beschattet werden, noch möchte man die offengehaltenen Raumtiefen durch dichte Baumkronen verstellen. Eine etwas zurückgesetzte Amelanchier mit feiner, transparenter Krone lässt die Villa im Hintergrund noch in Erscheinung treten und den Eingang zur „Passage“ offen. Die Quercus palustris mit einer eher mächtigen Krone markiert die Anbindung vom Bestandsobjekt zum Neubauprojekt und auch die Schwellensituation zum Gartenhof hin.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt zeichnet sich durch die städtebauliche Qualität der Baumasse am
    Bauplatz aus. Diese Qualität entsteht durch das schwenken und öffnen der
    Westfassade hin zur bestehenden Villa, verstärkt durch die Balkone und Terrassen
    auf den südwestseitigen und nordwestseitigen Gebäudeecken.
    Auf der Ostseite wir diese Qualität auch für die Nachbarbebauung fortgeführt.
    Hier durch die Entschärfung und Öffnung der südöstlichen Fassadenecke mit
    den anschließenden Terrassen im Obergeschoss und der schlüssigen Ausführung
    des Dachgeschosses mit der Dachterrasse.
    Architektonisch wird im Modellfoto ein Konzept der „Raumbügel“ verfolgt, was
    in den Plänen – im Speziellen der Fassaden, nicht mehr aufscheint.
    Die Straßenfassade ist zeitgemäß und zum Straßenraum hin geöffnet, erscheint
    heterogen und raffiniert, eröffnet den Betrachter/Jury tendenziell einen Interpretationsspielraum und wird – wir gemeinsam mit dem verglasten Erdgeschoss,
    als „Gegenthese“ zu jener von der SVK gewünschten „Mauerlochfassade“ gesehen und kontrovers kritisch diskutiert.
    Abstimmung: 4 : 3 (Rang 3)


INFO-BOX

Angelegt am 19.10.2011, 12:05
Zuletzt aktualisiert 21.10.2011, 16:41
Beitrags-ID 4-49141
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