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  • DE Berlin
  • 01/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-2749)

Topographie des Terrors


  • 4. Preis

    Außenraum

    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: raumfeld architekten, Dresden (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Das Gelände der „Topographie des Terrors“ als „Ort der Täter“ ist geprägt durch eine Schichtung historischer Relikte und Spuren. Das Konzept macht diese Schichtung der verschiedenen, dem Gelände innewohnenden Zeithorizonte im Gelände und auch im neuen Dokumentations- und Besucherzentrum ablesbar.

    Der langgestreckte Baukörper entwickelt sich als schlankes Volumen entlang der Niederkirchner-Strasse. Die Form des Gebäudes ist architektonischer Ausdruck des Umgangs mit dem städtebaulich-historischen Kontext: Fundamentrelikte, Ausstellungsgraben, Berliner Mauer Straßenflucht an der Niederkirchner Strasse, Leere des abgeräumten Geländes.

    Das Gebäude will weder über dem Gelände schweben, noch sucht es eine Erdhaftung. Es entzieht sich dieser Fragestellung, es ist ein Teil des Geländes.

    Im Gebäude verschränken sich zwei Außenräume: unten der introvertierte Raum des Ausstellungsgrabens und oben der weite Raum des abgeräumten Geländes. Das Gebäude ist die Hülle, die diese Verschränkung fasst.

    Die Ausstellungsebene ist auf die tiefer liegende Ebene der Bodenrelikte gelegt. Diese Ausblendung des Umfeldes schafft eine Atmosphäre der konzentrierten Auseinandersetzung mit dem Ort. Es entsteht ein der intensiven Beschäftigung mit der Ausstellung gewidmeter, baulich gefasster Raum aus innen- und außenliegenden Ausstellungsbereichen.

    Die Instituts-, Bibliotheks- und repräsentativen Funktionen in Erd- und Obergeschoss orientieren sich zum Gelände hin.

    Die Radikalität der Gebäudekubatur trägt der Bedeutung im Stadtgefüge Rechnung. Der strenge Baukörper zwingt zur Auseinandersetzung mit der „Topographie des Terrors“ ohne das Gelände durch formale Analogien großflächig zu überformen.

    Ausstellungsgelände
    Die „Topographie des Terrors“ wird als kontinuierlicher Rundgang über das Gelände aufgefasst, bei dem das Ausstellungsgebäude integrativer Bestandteil ist.

    Der Anschluss der „Topographie des Terrors“ an die städtebauliche Umgebung erfolgt über die partielle Wiederherstellung der historischen Gehwegbereiche zwischen Wilhelm- und Niederkirchnerstraße und den ehemaligen Bebauungskanten. Die notwendigen Absperrungen um das Gelände sollen in Teilen transparent sein und die Bedeutung des Geländes im Stadtraum dokumentieren. Die Berliner Mauer wird auf der Ausstellungsseite durch die Wiederherstellung des historischen Fußweges erschlossen.

    Ein Querweg mit ausgebildeter Sitzkante zwischen den Fundamentresten „Prinz-Albrecht-Palais“ und „Küchenkeller“ trennt den Außenbereich in zwei Felder:

    Im zentralen Bereich dokumentiert das „Statische Feld“ den Moment der Beräumung des Kriegsschutts und der Einebnung. Der abgeräumte Charakter wird mit der Belegung der Fläche mit Recyclingmaterial erhalten und wird in diesem Zustand gestalterisch „konserviert“. Die Rauhigkeit der Oberfläche wird durch extensive Sedum-Mischungen und den Verzicht auf weitere Bepflanzung gestärkt. Weitere Sukzessionsstadien sind nicht vorgesehen. Ziel ist es, dem Besucher damit jederzeit die Vorstellungskraft für die weiteren vergrabenen Fundamente und Keller zu verleihen.

    Der südliche Bereich beschreibt das „Dynamische Feld“ und bleibt mit der prozessualen Überformung zunächst so erhalten, wird sich aber mit der Zeit, entsprechend der naturräumlichen wie auch nutzungsorientierten Weiterentwicklung, verändern. Der Weg durch den Robinienhain dokumentiert weiterhin diese Überformungen und wird Bestandteil des großen Rundweges. Die Wege werden leicht erhöht über das Gelände geführt.

    Exponate: Eine Rampe führt barrierefrei in den Ausstellungsgraben. Dieser wird durch die Ausstellungsebene des Gebäudes begrenzt und zusätzlich erschlossen. Die weiteren Exponate werden im Rahmen des Rundweges erschlossen. Sie werden auf der Grundfläche freigestellt und zum Gelände hin abgeböscht.

    Die Bodenexponate werden durch ein einheitliches System von leichten, transluzenten Dächern vor Witterungseinflüssen geschützt. Die Dächer sind so angeordnet, dass die Besucher einen freien Blick auf die Exponate erhalten.

    Gebäude
    Das 160 m lange und 9 m schmale Gebäude gliedert sich im Wesentlichen in zwei Bereiche:
    Auf der Ebene der Bodenexponate befindet sich die gesamte Ausstellungsfläche. Dieser Innenraum wird durch die verglaste Nordfassade optimal belichtet. Er ist als Aufweitung des Ausstellungsgrabens konzipiert und ermöglicht die Einbindung der Ausstellungsräume in den Geländerundgang.

    Die Zugangs- und Forschungsebene in den Obergeschossen öffnet sich mit einer Doppelglasfassade zur südlich gelegenen großen Freifläche. Der langgestreckte Erschließungsgang mit Galerieebene und integrierten Freitreppen thematisiert auch im Inneren die Dimension des Gebäudes.

    Die Zugangsebene wird über ein dem Gebäude vorgelagertes Freiraumpodest, von dem aus ein erster Überblick über das karge Gelände möglich ist, betreten.

    Das Eingangsfoyer wird durch ein langgestrecktes Mobiliar gegliedert, dass sämtliche für die Orientierung und Information der Besucher erforderlichen Einrichtungen enthält. Der offene Raum erhält durch die transluzenten Glasflächen einen introvertierten Charakter.

    Der Weg des Ausstellungsbesuchers führt weiter in das große Haupttreppenhaus mit einem offen geführten Hydraulikaufzug. Die offene Plattform des Aufzuges inszeniert die Verknüpfung zwischen den Ebenen des Gebäudes und des Aussenraumes.

    An dieser Stelle schließt sich die zweigeschossig organisierte Bibliothek nach Osten hin an. Sie bildet den Übergang vom Besucherzentrum zum wissenschaftlichem Bereich.

    Im Untergeschoss liegen die Zugängen zur Dauer- und Wechselausstellung. Die Wechselausstellung kann zusätzlich verdunkelt werden. Der Besucher kann eine unmittelbare Beziehung zwischen Ausstellungsexponaten im Innenraum und den Fundamentrelikten im Außenraum herstellen. Von der Innenraumausstellung führt der Weg direkt in den Ausstellungsgraben, von wo aus der Geländerundgang fortgesetzt werden kann.

    Die Saalebene ist zur Ausstellungsebene um ein weiteres halbes Geschoss nach unten versetzt. Der Veranstaltungssaal erhält über einen schmalen Lichthof natürliche Belichtung und Belüftung. Die angrenzenden Technik und Lagerräume befinden sich auf der gleichen Ebene.

    Im östlichen Bereich des Gebäudes liegt das Forschungszentrum, das hier über einen separaten Eingang verfügt. Die im Erdgeschoss gelegenen Konferenz-, Seminar und Gruppenräume können mit dem erweiterten Gangbereich im Erdgeschoss für Fachkongresse und Symposien genutzt werden ohne den laufenden wissenschaftlichen Betrieb im Obergeschoss zu behindern.

    Technische Gebäudeausrüstung
    Grundsatz der technischen Konzeption ist die weitestgehend natürliche Lüftung des Gebäudes, so dass ausschließlich eine Klimatisierung entsprechend dem Anforderungsprofil für die Bereiche Wechselausstellung, Archivmagazin und Veranstaltungssaal erforderlich wird. Für den Veranstaltungssaal besteht darüber hinaus die bauliche Voraussetzung der natürlichen Luftführung.

    Die Spitzenlastbeheizung, Kühlung sowie Feuchteregelung der klimatisierten Bereiche wird über die direkt reagierenden raumlufttechnischen Anlagen realisiert.

    Unter Nutzung der natürlichen Kühlung, eingebracht durch Betonkernaktivierung und gespeist ausschließlich über Energiegewinnung durch die Aktivierung der Bodenplatte in den tiefer liegenden Bereichen des Untergeschosses, wird für die Institutsräume der Obergeschosse ein angenehmes Raumklima geschaffen.

    Materialwahl
    Das Gebäude ist in konventioneller Betonbauweise konzipiert. Die Nordfassade besteht aus polierten Sichtbetonflächen. Die übrigen Fassaden sind als Doppelfassaden aus einer innen liegenden Wärmeschutzverglasungsebene mit Öffnungsflügeln und einer außen liegenden transluzenten Profilbauglasebene mit Sichtöffnungen konzipiert. Der sommerliche Wärmeschutz basiert auf der Konzeption der hinterlüften Doppelfassade mit integriertem, außen liegendem Sonnenschutz.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.