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  • DE-79098 Freiburg
  • 10/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-89419)

Evangelische Montessori Schulen Freiburg


  • 3. Preis


    Architekten
    larob. studio für architektur, Freiburg (DE), Stuttgart (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: bbz landschaftsarchitekten, Berlin (DE), Freiburg (DE), Bern (CH)

    Erläuterungstext
    Tragwerkskonzept: Prof. Stefan Zimmerman, Michael Geiger, Furche + Zimmermann, Köngen

    Energiekonzept: Prof. Volkmar Bleicher, Transolar, Stuttgart

    Brandschutzkonzept: Lilly Wedler, LW Konzept, Stuttgart

    Modell: Jochen Zimmermann, Freiburg

    Mitarbeiter: Matthias Maurer, Timo Pietschmann, Felix Wilhelm, Marco Ianelli


    Städtebau

    Das Grundstück mitten in der Gewerbefläche wird mit einer waldartigen Bepflanzung versehen. So entsteht ein eigenständiger und introvertierter Bereich, der als Begrünungsinsel mit den umliegenden Grünbereichen, wie das Vauban, der Lorettoberg und der Schönberg korrespondiert.

    Die Schule selbst wird in einzelne Häuser aufgelöst und in den Wald und um eine Lichtung herum gruppiert.

    Die großflächige Sporthalle wird um ein Geschoss abgesenkt, angeböscht und begrünt. So tritt sie zur Schulanlage nur als Landschaftselement in Erscheinung.

    Zur Merzhauserstrasse nimmt sie die Höhe der unmittelbar benachbarten Gewerbebauten und der gegenüberliegenden Wohnbauten auf. Die Drehung aus der orthogonalen Geometrie der Schulhäuser und die Parallelstellung zur Merzhauserstrasse betont ihren öffentlichen Charakter.


    „Villa“ als Schule

    Als Bild für das Entwurfskonzeptes kann folgendes dienen: Man nimmt die als provisorische Schule in der Goethestraße genutzte Villa als Gebäudetyp des freistehenden Hauses jeweils für Realschule, Fachklassen, Grundschule und Aufbaugymnasium und gruppiert sie um eine zentrale Lichtung in einem „Wald“

    Diese werden mit Stegen als „Baumkronenwege“ durch die Bäume führende Brücken verbunden und zu einer Schule gemacht.
    Dezentrale Cluster

    Das architektonische Konzept mit der Aufteilung der Schule in Schulhäuser folgt dem dezentralen Prinzip der Clusterbildung. Das Cluster mit den 4 Klassenzimmern- und dem dazugehörigen Lehrerraum wird zur räumlichen Keimzelle der Schulanlage.

    Aus der Stapelung der kleinsten Einheit wird das jeweilige Schulhaus gemacht. Dieses zeigt mit eigenem Eingang und eigener Position in der Platzanordnung seine Identität und gleichzeitig mit der Verwendung einer einheitlichen Haustypologie, der Gruppierung um den gemeinsamen Hof und der Verbindung mit den Stegen die Zugehörigkeit zur Ganzheit der Schule.


    Strukturelle Organisation der Schulanlage

    Die Schulanlage wird dem dezentralen Prinzip der Clusterbildung folgend in verschiedene Schulhäuser aufgeteilt. Darin befinden sich die Realschule, das Fachklassenhaus, die Grundschule und das Aufbaugymnasium. Stege verbinden die einzelnen Häuser auf jedem Geschoß.

    Die Realschule und das Aufbaugymnasium werden im östlichen, stadtnahen Teil des Grundstückes in der Nähe zum Fachklassenhaus gruppiert.

    Die Grundschule orientiert sich in den rückwärtigen ruhigeren und naturnahen Bereich. Die Nähe zum Parkplatz ermöglicht eine direkte Anbindung für den Bring- und Hohlverkehr.


    Gebäudestruktur

    Die einzelnen Schulhäuser folgen einer einheitlichen Typologie in Gestalt und Struktur. Drei Geschoße sind jeweils in Holzbauweise ausgeführt.

    Bei den viergeschossigen Häusern der Realschule und des Aufbaugymnasiums wird das Erdgeschoss mit Aula und Mensa auf massiven Stützen und Wandscheiben aufgeständert und transparent ausgeführt.


    Offenheit und Grenzen

    Die Architektur- und Grünkonzeption arbeitet mit einer ausgewogenen Mischung aus den räumlichen Phänomenen der Offenheit und der Grenzen.

    Die Offenheit zeigt sich in der mehrfachen Nutzbarkeit von Klassenräumen und Fluren, in der Verbindung der Häuser mit den Stegen, in der räumlichen und visuellen Offenheit von Mensa und Aula und in der Großzügigkeit der Außenanlagen. Diese Offenheit entspricht den modernen Anforderungen einer evangelisch und reformpädagogisch geprägten Schule.

    Die Grenzen zeigen sich in der Identität des waldartig eingeEingangtor zum Schulareal, in dem Übergang von lichten Schulhof zum dichteren „Waldsaum“ und in der Absenkung des Schulgartens hinter der Grundschule. Diese Grenzen entsprechen dem natürlichen Bedürfnis von insbesondere jungen und förderbedürftigen Kindern.


    Flure als Lernräume

    Die Flurstruktur entsteht aus der peripheren Besetzung der Grundrissfläche mit Raummodulen für die Klassenzimmer, das Lehrerzimmer und die Differenzierungsräume.

    Von einem großzügigen, zentralen Flurbereich gehen somit Flurnischen in die verschiedene Himmelsrichtungen aus und sorgen für ausreichende Belichtung, unterschiedliche Ausblicke und vielfältige Räume zum Lernen in der kleinen Gruppe.

    Die Regalmodule können auch zum Flur hin geöffnet werden und bedienen somit die beiden Leseecken mit integrierten Regalen.

    Die unterschiedlichen Nischen dienen auch durch die Anbindung von Stegen zur Vernetzung der Schulhäuser zu einer Schulanlage.

    Die räumliche Differenzierung und die Übersichtlichkeit der Grundrissstruktur sorgen für eine „wohnliche“ Atmosphäre, die ganz im Sinne der dezentralen und „familiären“ Schulkonzeption ist.


    Hausschuhschule

    Die Garderoben für die Grundschule und das Gymnasium befinden sich jeweils im Foyer des Erdgeschosses. Die großzügigen und hellen Flure haben im Bereich der Regalwände Sitzbänke und Garderobenfächer.

    Die Realschule wird über das Foyer der Mensa erschlossen. Hier befindet sich der Garderobenbereich. Die Obergeschosse sind komplett als Hausschuhbereich vorgesehen. Über die Stege, die Treppen und die Aufzüge sind somit alle Räume mit Hausschuhen erreichbar, ohne dass ein Straßenschuhbereich gekreuzt werden muß.


    Gesicht zur Stadt

    Die mit den Höhen der umliegenden Gebäude korrespondierende Fassade der Sporthalle wird mit einem nach und nach zum Eingang im Süden hin weiter auskragendem Bügel versehen und bildet damit eine Arkade. Die darunterliegende Fassade wird zweischalig ausgeführt, zur Straße transparent, zur Halle transluzent. Der Zwischenraum von 40 cm Tiefe kann als große mit Holzregalen versehene Vitrine zur Präsentation von Montessorimaterial, Schülerarbeiten und Informationen über die Schule genutzt werden.
    Grünkonzept

    Die waldartige Einfassung der Schule schafft ein eigenständiges, introvertiertes und durchgrüntes Areal inmitten des Gewerbegebietes. Diese grüne Insel nimmt Bezug zu den größeren Grünbereichen des Lorettoberges, des Vaubans und des Schönberges.

    Schulhäuser gruppieren sich um den lichten Schulhof. Dieser ist mit einem versickerungsfähigen Trastonbelag versehen. Trasston ist ein seit vielen Jahrhunderten bewährter Baustoff, der schon von den Römern verwendet wurde. Verwendung fand der Trass zum Beispiel im Pantheon und Kollosseum. Für die Rezeptur des Belags können örtliche Tonvorkommen verwendet werden. Die natürlichen Nuancierungen des Ausgangsmaterials geben dem Bodenbelag eine warme und lebendige Anmutung.

    Der Pausenhof wird durch locker verteilte Baumgruppen heimischer Laubbaumarten belebt. Die hoch aufgeasteten Bäume bilden ein schützendes, vegetatives Dach, das Wechselspiel von Licht und Schatten schafft abwechslungsreiche Situationen und gibt dem Schulkomplex eine unverwechselbare Identität.

    Ringförmige Perforationen im Belag schaffen Versickerungsraum und setzen durch ihre Bepflanzung mit robusten Gräsern grüne Akzente auf der Fläche.

    Der Bereich unter dem aufgeständerten Andachtsraum und dem mit einem Dach verbreiterten Verbindungssteg zwischen Realschule bieten Aufenthaltsmöglichkeiten bei Regen.

    In dem dichten, waldartigen Saum mit Bäumen und einer Unterpflanzung aus Farnen, Schattenstauden und Gräsern entstehen kleine Lichtungen für unterschiedlichste Nutzungen, wie zum Beispiel Unterricht im Freien, Schülergarten, Gestalten mit Holz.

    Westlich an das Fachklassenhaus anschließend befindet sich, mit Sitzstufen vom zentralen Schulhof abgesenkt, der Platz für Ballspiele.

    Hinter der Grundschule, unmittelbar von den Mehrzweckräumen aus erreichbar liegt ein ca. 50 cm abgesenkter Schulgarten. Durch die Geländekante erhält dieser Bereich eine klare Abgrenzung. Der Schulgarten steht der Gestaltung und Benutzung durch die Schüler offen.

    Die Parkierungsflächen sind als Schotterrasen ausgeführt und verzahnen sich durch ihre versetzte Anordnug mit den waldartigen Zwischenbereichen. Die grünen Bereiche des Parkplatzes zur Oltmannsstraße können ebenso durch die Schüler gestaltet werden. Außerhalb der Schulzeiten kann dieser Platz auch für autofreie Nutzungen wie Floh- und andere märkte zur Verfügung gestellt werden.

    Die Begrünung auf der Sporthalle mit einer blüten- und artenreichen Trockenwiese und einzelnen, kleineren Bäumen und Feldgehölzen nimmt Bezug zu der Vegetation der Trockenwiesen auf dem Schönberg. Dieser Bereich ist begehbar und kann von den Schülern für den Unterricht oder in den Pausenzeiten genutzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.