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  • DE-33615 Bielefeld
  • 10/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-81299)

Umgestaltung Johanniskirche Bielefeld zu einem Gemeindezentrum


  • 1. Preis

    Kircheninnenraum

    Architekten
    brewittarchitektur BDA, Bielefeld (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Brewitt

    Mitarbeit
    Jörn Börner, Felix Grauer, Seda Teker

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: Architektur Modellbau Gestaltung Mark Blume, Braunschweig (DE)

    Preisgeld
    5.500 EUR

    Erläuterungstext
    DENKMAL
    Der Umgang mit dem Baudenkmal Johanniskirche orientiert sich an folgenden Grundsätzen:
    • Die Nutzungsergänzung verändert die Kirche weder in Struktur noch in Gestalt.
    • Neue Elemente respektieren das Denkmal und orientieren sich in Proportion und Material an Bestehendem, ohne sich durch Nachahmung anzubiedern.
    • Denkmalrelevanter Bestand wird nicht verletzt, sondern bleibt erhalten.
    • Alle Eingriffe müssen im Grundsatz reversibel sein.

    ANBAU
    Der Anbau nimmt die Proportionen und Maße des Bestandes auf. Das bestehende Volumen wird um ein neues, zweites Seitenschiff ergänzt. Dieses setzt sich durch den zwischenliegenden Gang von den Kirchenmauern ab.
    Der Anbau ordnet sich in das Ensemble ein, ohne sich zu verstecken. Das neue Volumen wird in selbstbewusster und moderner, aber zurückhaltender und farblich-materiell angepasster Erscheinung hinzugefügt. Das zum Vorplatz hin orientierte neue Foyer wird als Visitenkarte der Gemeinde klar akzentuiert und öffnet sich einladend zum Vorplatz. Bei Gemeindefesten, Empfängen, Ausstellungseröffnungen, Konzerten, Hochzeiten, Taufen oder ähnlichen Anlässen verschmelzen Foyer, Vorplatz, Verbindungsgang und Kirche zu einer attraktiven Einheit, die multifunktionale und flexibel alle denkbaren Nutzungsvarianten erlaubt.

    KIRCHE
    Im Kircheninneren werden die neuen Räume und Funktionen gänzlich in die vorhandenen Strukturen eingepasst, der bestehende Raumeindruck bleibt erhalten. Die architektonischen Mittel werden hier zurückhaltend gewählt, die Kirchenarchitektur bleibt pur erhalten.
    Alle vorhandenen Fensteröffnungen bleiben erhalten bzw. werden reaktiviert.
    Die Fläche des Chorraums wird Richtung Kirchenraum vergrößert. Auf der höheren Ebene finden nun Taufstein und ein Ort für Fürbitten und Kerzengedenken angemessen und großzügig Platz.
    Es entsteht ein quadratischer Kirchenraum, der künftig zur vorderen Hälfte frei möbliert werden kann. Viele Stuhl- und Tischanordnungen sind denkbar; diese Flexibilität erlaubt auch neue liturgische Formen, ohne den gewohnten, würdevollen und traditionellen Charakter des Kirchenraumes aufzugeben.
    Auf der oberen Empore im Seitenschiff kann mit einfachen Mitteln eine Fläche für Jugendarbeit und Konfirmanden, aber auch für lockere Gesprächsrunden oder Chor- und Orchesterproben geschaffen werden.

    MATERIAL
    Der Materialkanon orientiert sich an Vorhandenem. Glas, Steinboden, Ziegel und als moderne Ergänzung geschliffener, sandgraufarbener Beton sind die sichtbaren Baumaterialien, ergänzt durch partielle Holzeinbauten. Alle Materialien zeichnen sich durch Beständigkeit und Zeitlosigkeit aus und passen sich farblich an den Bestand an. In der minimierten Formensprache ihrer Verarbeitung zeigen sich alle Materialien jedoch selbstbewusst als moderne Zutat.

    FAZIT
    Das vorliegende Konzept basiert auf folgenden Grundüberlegungen:
    • Respekt vor dem Bestehenden
    • Stärkung des Gesamtensembles
    • Sensible Zurückhaltung im Kircheninneren, selbstbewusste und moderne Ergänzung Außen
    • Reversibilität der Eingriffe
    • Dauerhaftigkeit und Zeitlosigkeit von Material und Gestaltung
    • Multifunktionalität der Nutzungen
    • Schaffung neuer Nutzungsoptionen in allen Bereichen
    • Minimierung der baulichen Eingriffe und Maßnahmen erlaubt kostengerechte Realisierung
    • Einladende Geste zum Vorplatz als bauliche Umsetzung des Konzeptes ‚Offene Kirche’.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Durch den relativ breiten seitlichen Anbau wird zwar der südliche Umgriff des Grünbereichs zur Straßedeutlich reduziert. Dies bietet jedoch das Potenzial, sich zum Vorplatz mit einer großzügigen Glasfassade zu öffnen und zum Eintreten und Verweilen einzuladen.
    Der Entwurf besticht durch seine sehr ausdrückliche und eindeutige Haltung, die gleichzeitig Wunschund Verpflichtung für die zukünftige Gemeindearbeit sein soll: Offene Kirche.
    Das neue Seitenschiff erhält eine innere Erschließungszone, die mehr als nur Flurqualitäten besitzt.
    Der Anschluss des Neubaus an die Kirchenfassade der Platzseite wird als anspruchsvoll erkannt und bedarf der weiteren sorgfältigen Bearbeitung. Dies betrifft gleichermaßen die neue Treppenanlage, die Rampe und die Außenterrasse.
    Die funktionalen Abläufe sind insgesamt gut gelöst, das Foyer wird als multifunktionaler Raum
    gewürdigt, in dem von Café-Nutzung bis Presbyteriumssitzung vieles stattfinden kann, sogar parallel zu einer Veranstaltung im Kirchraum.
    Der durch das Erschließungskonzept ermöglichte U-förmige Umgang um den Gottesdienstraum wird wegen der dadurch erreichten hohen Flexibilität ausdrücklich begrüßt.
    Die Entscheidung, die Bänke im hinteren Bereich zu belassen und im vorderen Bereich neu zu
    bestuhlen, ist richtig.
    Die Vergrößerung der erhöhten Chorraumfläche wird kontrovers diskutiert.
    Die Eingriffe in die bestehende Substanz sind gering und konzeptionell angemessen gelöst. Die
    vorhandene Substanz wird von innen und außen wirkungsvoll inszeniert.
    Die Öffnung der Fenster über der Orgel ist ein kleiner Eingriff mit großem Gewinn. Auch die Öffnung des Rundbogens im alten Eingangsbereich wird positiv bewertet. Der Zugang zum Kirchraum wirkt durch die neuen Trennwände zum Gruppenraum und Lager allerdings zu eingeengt.
    Die vorgeschlagenen Materialien für Fassaden und Innenraum sind überzeugend.
    Die Arbeit schafft vielfältige Nutzungspotenziale für die zukünftige Gemeindearbeit und bezieht hierbei den Platz vor der Kirche mit ein.


INFO-BOX

Angelegt am 02.11.2011, 09:16
Zuletzt aktualisiert 10.11.2011, 12:25
Beitrags-ID 4-49485
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