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  • 1. Preis Zuschlag

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    Architekten
    BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH Berlin: Haberer Vennes Tebroke Jaeger, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Bruno Vennes , Stefan Tebroke

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Das Gebäude Neustädtische Kirchstraße 14 wird in seiner jetzigen Situation von der offen liegenden Brandwand nach Norden bestimmt, da die historische Blockrandbebauung hier abbricht. Durch die mit dem Regierungsumzug stattgefundene Entwicklung und den Neubau des Bundespresseamtes kommt diesem Giebel eine städtebaulich weit in den Spreebogen wirkende Kopfsituation zu, da die Blockrandschließung nicht wieder hergestellt werden wird.
    Die Verfasser schlagen daher vor, die Giebelfront nicht als Brandwand sondern als dritte Fassade zu betrachten und somit der besonderen Lage gerecht zu werden. Die Nordfassade erhält über die gesamte Breite eine Befensterung, so dass sich eine ausgewogene Komposition ergibt. Dabei wird der Bruch zwischen Alt- und Neubauteil nicht inszeniert, sondern vielmehr im Sinne des Weiterbauens ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Der Neubauteil greift in diesem Sinne Proportionen und Gliederungen aus der Straßenfassade auf und entwickelt sie weiter.
    Die Möglichkeit nördlich mit einer zukünftigen Beabauung anzuschließen ist gegeben, indem die wenigen in diesem Bereich geplanten nicht notwendigen Öffnungen mit geringem Aufwand geschlossen werden.
    Zum rückseitigen Grundstück wird die als einziges Relikt an Schlüters Gesamtanlage der Landesloge erinnernde Mauer in die Gestaltung mit einbezogen. Durch die plastisch tiefe Gliederung der Neubaufassade ergibt sich ein Ineinandergreifen von Alt- und Neu, indem die Wandebene in der Pfeilerordnung der aufgehenden Neubaufassade übernommen wird.
    Die Anlieferung erfolgt von der Nordseite her, über eine abgesenkte Rampe zum Nebeneingang der zugleich als Fluchtweg dient.

    Architektur
    Die architektonische Gestaltung ist dem Gedanken des Weiterbauens verpflichtet. Das heißt Brüche zwischen Alt und Neu werden nicht durch Ablösung und Fugen betont, sondern das Gebäude aus Alt- und Neubauteil wird als Einheit betrachtet. Es entsteht ein ganzheitlicher monolithischer Baukörper. Das Material Stein und das Aufgreifen der Gliederung bilden dabei das Bindeglied zwischen Alt- und Neu. Der klassische Fassadenaufbau aus Sockelzone, Mittelteil und Dachabschluss wird im Neubaubereich fortgeführt.
    Dennoch bleiben die bauzeitlichen Schichten durch die Art der Gestaltung weiter erlebbar. Der Neubauflügel ist durch seine gegenüber dem Altbau reduzierte Formensprache stets ablesbar. Die Gliederung bleibt abstrakter und das Gebäude zeigt durch die Art der Öffnungen seine Zeitgenossenschaft.
    Im Inneren wird durch den Rückbau des historischen Treppenraumes die Möglichkeit einer lichten großzügigen Zugangssituation eröffnet. Die historische Torsituation auf Straßenniveau wird über eine offene Treppenverbindung in Form einer neune Eingangshalle im Hochparterre fortgeführt. Von hier öffnet sich der Blick über bodentiefe Fenster nach Norden zur Spree hin. Über die neue Treppenanlage gelangt man in die Obergeschosse. Hier sind die Büroräume um ein von Oben belichtetes Atrium herum gruppiert, so dass sich entsprechend der Nutzung geschossübergreifende kommunikative Arbeitsbereiche ergeben. Durch das Atrium ergeben sich trotz der großen Bautiefe gut belichtete Innenbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität.

    Materialkonzept
    Im Sinne des ganzheitlichen Gebäudeansatzes wird die Materialität Stein und Putz aufgegriffen.
    Die Fassaden des neu hinzugefügten Gebäudeteiles werden durch farbige Betonfertigteilelemente gebildet. Der Giebelbereich an den angebaut werden soll, erhält dagegen einen Verputz, der die Farbigkeit der straßenseitigen Putzflächen übernimmt. Im Inneren wird der steinerne Charakter in Form der hell eingefärbten Sichtbetonflächen am Atrium aufgegriffen. Die Büroräume erhalten dazu kontrastierend flurseitig eine Bekleidung in Holz, die so das Bild der historischen Vertäfelungen auf neue Weise belebt.



    Organisation
    Um im Inneren eine der neuen Grundrissaufteilung entsprechende klare Organisation zu ermöglichen, wird entschieden den Bestandstreppenraum nicht zu erhalten. Die Wegeführung um den historischen Treppenraum herum wird aufgegeben. Dies eröffnet die Möglichkeit, eine vom Eingang her entwickelten großzügigen Erschließung mit sich öffnenden inneren und äußeren Blickbeziehungen zu entwickeln.
    Um für zwei Mitarbeiter nutzbare Büroräume mit einer lichten Raumbreite von mindestens 3,6m zu ermöglichen, werden die neuen Büroräume entlang der West- und Nordfassade angeordnet.
    Das zentrale Atrium bildet das Herzstück der inneren Erschließung. Aufgrund der geschossübergreifenden Belegung ergibt sich so ein kommunikativer Innenbereich. Es ergibt sich eine ringförmige etagenweise Organisation der Räume ohne Sackgassen.


    Nachhaltigkeit
    Unabhängig von gebäudetechnischen Aspekten sind wesentliche Elemente der Nachhaltigkeit schon in der Gebäudeform angelegt. Der vorgeschlagene Entwurf stellt hier durch seine Kompaktheit eine optimierte Lösung dar. Zusammen mit der schweren Bauweise in Stahlbeton ergibt sich so ein ausgeglichenes Raumklima. Sämtliche Gebäudeteile sind trotz der großen Baukörpertiefe tagesbelichtet.
    Ein weiterer Aspekt der Nachhaltigkeit liegt in der Verwendung dauerhafter, gut alternder Materialien. Zur Einhaltung eines stabilen Raumklimas und zur Nutzung eines niedrigen Temperaturniveaus wird ein Flächenheiz- bzw. Kühlsystem im Verputz der Decken vorgeschlagen. Dieses System verbindet die Vorteile der Betonkernaktivierung mit der Möglichkeit flinker raumweise gesteuerter Anpassung durch den Nutzer. Zusätzliche Heizkörper oder Konvektoren zur raumbezogenen Steuerung können entfallen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.