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  • DE-85748 München
  • 08/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-81124)

Neue Mitte Garching


  • 2. Rundgang

    © Formfest - Daniel C. Wolf

    Architekten
    Spacial Solutions GmbH, München (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    IDENTITÄT
    Das Luftbild zeigt den Nord-Süd und parallel zu dem ‚Central Park’ verlaufenden Gebäuderiegel, wie er in Verbindung mit den sich nach Süden fortsetzenden Max-Planck-Instituten die neue Mitte bildet. Der Blick von den Dächern eröffnet das Panorama auf die angrenzenden Isarauen. Die Fotomontage zeigt nicht nur, wie wichtig die Durchlässigkeit von Ost nach West ist. Sie zeigt auch die städtebauliche Notwendigkeit einer signifikanten Gebäudestruktur, um dem gewachsenen Wissenschaftsstandort von innen heraus eine Identität zu verleihen.

    DAS GRUNDSTÜCK: 42 M BREIT UND 240 M LANG
    Das zur Verfügung stehende Grundstück ist 42 m breit und ca. 240 m lang.
    Es steht parallel zu einer neu angelegten Grünanlage im Umfeld der U-Bahn-Zugänge, mit reliefartigen Erhebungen und schräg verlaufenden Wegen. Im Norden führt die Boltzmannstraße direkt auf den Gebäudekomplex zu – hierhin öffnet sich die Bühne des Auditoriums und wird zur Außenbühne. Im Süden grenzt ein freies Gelände an, das in Zukunft von der Max-Planck-Gesellschaft bebaut wird und wünschenswerter Weise ebenfalls Zugang zu dem neuen Zentrum erhält.
    Die Lichtenbergallee, eine der beiden Spangen, die im Westen an Garching und an die Autobahn anbindet, endet an der nordwestlichen Ecke des Grundstückes bzw. des Komplexes. Dies verlangt nach einer architektonischen Antwort, die schon von Weitem spürbar macht: hier ist die Mitte. Diese Antwort wird später beschrieben.

    EINFACHE BAUSTRUKTUR MIT KOMPLEXER RÄUMLICHER WIRKUNG
    Wesentliches Element des Bebauungsvorschlags ist, vorhandene Wege im Osten wie im Westen mit der städtebaulichen Struktur aufzugreifen, um trotz einer notwendigerweise dichten Bebauung die Institute beidseits der Bebauung miteinander zu verzahnen. Durch die oben beschriebene Aufnahme der Strassen im Osten zeichnet sich ein gleichmässiger Rhythmus von Baufeldern ab, der nun auf selbstverständliche Weise einen Ordnungsrahmen für die Zuordnung verschiedener Funktionen bildet. Dies schafft nicht nur eine einfache Baukörpergliederung und zieht die Campus-Bewohner in die Anlage hinein, die rhythmisch angelegten Lücken schaffen auch interessante Blickbeziehungen. Dabei ist wichtig, dass eine der Achsen sich auf das visuelle Wahrzeichen des Campus bezieht: das Atom-Ei.
    Alle ‚Häuser’ stehen auf einer leicht angehobenen Plattform. Dieser als Holzdeck ausgebildete Sockel greift im Norden über die Bebauung hinaus und schafft dort einen verkehrsberuhigten Platz, auf dem die Fussgänger Vorrang haben.

    MARKANTE, KONKAV GEFORMTE GIEBELFLÄCHEN
    Während in Bodennähe breite Zäsuren in Ost-West-Richtung beabsichtigt sind, sollen im Attika-Bereich die Riegel ‚zusammenwachsen’ um die Dachflächen miteinander zu verbinden und für ein ‚Campus-Dorf auf den Dachgärten nutzen zu können. Auf subtile Weise wird dabei das Relief des Atom-Ei aufgenommen. Es entstehen leicht gekurvte, überhängende Giebel, deren schmale Zwischenräume durch filigrane Brücken überwunden werden können.
    Im Norden ragen diese markant in die Lichtenbergallee hinein und schaffen im Erdgeschoss den erforderlichen Rücksprung an der Nord-Ost-Ecke, im Süden lehnen sich die Stirnflächen von der Grundstücksgrenze weg und schaffen auf einfache Weise die notwendige Abstandsfläche. Diese Flächen sind mit gekrümmten Edelstahl- bzw. Glasspiegelflächen verkleidet und verstärken den konkaven Effekt.
    Durch diese Lösung wird in den Obergeschossen zusätzlich Raum geschaffen für individuell geschnittene Suiten bzw. für zusätzliche Zimmer – dies, ohne die Wege- und Blickbeziehungen auf Fussgängerebene zu beeinträchtigen

    Die Ansicht zeigt die charakteristische Struktur der Bebauung: zwei parallele Baukörper, 5 geschossig, mit dem dazwischen gespannten Dach.
    Im Bereich des Büros formt dieses einen wettergeschützten Aussenraum - die Campus-Mall bietet bei schlechtem Wetter und im Winter Schutz für die Besucher der beidseits angeordneten Läden und die gastronomischen Betriebe. Die filigrane Dachkonstruktion, die sich in Bogenform als Fassade fortsetzt, kann im unteren Bereich als breites Tor nach oben gefahren werden.
    Während sich die Baukörper innerhalb des neuen Zentrums 'zueinander' lehnen, könnte die Bebauung der Max-Planck-Gesellschaft in derselben leistungsfähigen Struktur so weitergeführt werden, dass an der Nahtstelle ein V-förmiger Einschnitt entsteht. (s. Skizze im Erläuterungsbericht)

    DAS HOTEL
    Die Zimmer des Viersterne-Hotels sind entsprechend den geforderten Grössen gestaffelt. Diese sind so aufgeteilt, dass immer zwei Zimmer in Summe dem strikt durchgehaltenen Raster von 8.10 entsprechen – der optimalen Tragstruktur für die Tiefgarage. Die Zimmer verfügen grundsätzlich über eine grosszügig dimensioniert Walk-in-Dusche bzw. über eine Wanne. Das WC ist innerhalb der Bäder nochmals separiert. Die Wände über dem Waschtisch sind über Eck zum Raum hin verglast (mit Verdunkelungsrollos) – so entsteht ein grosszügiger Raumeindruck
    Zentrales Element des Hotels ist die dreigeschossige, von oben belichtete Halle. Die Vorfahrt liegt im Süden, im Norden grenzt diese transparent an das Auditoriums-Foyer an, bzw. ist dahin öffenbar.
    Ein Erschliessungsblock mit einer grosszügigen gewendeten Treppe in die Ober- und das Untergeschoss und den Fahrstühlen trennt den Eingangsbereich von dem dahinter angeordneten Café- und Bistrobereich. Beidseits davon sind im Erdgeschoss Fine-Dining, zwei separierbare Restauranträume, die Bar (direkt neben dem Eingang), sowie Lounge-Bereiche angeordnet. Die Rezeption mit dahinter liegendem Office überblickt sehr gut die ganze Halle und ist von den Gästen mühelos zu sehen. Zur Ostseite hin findet hier auch der wesentliche Teil der zentralen Küche seinen Platz – das Essen erreicht auf kürzestem Wege den Gast und auch bei grossen Events kann von hier aus das Catering auch in den Auditoriumsbereich erfolgen.

    DAS BÜROGEBÄUDE
    Die Fassaden der Gebäude haben einen entscheidenden Anteil an der Nachhaltigkeit der Gebäude. Verschiedene Merkmale tragen massgeblich dazu bzw. auch zur wartungsarmen Langlebigkeit bei:
    Ein Fensterflächenanteil, der bei Büros optimalerweise bei ca. 60% und bei Wohnungen (auch Hotels) etwas bei 50 % liegt
    Einen gut hinterlüfteten Sonnenschutz, der verschattet und der ausreichend Licht in die Räume bringt, so dass Kunstlicht nur in möglichst kurzen Perioden nötig ist (und damit nicht nur elektrische Energie spart, sondern auch keine Wärme produziert)
    Ein Wärmeschutzsystem, das möglichst aus einem homogenen, nachhaltigen Stoff besteht und später im Lebenszyklus auf einfache Weise entsorgt werden kann.

    Diesen Aspekten tragen die dominierenden Ost- und Westfassaden in vollem Umfange Rechnung. Die Fassaden sind tragend – im Bereich des Auditoriums und des Hotels sind sie als statisch wirksame Längsträger ausgebildet – die Verglasungsanteile der Fenstertüren entsprechen den optimalen Flächenanteilen und ein durchgehender Sonnenschutz aus diagonal drehbaren Metallelementen verschattet die Fassade, bzw. verhindert auch, dass schräg auftreffende Sonneneinstrahlung zum Aufheizen der Fenster führt. Im Winter kann aber auch gezielt das Licht auf die Glasflächen gelenkt werden, um so zu einer positiven Energiebilanz beizutragen.

    Dieser Sonnenschutz führt auch zu dem charakteristischen Bild des Komplexes und trägt auf einfache Weise dazu bei, verschiedene Fensterformate und Geschosshöhen zu homogenisieren. Der Sonnenschutz ist in gewisser Weise Aussenhaut zugleich. Verschiedene Bedruckungen auf Vorder- und Rückseite können zusätzlich zur atmosphärischen Wirkung beitragen.

    Als Wärmedämmung ist die innovative, technisch abgeklärte Verwendung von ‚purem’ Foamglass vorgesehen. Diese Lösung macht sich die visuell wie alterungsbeständige, selbstreinigende Oberfläche von recyceltem Glas zunutze. Die Platten, mit einem Stufenfalz versehen wird direkt auf die tragenden Betonwände aufgeklebt, auch in die Fensterlaibungen hinein, die Profile weitgehend verdeckend.

    Die Decken im Bürobereich sind mit einer Betonteilaktivierung ausgestattet, das sowohl zum Heizen wie auch zum Kühlen verwendet werden kann. In Verbindung mit den windfesten Sonnenschutzsystemen können die Öffnungsflügel der Fenster sehr gut zur natürlichen Nachtkühlung herangezogen werden.
    Abgehängte Deckensegel tragen zur Raumakustik bei. Die Beleuchtung erfolgt über freistehende Zwei-Kompomenten- Leuchten (Up- und ergonomische Downlights)

    Im Erdgeschoss befinden sich die beiden Begegnungsräume, in einem verdreht, aber rechtwinklig zur den Wegdiagonalen im ‚Central Park’. Von dort aus führen zwei konisch zugeschnittene Treppen in den Kapellenraum, der darüber angeordnet ist.

    Die Fassaden werden durch in der Vertikale gebogene Stäbe gebildet, die beidseits mit farbigen Gläsern ausgefacht sind. Im Vorbeigehen mischen sich die gegenüberliegenden Glasfarben in unterschiedlichen Konstellationen. Von innen geben die semitransparenten Gläser einen Blick über den Park frei, ohne dabei auf eine zentrierende, introvertierte Wirkung zu verzichten.

    Auf der unteren Darstellung ist die exponierte Lage und Ausbildung der Auditoriums-Bühne zu sehen:
    Wie ein Schiffsbug kann die transparente Rückwand nach oben geklappt werden und bildet dann eine überdachte Aussenbühne. Der Bühnenkörper kann hydraulisch nach oben gefahren bzw. abgesenkt werden.

    HOTEL UND KONFERENZZENTRUM
    Hotel und Konferenzzentrum sind funktional eine Einheit: beide Einrichtungen werden vom selben Betreiber betrieben. Dies drückt sich baulich in mehrfacher Hinsicht aus: Hotelhalle und Eingangshalle zum Auditorium grenzen mit einer offenbaren Glaswand aneinander, Konferenzräume verschiedener Grösse können für verschiedene Veranstaltungen flexibel zusammengeschaltet werden. Die Hotelküche kann bei Events auch die Auditoriumsflächen bedienen.

    Besonderes Merkmal ist, dass die Zimmertrakte als Brückenträger über das Auditorium hinweg tragen und dadurch auf einfache Weise einen grossen, stützenfreien Raum im Auditorium ermöglichen. Dabei kann das zuvor beschriebene Lichtband ohne Unterbrechung durch gross dimensionierte Tragglieder durch das Auditorium hindurchlaufen und zusammen mit der ebenfalls transluzenten Hinterbühne einen sehr luftigen Raum ermöglichen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.