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  • 2. Preis


    Architekten
    gernot schulz : architektur GmbH, Köln (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Leitideen

    Um am vorgegebenen Ort für die denkmalgeschützte Villenabfolge entlang der Straße Neuwerk einen städtebaulich verträglichen und dennoch prägnanten Baukörper so zu positionieren, dass dieser sich selbstverständlich in den Rhythmus der südlich sich anschließenden Reihung aus Villen-„Paaren“ einfügt und der Villa Steckner dessen hervorgehobene Position belässt, wird ein oberirdisches skulpturales Bauvolumen im Volumen der Villa Engelmann in die Flucht der Villa Engelmann gestellt. Dem Volumenbild eines „Eisbergs“ folgend verbirgt sich ein weitaus größeres Gebäudevolumen der Mediathk jedoch unter der Erde.
    Diese Konzeptidee führt zwar zwingend zu Eingriffen in den Baumbestand, sichert und stärkt aber den Denkmalwert des Gesamtensembles. Um Ersatzpflanzungen im direkten Umfeld des Gebäudes zu ermöglichen wird eine ca. 100 cm dicke Substratschicht auf den unterirdischen Gebäudebereichen vorgesehen. Dies ermöglicht Pflanzungen von Bäumen bis zu ca. 10 m Höhe.

    Die Zuordnung der ober- und unterirdisch untergebrachten Räume bildet die Besonderheit der Entwurfsaufgabe ab: In dem oberirdischen Gebäudeteil befinden sich die 24h zugänglichen Raumbereiche. Auf selbstverständliche Art und Weise wird somit das bei Tag und Nacht belebte und illuminierte Gebäude zum Werbeträger seiner Funktion und erzielt somit die gewünschte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

    Das gesamte Haus ist in seinem Inneren als offene über alle Geschosse mit jeweils diagonalen Blickbeziehungen geöffnete Raumkomposition entworfen. Insbesondere das oberirdische Gebäude weist hierbei eine auf ein Minimum reduzierte Festlegung der Räume auf. Jede Fläche kann hier durch jede Art von Arbeitsformen besetzt werden. Es will als „Werkstattgebäude“ gelesen werden, welches dem besonderen Anspruch an den Raum zum Studieren und Forschen an einer Kunsthochschule gerecht wird. Es besteht somit allerhöchste Flexibilität im Alltag aber auch bei der Anpassung und Weiterentwicklung des Medienspektrums. Die gewünschte „Innovationsfläche“ begrenzt sich somit nicht auf eine 80 qm große Fläche – das Konzept der offenen Raumkomposition mit derart offen gestalteten Lese- und Arbeitsbereichen trägt den Gedanken des Studieren und Forschens in jede Ebene und jeden Winkel des Gebäudes. In besonderer Weise bringt dies das Erdgeschoss zum Ausdruck. Frei von Nutzungsfestlegungen steht es dem gesamten Spektrum des Lebens und Lernens auf dem Design-Campus der Kunsthochschule Giebichenstein offen. Was sich heute durch Spuren vergangener Präsentationen und Ereignisse in den Bäumen und auf den Freiflächen des zu bebauenden Grundstücks findet, wird nicht verbannt, sondern im EG und auf den Dachflächen aller Gebäudeteile seinen Platz finden und eine neue Präsentationsplattform finden. Die Ideen und Arbeiten der Studierenden rücken somit in den Fokus. Bücher und Medien helfen bei der Ideenfindung und der Umsetzung. Dieses Bild transportiert das neue Gebäude.

    Im Sinne einer grundsätzlichen nachhaltigen Prägung des Neubaus wird eine poetisch anmutendes Ziel definiert:
    Das Haus entsteht aus dem Material des Aushubs. Dazu wird eine uralte Technik genutzt, bei der der Aushub gesiebt und zerkleinert wird, um mit Mörtel gemischt und per Stampftechnik verdichtet, Baustoff der vertikalen Primärkonstruktion zu werden. Diese von vielen Urkulturen genutzte Technik erlebt heute – unter Einsatz von Fachberatern – von Nordeuropa bis nach Nordafrika eine Renaissance und ist unter Einsatz von Fertigteiltechnologie zu einer einfachen und genau planbaren Bautechnologie geworden. Solche Stampfbetonwände (auch als Stampflehmwände bekannt) kappen nicht nur die Temperaturspitzen, sondern ebenfalls die Spitzen des Feuchtigkeitsgehalts in der Luft, wodurch die Auslegung der mechanischen Be- und Endlüftung geringer ausfallen kann. Die Fähigkeit des Baustoffs Feuchtigkeit aus der Luft schnell aufzunehmen und wieder abzugeben schafft ein angenehmes und gesundes Raumklima im Innenraum und bindet Gerüche und Schadstoffe aus der Luft. Die Wände werden zudem mit Heiz-/Kühlleitungen versehen und an eine geothermische Energiegewinnung angeschlossen. Es entsteht somit ein Dialog alter und neuer Bautechnik und eine Nachhaltigkeit die bis hin zum Rückbau des Gebäudes – bei dem große Teile der Primärkonstruktion wieder zu Erde werden – durchdacht ist.


    Genehmigungsfähigkeit

    Der Entwurf unterschreitet die Tiefenausdehnung der benachbarten Villa Engelmann und hält alle Abstandsflächen auf eigenem Grundstück ein. Die unterirdischen Gebäudeteile lösen keine Abstandsflächen aus. Das unterirdische Volumen hält von allen Nachbareinfriedungen und zur Terrasse der Villa Steckner Mindestabstände ein, sodass über vor Aushub zu setzende Bohrpfahlwände, die in Teilen gleich als geothermische Sonden genutzt werden können, diese Bestandsbauteile einfach und mit bewährter Technik gesichert werden können.


    Erschließung

    Die Mediathek wird über den bestehenden Zugang von der Straße Neuwerk her erschlossen und ist über den für singulären Fahrverkehr zu vitalisierenden nordwestlichen Zuweg zwischen Villa Steckner und dem Lehrklassengebäude erreichbar. Von dort erfolgt der Zugang über eine den Lichthof der Verwaltung rahmende Treppen- und barrierefrei gestaltete Rampenanlage, welche in den Freiraum der Kunsthochschule einleitet.
    Aufgrund der geringen räumlichen Ausdehnung und der offenen Codierung des Erdgeschosses wird die Anlieferung und Ablieferung über den Eingangshof als ausreichend erachtet und das Terrain nicht mit einer
    Zusätzlichen Anlieferungsanfahrt belastet.


    Gebäudetechnik

    Technik soll in dem Gebäude nur dort zum Einsatz kommen, wo das Potential des untechnisch und nachhaltig erdachten Gebäudeentwurfs an seine Grenzen kommt. Aufgrund der gewählten Entwurfs- (weite Teile unterirdisch, somit geringere Wärmeverluste) und Bautechnologie (hohe Wasserdampfbindung der Wände und hohe Temperaturspeicherkapazität der sichtbar bleibenden Primärkonstruktion) kann die raumlufttechnische Anlage geringer dimensioniert werden als bei Vergleichsbauten und muss auch nicht im Dauerbetrieb gefahren werden. Die Zuluftführung erfolgt vom Technikraum über Betonkanäle unter der Bodenplatte zu den großen Vertikalschächten an den Treppenhäusern. In den Geschossen wird die Luft in die druckdichten Hohlraumböden und von dort über Boden-Quelluftauslässe in die Räume eingebracht.
    Das Luftvolumen des Hauses ist durch Glaswände entlang der Deckenöffnungn zwischen 1.UG und EG sowie EG und 1. OG dreigeteilt. Dies hat gleich mehrere Vorteile: Die OGs, das EG und die UGs können gemäß ihrer täglichen Nutzungsdauer getrennt konditioniert werden. Geräuschstörungen zwischen den Nutzungsbereichen können vermieden werden. Bereiche unterschiedlicher täglicher Nutzungsdauer sind sicherheitstechnisch einfach beherrschbar.

    Die Luftrückführung erfolgt für die UGs über den Doppelbodenbereich zwischen EG und 1.UG. Die geringen räumlichen Ausdehnungen im EG und den OGs erlaubt, die durch die Nutzung erwärmte Raumluft direkt über Öffnungen in den Wandbereichen der Schächte abzusaugen und zur Energierückgewinnung in den Technikraum zurückzuleiten. In allen Geschossen kann somit gänzlich auf abgehängte Decken verzichtet werden. Kombiniert wird die Raumkonditionierung mit einer geothermischen Energienutzung für die Temperierung des Gebäudes, die über die Aktivierung der Wände und Decken erfolgt. Lediglich für winterliche Temperaturspitzen (< 10°C Außentemperatur) wird ein Anschluss an das Fernwärmenetz vorgehalten.

    Das Gebäude erhält eine zur Feuerwehr aufgeschaltete akustische und optische Brandmeldeanlage. Auf eine Sprinklerung kann und sollte aufgrund der Funktion des Gebäudes verzichtet werden. Erfahrungen des Verfassers mit dem gleichen Gebäudetypus bestätigen dies.

    Über lediglich einen Aufzug, der sowohl dem Personen- als auch dem Medientransport dient, kann das gesamte Gebäude barrierefrei erschlossen werden. Die barrierefreie Ausgestaltung spezieller Arbeitsplätze sollte individuell je nach Handikap des einzelnen Studierenden erfolgen.

    Gemäß der Auslobung werden die Toiletten zentral an einem Punkt des Gebäudes zusammengefasst. In Nähe zum Treppenhaus und zum Aufzug im 1.UG positioniert können diese 24h genutzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.