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  • DE-63065 Offenbach am Main
  • 03/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-55782)

Umgestaltung des öffentlichen Raumes »Stadthof«


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Marius Weißhaupt, Angela Soler

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: d:lux visuals l architectural visualizations, Düsseldorf (DE)

    Erläuterungstext
    „Leder- und Letternstadt Offenbach“

    Leitidee - Konzept

    Die Beibehaltung der beiden Pavillons stellt ein klares Bekenntnis zur Architektur und Gestaltung der 70er Jahre dar. Diese Haltung wird aufgegriffen und konsequent in der Neugestaltung des Stadthofs umgesetzt. Der zentrale Stadtraum von Offenbach erhält so als Mittelpunkt des öffentlichen Lebens seine eigene Identität und Unverwechselbarkeit. Gleichzeitig wird der prägende Charakter der Stadt Offenbach im Bekenntnis zur absoluten Modernität aufgenommen und wiedergegeben.

    Durch die Neugestaltung entsteht die einmalige Gelegenheit, den Stadthof neu zu interpretieren und als zentralen Raum für die Bürger Offenbachs wieder ins Bewusstsein zu rücken. Der Stadthof bietet Raum für Feste und Veranstaltungen und wird so zum neuen Mittelpunkt des öffentlichen Lebens von Offenbach.
    Im Zuge der Neugestaltung werden Themen aus der Geschichte Offenbachs aufgegriffen und als Identität stiftende Elemente des Platzes subtil erlebbar gemacht. Die Geschichte Offenbachs ist durch zwei zentrale Themen geprägt: zum Einen die Lederfabrikation, wodurch die Stadt einst zu Ruhm und Wohlstand gelangt ist, und die Entwicklung eines eigenen Schrifttyps durch den Kalligraphen Robert Koch – die Offenbacher Typologie. Die „Leder- und Letternstadt Offenbach“ wird auf dem Stadthof als zentralen Platz von Offenbach neu erfahrbar.


    Städtebau

    Bereits im historischen Stadtgrundriss von Offenbach bildet der Stadthof einen zentralen Freiraum in der Stadt. Aufgrund der vorhandenen Pavillons sowie weiterer Einbauten und Ausstattungen ist der zentrale Stadtraum des Stadthofs heute nur schwer ablesbar. Durch die Anlage eines markanten Platzfeldes werden die vorhandenen Strukturen in einen neuen einheitlichen Kontext gestellt. Die vorhandene und derzeit ins Abseits geratene Stadtkirche wird integriert und zum elementaren Bestandteil des Platzes. Zwischen den beiden Pavillons spannt sich ein freier Raum auf, der nur zurückhaltend und sparsam möbliert wird, und somit offen ist für die vielfältigsten Nutzungen und Veranstaltungen.


    Platzgestaltung

    Der zentrale Platz des Stadthofs erhält ein eigenes markantes Belagsfeld, und hebt sich so von den umgebenden, sehr unruhigen und heterogenen Belägen ab. Dadurch wird seine Eigenständigkeit als zentraler Platz von Offenbach betont und herausgearbeitet.
    Der heute vorhandene Brunnen wird durch großzügige Wasserbecken vor dem Rathaus ersetzt, diese binden den Stadthof an das Rathaus an und bilden den neuen Schwerpunkt und Anziehungspunkt auf dem Platz. Fontänen erzeugen eine spielerische Belebung, im Ruhezustand werden die beiden Brunnen zu Spiegelbecken, die den Rathausturm widerspiegeln und so die dritte Dimension erfahrbar machen.
    Die Baumpflanzung auf der Ostseite wird auf der Westseite fortgesetzt, es entsteht eine zusammenhängende Raumwirkung und grüne Raumkante für den Platz. Das Schachfeld wird im Bereich der Stadtkirche in die Gestaltung integriert und mit Sitzgelegenheiten versehen.
    Die umgebenden Beläge werden sinnvoll zum Abschluss gebracht und an das Platzfeld herangeführt. Der Aliceplatz erhält eine eigene Gestaltung, die mit dem bereits realisierten südlichen Abschnitt korrespondiert und zusammen mit der Frankfurter Straße eine gestalterische Einheit bildet.


    Der Belag - „Das Leder“

    Als Platzbelag werden großformatige Schieferplatten in einem warmen grau-braun vorgeschlagen, diese erinnern mit ihrer Farbigkeit und Oberfläche an die Textur des Leders und stellen gleichzeitig einen Bezug zum nahe gelegenen Naturraum des Taunus mit seinem Schiefervorkommen her.


    Die Möblierung - “Die Lettern“

    Liegende Buchstaben aus Betonfertigteilen greifen die Offenbacher Typologie auf. Locker über den Platz verteilt bieten sie zwanglose Sitzgelegenheiten, von oben betrachtet fügen sie sich zu einem Wort oder einem Schriftzug. So könnte dort z.B. ganz einfach „Offenbach“ stehen, genauso gut könnte aber auch ein anderer Inhalt aus der Geschichte Offenbachs hinterlegt werden. Die Sitz-Buchstaben bestehen aus Leichtbeton und stellen somit keine zusätzliche Belastung für die Tiefgaragendecke dar.
    Im Bereich des Spielplatzes auf der Ostseite werden die Lettern zu senkrecht gestellten Spielbuchstaben und laden zum Klettern, Rutschen und Balancieren ein.


    Einbindung Tiefgarage

    Die Tiefgarage wird von massiven Einbauten oder Pflanzungen frei gehalten. Der Platz erhält trotz der unterschiedlichen Belastungszonen ein einheitliches Niveau, evtl. Höhenunterschiede können in Leichtbauweise, z.B. durch Glasschaumschotter ausgeführt werden. Der zentrale Ausgang aus der Tiefgarage wird in form eines schlichten Glaskubus in den Platz integriert, so dass er nicht als störendes Element in Erscheinung tritt.
    Im Rahmen von Festen und Veranstaltungen kann hier die Bühne angeordnet werden, sämtliche notwenigen Anschlüsse für die Ver- und Entsorgung sind in dem Glaswürfel untergebracht.


    Lichtkonzept

    Ein auf den Ort abgestimmtes Lichtkonzept unterstützt die vorgesehene Gestaltung des Stadthofes als freien, offenen und eigenständigen Raum. Die Pavillons werden bewusst in den Platz integriert und als markante und prägende Zeichen auf dem Platz in Szene gesetzt. Durch eine indirekte Anstrahlung der Attika erscheinen sie nachts auf dem Platz zu schweben. Ebenso werden die Lettern als prägende Gestaltungselemente durch eine Beleuchtung inszeniert und gleichsam schwerelos auf dem Platz zu liegen.
    Die beiden Fontänenbecken erhalten ebenfalls eine zusätzliche Illumination, das Rathaus erhält durch Licht, das sich in den Wellen der beiden Wasserbecken bricht, seinen ganz eigenen Charakter. Die Stadtkirche wird durch eine entsprechende Anstrahlung der Fassaden in den Platz integriert und ins Bewusstsein gerückt. Daneben sorgt eine zurückhaltende Reihe von schlichten Lichtstelen für eine ausreichende Beleuchtung, ohne störend in Erscheinung zu treten. Sie können gleichzeitig Stromanschlüsse für Feste und Veranstaltungen aufnehmen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.