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  • DE-97688 Bad Kissingen
  • 11/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-80062)

Neue Altstadt Bad Kissingen


  • 4. Preis

    Marktplatz mit Kristallbrunnen, © k1 Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    MITARBEIT:

    Catherine Kuhn, Esther Augustin, Martin Josweg, Anita Wagner, Torsten Wolff, Peter Young


    ERLÄUTERUNGSTEXT:

    Leitidee
    In der Altstadt Bad Kissingen werden die Stadträume entsprechend ihrer Bedeutung strukturiert und im Kontext der benachbarten Platzanlagen – Rathausplatz, Marienplatz, Theaterplatz – entwickelt. Bestehende Bewegungsmuster werden aufgenommen und mit der Materialität der Plätze überlagert. Es entsteht ein neues Ordnungsprinzip, das dem Raum eine eigene Identität im Stadtgefüge verleiht. Ein übergeordnetes Farb- und Gestaltungskonzept, das durch eine klare Material- und Formensprache gekennzeichnet ist, bildet den Rahmen der Neuordnung.

    Städtebauliche Einbindung
    Die Raumfolge von der Oberen Marktstraße über den Marktplatz bis zur Unteren Markstraße stellt historisch und auch aktuell die zentrale Achse der Altstadt dar. Sie wird durch die besondere Gestaltung im Stadtgefüge herausgestellt und gleichzeitig über freie Sichtachsen in das umgebende Stadtgefüge integriert. In Bezugnahme auf die geplante Umgestaltung des Marienplatzes und des Berliner Platzes, werden am östlichen Zugang der Achse die geplanten Baumreihen und Pflanzstrukturen fortgeführt. So wird zum einen der städtebauliche Zusammenhang mit den benachbarten Stadträumen hergestellt, zum anderen eine neue Eingangssituation an der Von-Hessing-Straße geschaffen.

    Achse Markstraße, Marktplatz, Untere Markstraße
    Die zentrale Achse ist von zahlreichen Gastronomien und vielen kleineren und mittleren Anbietern des Einzelhandels geprägt. Aktuell erscheint der Raum ungeordnet, da sehr unterschiedliche Ausstattungsgegenstände und Einbauten die Sichtachsen und Raumbezüge verstellen. Um der Wertigkeit der Achse im Stadtgefüge gerecht zu werden, wird eine Neuordnung angestrebt. Aufenthalts- und Bewegungsflächen werden dabei im Belag unterschiedlich gekennzeichnet und bilden den Rahmen zur Anordnung der Möblierung. In der Oberen und Unteren Marktstraße liegen die Bewegungsflächen im Zentrum der Straße, auf dem Marktplatz rücken sie an die Fassaden heran, um so eine bessere Erreichbarkeit der Läden zu gewährleisten. Die innere Platzfläche markiert den Standort für die Außenbestuhlung der Gastronomien, die Beleuchtung und die Bänke. Einbauten werden auf das Nötigste reduziert und sind Teil eines einheitlichen Farb- und Gestaltungskonzepts. Der Marktplatz wird mit einem Brunnen aufgewertet, der einen gestalterischen Gegenpart zum Rathaus darstellt.

    Stadttore und Stadtmauer
    Die Lage der historischen Stadttore wird durch ebene Ortbetonflächen im Belag markiert. Ein in den Ortbeton eingelassener Text informiert den Besucher über die ehemalige Stadtbefestigung. Die historische Stadtmauer, die heute zum größten Teil nicht mehr erhalten ist, wird durch ein 0,8 m breites Stahlband abgebildet. Die Breite des Stahlbandes ist so gewählt, dass die „Mauer“ nicht mit einem Schritt übergangen werden kann und so die Aufmerksamkeit der Passanten auf den Boden gelenkt wird.

    Kristallbrunnen
    Der Kristallbrunnen bildet neben dem Rathaus den gestalterischen Schwerpunkt auf dem Marktplatz. Er erinnert an das salzhaltige Wasser, das Bad Kissingen einst zu Wohlstand verholfen hat und auch heute mit der Kurnutzung einen wichtigen Wirtschaftsfaktor der Stadt darstellt. Die einzelnen „Kristalle“, hergestellt aus dem Kunststoff Corian, erheben sich aus der sie umgebenden Fläche, die leicht zum Platzbelag abgesenkt ist. Zwischen den Kristallen sprudeln Fontänen mit unterschiedlichen Höhen. Nachts strahlen die Kristalle mit geheimnisvollem Licht.

    Material und Ausstattung
    Für die Platz- und Wegeflächen wird ein mittelgrauer homogener Granit vorgeschlagen, der dem Stadtraum einen hochwertigen Charakter verleiht. Die Maßstäblichkeit des Belags richtet sich nach der Nutzung der einzelnen Bereiche. Die Hauptbewegungsbereiche erhalten großformatige Platten. Die „langsameren“ Bereiche, die zum Verweilen einladen, werden auf dem Marktplatz in Anlehnung an die benachbarten Platzflächen in einem geschnittenen Granitpflaster und auf der Marktstraße in kleinformatigen Granitplatten hergestellt. Auch die Gassen erhalten kleinformatige Plattenbeläge aus Granit, die durch eine Bänderung mit einem dunkleren Stein strukturiert werden. Es werden Ausstattungsgegenstände mit leichten, schlichten Formen gewählt, die den Raum begleiten, ihn aber nicht verstellen. Für die Präsentation der Waren vor den einzelnen Läden, werden einheitliche Container aus Kunststoff vorgeschlagen. Auch die Bestuhlung der einzelnen Gastronomien sollte mittelfristig einheitlich gewählt werden.

    Farb- und Gestaltungskonzept
    Ein übergeordnetes Farb- und Gestaltungskonzept bildet den Rahmen einer gestalterischen Neuordnung der Altstadt. Dem neutralen Grauton des Platten- und Pflasterbelags wird ein Farbspektrum von verschiedenen Beige- und gedeckten Rottönen zugeordnet, das für die Fassaden und die unterschiedlichen Textilien, wie Sonnenschirme und Markisen Anwendung findet. Die Ausstattungselemente, wie Leuchten, Fahrradständer und Container erhalten eine einheitliche Lackierung in einem hellen Grauton, der in einem leichten Kontrast zu dem mittelgrauen Bodenbelag steht.

    Beleuchtung
    Der Marktplatz und die Hauptachse werden von modularen Leuchtstelen begleitet. Ergänzt werden diese durch eine dezente Fassadenbeleuchtung, insbesondere der denkmalgeschützten Fassaden. Zusätzlich werden wichtige Gestaltungselemente, wie der Kristallbrunnen und die Stadttore/Stadtmauer mit Licht inszeniert. Die schmaleren Gassen werden mit Hängeleuchten überspannt.

    Grünstruktur
    Die steinerne Altstadt stellt einen reizvollen Kontrast zu den grünen Kur- und Parkanlagen an der Saale dar. Auf dem Marktplatz und auf der zentralen Achse wird auf Bäume und mobiles Grün verzichtet, um die bestehenden Sichtachsen und städtebaulichen Beziehungen zu betonen und nicht zu verstellen. Einzig die Eingänge zur Altstadt werden mit Grünflächen markiert. Im Osten stellen die langen, rechteckigen Gräserbeete vor dem Landratsamt und dem Kupsch-Verbrauchermarkt eine gestalterische Einheit zu den Pflanzflächen auf dem Marienplatz her. Die Einfassungen aus Stahl ermöglichen eine Neuordnung der Höhensituation vor dem Landratsamt und einen barrierefreien Zugang. Auch der Übergang von der Altstadt in die Kuranlagen wird mit erhöhten Beeten betont.
    Der Götterbaum am Alten Rathaus bleibt erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.