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  • DE-54595 Prüm
  • 12/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-76972)

Neubau eines Betriebs- und Verwaltungsgebäudes in Prüm


  • 1. Preis

    Betriebs- und Verwaltungsgebäude Niederprüm - Freiraumkonzeption

    Landschaftsarchitekten
    Ernst + Partner, Trier (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Helmut Ernst †

    Mitarbeit
    Christina Kirchhöfer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Paul Bretz architectes, Luxembourg (LU)

    Erläuterungstext
    Freiraum
    Dem Entwurfsgedanken eines „Solitärs“ in einem Wiesenpark folgend gliedert sich der Freiraum in zwei Bereiche.
    Zum einen in den Bereich des Hofs, der zum „Solitär“ gehörend über die notwendigen Ein- und Ausfahrten und über zusätzlich angeordnete Stellplätze gegliedert ist. Der Hof bildet eine klar gefasste Fläche, die durch Gebäudekanten eingegrenzt ist, bzw. zur Straße hin durch eine Baumreihe und durch Hecken hinter den Parkplätzen. Die befestigten Flächen werden mit Sickerpflaster aus hochwertigem Beton ausgelegt.
    Der Wiesenpark als Kontrast dazu soll die Lagegunst im Landschaftsraum unterstützen. Er wird als offen extensiv gestalteter Wiesenpark konzipiert. Die Retentionsflächen entwickeln sich entlang der nördlichen Grenze des Wettbewerbsgebiets und münden im Nordosten, am tiefsten Geländepunkt, in einen Naturteich. Durch angelegte Rasenstufen ergibt sich hier eine zusätzliche Aufenthaltsqualität. Das Gelände soll nicht eingezäunt werden, sondern der offen gestaltete Wiesenpark wird von einem Wegenetz (Sandgebundene Decke) durchzogen, welches sowohl den Mitarbeitern als auch außenstehenden die Durchquerung des Geländes ermöglicht. Die Pflanzungen im Wiesenpark sind aus heimischen Gehölzen aufgebaut.
    Entlang der Straßen wird das Grundstück durch Baumreihen (Eschen) gefasst. In den straßenbegleitenden Grünstreifen der Erschließungsstraße lassen sich bei Bedarf öffentliche Stellplätze integrieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Gebäude stellt sich als kompakter Baukörper selbstbewusst in die Landschaft. Dies wird auch durch ein hohes Sockelgeschoss bewirkt, das sowohl die Tiefgarage aufnimmt, wie das talseitige Betriebsgebäude. Die landschaftsplanerische Einbindung über den „Wiesenpark“ funktioniert gut, in wie weit ein wasserführender Teich über das Niederschlagswasser versorgt werden kann, bleibt fraglich. Die Hofflächen sind wenig strukturiert und weisen leider kaum zonierte Flächen auf. Die Positionierung im Grundstück ist in städtebaulicher Hinsicht gut, die Materialität der Fassade steht im Kontrast zum landschaftlichen Umfeld. Die Rampenlösung zur Erschließung der Parkgarage muss wegen der Neigung bei winterlichem Wetter untersucht werden (u. U. Beheizung). Die externe Erschließung ist eindeutig, der Eingang ohne Umwege auffindbar. Eine Gliederung der Belagsflächen wäre wünschenswert. Die Zufahrt zum Betriebshof sollte im Hinblick auf Fußgängerbewegung noch einmal überdacht werden. Die innere Erschließung um den Atriumshof ist schlüssig. Betriebsorganisatorisch funktioniert der Grundriss, wobei einzelne schmale und tiefe Büroräume sehr beengt wirken, was sich in realiter (große Fenster) anders darstellen kann. Sehr schön ist die Anordnung der Sozialräume mit Terrasse und Blick ins Tal; leicht lässt sich auch der Innenhof anschließen und integrieren. Durch die Atriumlösung entsteht eine angenehme innenräumliche Qualität. Die Fassade ist klar strukturiert. Die Tragstruktur stellt sich dar. Die Materialität zwischen dem vorgeschlagenen Sichtbeton und den Holzpaneelen lässt eine gute Wirkung erwarten. Die Fassade wird durch die flexible Verschattung sehr lebhaft werden. Die Wirtschaftlichkeit ist im Rahmen des Vorgegebenen Budgets fragwürdig, da die unterirdischen Garagenlösungen einen hohen konstruktiven Aufwand nach sich ziehen. Auch zieht der Innenhof eine erhöhte Hüllfläche nach sich, erzeugt aber dadurch einen Mehrwert an Erlebnisraum und an Arbeitsraumqualität. Die Vorgaben zur Barrierefreiheit wurden (soweit zu Erkennen) erfüllt (Aufzug). Im Detail wird ein Behinderten-WC vermisst, dass aber noch umsetzbar scheint. Erweiterungsmöglichkeiten sind gegeben und werden als sinnvoll erachtet. Die gute Kompaktheit des Baukörpers lässt einen geringen Heizwärmebedarf erwarten. Energetisch positiv zu bewerten, das nicht beheizte und niedrig beheizte Räume einen eigenen Baukörper bilden. Die Hauptfassaden sind Nord-Süd orientiert, was eine gute Verschattung im Sommer ermöglicht. Weniger positiv zu bewerten sind die teilweise sehr schmalen Bürogrundrisse, die keine ausreichende Tageslichtausleuchtung ermöglichen.