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  • DE-86470 Thannhausen
  • 10/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-93984)

Neue Stadtmitte Thannhausen - Bahnhofstraße


  • 1. Preis

    neue Stadtmitte Thannhausen

    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Ludwig Schegk

    Mitarbeit
    Stephan Gentz, Florian Strauß

    Erläuterungstext
    Städtebau Mit der Umgestaltung des engeren Stadtzentrums von Thannhausen mit Bahnhofstraße und dem Kreuzungsbereich von B 300 und Staatstraße wird die stadträumliche Qualität des historischen Stadtgrundrisses wieder zurück gewonnen. Die jahrzehntelange Überbeanspruchung des öffentlichen Raumes durch den motorisierten Verkehr wird zurückgedrängt und die ehemaligen Funktionen als Unterer bzw. Oberer Markt wiederbelebt. Eingefasst von den Fassaden der historischen Bebauung wird so die „Neue Ortsmitte“ Thannhausen sichtbar und lebendig. Im südostlichen Kreuzungsbereich öffnet sich nun der Rathausplatz, dessen nördliche Raumkante von der historischen Bebauung am Eingang der Bahnhofstraße gebildet wird. Zusammen mit dem Bauberger Haus im Süden umgibt den Platz also ein wertvolles bauliches Ensemble. Die südliche Platzkante wird durch den Verwaltungsneubau geschickt ergänzt. Fehlende räumliche Fassung auf der Ostseite wird durch Bäume neu geschaffen. Diese differenzieren nördlich der Bank einen kleinen Seitenplatz aus, der der Bank und ihren Funktionen zu Gute kommt. Die bisherige Öffnung des Platzraumes im Südosten wird geschlossen. Gleichzeitig bilden die Bäume hier den Auftakt zum stärker durchgrünten Bereich der neuen bzw. neugeordneten Parkplätze für Markt und Bank, die künftig gemeinsam von der Schreiegg-Straße her erschlossen werden. Das Anwesen Eduard-Zimmermann-Straße 2 behält auch im Neubau die raumbildenden Kanten in ihrer historischen Linienführung bei. Im EG jedoch wird durch eine Passage Raum für Fußgänger gewonnen und so ein Thema des gegenüberliegenden alten Rathauses aufgenommen. Zusätzlich bereichert die Öffnung des Hofes das Freiraummosaik der Neuen Ortsmitte. Die charakteristische Struktur der Bebauung wird betont und zugleich eine optische Bremse für den Verkehr geschaffen. Im Bereich des Rathausplatzes entsteht in Zusammenhang mit der umliegenden Bebauung das „NEUE FORUM“ im Zentrum von Thannhausen. Die Neuordnung des ruhenden Verkehrs sowohl im Platzbereich wie auch in der Bahnhofstraße schafft Freiräume für Fußgänger und Radler. Eine durchgängige, hochwertige Gestaltung des Stadtbodens in den fußläufigen Bereichen sowohl am Platz wie in der Straße wertet die Neue Mitte im Sinne der Bürger und Besucher deutlich auf. Plätze und platzartige Aufweitungen in der Neuen Mitte werden gestalterisch und funktional besser in das System der öffentlichen Freiräume eingebunden. Die durchgängige neue Baumreihe auf der Ostseite der Bahnhofstraße macht den eleganten Schwung der Straße sichtbar und fokussiert den perspektivischen Blick noch stärker als bislang auf den Platz und das Bauberger Haus. Die starke Durchgrünung des Bereichs um den Lebensmittelmarkt leitet in die grüneren Stadtbereiche im Osten über. Wasserfontainen dienen als ‚Geräuschvorhang‘ zur Abschirmung des Verkehrslärms. Mit Installation von Beleuchtung und Sitzgelegenheiten wird am Rathausplatz künftig ein reichhaltiges Angebot zum Aufenthalt untertags und abends sowie über das ganze Jahr hinweg geboten. Verkehr Die verkehrlichen Funktionen in den Straßen der Neuen Mitte sind in vollem Umfang erhalten. Dem Konzept des Kreuzungsbereiches liegen die Vorgaben des Verkehrs-planers zugrunde, insbesondere hinsichtlich Fahrbahnführung und -breite. Dem ruhenden Verkehr werden neben den gewohnten Längsparkständen in der Bahnhofstraße neu geordnete, kompakte Parkplätze im östlichen und südlichen Bereich der beiden Neubauten im Platzumfeld sowie in der Wiesenthalstraße (Seitenstraße der Bahnhofstraße) angeboten. Für eilige Kunden der Bank werden Kurzzeitparker im kleinen Platzbereich nördlich der Bank an der Augsburger Straße ausgewiesen. Auf Hochborde wird im Straßenraum künftig verzichtet. Damit können auch die geforderten Stellplätze als Längsparker in die Seitenbereiche integriert werden. Traditionelle Fußwegebeziehungen im ‚Rückraum‘ der großen Straßen werden gestärkt. Von der Schreiegg-Straße führt eine Promenade auf den Platz und von dort weiter über die Edmund-Zimmermann-Straße in Richtung neues Rathaus und Kirche. Diese Passage würde durch einen ‚Schlupf‘ im neuen Verwaltungsgebäude noch erleichtert und auch das öffentliche WC dort besser anbinden. Die Bushaltestellen an der Ost- und der Westseite des Platzes stärken die zentrale Funktion des Platzes in der Stadt Thannhausen, ebenso Flexi-Bus Haltepunkte Die Fahrbahn der Straße wird im Kreuzungsbereich farblich an den Belag der Seitenbereiche und des Platzes angenähert. Grün Bäume sollen in der Neuen Ortsmitte Thannhausens künftig eine wesentlich stärkere Rolle spielen, sowohl in ihrer städtebaulich-räumlichen Funktion wie auch zur Verbesserung der räumlichen Qualität. Die einseitige Baumreihe in der Bahnhofstraße bringt in diesem Sinne einerseits Führung und Ordnung, andererseits wird die Qualität des Straßenraumes gesteigert. Der vorhandene Baum an der Einmündung Kleberstraße bildet den Auftakt hierzu. Östlich des neuen Verwaltungsgebäudes bildet ein Baumblock den notwendigen räumlichen Abschluss zu den Parkierungsflächen des Lebensmittelmarktes und bietet sich als ‚Ratshain‘ zum Aufenthalt an. Die anschließenden großen Parkplatzflächen werden mit einer betont lockeren Baumstellung in ihrer monotonen Strenge gemildert und besser in das Ortsbild eingebunden. Auch der kleine Platzbereich nördlich der Bank erhält durch Bäume eine neue, charmantere Definition. Nicht zuletzt wird der stadträumlich wichtige Standort am ehemaligen Engelbräu wieder mit einer nachgepflanzten Kastanie besetzt. Gestaltung Die Gestaltung dient einerseits der Aufwertung des Öffentlichen Raumes in der Neuen Ortsmitte in Thannhausen, berücksichtigt andererseits aber die erforderlichen Funktionen und bindet diese gestalterisch ein. So schafft die einheitliche Belegung der Platzflächen im Kreuzungsbereich wie auch der Seitenflächen der Bahnhofstraße mit Natursteinplatten und -pflaster eine attraktive Großzügigkeit, die allen Nutzern dient. Unterstützt wird dies durch komfortable Materialoberflächen und -formate, die auch eingeschränkt mobilen Bürgern die hindernisfreie und komfortable Nutzung ermöglichen. So entsteht auf dem Rathausplatz mit Fontainenfeld und mobile Sitzelemente, ergänzt durch Aufstuhlung im Gastronomiebereich, sowie durch variable Beleuchtung etc. ein Bereich hohem Einladungscharakter trotz der großen Verkehrsbelastung rundum. Die Fläche bleibt vielseitig nutzbar, auch im Zusammenhang mit dem Maibaumstandort. Das Erlebnis Wasser wird stärker in den Öffentlichen Raum der Ortsmitte einbezogen. Das Feld mit bodenbündig eingelassen Wasserfontänen auf dem Platz zwischen Verwaltung und Bank belebt den Aufenthalt, und schafft Distanz zum umgebenden Verkehr. Das Wasserbecken auf dem Platz vor der Stadionkapelle unterstützt in ruhiger Art den besonderen Charakter dieses Raumes. Mit dem Trinkbrunnen auf dem Dr. Georg-und-Lu-Zimmermann-Platz ergibt sich somit eine Abfolge von belebenden Wasserelementen, die auch den stadträumlichen Zusammenhalt der Freiräume stärken. Zur Beleuchtung der Bahnhofstraße wird die Überspannung beibehalten, jedoch durch attraktivere Leuchten ersetzt. Auf dem Rathausplatz definieren Lichtstelen den Raum - Bodenstrahler im Bereich der Fontänen bringen zusätzlich Attraktivität.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser schlägt ein durchgängiges Konzept vor, aus dem sich folgerichtig die Gestaltung der einzelnen zu bearbeitenden Bereiche ergibt.
    Dabei wird der nördliche Stadteingang leider nur minimal verändert. Dagegen wird in der Bahnhofs-straße durch Reduzierung der Fahrbahnbreite der bereits vorhandene Schwung deutlich gemacht, was durch die einseitig angeordnete Baumreihe gesteigert wird. Gleichzeitig entstehen gut nutzbare Freibereiche für Gastronomie und Gewerbe.
    Durchgehende, im Bereich einmündender Straßen überfahrbare Pflasterbeläge werten die Fußgän-gerbereiche auf. Die aufgezeigte Großzügigkeit wird mit dem Entfall von Stellplätzen erkauft, die au-ßerhalb des Wettbewerbsgebietes nachgewiesen werden, was jedoch der Auslobung widerspricht.
    Der Vorplatz der Stadionkapelle wird durch ein Wasserbecken mit Verweilmöglichkeit und zugeordne-tem Einzelbaum gestaltet. Die Zufahrt der Anlieger ist gegeben, eine Aussage zur verkehrl. Beschrän-kung im Bereich der Stadionkapelle fehlt jedoch.
    Ebenso gibt es keine genauen Aussagen zur Verkehrsführung für Radfahrer.
    Der Kreuzungsbereich am Raiffeisenplatz passt sich mit eingefärbtem Asphalt der Pflasterung des Rathausplatzes wohltuend an. Der Platz wirkt – mit wenigen Elementen (Wasserfontänen, Einzel-baum, Beleuchtung, Sitzelemente) gezielt gestaltet – großzügig und einladend und bietet viele Nut-zungsmöglichkeiten. Der vorgeschlagene Ratshain schafft einen sehr angenehmen Kontrapunkt zum Platz und überbrückt geschickt den Höhenversprung zum Großparkplatz, wobei die Fußgängerverbin-dung nicht schlüssig nachgewiesen ist. Die Neuordnung des Parkplatzes mit stärkerer Übergrünung stellt eine deutliche Verbesserung der Parkplatzgestaltung dar. Der Fußweg zur Schreieggstraße ist in dieser Arbeit berücksichtigt und gut gelungen.
    Die Zufahrt zum Raiba-Parkplatz von der Augsburger Straße aus ist durch einen Baum verstellt und so nicht realisierbar.
    Insgesamt schafft der Verfasser mit wenigen Mitteln ein sehr angemessenes Gesamtkonzept ohne Aufgeregtheit, das auch für zukünftigen Gestaltungsbedarf problemlos Anwendung finden kann.


INFO-BOX

Angelegt am 12.12.2011, 15:38
Zuletzt aktualisiert 14.12.2011, 15:47
Beitrags-ID 4-51001
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