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  • DE-71083 Herrenberg
  • 12/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-70315)

Westliche Innenstadt Herrenberg


  • 2. Preis


    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Erläuterungstext
    ERLÄUTERUNGEN

    Übergeordnetes Ziel des städtebaulichen Entwurfs für die westliche Innenstadt von Herrenberg ist es, die heute vorhandenen heterogenen Bebauungs-, Brach- und Freiflächenstrukturen in einen erlebbaren Stadtraum mit klar definierten Raumkanten, Straßen- und Platzräumen sowie durchgängig erlebbaren Freiflächen zu entwickeln. Die westlichen Stadtgebiete werden räumlich und nutzungstechnisch mit der historischen Altstadt verzahnt. Der städtebauliche Entwurf definiert städtische Quartiersstrukturen unter Einbeziehung der bestehenden Bebauungen und arrondiert Bestand und Neuplanung. Der Stadtboulevard, Seestraße/ Hindenburgstraße wird attraktives Gelenk zum Bahnhof, dem ZOB, den westlich angrenzenden neuen urbanen Stadtquartieren und dem neu gestalteten Stadtpark „Seeländer“ mit seinen öffentlichen Nutzungen wie Stadthalle, Alte Turnhalle, Jugendzentrum, DRK und Sportflächen etc.. Die Bereiche um den Bahnhof, das BayWa-Areal und das Quartier Schäferlinde/ Aischbachstraße werden als verdichtete urbane Stadträume entwickelt und an den Fuß der historischen Altstadt räumlich herangeführt. Straßenräume werden klar definiert. Der öffentliche Raum als Folge von attraktiven Plätzen und Orten.
    Durch die verdichteten Quartiersstrukturen entsteht, ergänzend zum Bestand, ein lebendiges Stadtviertel von hohen Nutzungs- und Aufenthaltsqualitäten. Stadt als Raum für Wohnen, Dienstleistung und Arbeiten. Die geplante Mischnutzungsstruktur ermöglicht eine Stadt der kurzen Wege in Synergie zu den bestehenden Innenstadtnutzungen. Der neue Stadtpark in Ost-West-Richtung schafft zum einen eine klare Zonierung zu den nördlich angrenzenden Gewerbestrukturen, die zur Zeppelinstraße orientiert sind, zum anderen werden in dem zentralen Grünzug, die bestehenden öffentlichen Einrichtungen wie Stadthalle, Alte Turnhalle und Jugendhaus aufgewertet und in einem attraktiven Umfeld neu inszeniert.
    Der zentrale Stadtpark verzahnt und verbindet die jeweiligen Stadtquartiere untereinander und schafft Übergänge in die angrenzenden Landschaftsräume sowie die angrenzenden Stadtbereiche.
    Durch das Heranführen der urbanen, verdichteten Stadtstruktur an den Fuß der historischen Altstadt wird die Seestraße/ Hindenburgstraße als Stadtboulevard verbindender öffentlicher Raum. Wege, Orientierungen, Bezüge aus der historischen Altstadt werden in die neuen Stadtquartiere, Freiräume entwickelt.
    Im Übergang des Stadtfußes zum Stadtpark werden ergänzende öffentliche Bausteine vorgeschlagen. Auftakt, städtebaulicher Akzent soll ein öffentliches Gebäude, z.B. ein Museumsbau am Reinhold-Schick-Platz werden. Über eine zentrale Geschäftsachse wird der Stadtboulevard bis zum Bahnhof weiterentwickelt. Der ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) ist somit in die Stadtstruktur räumlich integriert.

    Im Bereich Aischbachstraße entsteht ein aus Quartiersstrukturen entwickelter Stadtraum. Eingestellte, introvertierte Quartiersplätze schaffen Identität, Kommunikationsorte in diesem Viertel. Direkt an den Stadtpark angrenzend entsteht hochwertiger städtischer Wohnraum in bester Anbindung an den ÖPNV. Eine städtebauliche Entwicklung für flexible innerstädtische Wohnformen von der Familie, der Singlewohnung, Mehrgenerationenwohnen und betreuten Wohnformen bzw. Wohnformen für ältere Menschen. Die Stadtquartiere schaffen einen Nutzungskontext, eine Infrastruktur für das Leben in der Stadt. Die vorhandenen, bestehenden Bebauungen werden in diesen Kontext integriert.
    Das Gewerbegebiet südlich der Zeppelinstraße ist optimal von dieser erschlossen, sichert die Bestandsgewerbebetriebe und schafft Flächen für neue Gewerbeansiedlung. Im Übergang zum Park sind Nutzungsformen wie Wohnen und Arbeiten als modulare selbständige Bausteine möglich. Bestehendes DRK und Feuerwehr werden von Norden erschlossen, so dass der neue Stadtgarten von Erschließung freigehalten werden kann.
    Die vorgeschlagene städtebauliche Entwicklung lässt sich in unabhängig voneinander realisierbaren Bauabschnitten umsetzen. Der entwickelte Stadtraum bildet eine robuste Grundstruktur für zukünftige, flexible Nutzungsvarianten. Mit der verdichteten, urbanen Stadtstruktur und dem neuen zentralen Stadtpark entsteht eine hohe Nachhaltigkeit im Sinne hoher Flexibilität, im Sinne einer Stadt der kurzen Wege, einer hohen Wohnumfeldqualität und einer verbesserten ÖPNV-Anbindung, Stadt als Lebensraum.
    Die gewählten Stadtbausteine, Strukturen lassen eine hohe Funktionalität, Flexibilität für zukünftige Entwicklungen sowie hohe Wirtschaftlichkeit erwarten und bilden einen Grundstein für eine Stadtentwicklung in maßvollen Schritten.

    VERKEHRSKONZEPT

    Um die gewünschten städtebaulichen Zielsetzungen zu unterstützen wird in erster Priorität für den geplanten Schlossbergtunnel plädiert.
    Die Verzahnung der historischen Altstadt und der angrenzenden westlichen und südlichen Stadtbereiche wird nicht mehr durch den Autoverkehr geprägt, sondern der Gedanke des Stadtboulevards ließe sich langfristig umsetzen und die funktionale, räumlich- und nutzungstechnische Verknüpfung optimieren.
    Der verbleibende Zielverkehr „Innenstadt“ lässt sich verträglich in die städtebauliche Idee integrieren.

    Zweite Erschließungsvariante, bei nicht Realisierung des Schlossbergtunnels wäre eine großräumige Südumfahrung, die sinnfällig im Norden an den Knotenpunkt K1047/ B28 anbindet und in Teilbereichen zur Bahnstrecke nach Tübingen bis zur B28 im Süden von Herrenberg geführt wird.
    Diese Variante einer Südumfahrung kann alternativ an die Südumfahrung von Gültstein angebunden werden. Dieses Verkehrskonzept würde den überregionalen Verkehr um Herrenberg herumleiten und der Innenstadt die mögliche städtebauliche Entwicklung gewährleisten. Durch die bessere Integration, Anbindung von Bahnhof, ZOB und S-Bahn wird der öffentliche Nahverkehr im innerstädtischen Bereich gestärkt. Alternative ergänzende Verkehrskonzepte wie Carsharing, zusätzliche P+R Parkplätze, Fahrradparkhäuser in ÖPNV-Nähe und optimale Infrastrukturen unterstützen diesen urbanen Gedanken.

    FREIRAUMKONZEPT

    Zentrales Anliegen des Beitrages ist die Schaffung eines ablesbaren, klaren und gut strukturierten Freiraumsystems mit hoher Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität, ausgehend von den vorhandenen Potenzialen im Bereich der Stadthalle und des Otto´schen Gartens. Im Gegensatz zu den heute vorhandenen eher punktuellen Freiraumangeboten wird vom Stadthallenpark aus ein linearer Grünzug nach Westen vorgeschlagen, der die verlagerten Sportanlagen und den neuen Festplatz aufnehmen soll. Über die Grünachse zum Jugendhaus und verschiedene Fußwegeanbindungen nach außen wird dieser Grünzug in das städtische Freiraum- und Wegesystem eingebunden und mit der Stadt vernetzt. Ein anderer "Ast" des Grünsystems führt von der Stadthalle aus entlang des offengelegten Aischbachs entlang der Bahnlinie über die Nagolder Straße hinweg bis zum Bahnhof. Die entlang des neuen Stadtboulevards am Schlossbergfuß angeordnete Punktbebauung erhält durch ihre Lage unmittelbar am Park eine hochwertige Qualität.

    Während der neu gestaltete Bereich zwischen Alter Turnhalle und Stadthalle einschließlich der Parkplätze weitgehend erhalten bleibt, wird der Bereich südlich der Stadthalle (ehemaliges Bauhofgelände) völlig neu gestaltet. Zentrales Freiraumelement bildet ein kleiner See, der aus dem freigelegten Aischbach im Nebenschluss gespeist wird und durch eine attraktive Ufergestaltung mit Stufenanlage am Wasser eine hohe Aufenthaltsqualität erhält. Ein durchgängiges Fußwegenetz erschließt den Park und vernetzt diesen mit den angrenzenden Stadtquartieren.Über neue Bahnunterführungen ist dieser neue Stadtpark an das Wohngebiet westlich der Bahnlinie angeschlossen.

    Aufgrund seiner Lage inmitten des bebauten Stadtgebietes bleibt der Otto´sche Garten mit dem Friedhof als punktuelle Grünfläche in der südlichen Innenstadt erhalten. Wichtig ist jedoch seine Anbindung an den Stadtboulevard und die Altstadt sowie darüber hinaus auf den Schlossberg durch grünbetonte Wegebeziehungen. Über die Schlossruine erfolgt auch die "rückwärtige" Vernetzung über die Bergnase bis zum neuen Stadtpark bei der Stadthalle.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.