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  • DE-71083 Herrenberg
  • 12/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-70315)

Westliche Innenstadt Herrenberg


  • 3. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)
    Verkehrsplaner: Modus Consult, Karlsruhe (DE), Speyer (DE)

    Erläuterungstext

    Der Bürgerpark und der Stadthallenpark

    In Anlehnung an den bestehenden Otto´schen Garten, als ein grüner Finger mit Verbindung zur Landschaft, werden neue zentrale Grünräume in Herrenberg vorgeschlagen. Durch die neuen Grünfugen entstehen so direkte Weg zwischen Stadt und Landschaft als übergeordneten Grünverbindungen. Der nördliche Naturraum wird bis an die Altstadt und an die Nagolder Straße herangeführt. Durch die „einfließende“ Natur entstehen zwei grüne städtische Parkanlagen, die sich über markante Platzsituation mit der Stadt verklinken.

    Beiden Parkanlagen funktioniert als grüne Drehscheiben und bilden jeweils die Adressen der beiden Wohnquartiere – Wohnen am Bürgerpark und Wohnen am Stadthallenpark. Der Stadthallenpark mit seiner großen Wasserfläche des aufgestauten Aischbachs besitzt einen repräsentativen Charakter im Vorbereich der Stadthalle. Zusammen mit der alten Turnhalle und einem „Haus der Kunst entsteht ein neues Kulturforum für Herrenberg, zentral gelegen am oberen Boulevardzugang. Die bestehende Stadthalle wird in der Planung integriert, könnte aber zu einem späteren Zeitpunkt direkt an den Boulevard verlegt werden. Das Konzept sieht beide Möglichkeiten vor.

    Der Bürgerpark westlich der Bahn erhält seine Funktion als Freiraum des angrenzenden Wohnquartiers und dient als große Spiel- und Aktionsfläche. Der zentrale Platz im Übergang zur Nagolder Straße dient als Quartiersplatz mit einem neuen Ladenzentrum und großen Sitzstufen zum Park. Eine zusätzliche Unterführung als Anliegerstraße verbindet die beiden Parkanlagen und schafft eine räumliche Vernetzung der beiden Quartiere.

    Die geplanten Grünelemente als „Luftkorridore“ bilden Freiflächen mit positiven stadtklimatischen Vorzügen. Neue offene Wasserflächen verbinden sich mit dem freigelegten Aischbachs und fördern das Mikroklima im Quartier und können für Rückhaltung und Verdunstung von Niederschlagswasser genutzt werden. Neue Aufenthalts- und Spielzonen innerhalb der Quartiere lassen ein prägendes Wirkungsgefüge mit hoher Identität der Bewohner entstehen.Als verbindendes und eigenständiges Element entsteht entlang der Gleise ein neuer Grünraum als Korridor zwischen Landschaft und Bahnhof.

    Der Herrenberger Boulevard

    Die Seestraße und Hindenburgstraße werden zu einem einheitlichen großzügigen und zentralen Stadtboulevard entlang der Altstadt umgebaut. Die Zugänge zu diesem neuen Stadtraum werden durch markante Platzsituationen betont, im Norden als Vorbereich für das neue Kulturforum, am südlichen Zugang als ein Stadtplatz der auch den ÖPNV und die Schulbusse aufnehmen kann. Der Reinhold-Schick-Platz wirkt als westliches Tor zur Altstadt.

    Die einheitliche und ruhige Gestaltung des Boulevard entwickelt sich aus der Materialität der Altstadt heraus und bildet das Rückrat der städtebaulichen Entwicklung. Großzügige und breite Gehwege zu beiden Seiten der Fahrbahn sind in einem einheitlichen großformatigen Pflasterbelag gehalten. Cafes und Läden verleihen dem Boulevard ein südliches Flair, großzügige Bänke laden zum Sitzen und Verweilen ein.
    Die Beleuchtung verleiht dem Raum seine Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit.
    Der Bahnhofsvorplatz nimmt die Gestaltung der Oberflächen auf und bildet einen eigenständigen Raum mit ebenfalls hoher Aufenthaltsqualität. Ein dichtes Baumdach als Promenade stellt die attraktive Verbindung zwischen Altstadt und Bahnhof dar.

    Umsetzung und Prioritäten

    Die Konzeption zielt auf eine langfristige Entwicklung hin, wobei die wesentlichen Bausteine wir die Parkanlagen des Bürgerparks und des Stadthallenparks, sowie der Boulevard bereits frühzeitig realisiert werden sollten. Diese freiräumlichen Elemente werden zwangsläufig den Rahmen und Motor für die Entwicklung der angrenzenden Baufelder bilden und hätten daher erste Priorität.

    Für den ersten Realisierungsabschnitt steht das Quartier am Bürgerpark zur Verfügung mit seinen flexiblen offenen Wohnhöfen für Geschoßwohnungsbau, Stadthäuser und Baugruppen. Die Zufahrt hierzu würde direkt von der Nagolder Straße aus erfolgen können. Das Nahversorgungszentrum mit dem Quartiersplatz könnte ebenfalls realisiert werden und dem neuen Quartier seine Mitte geben.

    Die verfügbaren Flächen des Bauhofgeländes mit dem zentralen Stadthallenpark stehen ebenfalls direkt zur Entwicklung bereit. Die angrenzenden gemischt genutzten Baufelder geben dem Park hier frühzeitig seine Raumkanten. Die Stadthalle ist in die Planung integriert und kann an seiner bisherigen Stelle bestehen bleiben. Sie würde allerdings direkt am den Boulevard seinen idealen Standort finden und als neues repräsentatives Gebäude den Mittelpunkt des Kulturforums bilden können.

    Im ersten Abschnitte werden weiterhin die verfügbaren Grundstücke entlang des Boulevards bis zur Bahnhofsspange mit seinen Flächen für Handel, Gastronomie und Dienstleistung realisiert, um frühzeitig neue erlebbare Stadträume zu gewinnen.
    In den weiteren Phasen können die angrenzenden Wohnbaufelder entwickelt werden. Die Umsetzung der nördlichen Gewerbefläche zu Gewerbehöfen (auch für Wohnen und Arbeiten) könne den letzten Abschnitt darstellen.

    Verkehr

    Durch die Nordumfahrung wurde eine Grundlage für die Reduzierung des Durchgangs-verkehrs im Plangebiet geschaffen. Der Durchgangsverkehr aus südlicher Richtung kann aufgrund seiner zukünftig zu erwartenden Menge durch das Plangebiet geführt werden ohne die stadträumliche Qualität zu mindern. Die Umgestaltungsmaßnahmen erfolgen unter der Zielsetzung auf eine weitere Umgehungsstraße oder Tunnellösung verzichten zu können. Die vom Verkehr betroffenen innerstädtischen Straßen funktionieren als innerstädtische Verkehrsstraßen und können in ein verträgliches Profil zurück gestuft werden und das zu erwartende Verkehrsaufkommen aufnehmen.

    Die Fahrbahnen der Seestraße und der Hindenburgstraße gliedert sich in zwei einspurige Richtungsfahr-bahnen, die Nagolder Straße erhält zusätzlich einen befahrbaren Mittelstreifen für den Abbiegeverkehr. Über diese Straßenform kann ein verträgliches Verkehrsaufkommen abgewickelt werden. Die neuen Straßenräume zeigen sich niveaufrei und benutzer-freundlich. Durch eine generelle Verminderung auf Tempo 30 wird die Geschwindigkeit reduziert, wodurch zum einen eine Durchfahrt erschwert wird, zum anderen die Straßenräume an Aufenthalts- und Verweilqualität gewinnen. Durch neue Stadtmöblierung und Straßencafes wird der Altstadtbogen zu einem großen verbindenden Stadtraum.

    Die Eingänge zum neu gestalteten und verkehrsberuhigten Bogen werden durch Plätze betont, wodurch eine gute Orientierung im Stadtgefüge geschaffen wird. Auf diesen Platzräumen werden sowohl Bushaltestellen und Taxen untergebracht, als auch die Zufahrten zu den öffentlichen unterirdischen und oberirdischen Parkhäusern.

    Der Parkplatz suchende Verkehr wird frühzeitig im Zugangsbereich zur Innenstadt Parkplätze abgeführt, wodurch nichtnotwendiger innerstädtischer Verkehr vermieden wird. Ein neues öffentliches Parkhaus schließt die Lücke an der südlichen Seite der Hindenburgstraße.

    Entlang des Bogens befinden sich unter Bäumen neue öffentliche Stellplätze als Kurzzeitparker im Straßenraum. Dadurch werden der Anlieferungsverkehre der Geschäfte und die Erreichbarkeit der Geschäfte in der Innenstadt gewährleistet. Entlang der Bahnhofstraße und im BayWa-Areal befinden sich weitere bahnhofshahe Parkierungs-flächen. Ein neues Mobilitätszentrum mit Fahrradstation begrenzt den westlichen Bahnhofsplatz.

    Neue Fuß- und Radwege durch die Freiräume und die Grünfugen schaffen sowohl ein zusammenhängendes Netz als Verbindung zwischen den nördlichen Landschaftsräumen und dem Bahnhof/Innenstadt, als auch eine gute Ost-West-Querung zwischen den Stadtteilen untereinander und darüber hinaus. Eine zusätzliche Unterführung unter der Bahnanlage für den Anliegerverkehr schafft neue notwendige Verknüpfungen zwischen den beiden Quartieren.

    Tunnelfreie und erlebbare Innenstadt

    Die Stadt Herrenberg bildet gegenwärtig im großräumigen Verkehrsnetz einen fünfarmigen Kreuzungspunkt bedeutender regionaler Bundes- und Landesstraßen. Das neue Verkehrskonzept sieht vor, durch die konsequente Einbeziehung des vorhandenen ortsdurchfahrtsfreien Umgebungsnetzes und durch geeignete “push-and-pull” Maßnahmen den innerstädtischen Durchgangsverkehr auf den umgebenden Straßennetzring abzuleiten.

    Durch die Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf das Straßennetz 1. Ordnung kann die tägliche Verkehrsbelastung des Reinhold-Schick-Platzes und des Altstadtbogens deutlich auf ein verträgliches Maß verringert werden. Das neue Straßennetz im Altstadtbogen wird auf 2 Spuren mit Tempo 30 heruntergestuft wodurch unnötiger Verkehr herausgehalten wird. Gleichzeitig wird die Umfahrung Herrenbergs durch Beschilderung, Aufwertung und Optimierung der Leistungsfähigkeit gefördert.

    Auch ohne einen schwierig realisierbaren und stadträumlich störenden Tunnelbau wird so der innerstädtische Verkehr verträglich reduziert und die Möglichkeit geschaffen einen neuen Stadtboulevard am Altstadtring zu gestalten. Bewohner, Kunden und Besucher der neuen und der historischen Innenstadt können weiterhin oberirdisch und ohne Staus die Innenstadt Herrenbergs erfahren und erleben.

    Durch diese wirkungsvollen Maßnahmen wird die Voraussetzung für das Entstehen eines hochwertigen städtischen Raumes geschaffen, der die neuen Baufelder am Altstadtring mit der historischen Innenstadt verknüpft und als neuer kommunikativer Stadtboulevard erlebbar wird.


    Umfahrung Herrenbergs über vorhandene Straßennetzringe

    Die meisten bedeutenden Durchgangsverkehrsbeziehungen können über das Umgebungsnetz abgewickelt werden. So kann zum Beispiel die Verbindung B28–B296 statt durch Herrenberg ohne Zeitverlust und ohne Belastung von Betroffenen Ortsdurchfahrtsfrei über die Route A81–Anschlussstelle Gärtringen–K1075 abgewickelt werden. Die bisher übliche Route durch Herrenberg beinhaltet drei Ortsdurchfahrten mit einer Gesamtlänge von rund 4 km.

    Nicht nur die vorhandene Nord-Westumfahrung und die Umfahrung Gültstein, sondern auch die Autobahn im Zusammenhang mit der ortsdurchfahrtsfreien Verbindung Gärtringen–Deckenpfronn (K1075) entlasten die Innenstadt Herrenberg deutlich.

    Lediglich die Ost–West Beziehung entlang der B28 wird durch zukünftig durch die Innenstadt Herrenbergs abgewickelt, wird aber durch die geringere Gesamtverkehrsmenge im Straßenraum verträglich integriert.

    Zur konsequenten Mobilisierung des Umgebungsnetzes wirken als „pull-Faktoren“ verkehrsregelnde Maßnahmen wie wegweisende und restriktive Beschilderung. Auch Leistungsfähigkeitsoptimierungen durch Ampelkoordinierungen und kleinere bauliche Maßnahmen, wie z.B. zusätzliche Abbiegespuren tragen zur Verkehrsverlagerung auf das Umgebungsnetz bei.


    Reduzierte Verkehrsbedeutung der innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen

    Zusammen mit der Mobilisierung des Umgebungsnetzes bilden innerstädtische „push-Maßnahmen“ den gesamten Maßnahmenkomplex zur realistischen Verkehrsverdrängung aus der Innenstadt. Die im Entwurf dargestellte kompaktere und klare Knotenpunktform des Reinhold-Schick-Platzes spiegelt diesen Ansatz wieder und verringert die Barrierewirkung zwischen der neuen Flaniermeile zwischen Bahnhofsbereich und Altstadt für Fußgänger und Radfahrer.

    Auch die Ausweisung des Altstadtbogens als Tempo-30-Zone sowie die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn greifen diesen Ansatz auf und verringern die Trennwirkung der innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen für nichtmotorisierten Verkehr auf ganzer Länge.

    Die vorgeschlagenen städtebaulichen Maßnahmen zu Verbesserung des motorisierten und nichtmotorisierten Verkehrs, wie z. B. die bessere Verteilung des innerstädtischen Verkehrs mittels neuer Durchstiche unter der Bahnlinie zur Anbindung der westlichen Innenstadt, sowie auch integrative, mobilitätsoptimierende Maßnahmen bilden eine weitere Säule des Maßnahmenkomplexes.

    Insgesamt wird so eine Verkehrsbelastung am zentral gelegenen Reinhold-Schick-Platz mit 25.000 Kfz/Tag erwartet.


    Parken an Zufahrten zur Innenstadt

    Das städtebauliche Konzept sieht die erforderliche Anzahl von Stellplätzen auf den Grundstücken neuer Nutzungen vor. Öffentliche Stellplätze z. B. für Kunden und Besucher der Altstadt werden durch wechselseitige Nutzung der Parkgaragen im geplanten Kino (Bereich Horber Straße/Bahnhofstraße) und im geplanten Bürgerforum (Seestraße) als Ergänzung zu den vorhandenen 1000 Stellplätzen im Innenstadtbereich angeboten.

    Auch an der Hindenburgstraße nimmt eine neue Parkgarage den Besucherverkehr der Altstadt auf. Das Parkplatzangebot ist so organisiert, dass für die Autofahrer Parkmöglichkeiten angeboten werden bevor sie den Reinhold-Schick-Platz queren müssen. Die so erzielte weitere Entlastung des Altstadtbogens wird durch ein Parkleitsystem unterstützt. Dieses Konzept minimiert den Parksuchverkehr sowie auch die Belastung des Reinhold-Schick-Platzes.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.