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  • Teilnahme


    Stadtplaner
    WW+ architektur + management, Esch-sur-Alzette - Luxembourg (LU), Trier (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    A) Städtebauliche Leitidee

    Neue Mitte – Ein Zentrum für den Kirchberg
    Die heute schon in Ansätzen vorhandene Orientierung von Bewohnern sowie vieler im Umfeld Beschäftigter zum Quartier du Parc, eröffnet zusammen mit dem vorhandenen Flächenpotenzial im Wettbewerbsgebiet die Möglichkeit, in diesem Bereich eine neue Mitte und somit das fehlende Zentrum für den Kirchberg zu kreieren. Der zentrale Grünbereich des Kirchbergs an der Coque und das neue Viertel mit der notwendigen Nutzungsmischung bilden das belebte Herzstück des Kirchbergs, auch außerhalb der Bürozeiten.

    Als horizontales ‘Landmark’ bzw. städtebauliches Merkzeichen markiert eine Passerelle über dem Boulevard die neue Mitte und bricht zugleich die Linearität dieser imposanten Achse ungefähr in seiner Hälfte auf. Hier ist der neue Treffpunkt für die arbeitende Bevölkerung nördlich des Boulevards. Diese Brücke stellt somit nicht nur eine symbolische Verbindung zwischen ‘Alt’ (Weimershof) und ‚Neu’ (Europäisches Viertel) dar, sondern sie erleichtert auch die fußläufigen Verbindungen zwischen dem Quartier du Parc sowie dem neuen Zentrum bzw. Weimershof. Durch ein weiteres Brückenprojekt über das Neudorf kann die neue Mitte auch mit dem Stadtteil Cents verbunden werden.
    Die beiden zentrumsartigen Situationen an den Eingängen des Boulevards (das ‘Kulturzentrum’ mit Philharmonie und Museum für Moderne Kunst am westlichen Eingang sowie das ‘Geschäftszentrum’ mit Einkaufszentrum, Kino, Messe, Krankenhaus und Rehazenter am östlichen Eingang) ergibt sich im Prinzip ein tripolares Zentrum in diesem Stadtteil, deren Nutzungen sich sinnvoll ergänzen.
    Mit seiner neuen Mitte wird der Kirchberg seiner internationalen Bedeutung mit Bezeichnungen wie ‘Europazentrale’ oder ‘Europastadt’ endlich gerecht. Dem Leitbild der ‘europäischen Stadt’ entsprechend, entsteht eine ordnende Mitte mit einem vitalen Zentrum, die die unterschiedlichen Strukturen und Funktionen der Umgebung zusammenführt und eine kulturelle Identität ermöglicht.

    ‘REDLINE’ – der rote Faden
    Die städtebaulichen Qualitäten der ‘europäischen Stadt’ sowie die Qualität des urbanen Lebens insgesamt zeichnen sich im Wesentlichen durch die konsequente und attraktive Gestaltung der öffentlichen Räume aus. ‘Die europäische Stadt ist durch den öffentlichen Raum definiert. (…) Die unterschiedlichen sozialen und ästhetischen Qualitäten ihrer öffentlichen Räume prägen den Charakter europäischer Städte stärker als ihre topografischen Eigenarten oder die Besonderheiten ihrer Bautypologien.’ (Reiß-Schmidt, Stephan: ‘Der öffentliche Raum: Traum, Wirklichkeit, Perspektiven’)
    Die vorhandenen und zum Teil sehr unterschiedlichen aber durchaus interessanten Bautypologien auf dem Kirchberg können (nur) mit einer prägnanten Gestaltung des öffentlichen Raumes zu einer Einheit zusammengeführt werden. Mit einem neuen Weg im Quartier, der sich als ‚roter Faden’ durch den öffentlichen Raum zieht, werden Qualitätsmerkmale wie Funktionsvielfalt, Flexibilität, Ästhetik, Orientierung und auch Vernetzung implementiert. Die ‘REDLINE’ fasst den neuen Stadtteil mit dem zentralen Park als Mitte zusammen und hebt es gegenüber den restlichen Teilen des Kirchbergs hervor.

    Die Qualität eines öffentlichen Raumes hängt zudem stark von ihrer Aufenthaltsqualität ab. Ihre Verbesserung bewirkt, dass sich das Leben auf dem Kirchberg vermehrt im öffentlichen Raum abspielt und nicht – wie bislang und insbesondere in den Quartiers Européen – nur innerhalb der Gebäude. Unter der Maßgabe, den Querschnitt des bestehenden Boulevards nicht wesentlich zu verändern, entsteht parallel hierzu mit dem ‚roten Faden’ ein neuer und interessanter öffentlicher Wegeraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Dieser Weg ist einerseits ein funktionaler, urbaner Verkehrs- und Flanierraum, der im Gegensatz zum Boulevard eher unter dem Motto der Entschleunigung steht, zugleich aber auch ein von allen Seiten sichtbares und begehbares Kunstobjekt, das den öffentlichen Raum gestalterisch wesentlich mitprägt. Er schlängelt sich auf ca. 1,7 km Länge und auf unterschiedlichen Niveaus durch die neue Bebauung. Rampen und Aufzüge gewährleisten eine barrierefreie Nutzung von Fußgängern oder Skatern ebenso wie von langsameren Rad-, Roller- oder auch Rollstuhlfahrern. Die Linearität der ‘REDLINE‘ wird von außen auch für den parallel auf dem Boulevard geführten Verkehr sichtbar und erlebbar. Sie begleitet den Verkehrsteilnehmer des Boulevards, ähnlich wie einen Fahrgast im Zug, den durch die Geschwindigkeit zur bewegten Linie werdenden Zaun in der vorbei ziehenden Landschaft. Das Oszillieren des Weges zwischen Boulevard und Weimershof verbindet die ehemals getrennten Viertel zur neuen Mitte des Kirchbergs.
    Höhepunkt der ‘REDLINE’ ist die Passerelle, welche als horizontales Landmark das Zentrum vom Kirchberg prägt, symbiotisch mit den vertikalen Elementen der Eingänge des Viertels (Serra Kunstwerk und die Gebäude der Porte de l’Europe).
    Als Weg durch die Bebauung und als Brücke über den Boulevard stärkt der ‚rote Faden’ das Identitätsgefühl und ist somit ein starkes Merkmal der Identifikation mit dem Stadtteil und seinem öffentlichen Raum, der als öffentliches Gut wieder ins Bewusstsein der Bürger rückt.


    ‘Man muss nicht immer da anknüpfen, wo man den Faden verloren hat, sondern auch mal etwas Neues einfädeln.’ (Gerhard Uhlenbruck aus: Kein Blatt vor den Mund nehmen)

    B) Bebauungs- und Gestaltungskonzept

    Bebauung – offene Strukturen
    Öffentliche Räume gewinnen ihre Qualität nicht nur aus der Ausgestaltung ihrer Oberflächen, sondern oftmals aus ihrer Begrenzung, den Raumkanten und ihren entsprechenden Nutzungen sowie aus ihren Schnittstellen oder Übergängen. Ein kurzer Blick auf die neuen Baustrukturen südlich des Boulevards genügt, um zu erkennen, dass hier mit den an anderer Stelle vorhandenen introvertierten Blockstrukturen, die den Kontakt zum öffentlichen Raum vermindern, gebrochen wurde. Dadurch ergeben sich, unterstützt auch durch die ‘REDLINE’ viele interessante Ein- und Ausblicke; die Kontinuität und Animation des öffentlichen Raumes kann entsprechend gewahrt werden.
    Ein 13-geschossiges Hotel am zentralen Platz markiert die neue Mitte und setzt den einzigen Hochpunkt in der näheren Umgebung mit ihrer im Schnitt 5 bis 6-geschossigen Bebauung. Die vielfältigen Nutzungen im Umfeld – insbesondere Läden, Gastronomie und Wohnen – ermöglichen eine Belebung des Platzes auch außerhalb der normalen Bürozeiten.

    Gebäudehöhen und Geschossigkeiten
    Vertikale Strukturen, wie die vorhandenen Hochhäuser als moderne Stadttore oder auch Stahlskulpturen als Stadteingangsmarkierungen, bestimmen die beiden Eingangsbereiche am Boulevard. Zur Mitte hin verringern sich die Bauhöhen erheblich und haben somit einen eher horizontalen Charakter (wie z.B. das Bauwerk der Coque). Die neuen Baustrukturen orientieren sich an den Gebäudehöhen der Umgebung und adaptieren entsprechend diese eher horizontalen Strukturen. Zum Boulevard hin sind die Gebäude etwas höher, zur Rückseite werden sie abgeschrägt, um sich den niedrigeren Gebäudestrukturen des Weimershofes anzupassen.

    Dachformen
    Die Abschrägungen der Dächer in Richtung Süden bei einer Ost-West-Ausrichtung der Hauptfassaden erlauben nebenbei auch eine optimale Nutzung der Dachflächen für Solar- bzw. Photovoltaikanlagen und bieten Fläche für große Dachterrassen hochwertiger Wohnungen mit einmaligem Ausblick Richtung Cents.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.