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  • AT Wien
  • 12/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-101871)

UniCredit Bank Austria Campus


  • ein 3. Preis

    Bank Austria Platz

    Architekten
    AllesWirdGut, Wien (AT), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: TOPOTEK 1, Berlin (DE)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)

    Erläuterungstext
    BankAustriaCity:

    Als Stadt in der Stadt kann der Bank Austria Campus sowohl den städtebaulichen Anschluss des neuen Nordbahnhofquartiers an den Praterstern klären und so zum inneren Zusammenhalt Wiens einen wesentlichen Beitrag leisten, als auch der Bank Austria eine angemessene, wiedererkennbare und lebenswerte Heimstatt bieten.

    Städtebauliche Einbindung:

    Eine Modifikation der Wegeführung ist die Grundlage unseres Vorschlags: Statt den zentralen Boulevard aus Bruno-Marek-Allee und Walcherstraße zweimal abknicken zu lassen, führen wir beide Boulevard-Abschnitte gerade auf einen zwischen ihnen vermittelnden, neuen Platz.
    Dieser Platz ist angemessener Endpunkt der Bruno-Marek-Allee und gleichzeitig vom Praterstern aus sichtbarer Auftakt des Nordbahnhofviertels. Durch diese Gelenkfunktion kann er als das zukünftige Zentrum der BankAustriaCity auch übergeordnet eine wichtige städtebauliche Rolle übernehmen.

    Innerhalb der fünf vorgesehenen Baufelder wird auf diese Weise eine der Gesamtstruktur dienliche Hierarchie etabliert:
    Baufeld 39 leitet als langgestrecktes Gebäude in das neue Quartier hinein und stellt die direkte bauliche Verbindung zum Praterstern her. Eine städtebauliche Dominante als Eingangstor kann sowohl den Praterstern als wichtigen Verkehrsknotenpunkt innerhalb der Stadt sichtbar machen, als auch den Auftakt des Nordbahnhofquartiers am Praterstern markieren.
    Baufeld 6 rückt durch die neue Straßenführung ins Zentrum des Bank Austria Campus und wird so naheliegender und gut erkennbarer Ort für alle öffentlichen Funktionen wie Veranstaltungszentrum, Mensa und Hotel.
    Die drei übrigen Baufelder beinhalten die Büros: Sie gruppieren sich gleichmäßig um das Zentrum aus Platz und Block 6 und können so direkt vom Platz aus erschlossen werden.

    Architektonische Gestalt:

    Indem Blockstruktur und Straßennetz der Umgebung in der BankAustriaCity weitergeführt werden, gliedert sie sich auf selbstverständliche Weise in ihre Nachbarschaft ein.
    Statt einer konventionellen Blockrandbebauung mit durchgehender Traufhöhe schlagen wir allerdings eine neue Baukörperform vor:
    Ein lediglich dreigeschossiger Sockel zeichnet die Blockform nach und bildet das Fundament für eine Familie von je nach Aufgabe verschieden großen, erhöhten Aufbauten – den sogenannten „Pixeln“ – deren Höhe sich auf die Traufhöhen der Nachbarschaft bezieht.
    Im Blockinneren entstehen öffentliche Gärten, die dem Stadtraum BankAustriaCity eine zusätzliche Qualitätsebene verleihen.
    Diese Baukörper haben gegenüber dem herkömmlichen Block eine Reihe von Vorteilen:

    1. Im Bereich der Bank Austria wirken die Straßen dank niedriger Traufe großzügiger und sonniger.

    2. Das gilt genauso für die inneren Gärten, die darüber hinaus durch die wechselnden Trakttiefen der Randbebauung in vielfältige Erholungsräume unterschiedlichen Charakters gegliedert werden. In Maßstab und Form orientieren sie sich so an der intimen Kleinteiligkeit von Wiener Blockinnenhöfen.

    3. Die heterogene Gebäudeform schafft eine Vielzahl räumlich unterschiedlicher Arbeitsplätze, was die Identifikation mit dem eigenen Arbeitsort erleichtert.

    4. Die Pixel der einzelnen Bauteile kommunizieren miteinander, indem sie vielfältige Blickbezüge innerhalb der BankAustriaCity zulassen: Das Gebäudeensemble strahlt bereits in seiner architektonischen Gestalt ein Zusammengehörigkeitsgefühl aus.

    5. Die BankAustriaCity erhält eine markante Silhouette, die zum einen auf die typischen, wechselnden Gebäudehöhen der Wiener Altstadtblöcke verweist und zum anderen ein prägnantes Erscheinungsbild entstehen lässt: Hier weiß man, wo man ist.

    Innere Organisation:

    Die Hauptfoyers der drei Bürobauteile öffnen sich zum zentralen Platz. Markiert werden sie durch extra große Pixel, deren Obergeschosse den Generaldirektor-Büros vorbehalten sind.
    Die Erdgeschosse sind den öffentlicheren Funktionen wie Besprechungsräumen, den Cafés und Ladenlokalen, den Foyers oder der Anlieferung vorbehalten.
    Ein Erschließungskreislauf rund um den inneren Garten knüpft die Nebenfoyers der einzelnen Pixelaufbauten an das Hauptfoyer an.
    Die Hauptfoyers sind alle unterirdisch miteinander verbunden, sodass eine wetterunabhängige Durchquerung des Areals möglich wird.

    Die übergeordneten öffentlichen Funktionen sind von überall gut erreichbar im Zentrum der Anlage konzentriert: In einem Gebäude sind hier Veranstaltungszentrum Richtung Boulevard, das Restaurant am Hauptplatz, das Fitnesscenter sowie das Ärztezentrum versammelt. Bekrönt wird das Gebäude mit dem Hotel direkt oberhalb des Platzes sowie dem Kindergarten, der das Dach des Gebäudesockels als Garten nutzen kann.

    Verkehr:

    Wir schlagen eine dezentrale Anordnung der Tiefgaragen vor. Dadurch verkürzen sich die Wege vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Die dafür nötigen neuen Garageneinfahrten liegen an den bisher bereits vorgesehenen Zufahrtswegen.


    Landschaftsgestaltung:

    Das landschaftliche Konzept für den Areal Bank Austria Campus spiegelt den städtebaulichen und architektonischen Ansatz wider und spielt mit dem Thema des Kontrastes und den Gegensätzen, der Innen- und der Außenwelt.

    Damit ergeben sich zwei eindeutig differenzierte Raumcharaktere:


    Der städtische Raum, lässt durch seinen schlichten, repräsentativen Charakter die architektonische, skulpturartige Sprache der Gebäude hervortreten.
    Die Bodenbeläge des Straßenraumes betonen die städtischen Qualitäten des Freiraums. Unterschiedliche Plattenformate geben den Rhythmus vor und unterscheiden Aufenthaltsräume von den durch Bewegung geprägten Flächen, definieren die Plätze und den Straßenraum.

    Zwei Plätze werden durch den Entwurf hervorgehoben und sind Zentralpunkte des Ensembles.

    1. Der Platz am Praterstern wird neu gestaltet und definiert. Der Platz, der als Verkehrsknoten für S-Bahn, U-Bahn und Bus dient, ist auch Eingangstor zum neuen Areal. Von hier aus führt eine neue Allee in den Campus; ein Baumpaket markiert die Eingangssituation und begleitet die Besucher durch die neue Allee zum Zentralplatz des Areals. Die doppelte Baumreihe der neuen Allee wird in der Bruno-Marek-Allee weitergeführt, die sich von hier aus weiter in das neue nördliche Gebiet erstreckt. Hiermit wird für den Stadtraum Kontinuität geschaffen und dem Platz neue räumliche Eigenschaften verliehen.
    Die äußere Umrandung des Geländes ist ohne Bepflanzung vorgesehen. Von außen führen radiale Alleen bis zum zentralen Platz in das Herz des Gebietes. Dadurch wird die skulpturartige und repräsentative Gebäudestruktur hervorgehoben.
    Die Anordnung der Baumreihen ermöglicht den Besuchern neue Sichtbeziehungen und unterstreicht die repräsentativen Eigenschaften des zentralen Platzes.

    2. Dieser wird als Kern des Areals nach dem Bild der italienischen "Piazza" geplant.
    Auf ihn beziehen sich alle Foyers und Haupteingänge der neuen Gebäude.
    Um seine Eigenschaften als repräsentativer Platz für den Bank Austria Campus hervorzuheben, werden großformatige Platten und Stadtmobiliar aus noblen Materialien benutzt, die dem Besucher eine hohe Aufenthaltsqualität und Möglichkeit zur Orientierung schenken.
    Hier ist der Platz für das pulsierende Leben des Campus, Treffpunkt des neuen Gebiets, Platz für die Terrassen der im Baufeld 6 neugeplanten Restaurants und Cafés.

    Im Bereich der Baufelder 6 und 39 ziehen sich die Bodenbelege in die Gebäude hinein und sichern somit die räumliche Kontinuität des Außen- und Innenraumes. Es erfolgt die Auflösung des Blocks im Erdgeschoss.


    Die Höfe im Inneren der Gebäude der Baufelder 5, 7 und 8 bilden den zweiten Raumcharakter. Sie sind natürlich und wild gestaltet und lösen eine entspannte Atmosphäre aus, laden dabei die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein.
    Durch die unterschiedliche Vegetation stellt jeder Hof einen besonderen Landschaftsraum dar, der sich auf die allgemeinen österreichischen Landschaftsbilder bezieht.
    Bei der Auswahl der Bepflanzung ist besonderer Nachdruck auf die Nachhaltigkeit gelegt worden, da die ausgewählten heimischen Baumarten und Gräser eine geringere Pflege benötigen. Die Bewässerung der Pflanzen erfolgt durch die Sammlung des Regenwassers auf den Dächern der Gebäude, was wiederum bei der Abkühlung der Gebäude mitwirkt.

    Die differenzierte Gestaltung erlaubt unterschiedliche Arten von Aufenthalt je nach Hof.

    Baufeld 5 verfügt über eine skulpturartige, geometrische Topographie, die den Besucher auf Kieswegen durch den Hof leitet. Die unterschiedlichen schrägen Flächen sind teilweise mit Betonkanten und begrünte Flächen belegt und schaffen für die Cafés geschützte Aufenthaltsorte. Die trockene Vegetation, die an das Unterholz eines Waldes erinnert und die Kiefern (Pinus Nigra), vervollständigen die Atmosphäre dieses Bereiches. Das Landschaftskonzept streckt sich teilweise in die Innenbereiche des Erdgeschosses und findet in Form von Sitzlandschaften Ausdruck.

    Die Gestaltung des Innenhofes von Baufeld 7 bezieht sich auf die typische Streuobstwiese. Die verschiedenen Farben der Blumenfelder und die ausgewählten Baumarten Wilde Kirsche und Birne (Prunus Avium und Pyrus Communis) lösen eine entspannte Stimmung aus. Verschiedene Inseln, die einer topographischen, natürlichen Formsprache folgen, beinhalten die Terrassen, die sich als abgeschlossene Aufenthaltspunkte auf einer höheren Ebene abheben und somit die Möglichkeit geben, die Hoflandschaft von einem besonderen Aussichtspunkt zu erleben.
    Der Besucher befindet sich plötzlich auf einer leicht bewegten Hügellandschaft und abstrahiert sich von der unteren Welt der anderen Besucher.
    Wege mit wassergebundener Decke sichern eine angemessene Durchquerung des Hofes und ergänzen das sekundäre Verbindungsnetz.

    Baufeld 8 ist durch eine wildere Bepflanzung charakterisiert. Hohe Gräser (wie Calamagrostis Epigeios, Phalaris Arundinacea oder Typha Angustifolia) charakterisieren diesen Bereich und führen Dynamik in den Hof ein. Kleine einzelne Terrassen ermöglichen ein Gefühl von Verborgenheit und Einzigartigkeit, was im Foyer des Gebäudes als punktuelle Sitzgelegenheiten weitergeführt wird.
    Ein System von Steinwegen, die auch den sechs Meter breiten Durchgang sichern, schlängeln sich durch die Gräser und den Birkenwald (Betula Pendula) und lassen dem Besucher Raum zum entdecken.

    Die Lichthöfe sind mit Schattenpflanzen der besonderen Art bepflanzt.
    Diese Schattenpflanzen, die nur einen geringen Anteil an Licht gebrauchen, lösen durch ihre besonderen Eigenschaften eine außerordentliche Atmosphäre als Schau und Erlebnis im Foyer aus.
    Beispiele dafür sind Gunnera manicata, die durch ihre überdimensionierten Blätter an eine Zauberwelt erinnert oder Hydrangea macrophylla, auch Monster-Hortensie genannt.

    Die Terrassen oberhalb der Sockel der Gebäude sind mit Gräsern bepflanzt, die den Raum in unterschiedliche Bereiche strukturieren.
    Hier finden sich weitere Aufenthaltsorte wie Spielbereiche und Terrassen.

    Fassaden-, Klima- + Energiekonzept

    Fassaden- und Lüftungskonzept Bürobereiche
    Die Fassadenkonzeption der Gebäude kombinieren exzellenten Wärme- und Sonnenschutz mit optimierter natürlicher Belichtung und natürlichen Lüftungsmöglichkeiten bei guter Schalldämmung und Witterungssicherheit.

    Klima- und Energiekonzept Bürobereiche
    Die Klimatisierung der Büroräume erfolgt im Sommer über eine thermoaktive Betondecke, deren Leistungsabgabe im Kühlbetrieb etwa 40 W/m² erreicht. Die Aktivierung der Betondecken erfolgt regenerativ über Grundwasserkühlung aus dem Saug- und Schluckbrunnensystem.

    Die Bürobereiche werden über zentrale Lüftungsanlagen mit konditionierter Frischluft versorgt. Die Luftansaugungen erfolgen über die Innenhöfe der Baufelder.
    Im Untergeschoss wird die Frischluft in die an den Zuluftzentralen geführt.
    Aus den Lüftungszentralen führen integrierte Zu- und Abluftkamine die Frischluft druckverlustarm in die Obergeschosse, wo die konditionierte Frischluft aus den Schächten über Brandschutzklappen und Lüftungskanäle zu den Luftauslässen geführt wird. Die Frischluft strömt impulsarm über Quellluftauslässe entlang der
    Fassaden in die Büroräume ein.
    An den Flurtrennwänden befinden sich schallgedämmten Abluftelemente über die die Abluft in die Flurbereiche und zu den Abluftschächten strömt. In den Abluftkaminen befinden sich Luft–Wasser–Wärmeübertrager, die eine effiziente Wärmerückgewinnung aus der Abluft über ein Kreislaufverbundsystem (KVS) ermöglichen.

    Aufgrund der Auslegung des Systems auf geringe Druckverluste kann auf eine konventionelle Abluftanlage verzichtet und die Abluft strömt nach Passieren des Wärmeübertragers des KVS-Systems sowie einer Jalousieklappe zur Drosselung des Kaminauftriebs im Winter frei über Dach ab.

    Die individuelle Beheizung der Räume erfolgt über Niedertemperatur-Heizkörper in Kombination mit einer Grundtemperierung über das thermoaktive Bauteilsystem der Decken. Damit werden niedere Rücklauftemperaturen für die geothermische Wärmepumpe sicher gestellt.

    Energieversorgungskonzept
    Das Gebäude wird über eine Wärmepumpenanlage und das Grundwasserbrunnensystem mit Wärme versorgt. Der Kühlbedarf wird überwiegend aus regenerativen Quellen (freie Verdunstungskühlung und Grundwasser) bei weitgehendem Verzicht auf mechanische Kälteversorgung gedeckt. Der Stromeinsatz für Luftförderung und kunstlicht ist durch die druckverlustarme, teilweise über natürlichen Kaminauftrieb unterstütze Lüftung in Kombination mit der optimierten Fassade und einer tageslichtabhängigen Kunstlichtsteuerung weitgehend minimiert.
    Mit dem entwickelten Gesamtkonzept mit minimierten Wärmebedarf, überwiegend regenerativer Kühlung sowie minimiertem Strombedarf für Beleuchtung und Lüftung erzielt das Gebäude einen sehr guten thermischen Komfort bei guten Primärenergiekennwerten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.