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  • DE-18055 Rostock
  • 03/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-90092)

Alter Warnowarm – Grünraum Stadteingang Ost


  • 2. Preis

    2. Preis plancontext GmbH

    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: WELP von KLITZING | Architekten & Stadtplaner, Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Der Park

    Umgang mit dem historischen Ort

    Das Wettbewerbsgebiet hat für Rostock eine besondere historische Bedeutung: Seit dem 7. Jahrhundert siedeln im Bereich der Warnowgabelung westslawische Stämme, später wurde sie als Bleichwiese genutzt und bildete einen wichtigen Zugang zur Altstadt.
    Die Verlegung der Warnow 1912/13 hat das Areal so stark verändert, dass Ausdehnung und räumliche Bezüge einer slawischen Burg an dieser Stelle nicht mehr nachgezeichnet werden können. Dieser Zeitabschnitt soll deshalb als eine Art "Freiluftmuseum" an den Innenwänden des westlichen Brückenfundamentes der Petribrücke gestaltet werden. Robuste Tafeln dokumentieren die historischen Zusammenhänge und machen aus der Unterführung einen Erlebnisraum.
    Die Nutzung der Fläche als Bleiche, also als offene Fläche, kann dagegen mit einfachen Mitteln wieder erlebbar gemacht werden. Dazu wird der Unterwuchs entfernt und erhaltenswerte Bäume so weit aufgeastet, dass Sichtbezüge zum gegenüberliegenden Ufer der Warnow frei gehalten werden. Der Umriss der Petribleiche wird durch Kopfweiden und eine flache steinerne Kante markiert. Innerhalb dieser Kante wird die Fläche durch regelmäßige Mahd als Spielwiese nutzbar, der umliegende Bereich wird zur Langgraswiese entwickelt. Nach Möglichkeit sollte die Pflanzung der Kopfweiden auch auf der gegenüberliegenden Uferseite der Warnow fortgesetzt werden, um auch dort ihre historische Ausdehnung darzustellen. Gleichzeitig entsteht ein markanter gestalterischer Brückenschlag auf die gegenüberliegende Uferseite.

    Gestaltung

    Der landschaftliche Charakter des Geländes bildet die besondere gestalterische Qualität des Ortes. Es entsteht ein reizvoller Kontrast zur dicht bebauten Kernstadt und zwei angrenzenden, sich rasant entwickelnden Neubauquartieren. Diese Wirkung soll erhalten und gestärkt werden.
    Gleichzeitig soll ein optisch eher zurückhaltendes Bindeglied zwischen zwei sehr markant gestalteten Parkteilen entstehen. Deshalb wird eine einfache und klare Formensprache gewählt. Durch bewusst gesetzte Zugänge zum Wasser und gezielte Baumpflanzungen als Raumbildner entsteht eine natürlich anmutende Parkanlage mit viel Aufenthaltsqualität.

    Erschließung

    Durch den neuen Parkteil entsteht ein durchgängiger Uferpark. Die Erschließung geschieht über den "Große Bogen", einen weitläufigen, die gesamte Fläche umspannenden Weg am östlichen Parkrand. Er bildet die "schnelle" und barrierefreie Verbindung der angrenzenden Parkteile. Ein "langsamerer" Spazierweg ("Uferweg" und "Hafenweg") führt an der Uferkante und dem Hafenbecken entlang. Das "Warnowfenster" direkt am Ufer ermöglicht den Zugang zum Wasser und inszeniert den weiten Blick auf das Wasser und die Wiesenauenlandschaft.
    Die städtisch geprägte "Hafenpromenade" bindet das Hafenbecken an die Kernstadt an. Natursteinstufen führen zum Wasser. Der "Stichweg Nord" führt nahezu geradlinig aus der Stadt zum Flussufer und dient als Pflegeweg für Brücken und Park.

    Vegetation

    Das Bild des Flussdeltas mit seinen sich verzweigenden Wasserflächen und den dazwischen liegenden Wiesen und Röhrichtflächen wird erhalten uns gestärkt. Die bewusst eingesetzte Vegetation wird zum wichtigsten Gestaltungsmerkmal.
    Besonders markant sind die Kopfweiden, die die Petribleiche markieren. Sie fügen sich harmonisch in das Bild des Auenparks.
    Die säulenförmigen Bäume entlang des Böschungsfußes der Straße "Am Strande" markieren den Stadteingang für den Verkehr über die "Mecklenburg-Vorpommern-Brücke". Ein lockeres Raster aus Kirschbäumen greift das Motiv der Baumraster im nördlich anschließenden Park der Holzhalbinsel auf. Ansonsten ergänzen nur einige Gehölze der Weichholzaue den Gehölzbestand. Außerdem schließt ein halbhoher Gehölzsaum den Park räumlich zur Straße und der Straßenbahn ab.
    In der Fläche bestimmen Langgraswiesen und Röhrichte den Park. Die Böschungen zur Mecklenburg-Vorpommern-Brücke, der gesamte nördliche Bereich zur Straßenbahnstrecke und die Freiflächen entlang der Wege werden als pflegeextensive Wiesen konzipiert. Dazu passend werden die Winterlager im Vereinsgelände als Schotterrasenflächen mit einem belastbaren Untergrund gestaltet. Intensive Rasenflächen befinden sich am Zugang zum Quartiershafen und innerhalb der Fläche der Petribleiche.
    Bis auf wenige bewusst gesetzte Stellen ist das gesamte Ufer als naturnaher Röhrichtstreifen ausgebildet. In den Bereichen der Zugänge wird das Röhrichtufer mit natürlich vorkommenden Uferstauden ergänzt.
    Die Aufweitungen beidseitig des Kreuzungspunktes am Übergang in die Stadt werden mit zwei Staudenbeeten markiert und bilden den Übergang zur Stadt.



    Die Brücken

    Beide Gestaltelemente des Parks, Fußgängerbrücke und Unterführung unter der Petribrücke sind Bestandteil des landschaftslich geprägten Auenparks an der Petribleiche. Der leichte und offene Charakter der Parkanlage soll sich auch in den Brückenkonstruktionen wiederfinden, um den Park in seiner Ausdrucksform nicht zu belasten. Aus diesem Grund haben wir uns für eine leicht wirkende Stahlkonstruktion auf auf einem Stahlbetonfundament entschieden. Das Material ermöglicht eine ausreichende Stabilität bei einem geringen Volumen. So fügen sich die Brücken optimal in die Gräserlandschaft der Flussaue.

    Fussgängerbrücke

    Die Fußgängerbrücke über den Warnowkanal wird als leicht wirkende Stahlkonstruktion konzipiert. Zwei leicht gewölbte Längsträger überspannen den Kanal am Bereich des Wendehammers der Planstraße B. Sie liegen auf zwei Betonwiderlagern an den Ufern auf. Die Längsträger und mit Querträgern miteinander verbunden und bilden so ein ausreichend tragfähiges Gerüst für die Brücke. Eine vorgefertigte Edelstahlwanne bildet die Tragfläche für den Asphaltbelag.
    Die Brückengeländer erinnern gestalterisch an die Reling eines Bootes. Ein doppelläufiges gebogenes Edelstahlrundrohr wird von Edelstahlpfosten gehalten. Um die Transparenz des Geländers zu erhalten werden die einzelnen Geländerfelder mit einer Rahmenkonstruktion und Edelstahlnetzen gefüllt.

    Unterführung unter der Petribrücke

    Um eine Unterführung der Petribrücke zu ermöglichen werden separat zu den Brückenfundamenten zwei nach unten abfallende Auskragungen in die Warnow geschaffen. Diese werden mit Spundwänden und einer passenden Natursteinverkleidung an die vorhandenen Brückenpfeiler angepasst. Am Ende der Auskragungen befindet sich die beiden Betonauflager für den ergänzenden Stahlsteg. Der Steg wird in gleicher Konstruktionsweise wie die Fußgängerbrücke mit Stahlträgern und Asphaltbelag gebaut. Der vorgefertigte Steg wird mit Hilfe eines Schwimmkrans auf die Betonauflager gesetzt. Die Tragkonstruktion der Petribrücke bleibt von diesen Eingriffen unberührt.
    Das Geländer wird wie bei der Fußgängerbrücke als doppelläufiges Edelstahlgeländer mit Stahlnetzrahmen gestaltet. So hebt es sich deutlich von der alten Brücke ab und wird als eigenständiges Bauwerk betrachtet.


    Der Verein

    Die Entscheidung, den alten Warnowarm in Form eines Hafenbeckens für den Wassersportverein teilweise wieder entstehen zu lassen, gibt dem Ort einen Teil seiner Identität zurück. Das Hafenbecken muss den Erfordernissen des Motorwasservereins entsprechen, soll aber gleichzeitig funktional und gestalterisch zum Teil der öffentlichen Parkanlage werden.

    Äußere Erschließung
    Das Vereinsgelände des Motorwassersportvereins ist zweigeteilt. Die beiden Zufahrten zum Gelände erfolgen aus der Verlängerung des Wendehammers an der Planstraße B und aus einer Verbreiterung am Hafenweg am Ende des Quartiershafens. Die notwendige Trailerrampe liegt an der Spitze zwischen Hafenbecken und neu gebautem Kanal im Bebauungsgebiet östliche Stadtmauer.

    Innere Erschließung
    Um vom umzäunten Gelände im Nordosten aus zu den Booten an beiden Stegen zu gelangen fügen wir einen zusätzlichen flachen Schwimmsteg zwischen die Stege parallel zur Stirnseite des Hafenbeckens. So entsteht eine das Hafenbecken rahmende Steganlage, die die Sicht zur Warnow nicht verstellt. Die Vereinsmitglieder können an alle anliegenden Boote im Hafenbecken gelangen ohne das umzäunte Gelände verlassen zu müssen.
    Der nördliche Steg am Hafenbecken ist zusätzlich vom Hafenweg aus über abgeriegelte Anbindungsstege aus erschlossen um einen direkten Zugang zu den Booten zu haben.

    Umfriedung
    Die beiden Geländeabschnitte werden von einem in der Hecke verlaufenden Zaun umschlossen. Als Pflanzung ist hier Weißdorn vorgesehen, da dieser weniger schnell wächst und so nicht so häufig geschnitten werden muss. Im Bereich des Quartiershafens wird die Hecke ausgespart und durch einen transparent wirkenden Stahlzaun ersetzt. Zwei Heckenkörper ( Carpinus betulus, Hainbuche)beidseitig der Sitzstufen am Quartiershafen verhindern ein Begehen der Vereinsfläche. Zusätzlich werden die Zugangsstege zum nördlichen Steg von abschließbaren Toren dreiseitig umrahmt. Ein öffentliches Begehen der privaten Fläche wird dadurch ausgeschlossen.

    Vereinsheim
    Bei dem eingeschossigen Neubau mit Satteldach handelt es sich um eine Holzrahmenkonstruktion mit Holzelementplatten zur Ausfachung. Diese Elementplatten werden als Dach, Wand und Boden eingesetzt und übernehmen auch die unterschiedlichen erforderlichen Dämmfunktionen. Vor der Außenfassade ist eine hinterlüftete Schalung vorgesehen.Als Fensterelemente können zum Teil Doppelstegplatten verwendet werden.Das Dach ist mit Folie eingedeckt.
    Das Gebäude gliedert sich in 3 unabhängige Bauabschnitte: Die Werkstatt ist sowohl von der Wasserseite als auch vom Winterlager aus zugänglich. Das zugeordnete Büro und die Toiletten sind gedämmt, so dass sie mit geringem Aufwand beheizt werden können. Die Werkstatt wird gerahmt durch ein Café mit Außenbereich im Norden und einen Clubraum im Süden. Die dort angrenzende Terrasse ist mit einem Schiebetor angebunden.



    Erläuterungen zu Folgekosten:

    Um die Folgekosten für das Wettbewerbsgebietes möglichst gering zu halten wurden folgende Punkte bei der Entwurfsplanung berücksichtigt:

    Rasenflächen:
    Die Rasenflächen werden als extensive Langgraswiesen angelegt und gepflegt. Sie sind robust und müssen je nach Witterung nur bis zu drei mal im Jahr gemäht werden. Eine Bewässerung ist nach der Fertigstellungspflege nicht mehr erforderlich.
    Der Bereich der Bleich wird mit einem Spielrasen angesät und kann intensiv genutzt werden. Mähen ist ca. 12 mal im Jahr erforderlich. Ein zusätzliches Bewässern ist nicht vorgesehen, kann aber bei Trockenheit zur Erhaltung als grüner Rasen erfolgen.

    Heckenpflanzungen:
    Die Hecken im Bereich der Hafentreppe werden bewusst als geschnittene Heckenkörper geplant. Diese unterstützen die besondere Wirkung des Ortes am Hafen und der Treppenanlage. Ein Schnitt ist zweimal im Jahr notwendig, eine Bewässerung je nach Witterung.

    Alle restlichen Hecken (entlang Winterquartiere und an Stellplätzen) werden weniger intensiv gepflegt. Hier ist ein Schnitt einmal im Jahr ausreichend. Die Arten (Weißdorn) sind so ausgewählt, dass Sie Trockenheit vertragen und keine zusätzliche Bewässerung benötigen.

    Baumpflanzungen:
    Die Kopfweiden werden bewusst eingesetzt, um den Grundriss der alten Festung zu betonen. Hier ist ein Schnitt einmal im Jahr mind. alle 2 Jahre, erforderlich. Es ist die Kooperation mit einem Verein (Heimatverein, Naturschutz, Landfrauen, o.ä.) denkbar, der die Pflege übernimmt und die Ruten zur Nutzung erhält.

    Alle anderen Bäume erhalten nach der Fertigstellungspflege die übliche Entwicklungs-/bzw. Erhaltungspflege.

    Dielenbeläge:
    Die Steganlagen erhalten einen Belag mit Dielen aus Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe (WPC). Diese sind wesentlich haltbarer als Holzdielen und benötigen keine Pflege.
    Die Holzterrasse am Vereinsheim wird aus Eichenholz errichtet. Hier wird zugunsten der angenehmen Wirkung echtes Holz verwendet.

    Uferbefestigungen:
    Die Uferkanten werden naturnah mit flachen Böschungen ausgebildet. Für die Anwachsphase werden die bearbeiteten Böschungen mit Vegetationsmatten gesichert, nach dem Einwachsen ist eine zusätzliche Sicherung nicht mehr erforderlich. Lediglich im Bereich der Treppenanlage erfolgt die Uferbefestigung mit eine Mauer. Wo vorhandene natürliche Böschungen erhalten bleiben können wird auf einen Eingriff verzichtet um die vorhandene Vegetation nicht zu stören.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 19.03.2012, 10:37
Zuletzt aktualisiert 19.03.2012, 17:02
Beitrags-ID 4-53744
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