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  • 1. Preis

    Städtebauliche Einordnung

    Landschaftsarchitekten
    geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl.-Ing. Christof Geskes Dipl.-Ing. Kristina Hack Dipl. Ing. Louisa Schoeneich

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Zimmermann und Partner Architekten BDA, Cottbus (DE)
    Architekten: raumfeld architekten, Dresden (DE)

    Erläuterungstext


    A) Leitidee
    Ausgangspunkt der Konzeption ist die Bewegung mit und in der Landschaft des Vogtlandes. Die einprägsame Topografie mit ihren sanft hin- und herschwingenden Talräumen sowie den Höhenunterschieden der vogtländischen Kuppenlandschaft wird im Wegesystem der Gartenschau erlebbar gemacht. Ein durchgängiges Fuß- und Radwegesystem folgt dicht dem Lauf des Wassers. Eine Abfolge von Waldsaum, renaturiertem Bachsaum in Kontrast zu „urbanen“ Uferkanten, Wiesen- und bespielbaren Rasenlandschaften gliedert den Talraum. Ein „topografischer Weg“ durchschneidet das Raumbachtal und inszeniert eine auf- und absteigende Bewegungsabfolgen von der Aussichtskuppe des Joppenberges hinab zum Wasser, vorbei am prägnanten „Spiralband-Turm“ und wieder hinauf durch den Waldpark zur „Schönen Aussicht“. In dieses System werden besondere Orte eingebettet, die die Geschichte der Landschaft anhand von bedeutsamen Gebäuden, Spuren, Relikten und Verweisen nachvollziehbar machen und diese fortschreiben.

    B) Geländerundgang
    1 – Vom Kern der Altstadt her kommend wird der Besucher von einem Eingangsplatz (Stadtbalkon) empfangen. Unter einem Baumfilter hindurchschreitend lässt er die Stadt hinter sich und tritt ein in die Talaue des Raumbaches. Das Blickfeld öffnet sich weit zur Landschaft hin mit dem Waldsaum im Hintergrund und einem stadtnahem Kinderspielplatz. Auf der offenen Wiese stehen locker verteilte Baumgruppen.

    2 – Ein Weg führt sanft hinab zu einer Wiesen-Insel. Der vormals kanalisierte Raumbach wir von seinem Korsett befreit und erhält ein neues Bachbett, dieses nähert sich in einem Schwung dem Waldsaum. Ein ungewöhnlicher Weg führt durch das alte Bachbett und eröffnet hier zum einen neuartige Blickbeziehungen auf die Landschaft wie er zum anderen die Erinnerung an die industrielle Vergangenheit des Baches wachhält. Begrenzt wird der Weg durch das Relikt der Kanalmauern, welche wechselseitig erhalten bleiben. Es entsteht somit eine sonnenbeschienene und eine eher schattige und kühle Seite, spezifische Vegetation profitiert von dem Mikroklima an den erhaltenen Kanalwänden. Der tiefer liegende Weg führt durch eine unbekannte Welt, wo die Außenwelt ausgeblendet zu sein scheint. Die Insel wird mit einer harten Kante zum neuen Bachbett begrenzt. Die zum Wald hin orientierte Seite des Baches ist renaturiert. Staudenfluren führen entlang des Bachsaumes hinaus in die Landschaft.

    3 – Im Herzen der Anlage liegt der Musterplatz, um den sich herum zentrale Funktionen gruppieren:
    Der Platz wird durch den farbigen Spiralband-Turm dominiert, ein Erschließungsbauwerk welches vom Platz in die Ausstellungsgeschosse der Blumenhalle überleitet. Die Bandspirale mündet in einer Panoramaplattform, von wo aus die vogtländische Landschaft und ihre Geschichte überblickt werden kann. Im Prozess des Hinaufsteigens bewältigt der Besucher die Topografie des Geländes symbolisch ein weiteres Mal. Die Bandspirale gliedert sich in die Wegeführung des topografischen Weges ein, welcher vom Aussichtsturm der „Schönen Aussicht“ über den Märchenwald hinab ins Tal führt und von da aus wieder hinauf über Streuobstwiesen zur Aussicht auf dem Joppenberg.
    Die Blumenhalle in der ehemaligen Weberei bietet im niedrigen Souterraingeschoss Platz für Service- und Lagerbereiche. Die beiden Obergeschosse werden wechselweise von Blumenschauen bespielt. Hangseitig schmiegt sich ein schmaler Anbau an, welcher Lastenaufzug, Fluchttreppenhaus, WC und Servicebereiche integriert. Die Blumenhalle wird von der Hangseite aus angedient. Dort befinden sich zusätzliche Lager- und Vorbereitungsflächen sowie Abstellmöglichkeiten für Servicefahrzeuge.
    In dem Gebäude der ehemaligen Schuhtextilienfabrik C.H.Müller befindet sich im niedrigen Erdgeschoss ein Service- und Infobereich, WCs sowie Flächen für Catering und Haustechnik. Das großzügige erste Stockwerk bietet umfangreichen Platz für Gastronomie mit Blickbeziehung zum Platz und über die Weite der Auenlandschaft. In den Obergeschossen befinden sich Räumlichkeiten für Seminar, Verwaltung und Ausstellungen (z.B. Hochschule FB Textil- u. Ledertechnik, Architektur). Der Gebäudefassade ist platzseitig ein immergrüner, semitransparenter und blühender „Screen“ vorgeblendet. Das platzbeherrschende Thema des textilen Gewebes wird hier in der Vertikalen interpretiert. Der Screen wird durch Fensteröffnungen und hindurchstossende kleine Balkone gegliedert.
    Der multifunktionale Musterplatz bietet zum C.H.Müller-Gebäude Platz für Außengastronomie. Die Stein- und Metallintarsien erinnern in abstrakter Form an Schnittmuster für Textilien. Nach Norden hin wird der Platz vom Musikantenhain räumlich begrenzt. Der Hain bietet Rückzugs- und Verweilmöglichkeiten. Während der Gartenschau treten lokale und regionale Musikgruppen hier vor Publikum auf, die Vogtland-Philharmonie spielt zum Platzkonzert auf.

    4 – Vom Platz her kommend leitet ein Weg an der Blumenhalle entlang zum Gastronomie- und Biergartenstandort am alten Wasserwerk hinauf. Das Ziegelgebäude wird entkernt, dabei bleiben markante Rohre und Ventile erhalten. Die Ausfachungen der talseitig zweigeschossigen Fensterbögen werden entfernt, so dass vom Inneren aus der Blick hinüber zur Stadt über die Talaue hinweg ermöglicht wird. Das Gebäude dient in der Nachnutzung als Festsaal für private und kulturelle Veranstaltungen. Der nahe gelegene Waldparkplatz bietet bei Veranstaltungen Platz für 70 PKW. Schmale rindengemulchte Wege führen während der Schau hangseitige hinter dem Wasserwerk auf eine Lichtung, wo die Grabkunstleistungsschau einen eindrucksvollen Rahmen findet.

    5 – Dem Wasserwerk ist an der westlichen Hangseite ein großer Biergarten angegliedert, wo unter Bäumen gegessen und getrunken werden kann. Das Hanggefälle ist terrassiert und mündet in einem Schwung in der Waldbühne, welche als eiförmige Lichtung in die Topografie hineinmodelliert ist. Diese bietet Platz für ca. 1000 Sitzplätze. Hier führt der topografische Weg hinauf zum Ausflugsrestaurant „Schöne Aussicht“. Pfade für Kinderwägen geeignet führen den Wald hinauf vorbei an Kunstinstallationen des Märchenwaldes. Der Märchenwald wird dauerhaft hergerichtet und thematisiert den Moosmann als Sagen-Gestalt des Vogtlandes.

    6 – Die ehemalige Streichgarnspinnerei A.Schreiterer wird während der Gartenschau temporär durch fliessend farbiges Stoffgewebe verhüllt. Die Verhüllung macht aufmerksam auf die durch die Gartenschau erheblich in Wert gesetzte Lagegunst der Immobilie. Eine Umnutzung als Seniorenwohnstift ist mittelfristig attraktiv und findet in dem für die Stadt und Region identitätsstiftenden Gebäude eine würdige Immobilie. Im rückwärtigen Bereich des Areals wird der von Hecken gefasste Fabrik- und Obstgarten nach historischem Vorbild zeitgemäß wiederhergestellt. Von der Textilindustrie genutzte Pflanzen wie Färber-, Faser-, Öl- und Energiepflanzen breiten sich in ornamentalen Teppichen aus.

    7 – Das am östlichen Rand des Plangebietes liegende Gelände der „Vogtlandstoffe Reichenbach“ wird zum einen vom Bachsaum des zum Teil renaturierten Raumbaches geprägt. Hangseitig wird das Areal durch Blumenterrassen begrenzt. Dominierendes Element ist jedoch die „Eventscape“: Wie ein riesiges, für den Stoffzuschnitt mit Nadeln aufgestecktes Stück farbigen Stoffes liegt die Eventscape da und lädt zum benutzen ein: Scater, BMXer, Inliner und Boulderer können hier durch die Beleuchtung auch in den Abendstunden ihren Sport ausüben. Während der Gartenschau sind zwischen den Leuchtmasten im Wind wehende Tücher verspannt. Die künstliche Berg- und Tallandschaft erinnert in einem weiteren übertragenen Sinn an die Topografie des Vogtlandes. Im rückwärtigen Bereich bildet das Relikt des Kühlwasserbeckens als tiefliegender Hortus Conclusus den östlichen Abschluss des Areals.

    8 – Im westlichen Planungsteilbereich ist in unmittelbarer Nähe zur anschliessenden Wohnbebauung ein Kinderspielbereich angeordnet. Der „Rangierspielplatz“ greift auf spielerische Art und Weise das Thema der linearen Schienenstränge auf, die ehemals am unteren Bahnhof geendet haben. Die Erinnerung an die Belieferung der früher sich im Raumbachtal befindlichen Fabriken wird so wachgehalten. Ein lineares Heckenlabyrinth (Heckenverstecken) grenzt den Bachsaum zur stark befahrenen Straße nach Süden hin ab. Während der Gartenschau finden hier in unmittelbarer Nähe zum Eingang West die Präsentation der Fachverbände statt (Mustergärten GaLaBau, Lehrbaustellen usw.).

    9 – Das Gebäude des ehemaligen unteren Bahnhofes wird in seinem östlichen Endstück zu einem „Literatur- u. Blümchencafé“ umgebaut. Zusammen mit den anschliessenden Räumlichkeiten für Gewerbe bildet es einen verkehrsgünstig gelegenen Auftakt in das Gelände, Kurz- und Dauerstellplätze werden strassenseitige angeordnet. Während der Gartenschau dienen die Räumlichkeiten den Fachverbänden als Ausstellungsmöglichkeit sowie dem Verkauf von regionalen Produkten.

    C) Wasser
    Wasser in kulturhistorischer wie auch ökologischer Sichtweise das Lebenselexier der Region- spielt im gesamten Gelände eine bedeutende Rolle: Die vier Brunnen (Essen-, Tief-, Stall- und Gaswerksbrunnen) sowie der artesische Brunnen werden als Orte der spielerischen und sinnlichen Information über das Element Wasser ausgebildet. Die Relikte des Kühlwasserbeckens sowie der Kanalisierungen fordern die Besucher heraus, sich tatsächlich auf „Augenhöhe“ des Wassers zu begeben. Die renaturierten Bachseiten stehen stets im Kontrast zu den „hart“ ausformulierten Bachseiten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.