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  • DE-49124 Georgsmarienhütte
  • 04/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-106514)

Overbergschule


  • ein 3. Preis

    kein Bild vorhanden
    Architekten
    Stahm Architekten, Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    GRUNDLEGENDE ENTWURFSGEDANKEN

    Die Identität des Ortes: der Hochpunkt in der Landschaft mit Wahrzeichencharakter wird verknüpft mit einem modellhaften Quartiersprinzip: Individualität und Gemeinschaft.

    Einfache und ensemblehafte Baukörper „versammeln“ sich an exponierter Stelle und erzeugen im Zusammenspiel mit der Heilig-Geist-Kirche und dem vorhandenen Gemeinschaftshaus aus der Ferne das Bild eines „Wahrzeichens“.
    In ihrer Mitte entstehen drei „Hofstellen“ als gemeinschaft-lich-private Gärten. Flächen für gemeinschaftlich–öffentliche Aktivitäten entstehen zwischen den „Hofstellen“ an den Eingangsseiten der Gebäude. Unterschiedliche Eingangs- und Erschließungssituationen erzeugen Individualität der Baukörper und der räumlichen Situationen. Die Identität stiftende Großform der ehemaligen Schule, findet sich in der Neuinterpretation des vorhandenen Natursteinsockels als „Plateau“ wieder. Die Einheit von vorhandenem Sockel und Bestandsgebäude (ehemals Physikunterricht) wird erhalten und ergänzt.

    ERSCHLIEßUNG
    In Erinnerung an die historische Situation entsteht der Zugang auf das „Plateau“ auf dem historischen Zugangsbereich.
    Die Stellung der neuen Baukörper interpretiert die historische Situation. Aus der vorhandenen Topographie entsteht in Teilen des Grundstücks ein Sockelgeschoss, das als Garage für notwendige Stellplätze (110 WEP) genutzt wird. Als Zufahrt dient eine landschaftlich gefasste Verlängerung der Overbergstraße in westlicher Richtung, die so auf natürlichem Niveau die Garage erreicht. Die Garage ist über Aufzüge und Treppen an das Plateau und einzelne Wohngebäude angeschlossen. Öffentliche Parkplätze und Stellplätze für Besucher (30 WEP) liegen an der Ostseite des „Plateaus“.

    FUNKTIONEN
    Es entstehen drei unterschiedliche Gebäudetypen mit differenziertem Wohnungsangebot von 40 – 150 m2 (80 WE).
    Am Rand des Plateaus mit Kontakt zu Wiese und Wald entstehen Reihenhäuser als Klassiker über drei Geschosse oder als übereinander liegende Reihenhauswohnungen mit bis zu zwei Geschossen (Mehrgenerationenwohnen).
    Der Laubengangtyp mit Ein- bis Zweizimmerappartements orientiert sich wie der Dielentyp auch, zu gemeinschaftlichen Hofgärten. Über eine großzügige Diele/Treppenhaus werden Wohnungen unterschiedlicher Größe erschlossen. Optional sind Wohnungen schaltbar. Auch Vier- bis Fünfzimmerwohnungen sind möglich.
    Ein Mix der Wohnungstypen ergibt sich so aus Kombinationen innerhalb eines Gebäudes und aus der Lage unterschiedlicher Gebäudetypen an einem gemeinsamen Hof.
    Das sehr charaktervolle Bestandsgebäude an der Nordostecke des Plateaus wird zu einem „Gemeinschaftshaus“ und bindet sich mit dem Sockel zusammen. Im Sockel entsteht eine Werkstatt mit einer Außenfläche zur Wiese. Im „Plateaugeschoss“ gibt es einen Saal für Feste und andere Veranstaltungen mit einer dazugehörigen Freifläche auf dem Plateau und darüber können Gästezimmer Platz finden.

    ARCHITEKTUR UND MATERIAL
    Das „Plateau“ entwickelt sich aus der Materialität des vorhandenen Sandsteinsockels. In der Fläche wird es durch schlichte Grantflächen im Wechsel mit Streifen aus Sitzbänken und Beeten ergänzt.
    Die Gebäude erhalten einen ruhigen, fast monolithischen Charakter. Wand- und Dachflächen mit bündigen, rahmenlosen Fenstern erzeugen glatte Körper. Plastizität und Vielfalt entsteht mit den Loggien auf den „Gartenseiten“ der Gebäude.
    Erker als Wintergärten, Laubengänge und Rücksprünge bei den Zugängen erzeugen ein lebendiges Bild an den Eingangsseiten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    „Individualität und Gemeinschaft“ – so lautet das Motto für das geplante Gesamtensemble mit seinen drei prägnanten Hofstellen auf einem einer Intarsie gleichenden Plateau. Dieses Programm der Arbeit lässt größtmögliche Flexibilität erwarten.
    Die durch die Gebäudefiguration erzeugten Hofstellen wirken in Maßstab und städtebaulicher Proportion für den Ort überzeugend und lassen eine individuelle Adressbildung zu.
    Die daraus resultierende Freiraumtypologie mit einer klaren Definition öffentlicher und privater Räume lässt hier zukünftige differenzierte Nutzungen und Funktionen erahnen.
    Die Sichtachsen unterstreichen diese Verortung.
    Die Lage des Plateaus selbst ist durch die klare Geometrie mit topographischer Einbindung und einem markanten Natursteinsockel geprägt und könnte ebenfalls adressbildend wirken, wurde aufgrund seiner massiven Wirkung jedoch kontrovers diskutiert.
    Das großzügige Entree vis à vis der Kirche erscheint im Gesamtkontext überdimensioniert und maßstabslos für den städtischen Gesamtkontext.
    Zum autofreien Wohnquartier wird eine Tiefgarage mit 110 Stellplätzen vorgeschlagen, deren südliche Zufahrt im Bereich der privaten Gärten als störend gesehen wird. Gleiches gilt für die im südöstlichen Randstreifen vorgeschlagenen weiteren 30 Stellplätze.
    Die Gebäude mit 80 Wohneinheiten – Reihenhäuser, Laubengangtypen sowie Dielentypen – bedienen eine differenzierte Nachfrage. Der Erhalt des angedockten Kopfgebäudes wirkt jedoch in diesem Gesamtkontext nicht überzeugend.
    Die Arbeit zeichnet sich durch eine klare Strukturierung und überzeugende Gesamtkomposition als eine neue Adresse für diesen Ort aus. Leider erfüllt die städtebaulich-architektonische Komposition nicht die Erwartungen an den Dialog mit der Landschaft.