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  • 1. Preis


    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Justus-Liebig-Universität Gießen
    Neubau Lehrgebäude Recht und Wirtschaft


    Erläuterungsbericht

    Leitidee

    Der Campus der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität in Gießen ist durch einen starken Bruch zwischen den Gebäuden der denkmalgeschützten ehemaligen Provinzialsiechenanstalt und der Erweiterung der 1970er Jahre gekennzeichnet. Mit unserem Entwurf plädieren wir hierbei für einen möglichst zwanglosen Umgang, indem wir mit unserem Gebäude die neue architektonische Zeitschicht selbstbewusst und deutlich ablesbar formulieren, zum Bestand aber gleichzeitig eine selbstverständliche und pragmatische Haltung einnehmen.


    Städtebau

    Wir beabsichtigen mit dem Neubau des Hörsaal- und Seminargebäudes den südlichen Campuszugang am Standort der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften neu zu definieren. Ohne die bestehenden Strukturen des Bestandes baulich zu verändern entsteht das Angebot eines neuen Haupteingangs. Im Zusammenspiel mit dem bestehenden Eingang und der Cafeteria wird ein einladender, offener Eingangshof geschaffen. Der Zugang aus Richtung Alter Steinbacher Weg erfolgt barrierefrei über eine großzügige Rampenanlage.


    Architektur

    Im Inneren wird die bestehende Raumstruktur des Bibliotheks- und Hörsaalgebäudes aufgenommen und in die Struktur des Neubaus überführt. Die Anbindung an den Bestand erfolgt durch direktes Anbauen an die "blinde" Wandfläche Richtung Osten. Die durchgängige Erschließungsfläche der Bestandsbauten wird dabei im UG und EG niveaugleich und barrierefrei an die Erschließungsflächen des Neubaus angeschlossen.

    Der kompakte Baukörper wird durch das räumliche Ineinandergreifen des zentralen Lichthofs in den beiden Obergeschossen und des zweigeschossigen Eingangsfoyers gegliedert. Die hierdurch räumlich geprägten horizontalen und vertikalen Erschließungszonen wie die zentrale Treppenanlage zeichnen sich durch ein hohes Maß an Orientierbarkeit aus und fördern Begegnung und Kommunikation.

    Die Seminarräume organisieren sich in den beiden oberen Geschossen um eine ringförmige, den Lichthof umschließende Verkehrsfläche und wenden sich mit großzügigen Öffnungen der Landschaft zu. Der vom Foyer aus über die offene zentrale Treppe erschlossene große Hörsaal bietet unter Ausnutzung des natürlichen Geländeverlaufes eine zweiseitig natürliche Belichtung. Die Erweiterungsfläche der Cafeteria wird zentral, aber dennoch unbeeinträchtigt von den Hauptverkehrsströmen angeordnet. Der etwas größeren Entfernung zur Ausgabe der Cafeteria wird zugunsten einer Doppelnutzung in Form von offenen Arbeitsplätzen in Kauf genommen.

    Die äußeren Erscheinung des Baukörpers ist durch die Abbildung der inneren Raumstruktur geprägt. Die klare Gliederung der Fassaden in geschlossene Sichtbetonflächen und großzügige Öffnungen soll die Funktion des Seminar- und Hörsaalgebäudes wiederspiegeln.
    Konstruktion

    Der durch die Treppenhauskerne ausgesteifte Stahlbetonskelettbau schafft mit einem Tragraster von 7,50 m und einem Ausbauraster von 1,25 m die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erstellung und flexible Nutzung. Durch einen Einsatz von Fertigteilbetonelementen (Decken, Wände) kann eine Optimierung des Bauablaufes ohne Erhöhung der Erstellungskosten erreicht werden.

    Die klare, offene Raumatmosphäre soll durch die eingesetzten Materialien wie Betonwerkstein im Bereich der Verkehrswege, Linoleum in den Seminarräumen und Eichenholzparkett im Hörsaal unterstützt werden. Die Unterböden werden als Hohlraumbodenkonstruktion zur flexiblen Mediennachinstallation vorgeschlagen.

    Im Hörsaal sollen Schallschutzelemente mit Eichenholzverkleidung zu den ansonsten weißen Wänden kontrastieren. Die Sichtbetondecken werden gespachtelt und weiß gestrichen (ggf. als Abhangdecken ausgeführt).

    Die hochwärmegedämmte Fassadenkonstruktion besteht aus Sichtbetonfertigteilen (Weißbeton) und Holz-Aluminiumkonstruktion in Pfosten/Riegelbauweise (3-fach Verglasung). Die Glasflächen sind mit außenliegendem Lamellenraffstore als Sonnenschutz und innenliegendes Stoffrollo als Blendschutz ausgestattet.


    Erweiterbarkeit

    Die Anbindung eines weiteren Baukörpers an den zentralen Erschließungsbereich kann im Erdgeschoss und 1.Obergeschoss des Neubaus mit geringfügigen Eingriffen in die Baustruktur erfolgen.


    Energiekonzept

    Um die Anforderungen aus der Auslobung für CO2 neutrale Neubauten des Landes Hessen einhalten zu können, soll der Primärenergiebedarf die Anforderung auf der EnEV 2009 um min. 30% (Im Rahmen der Auslobung um 50%) unterschreiten. Für die Wärmeenergie sehen wir einen Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Gießen vor. Der Primärenergiefaktor fPE liegt bei 0,58. Die Energie stammt zu min. 50% aus einer Kombination aus Erneuerbaren Energien, Abwärme und KWK-Anlagen. Die Beheizung der Räume erfolgt durch Heizflächen an den Außenbauteilen des Gebäudes die im Kühlfall zur energetischen Optimierung verriegelt werden.
    Um den Anteil der maschinellen, Kompressor gestützten Kälteerzeugung so gering wie möglich zu halten wird zur Kühlung des Hörsaals und der großen Seminarräume die Zuluft mittels adiabater Kälteerzeugung für ca. 65% der Nutzungszeit bereitgestellt. Zur Befeuchtung der Luft wird das in einer Zisterne gespeicherte Regenwasser aufbereitet. Die geplante maschinelle Kälteerzeugung deckt nur die Spitzenlast der Lufttechnik sowie die Kälteleistung der Bauteilaktivierung ab. Die maschinelle Zu- und Abluftanlage für die o.g. Bereiche ist mit 45 m³/h/Pers ausgelegt und deckt somit den min. Außenluftanteil nach DIN EN 13779. Die kleineren Seminarräume (< ca. 80qm) werden natürlich be- und entlüftet und erhalten für die sommerliche Behaglichkeit eine Betondeckenkühlung.
    Die sanitären Einrichtungen werden zentral nur mit Trinkwasser kalt versorgt. Das benötigte Leitungsnetz wird nach den aktuellen Hygienerichtlinien geschleift verlegt und am Ende der Leitung zwangsgespült. Das benötigte Warmwasser wird dezentral an den jeweiligen Zapfstellen mittels Elektrodurchlauferhitzern bereitgestellt. Das in der Zisterne gespeicherte Regenwasser wird als Grauwasser für die Spülungen der WC- und Urinal Anlagen sowie zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt.
    Die Entwässerung des Gebäudes erfolgt nach DIN 1986 – 100; 2008 im Trennsystem und wird über Anschlüsse an die öffentliche Kanalisation abgeleitet. In der Regenentwässerung ist eine Zisterne zur Regenwassernutzung vorgesehen.
    Die Energieversorgung Elektro erfolgt über eine Mittelspannungsleitung des EVU. Das Gebäude erhält eine Mittelspannungsanlage. Über die Niederspannungshauptverteilung im 2.UG werden die einzelnen Elektrounterverteilungen in den Etagen versorgt.
    Es ist eine energieeffiziente Beleuchtung mit Beleuchtungsstärken nach Vorgabe der EN 12464-1 vorgesehen. Die Schaltung der Beleuchtung erfolgt automatisch über Bewegungsmelder und in Teilbereichen über tageslichtabhängige Steuerung.
    Folgende Sicherheitstechnische Anlagen sind vorgesehen: Sicherheitsbeleuchtung in notwenigen Fluren und Treppenhäusern, automatische Brandmeldeanlage und ELA Anlage.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.