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  • DE Karlsruhe
  • 01/2003
  • Ergebnis
  • (ID 2-3068)

Karlsruhe Knielingen, Konversionsfläche


  • 1. Preis

    KONZEPT

    Landschafts- / Umweltplaner
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: rosenstiel architekten, Freiburg im Breisgau (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Gesamtkonzept

    Die Konversion des Kasernenareals in Knielingen eröffnet dem Karlsruher Stadtteil neue Chancen für eine großzügige Durchgrünung und Durchlüftung des Siedlungskörpers. Langfristig, nach Freigabe des Bundeswehrgeländes und der Durchführung der Eckensteiner Strasse, ist eine breite Anbindung an das Tiefgestade des Rheins möglich. Dann könnten, nördlich der Eckensteiner Strasse, auf dem Hochgestade, weitere attraktive Wohngebiete entstehen. Die einzelnen Quartiere sollten durch Grünzäsuren gegliedert sein, um die öffentliche Verbindung vom neuen Grünzug ins Tiefgestade zu gewährleisten. Von dort sind Verbindungen nach Neureut, zur Alb, zum Knielinger See und zum Rhein gegeben. Kurzfristig sollten diese Verbindungen nördlich und südlich des Militärgeländes durchgeführt werden.

    In Querrichtung, zum neuen Grünzug, entwickelt sich ein Band mit öffentlich orientierten Einrichtungen, an der Sudetenstrasse beginnend mit dem Zentrum der öffentlichen Nahversorgung um einen verkehrsfreien Platz. Parallel zum sogenannten „Öffentlichen Band“ führt die Haupterschließung als Allee in die Tiefe des neuen Quartiers.

    Es ist Aufgabe der Planung, sich in die Atmosphäre des Ortes einzufühlen. Mit einer neuen eigenständigen städtebaulichen Struktur, wird der beliebig anmutenden Bebauung ein neuer Angelpunkt verliehen. Es werden nicht nur neue Baufelder erschlossen, sondern auch zentrale Einrichtungen integriert. Bei der Konzeption der Wohngebiete werden klar definierte Straßenräume und Hofbereiche entstehen, während im „Öffentlichen Band“ die Solitäre eigenständige Baukörper formulieren können. Dieses dialektische Spiel von Geschlossenheit und Öffnung zur Umgebung ist Grundgedanke der Planung.
    Wohnen

    Beidseitig des neuen Grünzuges, zwischen Pionierstrasse und neuer Allee, entwickeln sich zwei Wohngebiete. Das eine zur Sudetenstrasse mit zwei Baustreifen, das andere zur Eckensteiner Strasse mit drei Baustreifen. Die Mitte jedes Wohngebietes wird durch einen öffentlichen Platz bestimmt. Es ist städtebauliches Ziel, die Wohnwege räumlich zu fassen, im Kontrast dazu die Gartenhofbereiche als durchgrünte Freiräume auszuweisen (siehe Hierarchie der Erschließung).

    Jeder Wohnhof hat andere Proportionen und unterschiedliche Nachbarschaften (Öffentlicher Platz, Grünzug, Geschossbebauung oder Altbebauung an der Pionierstrasse).

    Die Grundstückstiefe mit ca.35m ermöglicht eine flexible städtebauliche Struktur, vom Einzelhaus über Doppelhäuser, Kettenhausbebauung, Gartenhofhäuser, Reihenhäuser, Stadthäuser mit Baugruppen bis zum Geschosswohnungsbau. Dabei ist es beabsichtigt, mit den Geschoßwohungen an der Sudetenstrasse und auf der Südseite der Haupterschließungsallee mit einer raumbildenden Kante das Wohngebiet räumlich zu fassen.


    Parkierung

    Die Parkierung im Wohngebiet ist grundsätzlich vor dem Haus als offener Stellplatz, Carport oder Holzkiste als Garage. Im Geschosswohnungsbau sind die Stellplätze in Tiefgaragen vorgesehen.
    Die öffentlichen Stellplätze sind in den Wohnwegen unter Bäumen als Längsparker konzipiert. Wegen der Grundstückszufahrten können sie nur abschnittsweise und teilweise alternierend ausgewiesen werden. Dies verhindert gleichzeitig die Massierung von Stellplätzen.


    Nahversorgung und Gemeinbedarf

    Das „Öffentliche Band“ mit Nahversorgung, Gemeinbedarf und den beiden Wohnheimen, entwickelt sich von der Sudetenstrasse zur Eckensteiner Strasse. Ecke Sudetenstrasse-Anweiler Strasse, Neue Allee liegt das Zentrum der Nahversorung für Knielingen-Nord.

    Ein durch Baukörper gefasster öffentlicher und verkehrsfreier Platz entwickelt eine neue Mitte an der Sudetenstrasse. Es ist städtebauliche Vorstellung, ein attraktiv gestalteten Platz mit Freisitzflächen als Treffpunkt und Kommunikationszentrum auszuweisen. In den beiden mehrgeschossigen Gebäuden des Zentrums werden im Erdgeschoß, in den Obergeschossen Dienstleistung (Ärzte, Fitness, Büro usw.) und kleinere Wohnungen vorgeschlagen. Der Lebensmittelmarkt kann ein- bis zweigeschossig gebaut werden. Seine Anlieferung erfolgt direkt von der Sudetenstrasse. Die Parkierung mit direktem Zugang zu den Läden kann umschichtig für die Besucher der Kirche und des Stadtteilzentrum im Kasino oder des Jugendzentrum mitbenutzt werden.




    Die Grundschule mit Sporthalle liegt südwestlich des Kasinogeländes. Die Schule ist als einhüftige Anlage mit verglasten Flurbereichen zum Kasino konzipiert. Der Zwischenraum kann als Pausenhof genutzt werden. Im Anschluss an die Turnhalle könnte in zentraler Lage ein neues Holz-Blockheizkraftwerk für die Nahwärmeversorgung vorgeschlagen werden.

    Nach der alten Baumgruppe folgen weiter nördlich der Kindergarten, das Seniorenwohnheim mit Therapiezentrum und das Behindertenwohnheim mit Werkstätten. Das geplante „Öffentliche Band“ ist der Allgemeinheit frei zugänglich. Die Grundstücke der Einrichtung liegen inselartig in der Bandstruktur.


    Gemischte Bauflächen

    Beidseitig der Haupterschließungsallee und nördlich des SB-Marktes liegen Mischbauflächen. In diesen Grundstücken werden Bauformen vorgeschlagen, die sich für kombinierte Nutzungen, beispielsweise Läden, Dienstleistung und Wohnen, Behindertenwohnen und Werkstätten, Seniorenwohnen und Therapiezentrum, Büronutzung, Wohnen und Arbeiten umsetzen lassen. Die Lage an der Haupterschließungsallee mit Straßenbahn oder zum zentralen Grünbereich ist höchst attraktiv für dieses Nutzungsspektrum. Die Mischbereiche sind immer getrennt erschlossen, so dass wenig Einschränkung durch benachbarte Einrichtungen, wie Ladenzentrum oder Gewerbe zu erwarten sind. Von der Erschließungsstrasse nördlich des Ladenzentrums, getrennt von dessen Parkierung, wird neben den Mischflächen, die Kirche, das Stadtteilzentrum im Kasino und die Grundschule angefahren.


    Gewerbeflächen

    Die Gewerbeflächen werden separat erschlossen. Wenn möglich sollten sie an die Eckensteiner Strasse, zum Beispiel im Osten bei der Wache des Militärgeländes, angeschlossen werden. Entlang der Sudetenstrasse wird auch für die Gewerbebauten eine Bauflucht als städtebauliche Zielsetzung auf der Nordseite der Sudetenstrasse vorgeschlagen. Im Gebiet liegen die Erschließungsstrassen etwa mittig in den zu erschließenden Geländestreifen, um eine möglichst variable Parzellierung von größeren und kleineren Grundstücken (gefordert ca. 1000qm) zu ermöglichen. Auch in der Gewerbestrasse wird ein gestalteter Straßenraum und eine klare räumliche Fassung des Raumes durch die Geschoßbauten und Hallen angestrebt.


    Grün- und Freiflächen

    Der hohe Anteil von öffentlichen Grün- und Freiflächen wertet den gesamten Stadtteil Knielingen auf (siehe Schwarzplan). Das im Keil von B10, B36 und den Bahntrassen liegende Knielingen öffnet sich damit zum Tiefgestade. Zugleich hilft der in die Tiefe der Siedlungsstruktur geführte Grünkeil, der in der Hauptwindrichtung liegt, bei der Durchlüftung des Stadtteils. Er trägt damit massiv zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

    Es wird vorgeschlagen, durch die Grünflächen und das „Öffentliche Band“ verkehrsfreie Spazier- und Radwege zu führen. Im Park, direkt neben dem Sportplatz, ist heute ein Höhensprung vorhanden, diese morphologische Besonderheit sollte möglichst erhalten bleiben sollte. Die neue Parkfläche wird möglichst zurückhaltend durch Bäume, Wiese, Wege und freie Spielflächen spielerisch gestaltet. Im gesamten Plangebiet wird der vorhandene Baumbestand in den öffentlichen und in den privaten Flächen und selbstverständlich auch in den Parkflächen so weit wie möglich erhalten. Dies ist als identitätsstiftende Maßnahme zu verstehen. Im Park wird zusätzlich eine dichte Randbepflanzung im Norden und Süden ausgewiesen. Die Hauptwindrichtung bleibt damit frei.

    Alle Nord-Ost, Süd-West orientierten Wohnwege werden mit Bäumen bepflanzt, jede Strasse mit einer anderen Baumart. Die kurzen Querwege sollen mit Rasenpflaster belegt sein, während die langen Wohnwege mittig einen ca.4m asphaltierten Streifen (Inliner, Skateboard) ausgewiesen haben. Die 2m breiten Randstreifen (teilweise mit Längsparkern) werden gepflastert vorgeschlagen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auszug aus der Preisgerichtsbeurteilung

    Mit verblüffender Klarheit, Souveränität und Selbstverständlichkeit fügt sich die vorgeschlagenen städtebauliche Neuordnung des Konversionsareals in die ortstypische umgebende Siedlungsstruktur .
    Die übergebietlichen Erschließungsmuster und Quartiersgliederungen werden in der gewählten Dimensionierung und Nutzungszonierung zu einem harmonischen Siedlungskörper vollendet. Ein öffentliches Freiraumkreuz – gebildet durch den zentralen Grünraum und das Nutzungsband der Versorgungs- und Sozialeinrichtungen – bildet ein orientierungsleichtes, starkes baulich-räumliches Rückgrat und stellt Bezüge in alle Umgebungsrichtungen her.
    Die öffentlichen Einrichtungen entlang der inneren Haupterschließung mit Stadtbahntrasse bilden eine in der Lage richtige Nutzungskonzentration im Übergang von Wohnquartieren und Misch- bzw. Gewerbebereichen.
    Die Zonierung der einzelnen Nutzungsbereiche und deren Erschließung entspricht in einer orientierungsleichten und funktional abgestimmten Weise den vorgegebenen Grundlagen und wird durch die alternative Wahl der Stadtbahntrasse noch optimiert.
    Das nördliche Gewerbequartier ist durch die vorgeschlagene innere Strasse übererschlossen und damit zu klein parzelliert.
    Mit einem ebenso klaren wie entwicklungsoffenen städtebaulichen Grundkonzept bietet die Arbeit einen sehr guten Lösungsansatz für die gestellte Aufgabe.