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  • DE-81245 München
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-96532)

Paul-Gerhardt-Allee


  • Anerkennung


    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: relais Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)
    Bauphysiker: ebök Planung und Entwicklung GmbH, Tübingen (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee: Das neue Quartier an der Paul-Gerhardt-Allee soll in Schritten wachsen und den zukünftigen Bewohnern innerhalb des gewerblich vorgeprägten Umfelds von Anbeginn Identität vermitteln. Dies wird gelingen über eine synergetische Verbindung von urbanen und gartenstädtischen Elementen, die in ein stabiles städtebauliches Gerüst zusammengefasst werden, das in jeder Realisierungsstufe Daseinsvorsorge, funktionsfähige Nachbarschaften und Wohnatmosphäre garantiert. Strategische Bausteine des Entwurfs sind:
    • die großräumige Vernetzung mit dem Stadtteilzentrum Pasing, den benachbarten Landschafträumen und Parks sowie über Bahnflächen und Hauptbahnhof mit der Innenstadt
    • die Gliederung in überschaubare Nachbarschaften, die sich um Plätze gruppieren und mit einer präzisen Trennung von öffentlichen und privaten Räumen allen Bewohnern ruhiges Wohnen mit geschützten Freiräumen bieten
    • eine Vielfalt der Wohnformen, Bautypologien und Freiräume, die in allen Nachbarschaften eine soziale Mischung garantiert.

    Urbanes Netz: Mit der Entscheidung, Quartierszentrum und Schule bereits zu Beginn östlich der Paul-Gerhardt-Allee zu realisieren, entsteht schon in der Anfangsphase ein städtebauliches Gelenk, auf das sich Bestands- und Neubaugebiet gemeinsam beziehen. Von dieser neuen Mitte ausgehend entwickeln sich hochwertige Freiraumbezüge – gestärkt werden mehrere Relationen: nach Norden zum Würmgrünzug, nach Westen zum Zentrum Pasing und nach Osten zum Schlosspark Nymphenburg. Das Rad- und Fußwegekonzept der Zentralen Bahnflächen München wird durchgebunden – von Pasing über das Planungsgebiet „Paul-Gerhardt-Allee“ bis hin zum Hauptbahnhof München. Die vorgeschlagenen, Identität stiftenden Sonderbausteine – das Quartierszentrum im Gelenk Nusselstraße/Paul-Gerhardt-Allee, die zum Energie- und Kreativzentrum aufgewertete Eggenfabrik (Baudenkmal), das Belvedere-Hochhaus im Park und der Lofthof im Norden – beziehen sich auf das Grünsystem und markieren seine Abschnitte.

    Städtebauliches Gerüst: Der Entwurf formuliert eine präzise Ortskante nach Süden und Osten, die mit den Sonderbausteinen akzentuiert wird. An der Schnittstelle von Promenade und Gleispark, am Endpunkt der neuen Brücke für Fußgänger und Radfahrer öffnen sich die Baufelder Richtung Nymphenburger Schlosspark. Körnung und Morphologie der westlich der Paul-Gerhardt-Allee liegenden Bestandsgebiete werden aufgenommen und neu interpretiert. Die Höhenentwicklung ist drei- bis viergeschossig; eine Ausnahme bilden die Sonderbausteine.
    In den Teilgebieten des Quartiers variiert der Zuschnitt der Baufelder: Im südlichen Planungsgebiet werden „liegende“, ost-west-orientierte Formate und im nördlichen Planungsgebiet „stehende“, nord-süd-orientierte Formate gewählt. Alle Wohnungen verfügen über Gärten, Loggien bzw. Dachterrassen als privaten Außenraum. Geschlossene Raumkanten rahmen die Quartiers- und Nachbarschaftsplätze und schützen vor Emissionen; eine Membran aus Punkthäusern sorgt am Quartierspark für eine besondere Adresse.

    Vielfalt der Nachbarschaften: Die vorgeschlagene Baustruktur setzt auf die Verbindung unterschiedlicher Typologien und Atmosphären. Auf den Baufeldern ist der klassische Geschosswohnungsbau der Münchener Wohnungsbauträger ebenso möglich wie das Bauen auf der Parzelle von mittelständischen Bauherren – seien es Einzelbauherren, Baugruppen oder kleine Genossenschaften. Zwei- und Mehrspänner, Ganghäuser oder Stadtvillen. Das individuelle Stadthaus mit integrierter Gewerbeeinheit wäre ebenfalls möglich, soll aber nicht im Vordergrund stehen. Der modulare Aufbau des Entwurfs kann im Verlauf der Realisierung des Quartiers auf veränderte Anforderungen und Nachfragen reagieren. An den Nachbarschaftsplätzen ist Raum für dezentrale Angebote (Bäcker, Kiosk, Bistro). Als Ergebnis erwarten wir ein funktional, sozial und architektonisch vielfältiges Quartier. Die den einzelnen Teilgebieten zugeordneten Sonderbausteine nehmen besondere Nutzungen auf: der Wohnturm Bevedere Service-Wohnungen mit Blick auf den Schlosspark Nymphenburg, das Quartierszentrum an der Paul-Gerhardt-Allee Läden, Dienstleistungen und Wohnen in den Obergeschossen, der Lofthof im Norden des Quartiers eine Verbindung von Wohnen und Büros und schließlich das Energie- und Kreativzentrum Beratungseinrichtungen und Ateliers.

    Landschaft: Der gartenstädtische Charakter des Gebiets entsteht aus einem gestuften Freiraumsystem: Die parkartige Grünverbindung entlang der Bahnlinie rahmt das neue Quartier und verbindet sich mit der in West-Ost-Richtung verlaufenden Promenade – beginnend am Quartiersplatz begleitet die Promenade den Schulstandort und findet am Hochhaus Belvedere nördlich der Jugendspielfläche ihren Abschluss. Seine Prägung erhält der Freiraum – ökologisch – über eine Synthese aus naturnahen Entwicklungsräumen und intensiven Freizeitnutzungen (Jugendspielfläche) und – landschaftsarchitektonisch – dem Erhalt der Schotterkörper der Gleisanlagen als magere Vegetationsstandorte und der Integration von Spuren der Vornutzung. Mit einer topografischen Ausformulierung gegenüber der Bahnlinie wird der bahnparallele Freiraum zur besonnten Landschaftsskulptur, die den Lärmeintrag in das Quartier deutlich reduziert.
    Interne Wohnumfeldqualität verbindet sich auf diese Weise mit den übergeordneten ökologischen Aufgaben der Trocken- und Heidelebensräume im Münchner Raum.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.