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  • DE-22767 Hamburg
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-94306)

Hamburger Deckel - Abschnitt Altona, "Gut bedacht 2.0"


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Machleidt GmbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mitarbeit:

    Sumika Aizawa, Stephanie Braconnier, Elena Emmerich, Sophie Holz, Maja van der Laan, Frederike Müller, Christoph Schimetzky

    Gartenpark und Feldmark

    Idee
    Mit dem Bau der A7 wurde die Bahrenfelder Feldmark zerstört. Mit der Überdeckelung kehrt das Erleben von Landschaft in die Stadt zurück. Die neue Landschaftsfuge lebt dabei vom Spannungsverhältnis zwischen lebhaft gegliederten Gartenparks an den Köpfen und einem großzügigen Wiesenraum im Zentrum.

    Die Rückkehr der Bahrenfelder Feldmark:
    Der Deckel wird von einem diagonalen Beziehungsgeflecht überspannt: die Lutherhöhe zwischen Kirche und neuer Stadtkante, die Bahrenfelder Chaussee mit dem gründerzeitlichen Fabrikensemble und der neu interpretierte Bahrenfelder Marktplatz bilden Identitätsorte, städtische Merkzeichen und damit die Ankerpunkte in einem System von Blickbeziehungen. Sie beschreiben den offenen Kernbereich des Freiraumbandes auf dem Deckel. Die Aktivierung und das Erleben dieses Raums erfolgt von den Rändern aus. Das Zentrum steht für die freie Aneignung zur Verfügung. Das Raumbild ist geprägt von den markanten und blockhaften Gehölzkulissen von Bonnepark und Lutherpark. Diese werden als historische Parkinlays auch in ihren geschwungenen „langsamen“ Wegeführungen und dem pittoresken Baumbestand bestandsorientiert entwickelt und in ihrer Eigenart herauspräpariert. Sie sind eingebunden in ein landschaftliches Gefüge größeren Maßstabs das von „schnellen“, vernetzenden Beziehungen und klaren Raumkanten lebt. Die Lutherkirche als herausragende Dominante wird als Blickpunkt nach Westen freigestellt. Der geschlossene Gehölzbestand wird gelichtet. Die Lutherkirche wird zur Kirche auf dem Wiesenhügel.

    New urban Gardening: Die neuen Gartenparks
    In Altona wird mit neuen Formen des Gärtnerns in der Stadt experimentiert. Die neuen Gartenparks im Norden und Süden verstehen sich als öffentliche Parkanlagen mit Gartenfeldern unterschiedlichen Charakters. Neben die klassischen vereinsgebundenen Kleingartenanlage mit Einzelparzellen treten Gemeinschaftsgärten interessierter Bürgergruppen, von Schulen und Kitas, von verschiedener Kulturen. Neben dem klassischen Rückzug ins Private tritt das Erlebnis (und die Erleichterung) gemeinschaftlichen Gärtnerns. In den Gartenparks berühren sich die unterschiedlichen sozialen Sphären des Privaten, der Öffentlichkeit und der vielen Teilöffentlichkeiten. Die Entwicklung dieser Gartentypen ist für die Zukunft offen angelegt. Dies erfordert ein robustes, vernetzendes Parkgerüst mit einigen klaren Erschließungen und räumlichen Setzungen. Dieses Gerüst entwickelt sich pragmatisch aus den Höhenabwicklungen auf dem Deckel in Verbindung mit den städtebaulichen Anknüpfungspunkten. Angestrebt wird ein luftiges Gewebe aus Gartenfeldern, Baumplätzen, Obstwiesen und Offenräumen mit Wieseneinsaaten oder Spielfeldern (auch im Hinblick auf die Deckelaufbauten). Die Bespielung dieses Gewebes mit unterschiedlichen Gartentypen ist prinzipiell offen.

    Verzahnende Stadtkontur
    Die vorgeschlagenen städtebaulichen Kanten im Norden und Süden des Gebiets setzen auf eine intensive Verzahnung des Stadtkörpers mit dem Landschaftsraum. Angestrebt wird nicht eine „Glättung“ der Siedlungsränder sondern eine spannungsreiche Konturierung mit Raumöffnungen und Verengungen und der klaren Ausbildung von Quartiersidentitäten über ihre Lage und Beziehung zum Park. Mit dem Verspringen der Stadtkante entsteht im Westen zudem eine vertikale Verzahnung mit dem Park: Der Parkweg wird zur Stadtstraße, wird zum Parkrandweg. An den Versätzen (wie an der Lutherhöhe) entstehen geschützt Stadtbalkone. Die vorgeschlagenen Baustrukturen greifen die Typologien und Körnungen der geplanten und bestehenden Nachbarschaften auf, verdichten sich jeweils an den Eckbereichen zum Park.

    Seitenwechsel: die Parkbrücke im Bonnepark
    Mit den Neubebauungen am Bonnepark erfolgt eine Klärung der verwaschenen Parkkanten und Übergänge. Die Bebauung an der Silcherstraße im Osten erhält parkseitig eine Ergänzung mit Punkthäusern. Dieses autofreie Quartier wird über die Parkwege erschlossen und bildet eine attraktive Stadtkante zum Park aus. Die Bebauung ist soweit zurückgezogen, dass ein Parksaum in 50m Breite erhalten bleibt. Das städtische Haus am Bahrenfelder Marktplatz 17 wird damit zum Haus im Park und hilft den Eingang in den Park mit öffentlichen Nutzungen (wie Gastronomie, Bürgerhaus, NABU) von Süden zu eröffnen. Auf der Westseite greift eine Kopfbebauung die Baulinien der Ensemble Bahrenfelder Chaussee / Parkdomizil auf und definiert eine maßstabsvermittelnde Parkkante. Der „Seitenwechsel“ des Bonneparks erhält mit diesen baulichen Ergänzungen eine klare Kontur, der Park erhält eine städtisch definierte „Brücke“. Über eine Promenadenspange zwischen Theodor- und Silcherstraße werden die Parkrandstraßen zusammengebunden und mit dem zentralen Freiraum verknüpft. Der neugestaltete Spielplatz an der Silcherstraße bildet den Auftakt dieser freiräumlichen Geste an der Reineckestraße im Osten. Das in den neuen Siedlungen anfallende Regenwasser wird in gestalteten Rasenbändern gesammelt und zur Bewässerung der neuen Gartenparks eingesetzt.

    Neuformatierung eines historischen Orts: Der Bahrenfelder Marktplatz
    Das Einschnüren des Marktplatzes mit Verkehrsbauwerken, die extremen Maßstabssprünge in der benachbarten Bebauung und der topografische Versatz am Osdorfer Weg machen die Entwicklung einer neuen Platzidee erforderlich die sich auch vom historischen Bild löst. Vorgeschlagen wird ein Geschwisterpaar aus Kopfgebäuden im Osten und Westen. Das Gebäude im Westen erhält einen Info-Turm als neues Merkzeichen; das östliche Gebäude nimmt die L-Struktur der südlich angrenzenden Bebauung auf und nimmt über die Geschossigkeit des Kopfes auch Bezug zum Bestand im Osten auf. Das Ensemble wird durch die Platzintarsie und eine Treppenanlage am Osdorfer Weg zusammengespannt. Der Platz ist damit gegenüber der Straßenebene deutlich eingesenkt und erhält als optischer Filter zur Straße eine Reihe von Heckenlamellen die die Diagonalität der vormaligen Platzfigur zurückhaltend aufgreifen. Blickbeziehungen zur nördlichen Platzkante werden neu entwickelt. Freiräumlich lebt der Platz vom Kontrast der strengen Figur mit den erhaltenen Großbäumen. Er ist gestaltet mit einem kleinformatigen Pflasterbelag (enge und offene Fugen ermöglichen partiellen Rasenbewuchs) und wird durch Rasenfelder gegliedert . Der Platz kann so kleinere Gartenoder Flohmärkte aufnehmen ohne im Normalzustand eine überzogene Urbanität auszustrahlen. Den Deckel gestalten: Einbinden und Inszenieren mit Parkelementen Der Hamburger Deckel stellt ein Pionierprojekt dar, das mit seinen Brüchen und Barrieren einerseits flüssig einzubinden ist, sich anderseits aber selbstbewusst als technisches Werk zu erkennen geben sollte. Dies betrifft das Mikrorelief der Faltungen auf dem Deckel selbst, die Geländekanten zur Umgebung und die topografischen Durchdringungen der Ausfahrten und Wartungselemente. - Vorschlag: alle aufgehenden „harten“ Bauwerksteile werden einem klaren Materialduktus unterworfen: reliefgeschalter heller Beton und silbergraue Metallteile.

    - Ein zentraler Promenadenweg bildet das Rückgrat des Parks für Fahrradfahrer und Fußgänger und zeichnet dabei die charakteristische Bogenfigur nach. Er wechselt zwischen den Mittel- oder Randgründungen seine Lage und wird als Ortbetonweg als Teil des Bauwerks interpretiert. Er schwingt leicht erhaben über den Faltungen der Deckeloberfläche (5-30cm) und ermöglicht damit eine barrierefreie Überwindung der Hochpunkte; mittels Aufkantungen wird der Weg gleichzeitig zum multifunktionalen Parkmöbel (Sitzen, Skaten, Balancieren,…);

    - Die barrierefreien Brücken über Osdorfer Weg und Bahrenfelder Chaussee werden in der Anmutung als Teil des Promenadenbandes interpretiert. Treppen binden die Hochpunkte an die gequerten Straßenebenen an.

    - Die Ausfahrten Osdorfer Weg werden mit aufgehenden Wänden hergestellt und nur leicht einmodelliert. Die überdachten Flächen, als Rasenflächen hergestellt und begehbar, ermöglichen Blicke in die Ausfahrten;

    - Vogelkirschenhain: Der Zwischenraum der Ausfahrten am Osdorfer Weg erhält eine raumwirksame Schale aus wilden Vogelkirschen. Die Brücke wird zum Weg durch die Baumkronen: Der Hain bildet den zentralen räumlichen Schirm und verzahnt als lineares Element die Parkteile Gartenpark und Feldmark.

    - Bahrenfelder Terrasse: Die westliche Deckelkante zwischen Parkbrücke und Bahrenfelder Chaussee bildet eine eigenständige Ebene mit Baumplätzen und Spiel- / Sportinseln aus. Sie vermittelt zwischen dem höherliegenden Deckel und dem (privaten) Umfeld mittels einer klaren baulichen Kante. Die Faltung des Deckels wird an dieser Horizontlinie erlebbar. Die Nutzungen der Parkkante aktivieren den offenen Rasenraum
    als Spielraum.

    - Topografien: Während sich die Reliefversätze des Deckels in der Regel durch raumökonomische Böschungen leicht abzeichnen, an der B. Terrasse sogar herausgearbeitet werden, wird der zentrale Wiesenraum vor der Lutherkirche zur weichen Einmodellierung genutzt. Solitärbäume und Gruppen bleiben auf Geländeerhebungen erhalten; Die bestehenden Lärmschutzwände werden abgetragen und zur Verfüllung des Deckels genutzt.

    - Deckelanfang, und Deckelende: die Beobachtung des ein- und ausfahrenden Verkehrs stellt ein spezifisches Parkerlebnis in Altona dar. Im Norden und Süden entstehen Plätze und Balkone um den Blick auf den strömenden Verkehr zu ermöglichen.

    - Biotopverbund: die neue Bahrenfelder Feldmark verknüpft die vorhandenen Biotope und bildet eine wichtige Voraussetzung für die weitere Biotopvernetzung.

    Die Parks vernetzen: Entwicklung und Einbindung des Bestandes
    Mit der Auslegung der Hauptpromenaden in Nord-Süd-Richtung sowie der neuen Ost-West-Beziehungen im Lutherpark und der Parkbrücke Bonnepark als short cuts können die bestehenden Parkwegenetze zu ruhigen Binnensystemen entwickelt werden. Sie werden erneuert ohne ihren Park-Charakter zu verlieren. Die Anbindungen an die Parkränder und Hauptwege sind neu zu ordnen und werden durch Eingangsplätze gestärkt. Der Lutherpark Ost erhält randliche Wege um im Norden eine behutsame bauliche Entwicklung zu ermöglichen oder im Süden bestehende Siedlungsfragmente einzubinden. Der Zugang August-Kirch-Straße und damit an die „Volksparkachse“ wird im Rahmen des Möglichen erweitert und mit einer platzartigen Eingangssituation versehen. Die zweite städtebaulich dominante Beziehung zum Volkspark ist der Holstenkamp. Dieser wird als 30 m breite Parkstraße mit 4 Baumreihen und innen liegendem Boulevard interpretiert. Das Ensemble des Pflegezentrum Bahrenfeld wird Baumpflanzungen mit der Gehölzkulisse des Lutherparks verwoben.
    Die Landschaftsachse im Norden wird am nördlichen Tunnelkopf mit dem Gartenpark verschränkt. Der Kopfplatz leitet auf das verwilderte Schießstandareal über. Ein auf dem Grat eines Walls verlaufener Weg sowie eine barrierefreie Anbindung leiten in den Schulgarten am Volkspark über. Weitere querende Wegebeziehungen werden vermieden, die innere Struktur der Schießwälle erhalten. Die Plateaus im Ostteil des Parks werden mit Spiel- und Sportinseln auf verschiedenen Ebenen behutsam nutzbar und zugänglich gemacht. Die Wall-Graben-Strukturen im Westen bleiben weitgehend unberührt. Eine selbstständige Aneignung ist denkbar. Im Süden korrespondieren die Anknüpfungen des neuen Sportparks Baurstraße mit dem Versatz der Stadtkante im Westen an der Adickesstraße wie auch der südlichen Kopfbebauung an der Bahntrasse. Die Anbindungen enden jeweils in Kopfplätzen. In Richtung Elbe nimmt die Hauptachse nach der (vorgegebenen) Bahnunterquerung die Ausrichtung der vorhandenen Siedlungskante Bossekamp auf und schließt vor der Walderseestraße ab. Neue Rampenanbindungen über die Brücke Behringstraße und die Brückenunterführungen sichern eine barrierefreie

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.