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  • DE-22767 Hamburg
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-94306)

Hamburger Deckel - Abschnitt Altona, "Gut bedacht 2.0"


  • 4. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerko Schröder , Deniz Dizici

    Mitarbeit
    Julia Kattinger, Sebastian Proksch, Friederike Zillmer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: LAVALAND Laura Vahl, Berlin (DE)
    Stadtplaner: bueroKleinekort architecture | urbanism | research, Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    19.000 EUR

    Erläuterungstext
    #
    urbanes netz A7ltona

    Durch den Autobahnbau wurde in Bahrenfeld das gewachsene städtische Gefüge zerschnitten. Die landschaftsarchitektonische Gestaltung der geplanten Deckelfläche über die Autobahn kann eine Chance für den gewachsenen Stadtteil Altona leisten. Unser urbanes Netz A7ltona soll bestehende und Zukünftige Bezüge stärken, neue Orte
    schaffen, und so Atmosphären des alten und neuen Hamburg verbinden. Grundidee des Entwurfsvorschlags ist es, die verschiedenen angrenzenden Strukturen zu fasssen und in Form eines vielfältigen urbanen Netzes zusammenzuführen. Ein feingliedriges aber starkes urbanes Gewebe soll sowohl unterschiedliche Raumcharaktere aus öffentlichen, gemeinschaftlichen und privaten Freiräumen bieten, aber auch bestehende und neue Gebäude, und multifunktionale Straßenräume in sich aufnehmen.

    #Netz und Füllungen
    Es wird ein vielschichtiges, räumliches Bezugsnetz aus Gebäudeausrichtungen, Straßenverbindungen, Freiraumbezügen, Nutzungsanforderungen und technischen Anforderungen des darunter liegenden Deckelbauwerks abgeleitet. Innerhalb dieses Netzes generiert sich die neue Stadt‐Park‐Struktur. Die Art der jeweiligen Füllung/Tönung der Netzstruktur leitet sich aus der Umgebung und den neuen Angeboten ab. Sie enthält extensive, intensive, bestehende und neue Parkbereiche, Spiel‐ und Stadtplätze genauso wie Baufelder, Gebäude und private und öffentliche Nutzgärten. Das urbane Netz A7ltona erhält den Charakter seiner Umgebung, entwickelt darüber hinaus jedoch eine besondere eigenständige räumliche Sprache.

    #Diversität und Dichte
    Das Bezugsnetz materialisiert sich auf unterschiedlichen Ebenen und Intensitäten. Über großräumige Wege‐ und Straßenbezüge, Raumgrenzen und ‐Öffnungen, Flächenstrukturen bis zur feinen Struktur der Kleingärten und Gestaltungselementen wird das Netz abgebildet. In den Bereichen der querenden Straßen verdichtet sich das Netz. Zwischen den Verdichtungen weitet sich das Netz zu großzügigen offenen Räumen auf. Den gesamten Deckelabschnitt betrachtend entsteht so von Nord nach Süd eine Raumfolge mit hoher Diversität aus Kleingartenbereichen im Norden und Süden, großzügigen Parkabschnitten in der Mitte, jeweils untergliedert durch die verdichteten Straßenräume.

    #Bewegungslinien verknüpfen ­ Straßen sind Zentren keine Zäsuren
    Die heutige räumliche Trennung wird durch neue Wegeverbindungen aufgehoben. Dabei steht die Idee im Fokus die Straßen als verdichtete Zentren und belebte multifunktionale urbane Räume auszuprägen und nicht als den störende Zäsuren zu begreifen.
    Entlang der belebten Straßen wächst Bahrenfeld wieder zusammen. Eine Erschließungstypologie aus Park‐Plätzen, Promenade, Verteilern und einem feinen Wegenetz durchzieht das urbane Netz A7ltona.

    #Freiräume – verbinden!
    Durch die Autobahn unterbrochene Grünzüge werden durch das urbane Netz wieder miteinander verbunden. Im Norden wird die Landschaftsachse zum Volkspark hergestellt, der Lutherpark wird durch eine offene Parkfläche wieder verbunden. Durch Auslichtungen wird die Lutherkirche zum Park hin freigestellt. Der Bonnepark wird durch einen neuen Parkabschnitt mit dem Bahrendfelder Seepark zusammengeführt, der durch Auslichtung zum Deckel hin geöffnet wird. Darüber hinaus stellen grüne Fasern die Verknüpfung bis weit in die angrenzenden Quartiere her. Durch die durchlaufende Promenade und begleitende Freiräume wird eine neue vielfältige Parklandschaft vom Volkspark in Richtung Elbe geschaffen.

    Charakterisiert wird diese Landschaft durch eine spezifische Baumtypologie:
    Parkpfeiler - definieren als besondere Bestandsbaumgruppen den Rand.
    Charakterköpfe - ergänzen als freigestellte besondere Einzelgehölze die
    Bestansbaumgruppen.
    Zubringer ‐ Straßenbäume im Bestand und neu angepflanzt führen als großwüchsige
    Alleen von den Quartieren zur Parklandschaft.
    Leitplanken - Vor allem in den Platzbereichen flankieren lineare Baumpflanzungen die
    Parkpromenaden und stellen so Bezüge in Nord‐Südrichtung her.
    Fruchtzwerge ‐ Kleinwüchsige Obstbaumsorten charakterisieren auf und neben dem
    Deckelbauwerk die „Klein(en) Gärten“
    Platz­Halter - definieren als kompakte Baumkörper in Kombination mit
    Schallschutzmauern die urbanen Plätze.

    #Klein(e)Gärten Mix
    Die bestehenden Kleingärten werden auf den Deckelbereich verlagert und in ein Gesamtkonzept von „Klein(en)Gärten“ eingebunden. Ziel ist es eine neue Infrastruktur
    an privaten, gemeinschaftlichen, halböffentlichen und öffentlichen Gartenräumen zu schaffen, die der Kultur des urbanen Gärtnerns neuen Raum gibt. Innerhalb des räumlichen Bezugsnetzes wird in zwei Bereichen am nördlichen und südlichen Ende des Deckelbauwerks eine vielfältige Gartenstruktur entwickelt. Ein Mix aus Gartenparzellen für Individualisten, Gruppengärten für Freundeskreise, Gemeinschaftsgärten für Freizeitgärtner und Kontaktsuchende sowie öffentliche Gartenräume für Passanten charakterisieren diese Parkabschnitte. Die „Kleinen Gärten“ sind durch Hecken gefasst und vor allem durch die Obstbaumarten, den „Frucht‐Zwergen“ geprägt. Die Gärten entwickeln sich vom Rand her und stellen einen Übergang zur neuen Bebauung dar. Neben ruhigen Bereichen sorgen querende Promenaden, Blickschneisen, kleine Wiesen dafür, dass offene und multifunktionale Anlagen entstehen.

    #Städtebauliche Entwicklungsfelder ­ Quartiere verdichten und Vernetzen
    Die begleitenden städtebaulichen Entwicklungsflächen grenzen nicht an, sondern sind Teil des entstehenden urbanen Gewebes – Wie selbstverständlich liegen die verschiedenen Baufelder neben den Freiräumen unterschiedlicher Typen. Die neue städtebauliche Struktur wird einerseits durch ein prägnantes Gerüst des öffentlichen Raumes der die Verbindung zur Landschaft eingeht bestimmt, sowie durch die bestehende Baustruktur und ihrer klaren Definition einzelner Baumassen und Räume. Die Bebauung der Quartiere „schiebt“ sich an den Park. Die Räume zwischen den Gebäuden sind einerseits räumlich Teil des Parks und öffnen sich zu diesem, andererseits bilden sie die privaten und halböffentlichen Räume für die Bewohner, vergleichbar mit denen eines klassischen städtischen Blocks. So ergibt sich eine horizontale Verschiebung der konventionellen Schichtung, der „Blockinnenraum“ wird Teil der Landschaft – wird ein „innerer Außenraum.“
    Diese internen Gärten und Plätze der Baufelder sind zwar Sphären des öffentlichen Raumkontinuums des Parks, aber privater Außenraum mit zum Teil halböffentlichem Charakter. Die Baustrukturen bilden klare Kanten zum inneren öffentlichen Raum der Gassen und lassen diese als qualitätvolle städtische Räume erfahrbar werden. Sie erzeugen Identifikation durch die direkte Zuordnung und stärken Ihrerseits die Ausrichtung des städtischen Wohnens im Grünen. Vorne die Stadt und hinten der Park. Die Baufelder sind so dimensioniert, dass eine vielfältige Bebauung in Zeilen, Solitären und im offenen Block denkbar ist und ein vitaler Wohnungsmix und eine große Nutzervielfalt aufgenommen werden kann. Sie sind flexibel, in zeitlichen Stufen zu entwickeln und können je unterschiedlich ausgeformt werden – architektonisch wie auch in der Gestaltung der Freiräume. Die Mischung aus drei‐ bis fünfgeschossigem Wohnungsbau, Punkthäusern und gestapelten Reihenhäusern erzeugt in der Variation der Grundrisse vielfältige Wohnformen – Eigentumsorientiert als auch zur Miete. Diese Variationsoffenheit erzeugt die planerische Sicherheit für eine zielgerichtete als auch marktorientierte Entwicklung der einzelnen Quartiere.

    #Neue Mitte Bahrenfelder Markt
    Der heutige „Marktplatz“ wird auf den Deckel verlegt und dort als neues verbindendes
    Element für beide Stadtteilseiten interpretiert und bindet den Straßenraum mit ein. Der Platz wird definiert durch die an den westlichen Rand gelegte Fußgängerbrücke, unter die im offenen Bodenbereich zwischen Deckelbauwerk und A7Ausfahrt kleine Bauwerke (Café, WC, Bürgersaal...) integriert werden. Nördlich und Südlich begrenzen Baumkörper und architektonische (Schallschutz‐) Mauern den Platz. Der östliche Teil des Bahrenfelder Marktes wird mit einer kompakten Bebauung versehen, die aus unterschiedlich hohen Volumen zusammen mit dem Bestand einen offenen Blockrand bildet. Die neue Bebauung auf der ehemaligen Spielplatzfläche bindet den Freiraum ein und differenziert ihn räumlich nach seiner bestehenden Widmung in Marktplatz und Park. Der Baukörper endet mit einem prägnanten Solitär als neue Adresse.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf schlägt eine fast durchgehend mittige Erschließung vor, die zwischen Lutherhöhe und Bahrenfelder Markt ausschließlich durch öffentliche GrünflaÅNchen führt. Nördlich des Kielkamps wird der Grünzug beidseitig von neuen Wohnanlagen gesäumt, denen Kleingärten vorgelagert sind, welche nördlich des Holstenkamps in 2 Ost-West-Spangen über die gesamte Breite des Grünzugs gelegt werden. Nach dem selben Grundsatz verfährt der Entwurf im Abschnitt südlich der Siedlung an der Lyserstraße und nördlich der S-Bahn. Westlich dieses Abschnitts wird auf bisherigen Kleingartenflächen eine zeilenförmige Wohnbebauung vorgeschlagen, der wiederum Kleingärten vorgelagert sind. Die zentrale Grünanlage Lutherhöhe ist auch in Details - wie insbesondere der Freistellung der Kirche hin zum Grünzug – gut gelöst.